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Stau-Zeit

Leider ist unser Mitglied Hatsch_43 im September 2014 verstorben. Wir sind sehr traurig, dass wir in Zukunft auf seine humorvollen, pointierten und hintergründigen Texte verzichten müssen.
Doch seine Alltagsbeobachtungen und Kolumnen bleiben aktuell und wir schätzen sie nach wir vor sehr. Deshalb kannst Du sie auch weiterhin auf unseren Seiten lesen.

Stau-Zeit

Na endlich, jetzt wissen wir, wie wir zu mehr Ruhe und zur Entschleunigung des Alltags kommen: Stau als Chance!

Hatten wir nicht schon das ganze Jahr so Andeutungen? Die lange Schlange an der Supermarktkasse ist nichts Neues. Auch nicht 20 Minuten Wartezeit vor den Pfand- und Rückgabeautomaten. Das nennt man zeitgemäßes Flaschendrehen, wenn einige versuchen, falsches Pfandmaterial dem Kasten unterzujubeln. Auch dass in Zeiten der Finanzkrise immer mehr Leute vor Suppenküchen anstehen, gehört inzwischen zum traurigen Alltag. Stundenlanges Relaxen in Warteräumen von Arzt-Praxen, es gab immer Pausen in dieser Alltagshektik.

Beginnen wir beim Täglichen, beim Anfang des Tages, eines Berufstages. Wenn Du mit 10 km/h in Deinem fahrenden, heilix Blechle über den Asphalt gleitest, in 10 Minuten einen Termin hättest, aber noch eine halbe Stunde Muße kalkulieren darfst. Nachdenken über Dein Leben, Deinen Job, die Kinder oder nur über den vor Dir, der Dich seine fahrende 100-Watt-Anlage genießen lässt - Bebapalupbab bumbäng - wenn nur nicht die Musikgeschmäcker so unterschiedlich wären ... Hinter Dir fährt ein richtiger Stauprofi, der hat seine ganze Morgentoilette dabei. Neben dem Schluck aus der Kaffeetasse kreist sein Elektrorasierer um die Zigarette im Mundwinkel wie der Rasenmäher um den Apfelbaum.

Und jetzt, im Sommer, der ultimative Ruhe-Kick für Erholungsuchende: Auf der Autobahn, auf der Fahrt in den Süden vielleicht, in den satt verdienten Urlaub. Hier sollte es längst an deutschen Autobahnen ein Unterhaltungsprogramm und einen Catering-Service für Menschen geben, die in ihren Autos ausharren müssen und die ersehnte Sonne durch den Dunstschleier von verbrauchtem Octan erahnen.

Und dazu fällt mir die Rokoko-Klosterkirche im oberbayrischen Schäftlarn mit dem ersten elektronischen Opferstock Bayerns ein. Ein gemurmeltes "Leider kein Kleingeld dabei" ist hier auch keine gültige Ausrede mehr. Spenden am Opferstock mit EC-Karte, der zeitgemäße bargeldlose Zahlungsverkehr mit Karte hält hier am Opferstock Einzug. Inklusive Spendenquittung für die Steuererklärung natürlich! Jaaa, schon wieder diese nervigen Mitbürger vor meiner Nase, die ihre Pin irgendwo im Kühlschrank daheim verbuddelt haben.

Kannst auch die Bahn nehmen. Uhr und Fahrplan alles eine Einheit oder? Ich liebe es, Tante Erna nun gerade mit fünfeinhalb Küsschen verabschiedet, und mit allen nicht erbschädigenden Informationen gefüttert zu haben; auch die Träne trocknet so langsam. Wenn es dann es aus dem Lautsprecher blechern plärrt: Der Zug fährt mit 10 Minuten Verspätung. Und nun? Erzähl ich ihr dasselbe noch einmal oder hau ich einfach ab? Selbst vor’m Örtchen staut sich’s, aber bei mir im Bläschen auch.

Denken wir an den politischen Stau der unterdrückten Ehrlichkeiten - vor der Wahl selbstverständlich. Danach kommen sie ungebündelt, unmoralisch und breitendeckend wie Sprengbomben. Irgendwo staut sich ganz sicher auch die unterdrückte Mehrwertsteuererhöhung.

Staufreie und trotzdem erholsame Tage wünscht hatsch**

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