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1958 mit Violetta

Es ist eine wunderschöne Sommernacht. Wir gehen durch unseren geliebten Schillerpark in Berlin Reinickendorf. Der Jasmin duftet betäubend süß. Der Mond scheint durch die Parkbäume. In einiger Entfernung klingt leise Musik des nahen Straßenfestes zu uns herüber.

Violetta und ich gehen schweigend Hand in Hand, einen etwas ansteigenden Weg der von Büschen gesäumt ist entlang. Wir sind in unseren Gedanken versunken. Ich atme die warme Luft ein und bin mir des Augenblickes bewusst, der über unser weiteres Leben entscheiden wird.

Schon seit einigen Tagen hatte ich den Eindruck, dass etwas Entscheidendes auf mich zukommt. Unausgesprochen stand die Frage zwischen uns, wie es mit unserer Liebe weiter gehen soll.

Vor meinem geistigen Auge ließ ich die gemeinsame Zeit an mir vorüberziehen. Ich habe mein Mädchen in einer Gruppe junger Leute, die in der Bristolstraße Federball spielten, kennen gelernt. Einer Gruppe von jungen Menschen, die aus gutbürgerlichen Familien stammten. Familien, um die ich sie beneidete. Ich lebte zu dieser Zeit in dem nahen Jugendheim und habe eine Familie, in der ich mich sicher und geborgen fühlen konnte, niemals erlebt. In meiner Kindheit gab es keinen Vater, dem ich meine Nöte und Ängste mitteilen konnte. Meine Stiefgeschwister ließen mich ständig fühlen, dass ich ein Außenseiter war und nicht zu ihnen gehörte. Es waren vier und ich fühlte mich sehr früh als das fünfte Rad am Wagen. Ich hatte, wie ich sicher wusste, ein Recht auf Anerkennung, Liebe und Zuneigung. Dies waren aber in meinem Umfeld Begriffe die völlig unbekannt waren. Ich erinnere mich daran, dass ich fast täglich mit einem brennenden Schmerz in der Magengegend herumlief. Ein schwerer Stein lag mir ständig auf der Seele, der schwerer wurde je näher ich unserem Zuhause kam. Dieses Gefühl wurde durch die Ungewissheit ausgelöst, was heute wohl wieder Schreckliches passieren würde. Wusste ich um den Leitsatz meiner Mutter, wenn es um Bestrafung ging (Schade um jeden Schlag der vorbeigeht).
Es kam ständig vor das ich mich für etwas verantworten musste an dem ich unschuldig war. Es ist unmöglich, sich gegen Falschaussagen von vier Menschen zu behaupten, die wissentlich die Unwahrheit sagen. Dieses dumpfe Gefühl der Hilflosigkeit begleitete mich mehr als die Hälfte meines Lebens.

Jetzt, an der Seite meiner geliebten Violetta empfinde ich dieses Gefühl wieder übermächtig. Wir halten an und umarmen uns. Ich fühle ihre kühlen Lippen auf meinen und bin in meiner Liebe zu ihr gefangen. Ich spüre die Wärme ihres Körpers durch das leichte Sommerkleid und ein unstillbares Verlangen nach diesem Körper durchströmt mich. Wir kennen uns fast zwei Jahre und es hat zwischen uns nie sexuelle Kontakte gegeben. Der Unterschied unserer Herkunft und die Unmöglichkeit einer gemeinsamen Zukunft hat in ihr, die die Vernünftigere und Realistischere war, immer die Oberhand behalten.

Mein Gefühl täuschte mich nicht. Sie teilte mir mit, dass unsere Beziehung enden muss. Sie würde demnächst einen anderen heiraten!

Es dauerte lange, den Trennungsschmerz zu überwinden. Vergessen konnte ich sie nie.

Diese Frau begleitete mich mein gesamtes Leben und wird es wohl bis ans Ende meiner Tage tun. Ich bin dankbar, dass ich sie kennenlernen durfte...

Autor: Grunewaldturm

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