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Amelie und der Gartenzwerg

Die ganze Familie fieberte der Geburt des kleinen Mädchens entgegen. Aber trotz der Freude auf das neue Leben war auch ein bisschen Wehmut dabei, denn die Großmutter, die sich so sehr auf die kleine Enkelin gefreut hatte, war vor drei Wochen verstorben.

Endlich war es so weit, und nach einigen Stunden lag endlich die kleine Amelie in ihrer Wiege. Auch wenn die Mutter noch sehr erschöpft war, sahen sich alle das niedliche kleine Wesen an und alle guten Wünsche begleiteten sie in einen ersten, schönen Babytraum.

Es war eine sternenklare Nacht, der Mond lugte mit einem Lächeln durch die Scheiben und freute sich ebenfalls über den neuen kleinen Erdenbürger.

Doch um Mitternacht erhellte plötzlich ein warmes Licht den kleinen Raum des Kinderzimmers und eine weiße Gestalt schwebte hernieder. Amelies Großmutter hatte die Erlaubnis erhalten, wenigstens einmal noch ihr Enkelkind zu sehen. So stand sie an der Wiege, mit einem gütigen Lächeln, streichelte die rosigen Wangen und gab ihr einen zarten Kuss auf die Stirn und flüsterte einige Worte.

So wie sie gekommen war verschwand sie auch wieder, und die Dunkelheit der Nacht legte sich über das kleine Haus.

Gartenzwerg

Früh am nächsten Morgen kam die Mutter zu Amelie, um sie zu stillen und war sehr verwundert. Da stand doch neben der Wiege auf der Kommode ein kleiner, ca. 10 cm großer Gartenzwerg! Wie der wohl dahin gekommen war? Na, egal! Er wurde ins Regal gestellt – und vergessen.

Die Zeit verging und Amelie entwickelte sich prächtig. Es war zu ihrem ersten Geburtstag, als die Mutter etwas sonderbares bemerkte. Der kleine Gartenzwerg stand ja immer noch im Regal, aber er war auch gewachsen – genau wie Amelie. Das war ihr etwas unheimlich und sie wollte ihn schon wegwerfen, aber irgendetwas hielt sie davon ab. Da er nicht mehr ins Regal passte, wurde er auf den Boden gestellt, wuchs aber mit jedem Jahr ein Stück, genau wie Amelie.

Das kleine Mädchen war hübsch, intelligent, hatte viele Freunde und bald würde sie eine höhere Schule besuchen. Mittlerweile hatte sie auch einen kleinen Bruder, den sie abgöttisch liebte.

Kommenden Samstag wollte sie ihren 10. Geburtstag feiern und hatte sechs Freunde eingeladen. Sie wollten im Garten feiern und der Vater hatte Lampions und Luftballons angebracht und den Grill raus geholt. Vorher gab es natürlich noch Eis und Kuchen und alle freuten sich auf den Tag.

Um 15 Uhr kamen die kleinen Gäste, es gab ein großes „Hallo“ und die Geschenke wurden ausgepackt. Nach Eis und Kuchen wurden Spiele gemacht wie Sackhüpfen, Topfschlagen und schließlich Blinde Kuh – das gehört ja einfach dazu.

Den mittlerweile ziemlich großen Gartenzwerg hatte man ganz hinten im Garten hinter einer Hecke versteckt. Aber die Kinder tobten ja durch alle Ecken und irgendwann landete Patrick dort, fasste dem Zwerg an die Nase und rief: „Lisa, jetzt habe ich Dich!“

Als er die Augenbinde abnahm, sah er doch sehr erschrocken aus, beruhigte sich aber schnell wieder. Später zuhause erzählte er seinen Eltern, die Nase hätte sich so warm und menschlich angefühlt – wie bei einem richtigen Menschen.

Drei Jahre waren vergangen und es war wieder Sommer. Amelies Mutter war in der REHA, der Vater auf Geschäftsreise und der kleine Bruder im Ferienlager. Eigentlich wollten sie Amelie nicht allein zuhause lassen, aber ihre Tante Silke kam für die Zeit und kümmerte sich um sie.

Nachdem sie ihre Hausaufgaben gemacht und gegessen hatte, schaltete sie den Fernseher ein und da kam die Durchsage, dass ein Verbrecher geflohen und sehr gefährlich sei. Sie machte sich keine großen Gedanken, denn solche Nachrichten kamen ja fast täglich.

Da fiel ihr ein, dass sie ja morgen mit ihrer Freundin Svenja das Gummiboot ausprobieren wollte. Also nochmal zum Schuppen am Ende des Gartens und sehen, ob die Pumpe noch funktioniert. Mit einer Taschenlampe geht sie durch den großen Garten bis zum Schuppen und stellt fest, dass ihre Eltern diesen riesigen Gartenzwerg jetzt dort abgestellt haben. Plötzlich steht eine dunkel gekleidete Person in drohender Haltung vor ihr und hält ihr ein Messer an die Kehle. Amelie zittert und fragt ängstlich: „Was wollen Sie von mir?“
„Lass mich ins Haus, ich muss mich verstecken.“ Amelie überlegt blitzschnell und sagt: „Aber mein Vater kommt gleich.“

Ein kurzes Auflachen des Mannes: „Dann wird er das wohl nicht überleben. Und Du auch nicht! Gib mir den Schlüssel!“

Man konnte es ja im Dunkeln nicht sehen, aber Amelie wurde ganz blass und ihre Knie zitterten. Als sie mit diesen zittrigen Händen versuchte, den Hausschlüssel aus ihrer Jackentasche zu holen, hörte sie auf einmal einen riesigen Knall, der Verbrecher stürzte zu Boden und blieb reglos liegen. Aber wieso? Was war passiert? Es war doch niemand weiter da?

Als der Mond etwas durch die Wolken kam, sah sie den großen Gartenzwerg. Und DER hatte nur noch einen Arm. Der andere lag zerbrochen neben diesem Ganoven. Und neben diesem Arm: ein Foto ihrer Großmutter!

Zum Glück hatte sie ihr Handy in der Tasche und rief direkt die Polizei. Die waren allerdings sehr verwundert, denn es war ja niemand in der Nähe, der ihr hätte helfen können. Was war also passiert? Merkwürdig!!!

Als die Eltern wieder zuhause waren, schlossen sie ihre Tochter glücklich in die Arme und der Gartenzwerg bekam einen Platz neben der Terrasse. Seitdem vertraut sie ihm ihre Sorgen und Probleme an und hat das sichere Gefühl, ein Zwinkern in seinen Augen zu sehen.

Autor: Ritterbraut

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