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Der geklaute Roller

Eine Weihnachtsgeschichte für Lena und Patrick
ausgedacht von Opa, mit Bildern von Elke Bontjer-Dobertin (elbondo)



„Uahhhh“, gähnte Lena, als sie morgens in ihrem Stockbettchen, oben unter der Zimmerdecke, aufwachte. Sie suchte als erstes nach ihrem Teddy, den Timmi, ihren Liebling, der sich im Schlaf wohl unter die warme Decke verkrochen hatte. Schließlich war es nicht mehr Sommer, sondern es war bereits Advent.

Mädchen im Bett

Es war der 6. Dezember, der Tag, an dem der Nikolaus alle Kinder besucht. Draußen war es bereits bitterkalt geworden. Timmi knurrte ein bisschen, denn er hätte gerne noch etwas länger geschlafen. Lenchen kicherte und rief:
„Aufgewacht, alter Brummbär!“

Mama und Papa hörte man bereits in der Küche hantieren. Gleich würde die Türe aufgehen und Mama würde wie jeden Morgen die Schlafzimmertüren öffnen und rufen:
„Aufstehen, aufstehen Kinder, der Kakao ist fertig. Das Frühstück ist gerichtet.“ Dabei würde sie in die Hände klatschen.

Gleich im Zimmer daneben schlief ihr Bruder Patrick, der war schon sooo groß und ging in die zweite Klasse der Grundschule. Bestimmt hatte er den Kopfhörer des CD- Spielers auf oder las in einem Buch Abenteuer über Ritter, Piraten, Cowboys und wilde Tiere.

Sie kletterte über die Leiter, dabei den ängstlichen Timmi fest an sich gedrückt, nach unten und schlüpfte in ihre warmen Hausschuhe.
Da stand schon Mama an der Türe und wunderte sich darüber, dass ihre beiden Lieblinge bereits auf waren.

Das war kein Wunder, denn sowohl in Lenas Kindergarten als auch in Patricks Schule sollte heute der Nikolaus die Kinder besuchen kommen. Da war der Schlaf wie weggeblasen.

Frühstücken und Anziehen verliefen heute erstaunlich schnell. Ermahnungen waren nicht nötig und so konnte Papa rechtzeitig mit den beiden Kindern aus dem Haus gehen.

Vor dem Kindergarten

Lenas Kindergarten lag direkt in der Nähe von Patricks Bushaltestelle und bis dorthin waren es gut 20 Minuten Fußweg. Lena fuhr wie alle Tage mit ihrem silbernen Tretroller voraus, den sie von ihrem Bruder bekommen hatte. Sie wollte wie immer die Erste sein.

Lena stellte ihren Roller da ab, wo alle Kinder ihre Roller oder Fahrrädchen abstellten.

Ja und dann, ja dann begann für sie ein wunderbarer Tag mit Spielen und Singen. Endlich kam auch der gute Nikolaus und sie konnte ihr Gedicht vortragen, welches sie extra für den Heiligen Mann gelernt hatte:

„Lieber guter Nikelas,
bring den kleinen Kindern was,
die Großen lässt du laufen,
die können sich was kaufen.“

Sie hatte auch gar keine Angst und freute sich über das Geschenk aus dem geheimnisvollen großen Sack, der einfach nicht leerer werden wollte.

Papa wartete schon an der Türe, als die Kinder herausstürmten und Lenchen hüpfte ihm wie jedes Mal auf den Arm. Sie gingen zum Platz, an dem ihr silberner Roller abgestellt war, aber..................?

Rollerparkplatz

Der Roller stand nicht mehr da. Er war weg, einfach weg.
Sie warteten, bis alle Kinder ihre Roller und Fahrrädchen geholt hatten, aber auch dann blieb der Platz leer. Lenas Roller war und blieb verschwunden.
Der Hausmeister, Herr Schönersumms, kam und konnte trotz seiner starken Brillengläser auch keinen Roller sehen.

Lena rollten Tränen über die Bäckchen, denn der Roller war doch ein Geschenk von ihrem Bruder. Wie sollte sie es ihm erklären? Und wie sollte sie es nun schaffen, morgens als Erste am Kindergarten zu sein?
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Traurig lief sie neben Papa nach Hause.
Der schöne Nikolaustag, warum musste der so zu Ende gehen?

Als ihr Bruder aus der Schule kam, rannte Lenchen sofort auf ihn zu und erzählte ihm die traurige Geschichte, noch bevor Patrick seinen schweren Schulranzen ablegen konnte.

