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Novembergedanken

Leider ist unser Mitglied Hatsch_43 im September 2014 verstorben. Wir sind sehr traurig, dass wir in Zukunft auf seine humorvollen, pointierten und hintergründigen Texte verzichten müssen.
Doch seine Alltagsbeobachtungen und Kolumnen bleiben aktuell und wir schätzen sie nach wir vor sehr. Deshalb kannst Du sie auch weiterhin auf unseren Seiten lesen.

Novembergedanken

Da ist er wieder, der „dunkle November“. Nichts Erhabenes, oder doch die „Graue Eminenz“ der Jahresringe im Kalender?

Alte deutsche Namen für den November sind Windmond und Nebelung. In den Niederlanden wurde der Monat auch Schlachtemonat genannt, da zu dieser Zeit das Einschlachten der Schweine üblich war. Gilt natürlich nicht für alle… Zu allem Überfluss drängt sich nun auch noch die Schweinegrippe auf. Da wünsch ich doch jedem lieber „Schwein gehabt“. Allerdings wird die Martinsgans überrascht ihr Gefieder schütteln. Schließlich lebt auch sie auf diesen Monat hin.

November ist ein Monat der Besinnung. Einige funktionieren schon seit langem den früheren „Buß- und Bet-Tag“ bei Schnieselregen zum „Kuss und Bett-Tag“ um.

November hat einige Gedenktage. So gedenken wir der „Verspreche(n)r“ vor der Wahl, denn politische Euphorie ist längst vernebelt. Die vielen kreativen Hausfrauen gedenken ihrer Plätzchenrezepte und bei Feierabend im Tagebuch tauchen sie blitzartig wieder auf.

Die lieben Kleinen vertreiben ihre Angst vor Dunkelheit mit bunten Laternen und lustigen Liedern. Die Boulevardpresse meldet einen neuen Kälterekord. So kalt war es seit Beginn der Wetteraufzeichnungen noch nie im Berchtesgadener Land. Ich sag es ja immer, diese verdammte Klimaerwärmung!

Und manche Menschen holen jetzt ihre Depressionen aus dem Schrank. Dagegen allerdings erfand das digitale Zeitalter die körperlose Kommunikation, ohne Knuddel-Hämatome, wenn man mal von psychischen Verletzungen absieht. Es wird mal wieder Zeit für das „Chatten“. Denn zum Zwecke von Partnersuche und Unterhaltung treibt man sich nicht mehr wochenlang in Discos oder Cafés herum. Kommt da vielleicht auch Wehmut auf? Denkt „Mann“ an das zarte Parfum einer verführerischen Schönen, das die Nasenflügel zum Vibrieren brachte, und die „Mann“ wie einen liebeskranken Hund durch die Altstadt hecheln ließ.

Die Zeiten sind vorbei. Die Annahme, jeder Topf fände seinen Deckel, treibt in der heutigen Zeit seltsame Blüten. Deckellose Töpfe gibt es neben anderen auch verbeult und schäbig. Nun haben jene Gefäße häufig eine Gemeinsamkeit. Sie sind leer, um das Wort "hohl" zu vermeiden. Dennoch erweckt jeder noch so bedauernswerte Topf den Anschein, gut erhalten zu sein und greift nach jeder beliebigen Abdeckung, die zu erhaschen ist.

Nun geschehen verblüffende Verwandlungen unter dem Mantel der Anonymität. In Sekundenschnelle verlieren Schwergewichtige ohne schweißtreibendes Hanteltraining oder mühsame Diätkost bis zu 30 Kilo Lebendgewicht. Nur zwei Tasten sind nötig, um sich 10 oder 15 Jahre jünger zu machen. Die Webcam bleibt ausgeschaltet. Ob im Anzug oder Pyjama, unrasiert oder übelriechend, Ort und hygienischer Zustand spielen keine Rolle, das Internet ist geruchsneutral und nicht ansteckend. Bauchspeck oder Oberschenkel mit dem Umfang römischer Tempelsäulen werden in ihren Proportionen durch virtuelle Weichzeichner anbetungswürdig. Vervollständigen kann die gnadenreiche Wiedergeburt dann ein vorteilhaftes Jugendfoto aus dem Familienalbum. Ein erotisch klingender Nick verleiht ergänzend den Touch von Verruchtheit. Wer nun unter Hobbys noch Inliner oder Bungee-Jumping erwähnt, hat möglicherweise seine gefälschte Identität perfekt aus der Taufe gehoben. So wird ein Mensch mit dem Faltenwurf eines Bernhardiners im Gesicht zum unwiderstehlichen Bilderbuch-Adonis. Wir bemerken: Das Wort ist geduldig. Aber selbst Google Earth hat so manch eine Farmbeschreibung mit Pferd und Pool als Badewanne mit Quietscheente entlarvt.

Nun kann der Mensch statt virtuell chatten auch ganz real schnattern. Mich jedenfalls zieht es in diesen Tagen schon mal in die Besenwirtschaft. Und neuer Wein oder Federweißer gehören einfach zum Spätherbst. Federweißer, weil bei Gärung die im Saft befindlichen, milchigen Hefeteilchen aufgewirbelt werden, was den Eindruck erweckt, als befänden sich viele kleine, weiße Federn im Glas. Wobei wir wieder beim Federnlassen und bei der armen Gans angekommen sind - oder auch beim gerupften Bürger. Zum Gebräu noch Zwiebel- oder Krautkuchen und die Gerüche vor oder nach dem Verzehr verleihen ein Ambiente der Gemeinsamkeiten, egal ob mit oder ohne Bauch.

In diesem Sinne einen persönlich nebelfreien November wünscht hatsch**

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