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Herbstlicher Bewegungsdrang

Leider ist unser Mitglied Hatsch_43 im September 2014 verstorben. Wir sind sehr traurig, dass wir in Zukunft auf seine humorvollen, pointierten und hintergründigen Texte verzichten müssen.
Doch seine Alltagsbeobachtungen und Kolumnen bleiben aktuell und wir schätzen sie nach wir vor sehr. Deshalb kannst Du sie auch weiterhin auf unseren Seiten lesen.

Herbstlicher Bewegungsdrang

Die Luft ist sauerstoffreich, die Sonne mild und schmeichelnd. Durch Parks und bunten Wald hechelt, klackert und klingelt es. Die holde Weiblichkeit, gestern anmutig trippelnd beim Shoppen gesehen - einige ihrer Vertreterinnen auch vor einem 300-Gramm-Eisbecher - bedient sich der Gangart eines gereizten Roboters. Spurtreue wird in Links-Rechts-Kombination zweier klackernder Alu-Stöcke erreicht.

Immer mehr Menschen laufen mit diesen Skistöcken durch die Gegend ohne sich Skier anzuschnallen. Diese Form des Bewegungsdranges nennt sich Nordic-Walking und ist tatsächlich das Gesündeste (ehrlich), was man seinem mitteleuropäischem Körper antun kann - aber vor allem trägt der Anblick nordisch gehender Menschen zur Erheiterung der Mitbürger bei, weshalb Nordic-Walker auch häufig in Gruppen getarnt unterwegs sind.

Etwa eine Viertelstunde, bevor man sie sieht, kann man sie hören. Mit besagtem Klickediklickklack bahnen sie sich den Weg durch den Wald. Kleiner Tipp von mir: Nimm der Größe angepasste Carbon-Stöcke. Damit gleitest Du wie „Schmittchen Schleicher“ durchs Gelände. Denn was nutzen Dir Teleskop-Alus, bis auf 1,80 Meter verlängerbar? Soviel wächst kein Mensch im Alter, nee, meistens schrumpft er …

Manchmal ziehen die Bewegungsjünger auch Schuhe mit vier Rädern an oder stellen sich auf ein Brett mit Rollen. Oder Turngeräte werden in den Wald betonniert - das Ganze nennt man einen Trimm-dich-Pfad, den man im Trimm-Trab durchquert. Das Fernsehen begleitet diese Trends mit großer Begeisterung, wohl weil bewegte Bilder auf dem Bildschirm einfach besser aussehen. So weit, so klar.

Somit läuft ein normaler Waldspaziergang am Stadtrand heutzutage folgendermaßen ab: Nach hundert Metern gemächlichen Laufens weicht man nach rechts aus, um einen Jogger vorzulassen, drückt sich dann gegen einen Baum, damit die beiden Mountainbiker vorbeikönnen und wirft sich schließlich platt ins Unterholz, um nicht von der fünfköpfigen Nordic-Walker-Truppe zu Boden geworfen und aufgespießt zu werden. Hebt man nach ein paar Minuten vorsichtig den Kopf, sieht man sich einer fröhlich sabbernden Dogge gegenüber, die gerade von der Leine gelassen wurde.

Falls sich das Prinzip durchsetzt, werden wir bald Menschen mit Peitsche und Reitstiefeln sehen, die sich einen Sattel zwischen die Beine geklemmt haben und behaupten, das sei Nordic-Riding. Oder man zieht sich einen roten Overall an, hält ein Steuerrad in der Hand, macht brummbrumm, und der Fachmann nennt das Nordic-Formel 1.

So, und jetzt leg ich die Carbonstöcke zur Seite und mach‘ mir ein Bier auf …

Mit verbindlichem Gruß,
Euer Hatsch_43

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