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Schulhofgeschichten

Mit feinem Humor und viel Selbstironie beschreibt unsere Kolumnistin Edda, bei Feierabend als Niagara bekannt, ihren nicht immer ganz leichten Alltag.

Schulhofgeschichten

Wozu braucht man in Deutschland ein neues Gesetz, welches regelt, dass Klagen von Anwohnern und Nachbarn gegen Kinderlärm der Vergangenheit angehören sollen? Unter dem Motto „Kinderlachen ist kein Lärm“ hat der Bundestag einstimmig beschlossen, die Baunutzungsverordnung zu ändern und das Lärmschutz-Gesetz anzupassen. Demnach sind Kindergärten und Spielplätze in Wohngebieten generell zuzulassen. Zukünftig soll Kinderlärm legalisiert und nicht mehr als „schädliche Umweltauswirkung“ für die Nachbarschaft eingestuft werden.

Ich finde es traurig, dass man dafür Gesetze braucht. Heinz Hilgers, der Chef des Deutschen Kinderschutzbundes sagte neulich: „Kinder machen keinen Lärm, sie drücken ihre Lebensfreude aus. Das sollte Musik in den Ohren der Gesellschaft sein.“

Manch einer scheint zu vergessen, dass auch wir einmal lachende, schreiende Kinder waren. Erfreuen wir uns am Lärm der spielenden Kinder, denn Kinder sind unsere Zukunft. „Wer sich über ein Kind freut, freut sich über das Leben“, sagt Phil Bosmans.

Ich weiß, wovon ich rede, denn ich wohne neben einer Schule und hatte schon viele wunderbare Erlebnisse. So spielten einmal nach Unterrichtsschluss auf dem nebenan liegenden Schulhof ein paar Jungen Fußball. Plötzlich klirrte es: Eine Scheibe war zu Bruch gegangen. Die Kinder schauten erschreckt drein – und fort waren sie.

Aber sie hatten nicht, wie ich glaubte, die Flucht ergriffen. Wenig später verließ ich das Haus und staunte: Die kleinen Übeltäter standen vor der Privatwohnung des Schulleiters und als dieser auf ihr Klingeln hin herauskam, hörte ich, wie sie ihm ihr Missgeschick beichteten.

Ich habe die kleinen Helden bewundert. Sie hätten ebenso gut fortlaufen, sich verdrücken können, ahnten sie doch nicht, dass ich zufällig Zeugin des Vorganges geworden war. Gleichzeitig empfand ich Respekt vor den Lehrpersonen, die diesen Kinder beigebracht haben, auch bei drohender Strafe zu ihren Fehler stehen.

Durch negative Schlagzeilen in den Zeitungen über Schüler, die ihre Lehrer verprügeln, den Klassenkameraden unter Gewaltandrohung Geld und Handy wegnehmen, ganz zu schweigen von schlimmeren Meldungen, gewinnt man einen ganz falschen Eindruck. Denken wir doch einmal an unsere eigene Kinder- und Jugendzeit zurück: Wir hatten Ideale und wollten die Welt verbessern. Die meisten der heutigen Jugendlichen sind genau so. Sie engagieren sich in Jugendfeuerwehren, Sport- und Musikvereinen, in kulturellen Einrichtungen.

Auch in der benachbarten Schule wird mir soziales Engagement vorgelebt. Beim Sponsorenlauf spenden die Schüler das gestiftete Geld für ihre Partnerschule in Afrika. Im Januar setzen sie sich als Sternsinger für Kinder in Not ein. Am alljährlich stattfindenden Schwimmmarathon, bei dem der Lions Club für jede geschwommene Hallenlänge Geld für wohltätige Zwecke zur Verfügung stellt, ist die benachbarte Schule immer eifrig beteiligt.

Auch persönlich brachten die Kinder mir schon liebevolle Zuwendung entgegen. Als meine Katze überfahren wurde, benachrichtigten mich einige nach dem Unterricht auf dem Schulhof spielende Jungen, die den Vorfall beobachtet hatten. Während ich weinend vor der Hecke stand, in die sie sich tödlich verletzt verkrochen hatte, streichelten sie mich: „Alles wird wieder gut“, versuchten sie zu trösten. Es wurde zwar nicht wieder gut, die Katze starb auf dem Weg zum Tierarzt. Aber die Anteilnahme der Jungen tröstete mich.

Der Wahlspruch der nebenan liegenden Schule lautet: „Lernen, glücklich miteinander zu leben, um die Zukunft vorzubereiten.“ Er gefällt mir,

Eure Edda

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