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Ein großes Farnfeld. Es zieht mich an. Meine Mutter liebte Farn. Und Birken. Ich auch. Pflanzen können sich nicht vom Platz bewegen? Doch, können sie durchaus, nur anders als wir. Sie katapultieren ihre Samen mit ziemlicher Plötzlichkeit davon, um sie zu verstreuen, sie segeln an Fallschirmchen mit dem Wind, oder reisen in Vögeln... . Drei verschiedene Farne habe ich zuhause, alle kamen sie von selbst „angesegelt“, wie, weiß ich nicht. Auch vier Birkenbäumchensamen gingen bei mir auf im Laufe der Jahre. Sie durften das alle, weil ich neugierig bin, und wissen wollte, was sich da entwickelt. Das dritte Bäumchen ist immer noch da, die anderen habe ich verschenkt.

Wo war nun dieses Farnfeld? Im Botanischen Garten. Da trafen wir uns, die unermüdlichen FA-ler, zu einer von Trudel organisierten Führung. Schön war es, liebe Trudel, wir danken Dir, und geregnet hatte es zum Glück auch nicht..

Herr Hardt, ein schlanker, sehr liebenswürdiger junger Mann mit Fusselhaar, schließlich ist er Botaniker und Naturmensch, empfing uns mit einem freundlichen Lächeln. Im Laufe der Führung würde er uns darüber aufklären, dass wir in einer Stunde „eine Weltreise“ unternehmen würden. Grund: der wunderschöne Botanische Garten ist in einzelne Bereiche, nach geografischer Herkunft aus aller Welt, in „Weltregionen“ eingeteilt, und wenn jemand von den Kollegen gesucht würde, lautet die Bezeichnung, wo er sich gerade aufhalte, zum Beispiel: „In Ostasien“. Oder „Der ist gerade in Nordamerika“, oder auch „in Brasilien“ erzählte er lachend. Und wer hat sich schon Gedanken darüber gemacht, dass Asien, welches man sich eher kalt vorstellt, auch tropische Bereiche hat? Ja, und wo muss man jetzt den ostasiatischen Wald ansiedeln?

Herr Hardt liebt seinen Beruf ganz offensichtlich, und in einem so wunderschönen Arbeitsgebiet kann man sicherlich gar nichts anderes, als sich wohlfühlen. Ach, - wenn ich als junges Ding gewusst hätte, dass man Garten- oder Landschaftsbau studieren kann ...

Botanischer Garten
- Die geschichtliche Entwicklung der Botanischen Gärten -

Mal von vorne: Es hieße eigentlich: DIE botanischen Gärten, wurde uns erklärt. Der Erste gegründet 1620 - 1677 in der Gartenstraße, deshalb hieße diese so, (hoffentlich mache ich jetzt keinen Fehler). 1765 in der Wiehre, Nähe der Dreisam, 1879 da, wo sich heute das Gefängnis befindet, und seit 1912 ist dieses Juwel an der Stelle zu finden, wo es heute ist.

Zwischenzeitlich ist er leider viel kleiner geworden. Gelände musste abgegeben werden, mehrere große Gewächshäuser wurden gebaut. Ganze Bäume wachsen mittlerweile darin. In den Gewächshäusern werden verschiedene Klimaverhältnisse Tropen, Subtropen, für die Sukkulenten nachempfunden, im Farnhaus sind auch verschiedene Moose zu finden. 75 Arten gibt es im Botanischen Garten Freiburg, 300 seien bekannt, 1600 in Europa und etwa 20.000 weltweit.

Der Botanische Garten gehört zur Albert-Ludwigs-Unversität, zu Lehr- und Forschungszwecken. Der Eintritt ist noch immer kostenlos (Mo-Do, 12-16 Uhr).

