Trainerin Martina Voss-Tecklenburg spricht im Interview über ihre Erfahrung mit Gürtelrose
"Obwohl es in meiner Familie schon drei Gürtelrose-Erkrankungen gab, habe ich für mich das persönliche Risiko nicht gesehen."
Eine Gürtelrose wird durch das Virus ausgelöst, das auch die Windpocken verursacht. In Deutschland trägt es fast jeder Erwachsene über 60 in sich. Krankheit, Stress oder ein altersbedingt nachlassendes Immunsystem können das Virus erneut ausbrechen lassen – als Gürtelrose. Statistisch gesehen erkrankt einer von drei Erwachsenen im Laufe seines Lebens an Gürtelrose.
Allein in Deutschland werden jährlich rund 400.000 Fälle registriert. Neben den typischen Hautausschlägen mit Bläschen leiden die Betroffenen oftmals an sehr starken Nervenschmerzen – zum Teil jahrelang.
Auch die ehemalige Nationalspielerin und Fußballtrainerin Martina Voss-Tecklenburg erkrankte im Sommer 2021 an Gürtelrose.
Frau Voss-Tecklenburg, Sie sind körperlich fit, haben immer viel Sport getrieben. Haben Sie für sich ein persönliches Risiko gesehen, an Gürtelrose zu erkranken?
Obwohl es in meiner Familie schon drei Gürtelrose-Erkrankungen gab, habe ich für mich das persönliche Risiko nicht gesehen. Ich bin aktiv, stehe mitten im Leben und habe mich auch zum Zeitpunkt der Erkrankung fit gefühlt. Ich war sehr erschrocken, dass ich diese Erkrankung bekommen habe.
In welcher Situation befanden Sie sich zum Zeitpunkt der Erkrankung?
Ich war im Urlaub, also eigentlich in einer entspannten und stressfreien Situation. Ich lag im Liegestuhl und hatte plötzlich das Gefühl, dass mich irgendwas in den Rücken gestochen hat. Ich habe das erst nicht ernst genommen. Zwei Tage später hatte ich dann massive Schmerzen, es ging mir überhaupt nicht gut. Daraufhin bin ich zu einer Ärztin gegangen und die Diagnose Gürtelrose wurde gestellt.
Mit welchen Symptomen hatten Sie zu kämpfen und wie haben sich diese auf Ihr tägliches Leben und Ihre Aktivitäten ausgewirkt?
Die Symptome haben sich in den ersten Tagen extrem verändert. Nach dem anfänglichen Jucken, Brennen und Stechen gab es einen Hautausschlag, der sich von hinten über den Rücken bis zum Bauch gezogen hat. Es tat wahnsinnig weh, ich hatte Nerven- und Bewegungsschmerzen. Mir ging es körperlich überhaupt nicht gut, ich hatte ein allgemeines, totales Unwohlsein. Ich war vom Fußball her Schmerzen gewöhnt, ich hatte schon viele Verletzungen. Aber es hat mich doch sehr erschrocken, dass mich die Gürtelrose so beeinträchtigt hat, ich habe wirklich sehr gelitten. Ich konnte auch nachts nicht schlafen, bin teilweise aufgestanden und wusste nicht mehr, wo ich hingehen, wie ich damit umgehen und was ich tun soll. Ich bin fast täglich bei der Ärztin gewesen, um gegen die Schmerzen angehen zu können.
Wie lange hat Sie die Erkrankung beeinträchtigt?
Ich hatte fast ein Dreivierteljahr mit der Erkrankung zu kämpfen. Nachdem die äußerlichen Symptome abgeklungen waren, hat es mich dennoch weiter beeinträchtigt. In der Bewegung auch immer wieder diesen Nervenschmerz zu spüren, war das Schlimmste. Ich wurde gut behandelt und medikamentös unterstützt.
Was waren die größten Herausforderungen, die Sie während Ihrer Gürtelrose-Erkrankung erlebt haben?
Eine große Herausforderung war der Umgang mit dem Schmerz, die Energie zu haben, dagegen anzugehen. Und dann eben auch, über den langen Zeitraum mit dieser Erkrankung fertig zu werden, die mich ja auch im Alltag in der Bewegung und im Schmerzempfinden beeinträchtigte. Und eine Herausforderung war es, dass ich zum Zeitpunkt der Erkrankung im Urlaub war, ich wollte also eigentlich eine gute Zeit haben. Ich konnte weder den Urlaub genießen noch für mich zur Ruhe kommen. Ich habe gemerkt, es hat sehr viel Energie gekostet, mit dieser Erkrankung umzugehen. Da sie mich längerfristig begleitet hat, war das auch immer in meinem Kopf sehr präsent. Deshalb kann ich nur sagen, Gürtelrose ist eine schwere Erkrankung.
Hat sich durch die Erkrankung an Ihrem Risikobewusstsein für eine Krankheit wie Gürtelrose etwas geändert?
Aus der Erfahrung meiner eigenen Erkrankung hat sich auf jeden Fall mein Risikobewusstsein, an Gürtelrose zu erkranken, verändert. Ich versuche im Alltag die Menschen darauf aufmerksam zu machen und möchte gerne anderen mitgeben, dass Gürtelrose eine schwere Erkrankung ist. Und dass alle, die Windpocken gehabt haben, das Risiko in sich tragen, an Gürtelrose zu erkranken und deshalb präventiv mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt darüber sprechen sollen.
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