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„Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage…“

Musy/Gisela, die uns immer wieder mit ihrer Begeisterung für Musik ansteckt, führte uns in die ersten 3 Tage des Weihnachts-Oratoriums ein.

Die ersten 3 Tage? Ganz richtig, das Weihnachts-Oratorium ist auf mehrere Tage angelegt, und wie wir erfahren, gab es zu BACHs Zeiten 3 Weihnachtsfeiertage. Am 1. Weihnachtsfeiertag, dem 25. Dezember, wurde die erste Kantate aufgeführt, am 2. die 2 und am 3. die 3. Und zwar im Gottesdienst wohlgemerkt, nicht im Konzerthaus, und schon gar nicht am Stück! Die Erstaufführung in den beiden Leipziger Hauptkirchen St. Thomas und St. Nicolai fand 1734 statt. Am Neujahrstag 1735 folgte dann die 4. Kantate, am Sonntag danach die 5. und schließlich am Dreikönigstag die 6. Damit war dieser Kantaten-Zyklus geschlossen und die Weihnachtszeit musikalisch abgedeckt.
Wir lernen daraus, dass das Weihnachts-Oratorium nicht wie die Passionen quasi eine Komposition am Stück ist, sondern sich aus vielen Teilen zusammensetzt, die auch ganz unterschiedlich komponiert sind.

Auch erklärt uns Musy, was überhaupt ein Oratorium ist: es ist quasi eine kirchliche Oper mit Orchester, Chor und Solisten, mit Secco- und Accompagnato - Rezitativen, mit Duetten und begleiteten Arien. Was aber spezifisch ist, das sind die Choräle, die z. T. auf Worte Paul Gerhards zurückgehen. Natürlich findet in der Kirche keine szenische Aufführung statt; das Geschehen wird durch den Evangelisten (traditionell ein Tenor) erzählt, hier nach dem Evangelium des Lukas.

Und noch eine Besonderheit des Oratoriums wird uns nahe gebracht, die so genannte Parodie. Damit ist gemeint, dass BACH nicht alle Nummern des Werkes neu komponiert hat, sondern nach seinerzeit üblichem Gebrauch auf eigene Werke zurückgriff, die ihm für diesen Zweck tauglich schienen. Das war guter Handwerksbrauch.

So ist gleich die erste der insgesamt 64 Nummern, nämlich das „Jauchzet, frohlocket…“ ursprünglich für das sächsische Königshaus bestimmt, dort allerdings mit dem Text: „Tönet, ihr Pauken…“

Damit sind wir schon bei den Pauken und Trompeten, einer traditionell königlichen Musik, wobei die Besonderheit der Bachtrompeten ist, dass sie eine Oktav höher klingen und schwieriger zu blasen sind (was sich auf das Gehalt der Spieler und deren Ansehen niederschlägt).

Aber trotz des Parodie-Verfahrens, dem immerhin ein Drittel des Oratoriums zu verdanken ist, wirkt das Werk geschlossen, und es ist das populärste religiöse Werk BACHs.

Anhand von CD-Beispielen (die Technik lag in bewährter Weise in ReRes/Peters Händen) und klavierbegleiteten Chorälen zum Mitsingen, unterstützt vom Tenorhorn des Herzbuben/Hansjörg, wird zunächst die Kantate des ersten Weihnachtstages durchgegangen, und es wird auf die kompositorischen Feinheiten hingewiesen, z.B. dass ein Choral zeilenweise vom Sopranchor gesungen wird, unterbrochen von Solobass - Einwürfen, und so weiter alle 4 Zeilen, ein bei BACH beliebtes Verfahren.

Und so, wie die Kantate begonnen hat, nämlich mit Pauken und Trompeten, endet sie auch: mit einer grandiosen Bass-Arie und einem Schlaflied-Choral, der das herzliebe Jesulein wohl kaum erschrecken dürfte, ist es doch der künftige König.

Ganz anders der 2. Tag: nichts mit lärmenden Instrumenten, dafür eine pastorale Sinfonia, die das Zusammentreffen von Engeln und Hirten auf dem Felde untermalen soll, wobei die Streicher, insbesondere die Geigen das Himmlische und die Oboen als Hirtenschalmeien das Irdische verkörpern.

Es geht also in dieser eher stillen Kantate, die übrigens auch in einer andern Tonart steht, um die Verkündigung.

In der Nr. 21, einem raffinierten fugierten Chor mit dem „Ehre sei Gott in der Höhe“ weist uns Musy auf das kontrastierende Piano hin, mit welchem homophon „und Friede auf Erden…“gesungen wird, wirklich ganz friedlich nach dem Paukenlärm des ersten Teils.

Der 3. Teil ist dann dem Gang der Hirten nach Bethlehem gewidmet. Da darf wieder kräftiger geblasen werden, zumal der „Herrscher des Himmels“ angerufen wird, und zwar sowohl zu Beginn des Tages wie auch an dessen Ende.

Ja und Maria, was ist kompositorisch mit ihr? Nun, sie hat die schönsten Alt-Arien, bewahrt alles in ihrem Herzen, und wenn wir Musy folgen, hat sich BACH vielleicht in die Altistin verguckt, wie später Mozart in seine Soprane. Alles Gerüchte!

Jedenfalls war das ein sehr instruktiver und schöner Nachmittag im HHH und ich habe auf der Rückfahrt im Auto mit meinem Mann beschlossen, an den 3 Feiertagen jeweils eine Kantate zu genießen.

Dir, liebe Musy, herzlichen Dank für die Anregung, und Dir lieber ReRe, bei aller Tücke des Objektes vielen Dank für die Musikbeispiele und dem Herzbuben ein Dankeschön für die Choralbegleitung.

Weihnachtsoratorium
- Ibobibo hat diesen Bericht geschrieben -

Bericht: Ingeborg/Ibobibo

Fotos: Gisela/Goosi

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