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BMI - Was er wirklich über das Gewicht aussagt

Bin ich zu dick oder zu dünn? Die Frage nach dem idealen Körpergewicht lässt sich nicht so leicht beantworten, wie man vielleicht vermuten mag. Google liefert dennoch schnell eine Antwort: Berechne einfach Deinen BMI! Hinter der Abkürzung versteckt sich der so genannte Body Mass Index, eine Maßzahl, die sich aus der Relation von Körpergröße zu Gewicht ergibt. Der daraus resultierende Wert soll aufzeigen, ob sich das Gewicht im Normalbereich bewegt. Doch so einfach ist es nicht.

Body Mass Index

Der Body Mass Index

Die Formel zur Berechnung des BMI lautet Körpergewicht (in kg) geteilt durch Körpergröße (in m) zum Quadrat. Entwickelt wurde sie nicht etwa von medizinischem Fachpersonal, sondern von einem Mathematiker, einem gewissen Adolphe Quetelet. Im Jahr 1832 vermaß dieser bei knapp 6000 schottischen Soldaten den Brustumfang, um eine Normalverteilung zu ermitteln. Ihm ging es dabei darum, Durchschnittswerte zu erheben. Dementsprechend wurde die Formel, die damals noch bescheiden nach ihm benannt Quetelet-Formel hieß, nur als grober Richtwert angesehen. Ihren heutigen Namen erhielt sie 1972 in einem wissenschaftlichen Artikel. Dort wurde der BMI allerdings auch nur für den statistischen Vergleich von Populationen empfohlen und nicht als Instrument zur Beurteilung von Übergewicht bei Individuen.

Problematik des BMI

Seit den 1990er Jahren wird der Body Mass Index als Instrument zur Unterteilung von Menschen in unter-, normal- und übergewichtig herangezogen. Normal gilt dabei, wer einen BMI von 20-25 hat, als fettleibig gilt man ab einem BMI von 30. Hierbei gibt es mehrere Probleme. So ist die Aussagekraft des BMI sehr gering, wenn es um die Ableitung von Krankheitsrisiken geht. Laut einer Studie der Ludwigs-Maximilians-Universität in München mit über 10.000 Probanden gibt es keine Indikatoren dafür, dass Krankheiten wie Schlaganfälle oder Herzinfarkte mit einem bestimmten BMI in Verbindung gebracht werden können, sieht man von absoluten Extremen ab, die sich in einem BMI ab 35 abzeichnen.

Darstellung von unterschiedlichen Körperfett-Typen

Zudem bewertet der BMI nur das absolute Gewicht, aber nicht die Zusammensetzung. Muskeln sind beispielsweise schwerer als Fett und so können auch Leistungssportler einen „zu hohen“ BMI aufweisen. Andere Faktoren, die nicht berücksichtigt werden, sind das Geschlecht, Knochendichte oder aber auch Wassereinlagerungen. Darüber hinaus trifft er keine Aussage über die „Qualität“ des Fettes, denn neue Studien zeigen, dass Fett nicht gleich Fett ist. An Hüften, Po und Oberschenkeln befindet sich das sogenannte subkutane Fett, das das Risiko für Herzkreislauferkrankungen nicht erhöht – ganz im Gegensatz zum viszeralen Fett der Körpermitte, das sich um die Organe sammelt.

Die Suche nach Alternativen

Trotz dieser Defizite wird der BMI heute weltweit von Ärzten, der Weltgesundheitsorganisation und zum Beispiel auch bei der Verbeamtung von Lehrer*innen als Indikator für Unter- oder Übergewicht herangezogen wird. Doch nicht nur das, in den USA nutzen Krankenkassen den BMI als Einstufungsinstrument für das Krankheitsrisiko von Versicherten. So können sie eine schnelle Einschätzung vornehmen und müssen Fälle nicht individuell – und mit Mehrkosten verbunden – bearbeiten.
Die Kritiken daran werden jedoch immer lauter und damit auch der Ruf nach wissenschaftlich belastbaren Alternativen. Eine davon ist die sogenannte WHtR ("waist-to-height-ratio"), das Verhältnis von Taillenumfang zu Größe. Je höher dieser Wert, desto höher ist das Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte. Diese Messmethode verspricht mit Blick auf das schädliche Fett der Körpermitte eine höhere Aussagekraft als das Beharren auf dem Body Mass Index.

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