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Oma Rosa

München, ein gewöhnlicher Donnerstag, welch super Gelegenheit, alle Klamotten Abteilungen sämtlicher Kaufhäuser zu durchstöbern.

Leffers zuerst, denn dort werde ich meist fündig, segle Rolltreppen auf und ab, dann zum Beck am Marienplatz, schwebe von Etage zu Etage.

Staune, ob des klasse Angebotes, probiere ungeduldig an und aus, wäge ab, doch hänge zerknirscht die schönsten Teile wieder zurück, weil der Preis gefällt mir nicht, das Objekt jedoch sehr.

SChlussverkauf

Ich suche ja nichts „Bestimmtes“, lasse mich finden, Sport Scheck gleich um die Ecke, erinnert mich an diese braunen Skihandschuhe, welche ich 1969 meinem Verlobten zu Weihnachten schenkte (die hat der sicher heute noch, denn er wusste bereits vom Gesetz der Nachhaltigkeit).

H&M und C&A, Zara, Hirmer, Kaufhof, Hertie, Oberpollinger, Karststadt --- Karstadt? Hey, heute absoluter Ramschverkauf!
Ich gerate spontan in einen mittleren Wühlrausch, übervolle Tische, dicht umdrängt befördere das Unterste ans Oberste, schubse energisch beiseite jedwede Konkurrentin, und dann erspähe ich einen rosa Zipfel.
Fieberhaft zerre ich aus den Stapeln in sich verknäuelter Restposten von Blusen, Gürteln, Shirts, Tüchern, Hemdchen, Mützen, Schlüpfer und Schals, atemlos grabsche ich nach diesem entzückenden rosa Einzelstück einer süßen knallengen Hose.
Anprobieren unmöglich, die Umkleidekabinen doppelt besetzt, gefühlte 51 geduldig Wartende in gratis Brezen --- Vesper --- Laune.

Suche hektisch die Kasse, reiche meine Beute einer teilnahmslos dreinschauenden jungen Frau, stoisch tippt diese unaufhörlich Zahlen in den gefräßigen Computer, der sich nervtötend piepsend bedankt, vom Umtausch ausgeschlossen, höre ich, und nix wie weg.

Ich eile zu meinem Auto in der Tiefgarage, versuche auf dem Rücksitz den rosa Traum anzuprobieren, zwänge mich halbliegend zuerst ins linke, dann ins rechte Hosenbein, zerre heftig und lasse nicht locker, denn Größe 36 habe ich mir schon lange nicht mehr gegönnt, diese Hose ist total gnädig, denn sie ordnet sich meinen gymnastischen Bemühungen bereitwillig unter.

Stolz führe ich das Teil auch gleich vor, weil Rosa -- erinnert mich stets daran, eine Prinzessin zu sein.
Denn als ich diese Welt erblickte, strickte man für mich nur nachtblaues dunkles Zeug, weil diese unempfindliche Farbe gut geeignet für „das Bunkerbaby“ so nannte mich liebevoll die Luftschutzkeller-Gemeinschaft.

Beim Anblick im Spiegel des Aufzuges stelle ich entsetzt fest, meine Unterhose zeichnet sich peinlich ab, ich versuche die Jacke drüber zu zupfen, doch diese verharrt bockig 10cm über’m Hintern.

Zurück zu den Kaufhaustempeln, denn benötige ein superlanges Oberteil, hastig checke ich die übervollen Kleiderständer, probiere mitten im Laden die unsäglichsten Angebote, vorne kurz und hinten lang, grobe Spitzen, Flatterblüschen in unschuldigem Weiß, warum sind die bloß so weit ausgeschnitten, meine rechte Schulter blitzt keck hervor, der Fetzen hängt asymmetrisch baumelnd über’m linken Brustbein, ein affenblödes Design.

Ich gerate ins Schwitzen, bin kurz davor aufzugeben, dann gleitet mir dieser Hauch von einer Kreation gleich einem sanftflatternden orangefarbenen Schmetterling vor die Füße.

Einer Schnäppchenjägerin ist diese Kostbarkeit aus den gierigen Armen gerutscht, geistesgegenwärtig bücke ich mich und zack ist sie mein.
Eine Anprobe erspare ich mir, denn ich „fühle", dass wir zusammen gehören, schließen auf der Stelle Freundschaft.
Bezahle und lasse Preisschild samt Pflegehinweis-Gedöns entfernen, stopfe die unsolidarische Jacke in den Häkelbeutel, drapiere den Neuerwerb über die rosa Hose und stolziere gekonnt à la "Iris Apfel“ über den Kaufinger Catwalk.

Sanftes Orange umschmeichelt den Po, plus diesem zugegeben ziemlich knappen, doch zauberhaft rosa Höschen, und die gewiefte trendbewusste Münchnerin schaut mir zwar verwundert, jedoch unverblümt mit unbestechlichem Kennerblick (neidisch?) hinterher.

Nun aber beeile ich mich, denn ich bin seit drei Stunden verabredet im „Augustiner ".
Dort angekommen werde ich lallend und glasigen Blickes äußerst grantig empfangen, mei, „ wo bleib‘st denn, drei Maß hat’s g‘dauert, bis’d endlich kommst!

Autor: galen

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