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Wandern mit Ludger

Sobald wir das liebliche Voralpenland verlassen und das Hochgebirge ins Blickfeld rückt, bekommen Ludgers Augen diesen schwärmerischen Glanz. „Schau nur, diese Pracht“, haucht er respektvoll und von nun an beherrscht der Berg das Geschehen.

Genauer gesagt, die Lust diesen zu bezwingen. Ludger fiebert in fast kindlicher Erwartung dem neuen Tag entgegen. Das Gespräch am Frühstückstisch lässt erkennen was mir nun bevorsteht.

fröhliches Paar sitzt auf einem Stein in den Bergen

„Reicht die dünne Popeline Hose oder doch besser etwas Wärmeres? Und welche Schuhe? Natürlich kommen nur jene in Frage, die absolute Zehenfreiheit garantieren! Der winddichte Anorak selbstverständlich oder genügt dies Thermowestchen? Eventuell tut es aber auch das lässige Karohemd, weil in den Rucksack darf dann mehr Schokolade plus Soda Zitrone, Sonnencreme plus diverser must haves.“

Ein verheißungsvoller Sonnenaufgang begrüßt uns und zügig schreitet Ludger dem steilen Anstieg entgegen. Mich hingegen quält dieser steinige Waldboden. Mein Körper rebelliert. „Warte!“, rufe ich, denn meine Nase verlangt nach einem Taschentuch. Ich erbitte keuchend die erste kleine Pause.
Seiner Haltung entnehme ich eine halbherzig unterdrückte Ungeduld. Kräftig schnäuzend belohne ich mich danach mit einem köstlichen Stückchen Biohalbbittermandel.

„Oben können wir uns später genügend ausruhen.“, doziert der Bergfreund und geht forsch weiter.

Maulend hefte ich mich an seine Fersen, doch nicht ohne meinen schmerzenden Oberschenkeln gut zuzureden: "Bitte haltet durch, dies hier kann nicht ewig dauern!" Ludger ist derweil meinem Blickfeld entschwunden.

An der nächsten Biegung entdecke ich ihn, lässig und erstaunlich frisch auf einem Felsvorsprung stehend. Ich benötigte dringend einen Schluck Wasser. „Trink bloß nicht zu hastig!“, ermahnt er streng und nachdem ich die kühle herbe Flüssigkeit gierig und unaufhaltsam in mich geschüttet habe, geht's auch schon wieder in die Senkrechte.

Ich falle abermals schmählich zurück, dann wird der Weg plötzlich herrlich eben und ich schwebe fast, doch nach der nächsten Kurve aus der Traum, abermals geht's steil bergan.

Mein Wanderkamerad lässt mich eindringlich wissen, er bliebe nicht gern stehen beim Wandern, denn dann verliere er seinen Rhythmus.

Ich hingegen habe im Moment überhaupt nichts zu verlieren, keuche mich unentwegt in schwindelnde Höhen, welche ich freiwillig nie mehr betreten werde.

„In eineinhalb Stunden sind wir da!“, ruft Ludger aufmunternd aus der Ferne. Jetzt gerate ich in einen Gehrausch, weiter, weiter, weiter und mir ist es völlig wurscht wie lange irgendetwas überhaupt noch dauert.
Ludgers freudiges hallo hallo halli hallo erreicht schwach meine Ohren. Ich stolpere ihm mit letzter Kraft und völlig runden Füssen total verschwitzt entgegen.

Dann erblicke ich endlich die lebensrettende Hochalmhütte, gebettet in einer grünen Mulde, in der glückliche Kühe per sanftem Glockengeläut friedlich weiden.

Beim Näherkommen sehe ich grobe Holzbänke sowie Tische, auf denen sich teils leere Teller stapeln samt großen Gläsern erfrischenden Gebräus.
Jedoch sehe ich kein freies Plätzchen mehr. Dicht an dicht tummelt sich ein buntes Völkchen mit und ohne Wanderschuhe.

„Woher kommen bloß die vielen Menschen?“, frage ich erstaunt. „Weißt du denn nicht, dass sich auf der anderen Seite dieses Berges eine Kabinenbahn befindet?“, belehrt mich Ludger wohlwissend.

Restlos bedient schmeiße ich mich ins Almgras: „WIRKLICH? Also, die würde ich nie benutzen.“, entgegne ich matt, denn sowas ist mir viel zu unsportlich!

Autor: galen

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