Patrick war erstmal gar nicht böse, sondern eher begeistert. „Mensch Lena, das ist doch großartig, da kann ich doch jetzt mein Detektivlabor ausprobieren!“ Und er suchte sofort seine Detektivausrüstung zusammen:

Detektiv

Ein Vergrößerungsglas, Pinzette, Sammeltütchen für Beweise. Seine Agentenbrille, die als Sonnenbrille getarnt war und mit der man unauffällig nach rückwärts blicken konnte. Dazu Gummihandschuhe aus Mamas Küchenbeständen und das Wichtigste: Ein schwarzer Detektiv- Schlapphut.

Abends, bevor sich die Kinder ins Bett legten, setzten sie sich im Zimmer von Patrick zum großen Kinder-Kriegsrat zusammen. Patricks Vorschlag für die Aktion am nächsten Tag war, zuerst noch, vor Schule und Kindergarten, den Polizeioberwachtmeister Grauwadl zu verständigen und dann als Zweites abends Opa anzurufen. Denn Opa wusste fast immer einen Rat.

Polizeioberwachtmeister Grauwadl drehte aufgeregt an seinem langen Schnurrbart. Das war endlich mal ein schwieriger Fall. Er notierte sich die Anzeige der Kinder sorgfältig. Dabei begannen vor Aufregung die Enden seines Schnurrbartes zu zittern.

Sofort setzte er sich in seinen Dienstwagen, schaltete die blauen Lampen an und drückte auf den Knopf vom Martinshorn. Dann raste er mit Tatütata zum Tatort: Kindergarten.

Abends riefen die Kinder bei Opa und Oma an und berichteten aufgeregt über den geklauten Tretroller. Oma war alleine zu Hause und nur unter Mühe gelang es ihr, sich Gehör zu verschaffen.

„Kinder, Kinder“, rief sie ins Telefon, „das ist ja schlimm, aber Opa ist gar nicht hier. Er hat für die Universität Sandstadt einen Forschungsauftrag angenommen.
Opa ist in die größte Sandwüste der Welt gereist, in der der Sand für die vielen Sandmännlein in Säcke geschaufelt wird.

Dort sollte er forschen, ob sich Sandflöhe in der Winterzeit erkälten und zu husten beginnen. Das ist sehr wichtig, damit die Kinder nicht beim Schlafsand verteilen angesteckt werden.

Opa ruft mich nun täglich an und gibt mir durch, wie viele warme Schals, Socken und Ohrwärmer für hustende Sandflöhe gestrickt werden müssen. Mir tun schon die Finger weh und die Stricknadeln beginnen zu glühen.

Aber, da fällt mir ein, ich könnte Euch den Ziegenbock Moritz mit seiner ausgezeichneten Schnüffelnase senden. Moritz kann jede Mohrrübe in 10 Kilometer Umkreis erschnüffeln.

Ich setze ihn noch heute in den ZNE- (Ziegen-Nacht-Express) ins Schlafabteil und morgen Früh ist er bei Euch. Macht ´s gut, liebe Kinderchen!“, und schon hatte Oma aufgelegt.

Gleich am Morgen holten die Kinder Moritz am Bahnhof ab. Patrick hatte ein Bündel frische Mohrrüben mitgebracht. Moritz knabberte gleich los, während sie zum Kindergarten liefen.

Als sie ankamen, standen schon alle Tanten und Kinder im Hof, um Moritz zu begrüßen. Moritz meckerte gleich los:

„Hoffentlich habt Ihr mir nicht alle Spuren verwischt!“ Er zog eine gewaltige Nase voll Luft ein von dem Platz, wo der Roller von Lena gestanden hatte. Und dann trabte er los. Im Abstand folgte ihm die ganze Kinderschar mit Tanten und Bollerwagen, in denen die Kleinsten saßen.

Moritz rannte im Zickzack durch das ganze Dorf und überall kamen die Leute aus den Häusern, um zu erfahren, was denn los sei. Sie schüttelten erstaunt die Köpfe.
Endlich landete die ganze Schar vor dem Polizeirevier und der Oberwachtmeister Grauwadl trat vor die Tür. Er strich sich den Schnurrbart glatt, als Patrick und Lenchen ihm Bericht erstatteten. „Liebe Kinder“, meinte der Oberwachtmeister und sah dabei mitleidig Moritz an:
„Bei der Polizei arbeiten nur Schnüffelhunde, aber niemals Schnüffelziegenböcke! Na so was aber auch“, und seine Schnurrbarthaare begannen wieder zu zittern!
Moritz nahm das sehr krumm. „Das lasse ich mir nicht gefallen“, meckerte er und senkte seinen Kopf, um Polizeioberwachtmeister Grauwadl auf seine starken Hörner zu nehmen.

Polizist mit Karotte

Patrick ging schnell zwischen die Streithähne um zu schlichten.
Es wäre doch von Vorteil, der Ziegenbock und Polizei würden eine SOKO- Sonderkommission „Roller“ bilden und zusammenarbeiten, schlug Patrick vor.
Beide Seiten waren einverstanden und Oberwachtmeister Grauwadl holte zur Versöhnung aus seiner Vesperbüchse ein Brot, welches mit Salat und Gurke belegt war und ließ Moritz die Hälfte davon abknabbern. Der Friede war wieder hergestellt.

