Neu hier? Werde gleich Mitglied! Lies hier über die Vorteile.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

Bequem mit Facebook einloggen:

facebook login

Schweinkram

In einem Dorf in Ungarn saßen wir mit unseren Gastgebern auf deren Veranda. Von dort aus beobachteten wir, was sich in der Nachbarschaft so tat und auf der Straße passierte. Einige Leute fuhren mit dem Fahrrad am Garten entlang, hielten kurz an. Andere waren zu Fuß unterwegs. Alle grüßten mit „Jo napot“, was dort „Guten Tag“ bedeutet, unterhielten sich kurz mit unseren Ungarn. Verstehen konnten wir das Gesagte nicht. Auf die freundlichen Gebärden in unsere Richtung antworteten wir ihnen mit Lachen und Winken.

Etliche Autos fuhren vorbei. Ein Weilchen war Ruhe. Dann hörten wir schon von weitem ein lautes Auspuffgeknatter und bald konnten wir ein Moped sehen, das einen Anhänger zog. Darauf war ein eisernes Gestell festgebunden. Aus diesem Gestell tönte das Grunzen und Schreien eines Schweins und wir sahen, dass ein gewaltig großes Tier dort eingesperrt war. Das Moped musste tüchtig ziehen, das konnten wir an dem Motor hören und an dem Qualm sehen, der aus dem Auspuff quoll.

Die Tochter unserer Gastgeber konnte etwas Deutsch. Allerdings tat sie sich schwer damit zu erklären, was der Schweinetransport zu bedeuten hatte. Dass es nicht zum Schlachthof ging, hatte ich bald begriffen. Aber warum fuhr der Mann das Schwein dann durch die Gegend? Doch sicher nicht wegen der frischen Luft?

Das Mädchen hatte die Stirn in Falten gezogen und meinte dann nach heftigem Nachdenken: „Das ist Bordellschwein.“ – „Was ist das?“ – Sie versuchte es aufs Neue und sagte noch einmal: „Bordellschwein“. Also hatte ich mich nicht verhört, konnte aber mit dem Begriff, im Zusammenhang mit dem Schwein, nichts anfangen.

Sie versuchte es weiter mit der Erklärung: „Das ist Schweinemann. Der kommt zu Schweinefrau und macht Schweinekinder.“ – Aha.
Es bedeutete also: Das ist der Gemeinde-Eber, der zu den hochzeitswilligen Sauen gebracht wird.

Unsere Sau brachten wir, wenn die Zeit da war, selbst zum Eberhalter, wo sie dann einige Tage blieb, bis die Paarung vollzogen war. Nur bei den Kühen war es anders: Bauer Franzen fuhr mit seinem Bullen zu den Höfen, damit die Kühe Hochzeit machen konnten. Auch bei unseren Kühen ist er so manches Mal mit seinem Bullen gewesen.

Aber auf die Idee, das mit einem Bordell zu vergleichen, bin ich nie gekommen. Dazu musste ich erst nach Ungarn fahren.

Autor: egalis

Artikel Teilen


Artikel bewerten
4 Sterne (57 Bewertungen)

Nutze die Sterne, um eine Bewertung abzugeben:


20 19 Artikel kommentieren
Themen > Unterhaltung > Kolumnen, Anekdoten und Co > Hier schreibt Elke > Schweinkram