Ein Heilpflanzengarten ist darin enthalten, die Beete nach Inhaltsstoffen geordnet, Beete der Antike, der Römer und Kelten, durch Jahre und Epochen. Kelten hätten eine Keilschrift gehabt, doch die Druiden ihr Wissen mündliche weitergegeben. In Grabstätten sei manches gefunden worden, auch aus der Steinzeit. Die Römer hätte lesen gekonnt und so sei das Erste Kräuterbuch entstanden, im Mittelalter, im Kloster Lorch. Von Nonnen wurden Heilpflanzen gesammelt, auch das Heilpflanzenbuch von Hildegard von Biengen wird ziemlich bekannt sein. Allerdings sei das Pflanzensammeln seinerzeit sehr gefährlich gewesen; Heilen war verboten! Gott habe die Krankheit als Buße in die Welt geschickt, behauptete die Kirche, und an die Hexenverbrennung der kräuterkundigen Frauen denkt man noch heute mit Schaudern.

Paracelsus schließlich legt das Grundwissen von heute, und mittlerweile gibt es vielerlei Literatur. Kelten haben seinerzeit mit Heilpflanzen gehandelt, sie importierten sie auch. Das war aufwendig und schließlich wurden in den Klöstern Kräuter- und Heilpflanzengärten angelegt. Die Inhaltstoffe der Heilpflanzen seien allerdings Klima- und standortabhängig. Viele Pflanzen sind uns bekannt, (mindestens dem Namen nach) ohne darüber lange nachzudenken. Ysop zum Beispiel, eine hübsche Pflanze mit herrlich langen, leuchtendblauen Blütenrispen, die möchte ich nächstes Jahr für meinen Balkon haben. Wir kennen Fenchel, (als schmackhaftes Gemüse und auch die Samen für Tee bei Babybauchweh), Wermuth, Beifuß (zum Gänsebraten) Kamille, da gibt es unterschiedliche Sorten (wusste ich beispielsweise nicht) und bei der römische Kamille riechen die Blüten anders als die Blätter, stellte ich staunend fest. Hopfen aus Nordamerika, zum Bierbrauen, wurde auch zu Heilzwecken angebaut. Dem Bier wurden aber Stoffe der Tollkirsche, des Stechapfels (Datura), beide hochgiftig, beigemischt, um die Rauschwirkung zu erhöhen! Um dies zu unterbinden, ist schließlich das Reinheitsgebot entstanden, welches heute noch gilt.

Dass das ebenfalls ziemlich giftige, wunderschöne weiße Maiglöckchen mit seinem betörenden Duft rote Beerenfrüchte hervorbringt, war mir doch tatsächlich unbekannt.

Echinacea, (ich glaube roter Sonnenhut) ebenfalls mit Vorsicht zu genießen, ist eine Heilpflanze aus Kanada, die Indianer kannten sie, und von der Heilkunst der Indianer waren die ersten Weißen nach ihrer Ankunft dort abhängig, weil sie selbst die Wirkung der verschiedenen Kräuter nicht kannten.

Übrigens haben Tiere durchaus auch Pflanzenkenntnisse. Sie wissen (meistens) was sie meiden müssen, oder suchen, wenn es ihnen nicht gut geht. Das funktioniert natürlich nicht mehr, wenn der Mensch etwas verändert, wie seinerzeit beim Raps, als Hasen und Rehe danach zuviel davon fraßen (nach Entfernung der Bitterstoffe) und krank wurden.

Die schöne Salvia stammt aus Brasilien. Herr Hardt erklärte uns anhand eines Schildchens, nach welcher Ordnung die Pflanzen angeordnet waren: Name, Gattung, Unterkunft, - und was war das noch? Die von vielen geliebte Camelia stammt aus Taiwan, und der im Frühjahr als einer der ersten so herrlich mit großen Blüten blühende Magnolienbaum aus Nordamerika. Auch nicht winterharte Bäume anzupflanzen ist gelungen, in gut geschützten Bereichen bleiben sie am Leben, jedenfalls meistens.

In der Nähe von zwei runden Teichen, einer davon beheizt, mit schönen Seerosen vom Nil, standen große Stängel mit riesengroßen Blättern, ähnlich Rhabarber im Aussehen, nur nicht essbar, das Mammutblatt. Dies sei nicht winterhart, bleibt aber draußen und muss im Herbst dick eingepackt werden. Rosmarin und Lorbeer, aus dem Mittelmeerraum stammend, seien winterhart, sollten aber ebenfalls geschützt werden.

