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Ernährung in den letzten 100 Jahren (Teil 2)

In unserem zweiten Teil schauen wir auch auf die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Trend ist ganz klar: hungern muss keiner mehr, eher das Gegenteil ist der Fall.

Das Wirtschaftswunder (1949-1960)

Der Hunger ist endlich vorbei, Lebensmittel können wieder ganz normal in den Geschäften gekauft werden. Die entbehrliche Zeit der vorangegangen Jahre führt dazu, dass es nun ins Gegenteil umschlägt: die Deutschen essen so viel wie nie zuvor. Die Mengen an konsumierten Schweinefleisch, Geflügel, aber auch Bier steigen immer weiter an. Die gut ausgestattete Hausfrau serviert den Gästen Bowle aus der passenden Schale. Der Bohnenkaffee findet auch wieder Einzug an den Kaffeetafeln, wenn auch noch als Luxusprodukt. Die Banane ist bis heute eines der Produkte, die diese Ära symbolisieren. Durch die Gründung der EWG wurden diese zollfrei nach Deutschland importiert, der Verzehr von Südfrüchten steigt generell. Auch in der DDR steigt der Obstverbrauch, wenn auch kaum durch exotische Früchte.

Essen ist das Thema überhaupt, der erste westdeutsche Fernsehkoch betritt die Bühne der jungen Republik. Clemens Wilmenrod begrüßt ab 1953 seine Zuschauer und kreiert das so typisch für diese Zeit und bis heute bekannte „Toast Hawai“.

Die 1960er

Nahaufnahme einer kochende Suppe

Die Gerichte der 60er sind häufig noch „simpler“ als heute, werden aus weniger Zutaten hergestellt. Eintöpfe, Pfannkuchen oder auch Klassiker wie Kartoffeln mit Spinat und Ei finden sich in jedem Haushalt. Fleisch ist natürlich nicht täglich verfügbar. Dass nun Geld zum Verreisen da ist, macht sich auch in der Küche bemerkbar, ebenso wie die nach Deutschland eingeladenen Gastarbeiter die Gerichtspalette erweitern: Spaghetti, Pizza, Gyros und Co. sind nun auch in Deutschland zu haben. Auch Fischstäbchen und Ketchup treten ihren Siegeszug an.
Die üppigen Gerichte der 50er Jahre und die neuen Schönheitsideale rund um Mini und Twiggy haben den Effekt, dass nun gezielt auf eine schlanke Linie und Abnehmen geachtet wird.

Die 1970er

Furchtcocktail aus der Dose

In dieser Zeit wird es international, die ersten Burgerketten eröffnen ihre Filialen. Auch die Früchte werden immer exotischer und sind vor allem in Konserven zu erwerben. Es ist die Zeit der Partys mit Hütchen (Asbach-Cola), Persico und Fruchtcocktails aus der Dose. Aber auch eine Weiterentwicklung der Technik führt zur Veränderung der Essgewohnheiten: die Küchen und Supermärkte haben nun Tiefkühlabteilungen und so ist es kein Wunder, dass 1970 die TK-Pizza den ersten kleinen Schritt zum absoluten Verkaufsschlager macht. In der DDR sind es vor allem Gerichte aus Russland, die den Speiseplan erweitern. Ein Klassiker ist Soljanka, eine bis heute beliebte Suppe aus Bauchspeck, Wurstresten, Gurken, Zwiebeln und Essiggurken.

1980er und 1990er

Es ist das Jahrzehnt des aufkommenden Natur- und Umweltschutzes, Pestizide, Waldsterben und Tschernobyl befeuern diese Bewegung. Das macht sich beispielsweise am Obstangebot innerhalb der DDR bemerkbar. Während dieses zurückgegangen war, werden nach dem Reaktorunfall nun frische Waren, die im Westen keine Abnehmer mehr finden, im Osten angeboten. Das Müsli wird zum Symbol der neuen umweltbewussten Lebensführung, die Zahl der Bioläden steigt massiv an. Als Gegenentwicklung kommen gleichzeitig immer mehr Fertigprodukte in die Geschäfte, Fast Food wird immer beliebter und auch die Mikrowelle ermöglicht eine neue Form der schnellen Nahrungszubereitung. Diese Entwicklung geht unter anderem auch darauf zurück, dass immer mehr Frauen berufstätig sind und dementsprechend weniger Zeit zum Kochen haben. Zudem nimmt die Arbeitsmobilität in Deutschland zu, Schulen und Kitas enden später. Das bedeutet in vielen deutschen Haushalten, dass gemeinsame Mittagessen unter der Woche der Vergangenheit angehören. Stattdessen wird in Kantinen und in Restaurants beim Mittagstisch gespeist.

2000er

Die Ernährung der letzten Jahrzehnte zollt ihren Tribut, die Deutschen sind so schwer wie nie. Ein ausgeprägtes Körperbewusstsein und die Hinwendung zu einer gesunden, ausgewogenen Ernährung führen zu einer Änderung des Kaufverhaltens.
Fleisch wird weniger konsumiert, lediglich beim Geflügel gibt es einen Zuwachs. Zudem interessieren sich immer mehr Menschen dafür, aus was die einzelnen Gerichte bestehen. Durch die BSE-Krise und Bilder von Massentierhaltungen wird die Wahrnehmung für das, was zu sich genommen wird, geschärt. Bioprodukte und –siegel werden eingeführt, Bio ist nun nicht mehr nur in Spezialgeschäften zu finden. Immer mehr Lebensmittel mit „Zusatzfunktion“ werden eingeführt, darmflorafördernede Joghurtdrinks etwa oder angeblich cholesterinsenkende Margarine. In den Bars trinkt man Caipirinha oder als alkoholfreie Alternative den KiBa, also einen KIrschBAnanensaft.

2000 bis heute

Gesunde Mahlzeit zum Mitnehmen

Die Devise lautet: „Einmal to go, bitte“, also zum Mitnehmen. Der Lebensstil ist mobil, das Essen muss es auch sein. Supermärkte bieten ganze Regale mit Produkten an, die genau darauf zugeschnitten sind. Es soll aber gesund sein, dementsprechend finden sich viele bereits geschnittene Obst- oder Gemüsesorten in Plastikverpackungen. Auch frisch gepresste Säfte oder Smoothies sind einer der Trends des Jahrzehnts. Das Fleisch, begehrtes Lebensmittel vergangener Generationen, wird kritisch beäugt und immer häufiger darauf verzichtet. Vegetarierer und Veganer sind so zahlreich wie nie zuvor. Lokale Produkte mit kurzen Lieferwegen und Fairtrade reihen sich in das Gefühl des bewussten Umgangs mit Lebensmitteln ein. Essen ist ein Teil des Lebenstils, über den man sich identifiziert und präsentiert. In den sozialen Medien finden sich so genannte Foodies, die ihr selbst gekochtes Essen, gerne mit Superfood zubereitet, oder das im Restaurant servierte Essen online stellen und dafür „Likes“ sammeln.
Darauf einen Hugo, Aperol Spritz oder Gin Tonic!

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