Neu hier? Werde gleich Mitglied! Lies hier über die Vorteile.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

Bequem mit Facebook einloggen:

facebook login

Jasmin Ramada: Kapitalismus und Hautkrankheiten

Dieses Buch ist lustig, wahr und verstörend. Eine ideale Mischung für mich, wie sich herausstellte. Teresa ist eine Schauspielerin, nicht besonders clever, aber hübsch und wütend genug, um aufzufallen. In der Kindheit erfuhr sie wie wertvoll Ideologien sind, manchmal wertvoller als Kindesglück. Aus ihr gemacht hat das - mit Verlaub - einen rastlosen, unzufriedenen Egomanen. Immer wenn sie über diffus-unangenehme Erinnerungen stolpert, wird sie von einer Schleimschicht überzogen, die freilich nur sie sehen kann. Abhilfe sorgt sie, - ganz klar- indem sie sich anonymen Sex hingibt und emotional verschließt.

Ihr Zwillingsbruder Ture ist der einzige Mensch, dem sie ihre Verletzlichkeit und Zweifel zeigt, leider mit einer Inbrunst, dass es diesen überfordert. Ture ist der penible, organisierte Geschwisterteil. Er verdient als Sprecher sein Geld, ansonsten trainiert er seinen Körper und "hält" sich eine Wespe, die, soviel sei verraten, Auslöser einer Katastrophe sowie den tragischen Tod finden wird.

"Kapitalismus und Hautkrankheiten" ist eigentlich ein Buchtitel. Zieren soll er das Werk von Teresas misanthropischen Vater Dietrich, der sich manisch seiner Schreibertätigkeit widmet. Der Buchumfang ist bereits beträchtlich und doch findet er keinen Abschluss. Er, der in seinem goldenen Käfig sitzt und keinen Absprung schafft aus einer Ehe, aus der finanziellen Abhängigkeit. Bärbel, Teresas Mutter, süchtig nach permanenter Aufmerksamkeit, sehnt sich nach wie vor nach dem Ehemann, der sich im Dachgeschosszimmer hinter einer Mission und der Schreibmaschine verbirgt und von ihrem Geld lebt.

Die beiden waren einst ambitionierte Weltverbesserer, heute sind sie zu konsumorientierten Egoisten verkommen. Trotzdem bleiben beide da, wo sie sind, aus Bequemlichkeit der eine, aus Hoffnung die andere.
Kapitalismus und Hautkrankheiten lässt die skurrilen Personen wie sie sind, sie machen keine Läuterung durch, sie sind als Familie miteinander verwoben, obwohl sich einer immer irgendwie davon stehlen möchte. Lesenswert!

von Jasmin Ramada
gebunden mit Schutzumschlag
218 Seiten
ISBN: 978-3-608-50121-6
Verlag Tropen
Klett-Cotta

Artikel Teilen


Artikel bewerten
5 Sterne (2 Bewertungen)

Nutze die Sterne, um eine Bewertung abzugeben:

Themen > Leben > Literatur > Gern Gelesenes aus der Feierabend-Redaktion > Jasmin Ramada: Kapitalismus und Hautkrankheiten