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- Der Spickzettel -

Eine Weinsammlung alter Sorten gibt es, gegen Schädlinge auf amerikanische Unterlagen gepfropft, deshalb sei für Europäischen Wein eine Sondergenehmigung nötig. So „ordentlich“ wie Weinberge heute überall, sah diese Weinpflanzensammlung nicht aus, auch hingen die Trauben nicht nur unten am Weinstock, sondern alles blieb ziemlich naturbelassen. Doch der Botanische Garten ist ja auch Forschungsgebiet. In Nähe des Zaunes würden die Trauben meist ille-gal „geerntet“ wenn niemand in der Nähe sei und Herr Hardt wies lächelnd mit der Hand darauf hin: „Sie sehen, da ist alles leer.“ Benannt sei der „Weinberg“ nach Loki Schmidt, ihr zu Ehren, auch in anderen Botanischen Gärten. Mit diesen gäbe es auch einen lebhaften Austausch von hauptsächlich Saatgut, welches eifrig gesammelt würde. Aufgabe: Wissenschaft und Forschung, manches stünde auf den roten Listen. Und auch deshalb sollte nirgends etwas mitgenommen oder abgerissen werden. Rasen betreten hingegen sei erlaubt, vor allem für die Kinder, wenn Familien mit ihnen den Garten besuchten.

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- Bei den Reben -
Botanischer Garten
- ließen sich durch uns nicht stören -

- Die Liebe wächst auch im Botanischen Garten -

Die Gewächse seien nach bestimmten Regeln und Gebieten zusammengestellt; die Bäume, die Heilpflanzen, und auch andere, sie kämen aus allen Teilen der Welt. ...“und hier befinden wir uns „am Fuße des Berges“, lächelte Herr Hardt einmal. Gemeint, ein Alpinum im Botanischen Garten ein wunderschön angelegter Steingarten, mit den entsprechenden Pflanzen, die ja wieder andere, meist eher trockene, Bedingungen brauchen. Und während wir so dahinschlenderten, hörte ich plötzlich: „Und hier steht der Baum für die Bekleidungsindustrie“. Was meinst du?“ war die verblüffte Frage. „Na, ein Feigenbaum. Für Adam und Eva“, und fröhliches Gelächter war die Antwort.

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- Relationen -

Baumscheiben wurden uns noch vorgeführt, also die Querschnitte von Bäumen, eine mit ungeheuerem Durchmesser, sehr alt, von einem Spender zur Verfügung gestellt, und uns nun die Ringe erklärt, in denen ein Fachmann lesen kann wie in einem Buch. Wie alt der Baum geworden war, welche Lebensbedingungen in welchen Jahren er vorgefunden hatte, wann er eventuell leiden musste und vielleicht sogar, woran.

Zum Abschluss der Führung wollten wir noch durch das große Schaugewächshaus bummeln nur – wir kamen nicht sofort hinein, obwohl es hätte offen sein müssen; ein Kollege war krank geworden. Hier war nur Genießen der Schönheitensammlung angesagt, erklärt hat niemand mehr etwas. Moose und Farne, Aquarien mit Fischen, Wasserbecken, eines mit einer Lampe darüber, mit einem scheinbaren Ruheplatz darunter und wir rätselten, was das wohl sein sollte, bis wir die beiden Schildkröten, offensichtlich sogenannte Sumpfschildkröten, entdeckten. Viel Platz hatten sie ja nicht, ihnen blieb nur, immer im Kreis herumzuschwimmen.

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- Im Gewächshaus -
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- Papaya -
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- Sternfrucht (Averrhoa carambola) -

Ach, es war so viel, und so schön! Und mancher nahm sich vor: Hier gehe ich noch öfter her.

Und am Ende verloren sich die beteiligten Besucher diesmal, wir waren ja in Freiburg, also fast schon zuhause, und nun regnete es.


Autor: Irene (Heupferd)

Fotos: Trudel, Margit

Autor: Heupferd

Irene Sasse

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