Die Tage vergingen, aber weder Grauwadl noch Moritz fanden Hinweise, obwohl jeder Dorfbewohner einzeln vernommen wurde.

Der Roller von Lena war und blieb wie weggezaubert.

Langsam kam der 24. Dezember und der Heilige Abend. Oberwachtmeister Grauwadl und Moritz hatten es sich in der Amtsstube gemütlich gemacht und tranken Glühwein. Dabei wurden sie immer lustiger und Grauwadl bot Moritz das Du an. „Ich heiße Moritz“, sagte Moritz und Grauwadl sagte: „Ich heiß Emmerich“, und sie tranken ihre Becher leer.

Im Hause von Lena und Patrick brannten schon die Kerzen am Weihnachtsbaum und beide warteten gespannt, was das Christkind und der Weihnachtsmann wohl bringen würden.
Endlich ertönte das Glöckchen und die Türe öffnete sich und Lenchen schrie:
„Mein Roller, mein Roller!“ Tatsächlich schob der Weihnachtsmann Lenchens Roller ins Weihnachtszimmer. Was war geschehen?

Der Weihnachtsmann erzählte:
„Also, wie ich am Tag des Heiligen Nikolaus allen Kindern etwas Schönes gebracht habe, habe ich den ganzen schweren Sack zu Fuß schleppen müssen, weil, ja warum denn? Weil es dieses Jahr einfach nicht schneien wollte.

Wie sollen denn ohne Schnee meine Rentiere den Schlitten ziehen? Und da sah ich Deinen tollen silbernen Roller stehen und dachte mir, den leihst Du mir sicher gerne aus. Ich schrieb einen kurzen Brief:
‚Liebe Lena,
da es dieses Jahr keinen Schnee gibt und ich nur einen Schlitten habe, leihe ich mir Deinen Roller aus. Am Heiligen Abend bringe ich ihn Dir zurück.
Vielen Dank,
Dein Weihnachtsmann’
Den Brief habe ich dem Engelchen Luci gegeben, der ihn Dir an dein Schlafzimmerfenster kleben sollte.“

Weinachtsmann

Lenchen lief rasch in ihr Zimmer und tatsächlich hing am Fenster, zwischen den aufgeklebten Sternen versteckt, der Brief vom Weihnachtsmann. Lena hatte den Brief glatt übersehen.

Nun mussten alle lachen. Das Christkind legte einige Päckchen unter den Baum und Papa schenkte den Besuchern einen wärmenden Wurzelschnaps ein.

Nach dem die Familie fröhlich gefeiert hatte, zogen alle zum Polizeirevier, um die Polizei-Ziegen-SOKO zu verständigen.

Schon von weitem hörten sie Grauwadl und Moritz Weihnachtslieder singen, es klang etwas falsch. Der Glühwein hatte ihre Köpfe schwindelig gemacht.
Alles hatte sich aufgeklärt und Oberwachtmeister Grauwadl versprach gegen den Weihnachtsmann keine Anzeige wegen des geklauten Rollers zu machen.

Moritz, der lieber gerne ein Bier trank und nicht so viel Glühwein vertragen konnte, war eingeschlafen. Er lag unter dem Tisch und schnarchte furchtbar, dabei träumte er von einem großen Bündel saftiger Mohrrüben.

Wie Mama, Papa, Lena und Patrick aus der Tür des Polizeireviers traten, hatte es angefangen tüchtig zu schneien und Wege und Straßen waren weiß geworden.

Aus der Ferne hörten sie ein feines Gebimmel und Läuten. Das konnten nur der Weihnachtsmann und das Christkind sein mit ihrem Schlitten und den Rentieren.
Jetzt war es richtige weiße Weihnacht geworden. Lena und Patrick machten Schneebälle, Mama und Papa machten Schneebälle und schon war die schönste Schneeballschlacht im Gange.

Polizeioberwachtmeister Grauwadl trat vor seine Amtsstube um nachzuforschen, was denn da draußen los sei. Patsch, traf ihn ein Schneeball genau auf die Nase. Zuerst begannen seine Schnurrbarthaare wieder wild zu zittern, aber dann lachte er und alle wünschten sich eine ‚Frohe Weihnacht’.

Nur Moritz der Ziegenbock hatte Weihnachten verschlafen und ist erst am anderen Morgen aufgewacht. Ja, ja der Glühwein schmunzelte der Oberwachtmeister Emmerich Grauwadl, als er Moritz zum Ziegen-Nacht-Express an den Bahnhof begleitete.

Beim Abschied hatten beide Tränen in den Augen, denn sie waren richtig gute Freunde geworden.

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