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Etti hat das Wort: Die siebte Fee - ein Traum

Zwei vergilbte Blätter in der Mülltonne. Reste eines Buches…
„Nimm sie! So nimm sie doch und lies endlich!“ hörte ich eine ungeduldige Stimme. Also, nahm ich die Seiten heraus. Feucht waren sie, und ich hätte sie am liebsten gleich wieder hineingeworfen. Doch etwas zwang mich, sie zu lesen:

Von sieben Feen wurde berichtet - sieben Feen, die regenbogenfarben die Wiege eines Erstgeborenen vor der Taufe umschwebten, um ihn zu segnen und ihm Glück zu wünschen. Sechs von ihnen hatten ihren Wunsch schon ausgesprochen, als der Reigen plötzlich zum Stillstand kam. Die siebte Fee war verschwunden. Ratlosigkeit herrschte. Alle fürchteten, dass ohne den unausgesprochenen siebten Wunsch die anderen nicht in Erfüllung gehen würden.

Mehr war auf den verschmutzten Blättern nicht zu lesen. Schade, ich hätte gern gewusst, ob die Wünsche doch noch in Erfüllung gegangen waren und was mit der siebten Fee geschehen war. Der Gedanke ließ mich nicht mehr los.

Dann hatte ich eines Nachts einen Traum. Ich ging durch einen Wald den Berg hinauf zum Feenland. Die Sonne, die so herrlich schien, verschwand plötzlich; und mein Schatten, der mal vor, mal neben und mal hinter mir lief, verschwand ebenfalls. Die Luft wurde schwül. Es war ein beschwerlicher Weg, denn der Pfad war so feucht und glitschig wie die beiden Buchseiten, die ich wie eine Wegbeschreibung in der Hand hielt. Als ich nach oben schaute, wurde gerade die Bergspitze von einer hässlichen schwarzen Wolke eingefangen. Blitze, Donner, Regen füllten mit Getöse die Stille des Waldes. Ängstlich suchte ich Schutz unter einem Baum. Obwohl der Regen aufgehört hatte, blieb ich noch eine Weile sitzen und wunderte mich, dass ich nicht nass geworden war. Da hörte ich es oben im Geäst rascheln. Auf dem untersten Ast saß ein wunderhübsches Geschöpf, zart wie eine Blüte und farbig wie ein Regenbogen. Es hielt einen Schirm aus gewebten Spinnfäden über mir ausgebreitet.

„Hallo“! rief es, „ich bin die siebte Fee. Ich habe dich hierher geführt, damit du erfahren sollst, was damals geschehen war. Auch mein Wunsch hat den Erstgeborenen erreicht. Denn noch rechtzeitig konnte ich mich auf meine Aufgabe besinnen. Mit der ganzen Innigkeit meiner Seele hatte ich an meinen Wunsch gedacht, und über meine Gedanken fand er dann auch den Weg zur Wiege. So konnten doch noch alle Wünsche ihre Erfüllung finden“, sagte sie, und ließ sich mit dem Schirm aus Spinnfäden auf die Erde nieder. Sie stand direkt vor der Sonne, und da ihr Körper kristallen war, wurde ich so geblendet, dass ich für einen Augenblick die Augen schließen musste.

„Sag mir, kleine Fee, wohin du damals verschwunden warst“? bat ich. „Ich wollte mich im Haus umsehen. O! es war ein wunderschönes Haus. Von den Decken herab hingen lauter glitzernde Steine, die jedes Mal wie zarte Glöckchen läuteten, wenn ich vorüberschwebte. Und die wunderbaren Vorhänge, sie waren blau, blau wie der Himmel an einem hellen reinen Sommertag.“

Dann wurde die kleine Fee plötzlich traurig, weinte dicke Tränen, die wie kleine bunte Glasmurmeln über ihre Wangen rollten, ins Gras fielen und dort lauter schillernde Flecken machten.

„Warum weinst du?“ fragte ich. „Ach, seinetwegen hätte ich meine wichtige Aufgabe fast vergessen.“ „Wen meinst du?“ „Den Kobold. Ganz plötzlich kam er aus dem Vorhang direkt vor meine Füße gesprungen. Er sah so lustig aus mit seinem roten Wams, seinen schönen spitzen Ohren, seinen blauen Augen, die wie Sterne funkelten. Mir wurde so warm, als ich ihn sah. Die Farben an mir begannen zu leuchten, das Rot sogar zu glühen. Ich hatte den unbändigen Wunsch, ihn zu berühren. Einmal gelang es mir, über seine Augen zu streichen, so, wie wir es bei den Menschen tun, wenn wir sie verzaubern wollen. Doch bei ihm wirkte der Zauber nicht. Er machte immer nur seine Späße. Ich glaube, er verstand sich nur aufs Necken und auf Possenspiele…
Doch seit damals wohnt er in meinem Kopf, als hätte er sich dort eingerichtet. Und manchmal in der Nacht, wenn sich meine Augen nicht schließen wollen, flüchte ich mich in seinen Schlaf und hoffe, dass er mich bemerkt.“

„Weißt du, kleine Fee, wir Menschen nennen das Liebe.“ „Liebe? Aber warum schmerzt sie so?“ „Sie schmerzt dich, weil sie nicht erwidert wird. Bewahr’ sie nur in deinem Herzen, denn der, der dir wichtig ist, ist nicht zufällig da. Vielleicht sieht er in dir einen Freund. Und Freundschaft ist auch was Wunderbares.“ „Danke! danke, du hast mir geholfen“, sagte die kleine Fee und war verschwunden.

Plötzlich spürte ich auf meinem Rücken ein Reißen und Kribbeln. Dann breitete ich meine Flügel aus, flog über den Berg und – erwachte.

Autor: Rosewittchen

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