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Der Renteneintritt: eine Herausforderung für die Beziehung

Morgens einfach ausschlafen. Die nervige Kollegin nicht mehr jeden Tag über ihre ach so tollen Enkel prahlen hören. Komplett frei über die eigene Zeit bestimmen können, endlich die Möglichkeit für Hobbys und Reisen haben. Mit dem Eintritt in die Rente sind viele Erwartungen verknüpft und der Gedanke an diese Zeit fühlt sich manchmal wie ein Silberstreif am Horizont des Arbeitslebens an. Doch dieser Lebensabschnitt stellt eine extreme Zäsur im Leben dar, die Paare vor große Herausforderungen stellt und belastend sein kann.

Älteres Paar beim Streiten

Der Umgang mit der Zeit

Die meisten Menschen haben in ihrem Leben feste Rhythmen und Zeiten. Das Weckerklingeln, der Gang ins Bad, Essenszeiten und auch die Freizeit sind mehr oder weniger fest getaktet – und zumindest unter der Woche nach der Arbeit ausgerichtet. Das fällt mit dem Ruhestand schlagartig weg und damit kann es sich anfühlen, als würde der komplette Rahmen fehlen. Der Mensch braucht Strukturen. Gleichzeitig verbringt man nun mehr Zeit als je zuvor mit dem Partner, vor allem dann, wenn der andere bereits ebenfalls in Rente ist. Unter Umständen merkt man nun, dass man sich nicht mehr so viel zu sagen hat oder sich fremd geworden ist.

Lösungsansatz: Wer merkt, dass die Struktur fehlt, sollte sich selbst eine schaffen. Bestimmte Gewohnheiten, wie das Duschen morgens, können zu einem Signal für den Start in einen aktiven Tag werden, ebenso wie fixe Termine Halt geben. Das kann ein Spieleabend sein oder ein tägliches gemeinsames Kaffeetrinken. Wichtig ist es, diese mit dem Partner abzusprechen und zu schauen, wie viel freie Zeit und wie viel “Rahmen” für beide funktionieren.

Was meins ist, ist auch Deins?

Paar in der Küche beim Streiten

Der Alltag einer Beziehung spielt sich über Jahre und Jahrzehnte ein. Der eine Partner ist zuständig für das Kochen, der andere ist eher derjenige, der sich um die Rechnungen kümmert, der Garten ist vielleicht gemeinsame Aufgabe. Wenn nun ein Partner auf einmal (sehr viel) mehr Zeit zur Verfügung hat, möchte er sich häufig mehr einbringen. Eine lobenswerte Idee, vor allem dann, wenn vorher die Verteilung der zuhause anfallenden Pflichten gefühlt sehr einseitig war. In der Realität kann das aber zu großen Schwierigkeiten führen. Wenn beispielsweise frau sich immer um das Essen gekümmert hat, so kann es durchaus unangenehm sein, wenn der Partner auf einmal dauerhaft neben einem steht und ungefragt gute Vorschläge à la “Meinst Du, dass das genug Salz ist?” gibt. Hier kommen zwei Ebenen zusammen: zum einen fühlt man sich schnell kontrolliert, zum anderen gibt es der Person, die sich schon immer darum gekümmert hat, das Gefühl, ihr ihre Zuständigkeit streitig zu machen. Aber auch für denjenigen, der nun im Ruhestand ist, kann es schwierig sein. Wenn keine Aufgaben aus dem eigentlich gemeinsamen Umfeld für ihn zu erledigen sind, kann sich schnell der Eindruck des Nichtgebrauchtwerdens einstellen.

Lösungsansatz: Für die erste Zeit kann es Sinn ergeben, Aufgaben und Zuständigkeiten gezielt aufzuteilen. Partner A macht dann zum Beispiel morgens das Bett, während Partner B das Frühstück vorbereitet. Das bedeutet nicht, dass diese dauerhaft beibehalten werden müssen. Wenn sich herausstellt, dass andere Verteilungen einem mehr liegen, warum nicht das ausprobieren? Es geht darum, sich heranzutasten, es muss nicht gleich perfekt sein. Und nach einer Weile wird auch das, wie es früher war: automatisch. Nur im Idealfall ohne Streit.

Nähe und Distanz

Wer freut sich nicht darauf, endlich mehr Zeit mit seinem Partner verbringen zu können, wenn es dann endlich möglich ist? Die Vorfreude ist groß, die Ernüchterung oftmals noch größer. Es tut den wenigsten Beziehungen gut, wenn man ständig das Gefühl hat, alles zusammen machen zu müssen. Der persönliche Freiraum ist elementar für das Wohlbefinden. Das heißt, dass es durchaus in Ordnung ist, wenn man die Tage unterschiedlich gestaltet. Mehr noch, es ist sogar notwendig, Raum für sich persönlich zu haben. Das heißt konkret, dass der eine Partner beispielsweise einen Nachmittag malt, während der andere sich mit Freunden zu einem Spaziergang trifft. So hat man sich im Nachhinein auch mehr zu erzählen. Hier kommen neue oder alte Hobbys ins Spiel: diesen kann alleine nachgegangen werden und bilden eine eigene kleine Welt. Schwierig wird es dann, wenn einer der Partner mehr Nähe braucht als der andere.

Lösungsansatz: Klar definierte Räume schaffen, die nur für einen selbst gedacht sind. Darüber hinaus müssen aber auch gemeinsame Erlebnisse einen festen Platz im Alltag finden. Es bietet sich hier zum Beispiel an, gemeinsam in ein neues “Abenteuer” zu starten und so als Paar etwas Neues aufzubauen. Ob das ein Tanzkurs, das Erlernen einer neuen Sprache, Reisen oder regelmäßige Museumsbesuche sind, ist dabei egal. Es geht darum, dem anderen zu zeigen, dass er wichtig ist und man die Zeit mit ihm verbringen möchte. In dem Fall steht aber Qualität über Quantität.

Kommunikation als Grundlage

Zwei Menschen, die sich die Hände reichen

Dass Miteinandersprechen viele Probleme löst oder sie gar nicht erst aufkommen lässt, ist nichts Neues. Trotzdem scheitert vieles daran, dass eben keine zielorientierte Kommunikation stattfindet. Bereits vor dem Eintritt in die Rente sollten Paare deshalb darüber sprechen, welche Erwartungen, Ängste, aber auch Vorfreude sie empfinden. So haben sie bereits vorher einen Eindruck davon, was sie bewegt und auf sie zukommen könnte.

Nichtsdestotrotz kann es schwierig sein, beim Übergang in diesen neuen Lebensabschnitt seine Emotionen zu formulieren. Nicht selten liegt das daran, dass man selbst nicht genau weiß, was genau eigentlich fehlt. Sind es die Kollegen? Ist es der eigene Bereich, der nicht mehr vorhanden ist? Oder ist es das Gefühl, etwas geleistet zu haben? Diese Fragen kann und sollte man sich stellen. Wenn diese dann mit dem Partner besprochen werden, kann man gemeinsam nach Lösungen schauen. Wichtig ist die Achtsamkeit, auf sich selbst, aber auch auf den Umgang mit dem Partner. Wer ständig nörgelt, hat manchmal mehr Probleme mit sich selbst als mit dem Gegenstand oder der Person seines Unmuts. Es ist auch in Ordnung, dass der Umbruch in die Rente schwierig sein kann und Paare vor eine Herausforderung stellt. Umso wichtiger ist, das aktiv zu thematisieren und nicht einfach zu hoffen, dass es besser wird. Wer sich dieser potentiell schwierigen Zeit als Paar stellt, geht häufig gestärkt und innig verbunden daraus hervor.


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