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Hören wir mit dem Gehirn?

Diese Frage klingt im ersten Moment absurd. Unserer eigenen Wahrnehmung nach hören wir mit den Ohren. Vordergründig ist das wahr. Die Ohren nehmen Geräusche, Gesprächsfetzen und Musik auf. Doch ohne die Auswertung dieser Geräuschkulisse im Gehirn würde alles Gehörte keinen Sinn ergeben. Es wäre eine Kakophonie nicht identifizierbarer Geräusche.

Die kognitive Leistung des Hörens findet erst im Gehirn statt. Hier liegen unser Sprachverständnis und andere Instanzen, die uns die Geräuschinformation verstehen lassen.

Mann berührt seine Schläfen mit Audio-Equalizer im Hintergrund. Auswirkungen des Klangs auf das Gehirn.

Hören ist ein vielschichtiger Prozess

Unsere Ohren sind Tag und Nacht auf Empfang gestellt. Sogar wenn jemand schläft, nehmen Ohren Geräusche auf. Sie leiten diese ungefiltert weiter. Wenn wir schlafen, obliegt es dem Gehirn, bedrohliche oder wichtige Geräusche wahrzunehmen. Diese lassen uns gegebenenfalls aufwachen. Ansonsten hat das Gehirn tagsüber die Aufgabe, unwichtige Geräusche in den Hintergrund zu rücken. Dadurch rücken die wichtigen Geräusche stärker in den Vordergrund. Wir halten diese Geräusch-Selektierung für selbstverständlich, weil wir es gar nicht anders kennen.

Seniorin von hinten mit Muschel am Ohr

Wer jedoch das erste Mal ein Hörgerät ausprobiert, wird von einer ungewohnt vielfältigen Geräuschkulisse übermannt. Die Hörgeräte verstärken sämtliche Umgebungsgeräusche. Die Ohren leiten diese weiter, ohne sie zu bewerten. Sie sortieren Geräusche auch nicht nach Relevanz. Das übernimmt erst das Gehirn. Das Gehirn muss nun jedoch neu lernen, die "neuen" Geräusche aus dem Hörgerät zu sondieren. Sie müssen nach Relevanz unterschieden werden. Relevante Geräusche oder Worte werden unserer Aufmerksamkeit zugeführt. Nicht Relevantes wird in den Hintergrund der bewussten Wahrnehmung gerückt.

Kein Hörerlebnis ohne Mitwirkung des Gehirns

Ohne die Leistungen unseres Gehirns wären wir überfordert. Es filtert weitergeleitete Geräusche und dämpft oder verstärkt diese je nach Wichtigkeit. Wir würden Verkehrslärm, Presslufthämmer oder startende Flugzeuge intensiver wahrnehmen, als wir es dank der Selektierung unseres Gehirns tun. Vor der Selektierungsleistung steht aber zunächst die Ortung der Geräuschquelle.

Seniorin hört Musik über Kopfhörer

Woher die wahrgenommenen Geräusche kommen, ergibt sich aus dem Vergleich der Ton-Überlagerungen beider Ohren. Unmengen von Geräuschen dringen mit jeder Minute an das Ohr. Gefühlt "wissen" wir, dass unser Gegenüber gerade spricht, ein vorbeifahrendes Auto hupt und ein Hund auf der anderen Straßenseite bellt. Die Zuordnung und Lokalisierung dieser Geräusche gehen aber auf blitzschnelle Gehirnleistungen zurück. Jedes Geräusch erhält erst dadurch eine Bedeutung. Durch die Ortung und die Messung der Dauer zwischen einzelnen Geräuschen können weitere Daten zur Geräusch-Identifizierung ermitteln werden.

Das Gehirn kann sogar die Entfernung ermitteln, aus der ein Geräusch kommt. Auf der "Festplatte" oder "Gedächtnis-Datenbank" unseres Gehirns sind alle bereits bekannten Geräusche abgespeichert. Der Abgleich schafft Klarheit über die Geräuschquelle. Unbekannte Geräusche werden als neue Bezugspunkte abgespeichert. Wenn wir sie nicht kennen, sind wir alarmiert. Erkennen wir ihre Bedeutung, können wir angemessen reagieren.

Gutes Hören unterstützt unser Gehirn

Unser Gehirn ist einem Hochleistungscomputer gleichzusetzen. Es kann blitzschnell und zeitgleich Hunderte von Daten verarbeiten. Hörgeräte stellen bei nachlassender Hörleistung sicher, dass das Gehirn weiterhin alle Rechenleistungen erbringen kann. Die Übertragung von Geräuschen aus dem Ohr muss ausreichend laut sein. Fehlen wichtige Geräuschinformationen, können Interpretation, Zuordnung oder Geräusch-Ortung nur eingeschränkt erfolgen. Das Gehirn muss die entstandene Lücke durch Nachdenken schließen. Das aber dauert. Es ist zudem anstrengend.

Ein gut eingestelltes Hörgerät befreit das Gehirn von dieser zusätzlichen Anstrengung. Es verbessert die Geräuschwahrnehmung. Indem die Ohren wieder Zugang zur gewohnten Geräuschkulisse erhalten, kann das Gehirn die richtigen Schlüsse ziehen. Bei neuen Hörgeräten muss allerdings zunächst die Filterleistung des Gehirns neu austariert werden. Die akustische Anpassung dauert eine Weile.

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