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Ein Handy kommt selten allein

Unser Feierabend-Mitglied Brigitte, auch bekannt als Sprudelchen, reiht sich harmonisch in die Reihe unserer Kolumnisten ein. Sie setzt sich mit dem Alltag auseinander - mit dem hat es ja jeder einmal zu tun. Deswegen wunder Dich nicht, wenn Du während des Lesens eifriges Kopfnicken "bekommst".

Ein Handy kommt selten allein

„Taler, Taler du musst wandern“ - der Text des alten Kinderliedes zeigte schön früh suggestive Wirkung.
Richtig stolz waren wir auf unsere Kinder, die klaglos alles teilten, was ihnen lieb und teuer war.
Auf soziales Verhalten legten wir schon immer großen Wert.
So hielt die konstruktive Kooperation früh bei uns Einzug.
Während mein Liebster sich als Lokführer und Bahnhofswärter bewährte, wartete seine Nachzucht als Gleisarbeiter ihre Kinder-Eisenbahnanlage unter seiner strengen Anleitung. Ungezählt bleiben die Stunden, die meine Jungs mit begehrlichen Blicken als Reisegäste in imaginären Bahnhofhallen vertrödelten.
Als ebenso leidenschaftlicher Rennfahrer wie Lokführer konnte der Liebste den Buben auch unmöglich die Verantwortung für die Autorennbahn übertragen. Hingerissen von Papis Rennfahrerkünsten erprobten sie ihre Geduld im Status des begeisterten Zuschauers.
Nicht so meine Töchter. Die hatten es da viel einfacher:
Sie durften sich immer kreativ betätigen, konnten ihr Puppenhaus oder den Kaufmannsladen so dekorieren, wie es ihnen gefiel.
Nie meckerten sie mich an, wenn ich ihre Abwesenheit nutzte, um ihnen zu beweisen, dass ich die begabtere Innenarchitektin von uns dreien bin.
Auch, dass ich als Modedesignerin und Friseurin das wesentlich größere Talent besaß, akzeptierten sie ohne zu Murren.
Ich glaube, sie machten sich eh nicht viel aus ihren Barbiepuppen.

Unsere Familie ist bekannt für aufopferndes Sozialverhalten.
Und wir sind stolz darauf.
Was dein ist, ist auch mein? Nicht mit uns!
Vorbei sind die schönen Zeiten der klaglosen Teilung unsäglicher Gegenstände: Teilten wir vor kurzem noch einträchtig und freudig Spielzeugeisenbahnen und Puppenhäuser mit unseren Kindern, lassen wir uns heute nicht mehr die Butter vom Brot nehmen. Das wäre ja gelacht.
Ein anderes Zeitalter ist angebrochen...
„Finger weg!“, heißt die neue Parole, „Das ist mein Handy, mein Computer, mein Internetanschluss, mein CD-Brenner, meine Digitalkamera, mein...mein...mein“, tönt es neuerdings aus allen Ecken, in denen ich mich gerade befinde.
Zulange wurde mir zugemutet, die Barbiepuppe mit meinen Töchtern zu teilen. Jetzt ist Schluss mit lustig.
Mittlerweile steht sogar mein persönlicher Joghurt unter strengster Bewachung und geschützt vor fremden Zugriffen im Kühlschrank.
Unser über Jahre stolz demonstriertes innerfamiliäres Sozialverhalten ist mit dem Einzug der neuen Medien verbrieften Eigentumsrechten gewichen.
Dabei wollte ich dem Großen - damals, vor einem Jahr - als die Welt bei uns noch in Ordnung war, doch nur klar machen, dass man nicht alles haben muss.
Ach, hätte ich ihn doch unterstützt, als er mir, gerade 18-jährig, verzweifelt und um finanziellen Beistand bittend, eingestand, ohne ein Handy nicht mehr weiterleben zu können.
Aber nein!
Mit einem überheblichen Grinsen im Gesicht fegte ich seinen Herzenswunsch vom Tisch.
„Was brauchst du ein Handy, ich brauche doch auch keines“, höhnte ich und verspottete ihn mit Handywitzen.
Eine knappe Stunde später, gerade als ich meine Neuerwerbung - ein Super-Mega-Handy in wunderschönem metallic-blau - bezahlen wollte, traf ich ihn an der Kasse des Telefon-Shops. Sein Handy war in bestechend elegantem Schwarz.
„Was hast du denn da?“, schnappte sich die Älteste, kaum dass ich zu Hause war, meine Errungenschaft.
„Finger weg, das ist meins“, entriss ich ihr meinen kleinen Liebling und schwor, jedem den Garaus zu machen, der sich noch einmal an meinem Eigentum vergreift.
Niemals hätte ich gedacht, dass meine Kinder so neidische Nachahmer sind.
Binnen zweier Tage war unsere komplette Nachzucht rund um die Uhr erreichbar.

„Ich kaufe mir heute ein Handy!“, verkündet mein Liebster arglos gut gelaunt am Mittagstisch. Die Nachricht schlägt ein wie eine Bombe.
„Waaas kaufst du dir?“, fassungslos traut Katharina ihren Ohren nicht.
„Ich glaub es nicht, duuuu brauchst doch kein Handy! Du weißt ja nicht einmal, wie man das schreibt“, legt die Göre noch eins drauf.
Normalerweise tritt mein Liebster, ob solcher Angriffe beleidigt, den Rückzug an. Doch nicht dieses Mal.
Endlich möchte er auch einmal etwas Eigenes haben. Tapfer verteidigt er sein vermeintliches Recht.
Mutig übersieht er das mitleidige Grinsen Erics ebenso, wie die immer länger werdenden Ohren der Kleinen. Auch die unübersehbar missmutige Mimik Verenas lässt ihn unbeeindruckt.
Nichts „Tolles“ will er haben, versucht er sein unmögliches Ansinnen in rechte Licht zu rücken.
„Nur so ein billiges Ding, das heute in der Zeitung angepriesen wird. Da kann man sich sogar eine Wunschnummer aussuchen... Ich denke, ich nehme mein Geburtsdatum“, erzeugt der Unwissende schallendes Gelächter.
Unbelehrbar zeigt er sich gegenüber der auf ihn niederprasselnden, professionellen Aufklärungsversuche.
Die Zeitung zückend tritt er prompt den Beweis an: „Hier steht es schwarz auf weiß“, schiebt er ihnen den Passus mit der kostensparenden Wunschvorwahl unters Kennerauge. Derart in die Enge getrieben stellen die wohlwollenden Kids barmherzig jegliche informelle Erklärung ein.
„Jeder blamiert sich auf seine Art“, zischelt Eric und unterdrückt großmütig den aufkeimenden Lachanfall.

Ich verstehe den Wunsch meines Liebsten. Wenn wir mal ganz alleine sind, werde ich ihn heimlich in die Geheimnisse seiner Neuanschaffung einweihen. Wir werden es der Bande schon zeigen.
Er hat es schließlich auch verdient, endlich einmal ein eigenes Spielzeug zu besitzen.

Autor: ehemaliges Mitglied

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