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von Heinz

Senioren an der Schwelle des neuen Jahrhunderts

Späte Liebe zum Computer

Wir schreiben das Jahr 2002. -- Kurz nach meinem 78. Geburtstag erfülle
ich mir einen langgehegten Wunsch und kaufe mir einen PC mit
Flachbildschirm und Farbdrucker.

Bisher hatte ich weder beruflich noch
privat etwas mit Computern zu tun und muss daher beim Installieren die
Hilfe meiner Enkel in Anspruch nehmen.
Die ersten "Gehversuche" gestalten sich schwierig, doch schon bald wage
ich mich ins Internet.
Meine Frau stammt aus Sorau/Niederlausitz (jetzt Zary/Polen) und hat
noch zahlreiche Kontakte zu ihren Mitschülerinnen und Jugendfreundinnen.
Von diesen erfahren wir, dass die ehemalige Kreisstadt Sorau im
Internet vertreten ist, und dass es dort ein Gästebuch gibt, in das man
sich eintragen kann, um z. B. nach Personen zu suchen usw. Es liegt
nahe, anschließend auch m e i n e Heimatstadt Osterode/Harz im
Internet aufzusuchen, um auch einmal in d e r e n Gästebuch zu
blättern.

Dort entdecke ich die Eintragung einer gewissen Lisa Domeier/Peltz aus
Dorste bei Osterode. Sie lebt jetzt im Südschwarzwald und sucht
ehemalige Arbeitskollegen aus der Zeit nach 1954 bei der Maschinenfabrik
Anton Piller KG. Osterode (kurz: APO)
und/oder auch sonstigen alten Bekannten.
Da ich selbst zur fraglichen Zeit bei APO beschäftigt war, schreibe ich
am 22. 08. 2002 meine erste E-Mail an lisa@peltz.de, obwohl ich mich
an diese Lisa nicht erinnern kann, wohl aber an einen älteren Herrn
namens Domeier, der damals auch bei APO tätig war.

Schon am nächsten Tag halte ich die ausführliche Antwort von Lisa
Peltz, geb. Domeier in meinen Händen. Sie freut sich riesig über die
Kontaktaufnahme und ich erfahre, dass Herr Domeier, an den ich mich
erinnert hatte, ihr inzwischen verstorbener Vater war. - Dann beschreibt
sie sehr präzise, wie sie am 1. April 1954 als "AZUBI" ausgerechnet
m i r vorgestellt wurde und erinnert sich an Details, als wäre es
gestern gewesen: "Sie standen vor mir, groß, schlank, Brille tragend
und hatten einen hellgrauen Anzug an ".

Sie kennt auch noch die
Namen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie deren
charakteristische Merkmale und Eigenheiten und weiß sie treffend zu
schildern.
So erfahre ich also, dass i c h s e l b s t Lisas erster
Abteilungsleiter und damit auch ihr erster Lehrherr gewesen bin.
--Wahrlich ein Armutszeugnis für mein Gedächtnis!

Wie man sich wohl vorstellen kann, war diese erste Mail von Lisa an
mich, nicht ihre letzte. Sie war der Anfang einer sehr regen
Korrespondenz per E-Mail, deren Ausdrucke und Foto-Anhänge usw. bei mir
inzwischen zwei große Leitzordner füllen!
(Allerdings sind auch Teile von Lisas ausführlichem Reisebericht über
die Trekkingtour durch Neuseeland dabei.)

In den folgenden Wochen und Monaten werden Erinnerungen aufgefrischt
(hauptsächlich meine!) und gegenseitig mit Fotos belegt; es stellt sich
heraus, dass sich auch unsere Eltern gut kannten, dass meine Mutter
sogar bei der Konfirmation von Lisa und ihrer Zwillingsschwester
gekocht, also das Festessen zubereitet hat. - Auch meine Frau , eine
geborene Zelder und deren Eltern kannten die Familie Domeier aus
Dorste, denn Lisas erstes Fahrrad stammt aus dem nach Kriegsende
provisorisch errichteten Flüchtlings-Fahrradladen Z e l d e r . -- So
ist also auch meine Frau eingebunden in den Schriftwechsel mit Lisa,
und sie nimmt sehr regen Anteil daran.
Wir entdecken gemeinsame Bekannte sowohl aus Osterode , als auch aus
Dorste und lernen nach und nach alle Mitglieder aus Lisas Familie
kennen: ihre drei Söhne, deren Frauen und Lisas besondere Lieblinge:
ihre inzwischen sechs Enkelkinder, mit denen sie viel unternimmt. - Im
wahren Sinne des Wortes nehmen wir Anteil an Lisas Leben, an ihren
zahlreichen Reisen, Wanderungen und Bergtouren, aber auch an ihren
vielfältigen ehrenamtlichen Pflichten und Leistungen, und wir bewundern
ihren Lebensstil

So entwickelt sich im Laufe der Monate eine Art von "Mailfreundschaft",
die sicherlich ihresgleichen sucht, und die mir ungemein dabei hilft,
mit einer plötzlich auftretenden schweren Erkrankung meiner Frau
umzugehen, und -- als sie leider am 22.12. 2003 dieser Krankheit
erliegt -- den Schmerz und die tiefe Trauer über ihren Tod zu
bewältigen.
Der eigentlich anonyme Gedankenaustausch am Computer und die
Reaktionen von Lisa, aber natürlich auch von anderen Freunden und
Verwandten, helfen mir jetzt immer noch sehr, mich in meinen -- durch
den Tod meiner geliebten Frau stark veränderten -- Lebensumständen
zurechtzufinden.

Rückblickend bin ich sehr froh darüber, dass ich mir mit 78 Jahren noch
einen Computer zugelegt habe. Er hat sich für mich in mehrfacher
Hinsicht als ein Therapiegerät entpuppt, und ich hoffe, dass er mir
noch recht lange so zur Seite steht wie bisher.

Kürzlich bin ich Lisas Senioren-Computer-Club <feier@bend> beigetreten
und möchte nach Möglichkeit die Mitgliedschaft auch auf Lisas
Regionalgruppe Freiburg ausdehnen.


HEINZ WEDEMEYER
am 1.August 2004

Autor: ehemaliges Mitglied

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