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Etti hat das Wort: Oma, dä Schreck vonne Straße

Oma, dä Schreck vonne Straße

Zwei Omas und zwei Opas - hatte doch wohl jeder, oder? Und die, die man dann besonders lieben tut gibt man dann hinten en i, ilein oder en ken drann, so wie Omi, Omilein oder Großmütterken.
Bei uns wa datt anders, wenn wir nach eine von denen gingen, hieß datt ganz einfach: ich geh nach dünne Oma oder nach dicke Oma. Ja, wirklich, dachte sich keiner watt bei. Datt wa nur rein optisch gesehn. Datt ulkige wa, datt bei die dünne Oma en dicke Opa und bei die dicke Oma en dünne Opa gehörte. Na ja, dä Gewichtsaugleich stimmte ja, und beiet längere hinkucken wirkten de untaschiedliche Formen auch richtich harmonisch. Dünne Oma und dicke Opa waren die liebsten vonne Welt. Vonne andern beiden war nur Opa lieb. Die dicke Oma konnt keiner leiden, die wa für alle en Kreuz an datt jeder schwer zu schleppen hatte. Aber se wa ja nu ma da.

Se wa ganz kurz, doppelt so breit und rund, als wohnten drei Generäle in se. Opa meinte soga, die wären auch in se vakörpert. Aber, datt fürse zu sagen, hätter sich nie getraut, obwohler se en halben Meter überrachte. Und überhaupt, wer kommt schon gegen drei Generäle an?
Maaan, wat wa die dick. Aber die bewechte sich auch nich, saß auf son großen Stuhl, dä auf son kleinen Podest vorn Fenster stand, kommandierte alle rum und glubschte dabei immer nach draußen. Die hatte de Kalehrstraß vollkommen unter Kontrolle. Wie in eine Kommandozentrale saß die da. De gestärkte graue Schürze mit die schwarze Müsterkes wa richtich an knistern, wennsese mit de Hände glattstreichen tat, weil se sich inne dicken Bauchfalten eingeklemmt hatte. Dicke Oma haßte nämich Knitterflaten anne gestärkte Schürze.

Auffe Straße entging der nix. Nur eimal, als wir Blagen mit Mutter und Vatter vonnen Spaziergang kamen und auf datt Haus von dicke Oma zugingen, muß der tatsächlich entgangen sein, datt ich vorgelaufen wa und schon anne Küchentür stand, als se mit ihre rauchige Stimme für die Tante sachte:
“Änne, räum de dösch ab, da kumme Robert und Marie mit de widdaliche Penz“!
Und dann sah se mich, schnappte dreimal nach Luft und sachte: “Da kimmt ja mei Schätzke!“
Die hatte überhaupt unter de Mitmenschen ga keine Schätzkes. Die mocht nur sich und dä Metzger Dingel von gegenüba. Wenn aus dem seine Woschküch montachs und freitachs dä Duft über de Straße in dä ihre dicke Nase zoch, datt wa ihre ganze Glückseelichkeit. Da wurden Urinstinkte in se wach. Blieb schon vonne Mittachsmalzeiten vonnet Fleisch kaum für de Familie watt übrich, verschlang se ane Dingeltage drei Fleischwoschkringel zusätzlich.

Opa saß meistenz in Hühnerstall, kuckte de Hühner zu und de Hühner kuckten dä Opa zu, wie der genüßlich an seine Piep zoch und dä Rauch inne luft an blasen wa. Manchma sprach er auch mit de Hühner und streichelte se ab und zu. Un wenn ausse Kommandozentrale dä Befehl kam, en Huhn zu schlachten, dann tat dä Opa datt schweren Herzens. Abber wie dä datt Huhn dä Kopp abriß, ließ ahnen, datter dabei an einen vonn Generäle gedacht haben muß, die ihm datt Lem so schwer machten.

Eimal war Opa krank und dicke Oma mußte selber en Huhn schlachten. Mit Mühe wälzte se sich von datt Podest runter inne Hühnerstall, griff sich en Huhn und dann mich, zoch mich inne Waschküch rein und befahl, ich soll, wennse dä Kopp abreißen tut datt Huhn ganz festhalten. Mit datt ganze furchbare Körpergewicht riss se und floch mit dä Kopp inne Hand inne Ecke. Vor Schreck ließ ich dä Rest von datt Huhn los und so kopplos wie datt wa, floch datt kreuz und quer durche Waschkück und datt Blut spritzte gegen de frischgeweißten Wände und gegen Oma. Die sah aus, als hätte se de Masern.

Da lachse inne Ecke. Vier Männer ausse Nachbaschaft waren nötich, um dicke Oma widda auffe Beine zu stellen. Datt wa en schönet Stück Abeit. Dabei schnaufte se wie en Walroß datt gerade an de Wasseroberfläche kommt und de Augen sprühten wie die vonn dä Drachen, bevor Siegfried ihn umme Ecke gebracht hatte.
Von dä Schreck erholte sich dicke Oma nie widder so richtich.

Eines Freitachs, kurz nachen Morgenkaffee, saß se wie immer inne Kommandozentraleund dachte an die herrlichen Wöschkes, denen se bald teilhaftich werden würde. Und als se endlich dä ersehnte Duft inne Nase spürte, setzte vadammichnochma tatsächlich datt Herz aus.

Autor: Rosewittchen

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