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Mein Vater, der Wilddieb

Auf Roseggers Spuren

Meine Kindheit erinnert mich manchmal an den „Waldbauernbub“ von Rosegger weil wir mitten im Wald wohnten, ohne Elektrizität und mit Wasser aus dem Brunnen. Das Wasser war köstlich – ohne Chlor und Kalk – und die Wäsche wurde auch ohne Weichspüler im Wind getrocknet weich und griffig.
Es gab nur vier Häuser dort im Wald und außer einem zwei Jahre jüngeren Jungen erst im nächsten Dorf Spielkameraden. Die Kinder konnten sich aber noch allein beschäftigen und den Ausspruch: „Mir ist langweilig“ kannten wir gar nicht. Ich spielte mit Fröschen und Eidechsen oder war auf irgendeinem Baum zu finden. Mein Vater half mir, ein Baumhaus zu bauen, er machte mir Stelzen und zimmerte ein großes Puppenhaus.
Im Winter waren wir oft im Schnee (es gab noch welchen) und der Kiefernwald sah wie verzaubert aus.
Aber von Schnee kann man nun mal nicht satt werden und die Lebensmittelkarten reichten vorne und hinten nicht, obwohl schon jede Menge improvisiert und auch angebaut wurde.
Um ein bisschen Fleisch zwischen die Zähne zu bekommen, haben mein Vater und ein Nachbar ab und zu Fallen gestellt und Schlingen gelegt. Und dann gab es manchmal Reh-, Wildschwein- oder Hasenbraten. Meine Mutter machte sogar aus richtigem falschen Hasen –nur um für Abwechslung zu sorgen.
So haben wir die „mageren Jahre“ einigermaßen gut überstanden. Meine Eltern habe ich sehr geliebt, aber dass mein Vater ein „Krimineller“ war, gibt mir doch heute schwer zu denken. Gottseidank hat man ihn nie erwischt.
Aber wenn jetzt keiner mehr mit mir reden will, weil ich mit einem Wilddieb verwandt bin, kann ich das gut verstehen!

Autor: Ritterbraut

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