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Ein vergilbtes Foto: groß und schlank steht sie da, ihr zerbrechliches Handgelenk ruht auf dem Arm des Mannes. Er schaut in ihr klares Gesicht, von dunklem Haar gerahmt. Ihr Lächeln entspringt den Fältchen um ihre Augen. Ein königliches Gesicht, feine Konturen, die Augen Glanzpunkte, die Nase im Schwung ungetrübter Jugend – Hilda, Prinzessin von Nassau, welch eine bezaubernde Braut.

Ganz Baden stand kopf bei ihrer Hochzeit mit dem letzten Großherzog dieses Landes: Friedrich II.

Freiburgs Hochzeitgeschenk an das glanzvolle Paar war der Hildaturm. Eine kostspielige Gabe für eine wohl sehr verehrte und willkommene Landesmutter.

Damals und im Verlauf der Zeit wurde der Turm viel bewundert und oft erstiegen. Heute ist der Hildaturm, zur Idylle verkommen, ein Zeichen der Erinnerung an eine verklärte Epoche.

Am 12. Juli 1885 wird mit dem Bau des Hildaturmes begonnen. Spenden wohlhabender Bürger und Erlöse der Stadt aus Grundstücksverkäufen ermöglichen dieses noble Geschenk. Den Entwurf zeichnete C. Müller, die Pläne tragen die Aufschrift: Stadtbauamt Freiburg.

Bauunternehmer Vögtle führte die Maurerarbeiten durch. Von Walther & Jacobsen stammen die Steinmetzarbeiten. Die Treppe im Inneren des Turmes fertigte die Firma Fauler aus Gußstahl.

22.000 Goldmark betragen die reinen Baukosten, ohne die Feldhüterwohnung im Basement des Turms.

Im Februar 1918 wird der Turm an das elektrische Versorgungsnetz angeschlossen, 40 Jahre später erfolgt der Anschluss an die Städtische Kanalisation.

1956 richtet der Südwestfunk einen Fernsehumsetzer auf der Plattform ein, optisch schadet die Antenne dem Gesamteindruck des Turmes sehr

Die Architektur des Turmes ist einem Wehrturm nachempfunden. Die Plattformen des Basements und der Aussichtsplattform sind mit einem Kranz von Satteldachzinnen umgeben. Auf halber Höhe ziert die Ostseite des Turmes ein hübscher Erker mit weit ausgeschweifter Konsole und ebensolchem Dach. Freiburgs Stadtwappen ist in die Schürze der Konsole eingemeißelt. Spitze Dreipaßbogenfenster schmücken die Fassaden, dem obersten Treppenpodest wird mit schmal gestellten Drillingsfenstern die Schwere genommen. Ganz untypisch: Das außen als Erker angehängte Treppen-türmchen, welches den Zugang zur Plattform vermittelt. Die Heiterkeit und Eleganz dieses zweigeschossigen Erkers litt durch die Entfernung der hochauffahrenden Helmspitze die nicht mehr ersetzt wurde.

Vier furchterregende Drachen reißen ihre kupfernen Mäuler auf, speien das Regenwasser in alle Himmelsrichtungen.

Inzwischen wurde dem Basement eine Loggia aufgestülpt, ein Holz-Glaskonstruktion, sie trägt nicht dazu bei den Turm attraktiver aussehen zu lassen.

Der Turm misst bis zur Ebene der Plattform 19,86 Meter und maß bis zur Spitze der ehemaligen Wetterfahne stolze 30 Meter.

Die Ereignisse des dritten Reiches verschonen den Hildaturm nicht. Im Januar 1937 verfügt das Luftgaukommando 15, dass die Flugwache Freiburg den Turm als neuen Standort bezieht.

Schließlich erfährt der Hildaturm den tiefsten Einschnitt seiner Biografie: Am 1. Dezember 1939 wird mit der Begründung einer „besseren Rundsicht zur Fliegerabwehr“ der Dachhelm des Treppentürmchens entfernt. 10,14 Meter lag die Helmspitze, gekrönt von einer zum Himmel aufjubelnden Wetterfahne über der oberen Plattform.

1988, als ich diesen Bericht schrieb, konnte man den Turm noch ohne jahreszeitliche Einschränkungen besteigen. Aber dafür musste man Eintritt bezahlen.

Am Eingang leuchtete ein rotes, liebevoll alt aussehendes Schild: “Aufgang zum Turm, Eintritt 20 Pfennig.“
Darunter hing ein Kässle, verschlossen wie ein Opferstock. Ich zahlte und trat ein.

Über dem Treppenhaus lag ein Hauch Melancholie. Beim Aufstieg durch den Turm hörte ich nur die Resonanz meiner Schritte. Zwischen den Geländern webten die Spinnen ihre silbrigen Netze. Putz bröckelte allenthalben herab. Salpetergeschwüre nagten am Sandstein, man sah im die Jahre an. Hergewehtes Laub raschelte trocken, eine Diele knarrte erschrocken. Zum Schluss enges Gewendel durchs Treppentürmchen,
gedunkeltes Holz, vom Alter gichtig krumm, verschandelt von den Runen all derer, die sich mit Messer und „Herz und Schmerz“ verewigten. Und dann: Nach dem Aufstoßen der Tür diese überwältigende Sicht über die Stadt.

Nirgends sonst wirkt der Blick über die Breisgau-Metropole so grandios. Weit hineingeschoben liegt der Lorettoberg als kleines Vorortgebirge in der Südstadt. Ein Rundblick aus unbeträchtlicher Höhe – aber gerade deshalb Nähe vermittelnd.

1988
Über Freiburg zogen die Wolken. Nachmittagssonne dazwischen, die Stadt jeden Moment in ein anderes Licht tauchend. Bilder der Vergänglichkeit, für einen Augenblick komponiert. Die profanen Geräusche des Alltags klangen von fern, beim Schauen fiel die Unrast des Tages ab, sie wich einer kontemplativen Stimmung.

Still schaute ich hinab auf Freiburg – ein visuelles Wunder im Großformat.

2011
Über Freiburg dehnte sich der Himmel in einem Blau, das die Italiener Azurro nennen.
Hier oben hatte sich in diesen 23 Jahren nichts verändert. Wie schön!
Freiburg lag unter dem südlichen Sonnenglanz eines Apriltages. Der Frühling überspannte eine unendlich hingebreitete Südstadt mit einem Blütenmeer.

Unter dem offenen Himmel war die Stille des Lorettoberges von fernen Geräuschen durchwoben, leiser Wind lief durch das schüchterne Laub der Bäume, er vermittelte die vollkommene Heiterkeit eines Sommertags.

Besuchszeiten vom 3.April bis 29. Sept. 2011
Dienstag 14.oo-16.30
Donnerstag 14.00-16.30
Sonntag 14.00-16.00
Eintritt: 1 €
Änderungen vorbehalten.

© Helmut Büchler / Pitt 70 1988 / 2011




Autor: Pitt70

Helmut Buechler

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