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16 Feierabend-Freundinnen und –Freunde (trotz des technischen Themas interessierten sich nur 2 männliche Teilnehmer für die Hammerschmiede) kamen heute auf unterschiedlichen Wegen nach Kirchzarten um sich bei einer Führung die alte Schmiede anzuschauen und erklären zu lassen.

Trudel wanderte mit ihrer Nachbarin von Oberried nach Kirchzarten, 5 kamen mit dem Fahrrad, 4 mit dem Auto und der Rest nutzte den ÖPNV.

Als wir ÖPNV-Nutzer dort ankamen warteten schon erstaunlich viele Besucher in einer langen Schlange auf den Einlass. Auch wir mussten warten, da immer nur eine Gruppe von ca. 12 Leuten zur Besichtigung eingelassen wurde. Trudel hatte aber Plätze an einem Tisch freigehalten. Wer wollte konnte also noch vor der Besichtigung einen Kaffee trinken.

Die Kienzler-Schmiede wurde im 18. Jhd. errichtet, zu einer Zeit also, als den Menschen nur die Kraft des Windes oder des Wassers zum Antreiben der Räder zur Verfügung stand. In den wasserreichen Tälern des Schwarzwaldes entstanden viele Wassermühlen. „Klipp-klapp“ machte die Mühle, wenn der Müller Korn zu Mehl vermahlen wollte, wenn das Wasserrad eine Säge antreiben sollte. Und „klipp-klapp“ machte das Wasserrad auch, wenn in einer Hammerschmiede ein Hammer in Bewegung gesetzt werden sollte.

Um eine Hammerschmiede zu betreiben, waren aber auch noch zwei andere Voraussetzungen wichtig: Es musste Wald vorhanden sein, denn Köhler lieferten Holzkohle für den Betrieb der Esse. Es musste in nicht zu großer Entfernung Eisenerz gefördert und auch zu schmiedefähigem Material verhüttet werden. Nun der Schwarzwald liegt vor Kirchzartens Haustür und neben Silbererz wurde im Schwarzwald auch Eisenerz gefördert. Bezeugt ist eine Eisenerzgrube in Neuenbürg im Nordschwarzwald, bei Blumberg und auch in Lipburg. Das Eisen musste in Pferdefuhrwerken nach Kirchzarten befördert werden. Erst nach dem Bau der Rheintal- und später der Höllentalbahn löste sich das Transportproblem.

Ein Wasserrad wird auf zwei Arten in Bewegung gesetzt , oberschlächtig oder unterschlächtig, je nachdem ob das Wasser von oben durch einen kleinen Wasserkanal auf das Rad geleitet wird oder ob das Rad direkt im Bach hängt und das Wasser unten gegen die einzelnen Schaufeln schlägt. In Kirchzarten haben wir es mit einem unterschlächtigen Rad zu tun.

Beim Betreten der Mühle stand man zunächst vor einem für unsere Augen zunächst undefinierbaren Durcheinander, dass sich erst nach und nach bei den Erkärungen des Führers entwirrte. Die drehende Bewegung des Wasserrades wird durch sog. Transmissionen (kleine und große Zahnräder, verbunden durch Treibriemen) beispielsweise in das auf und ab des Schmiedehammers übersetzt. Musste der Schmied sonst das in der Esse glühend gemachte Eisen von Hand mit einem schweren Hammer bearbeiten, hämmerte nun der mechanisch bewegte Hammer für ihn das Eisen. Und nicht nur das.

Direkt neben dem Hammer wurde ein Schleifrad über Transmissionen angetrieben. Ein soeben geschmiedetes Sensenblatt z. B. konnte so auch gleich geschliffen werden. Auch der große Blasebalg über der Esse wurde durch eine Transmission angetrieben. Hergestellt wurden in der Schmiede vor allen Dingen Gegenstände für den bäuerlichen Bedarf (die schon erwähnten Sensenblätter, Schaufeln, Äxte usw.). Es wurden aber auch Kleinteile für Uhren und auch große kegelförmige Teile für den Vortrieb im Boden zum Verlegen von Wasserleitungen hergestellt.

Was mich sehr verwundert hat: Im gleichen Raum wurde auch über eine Transmission eine Oelmühle und eine Kreissäge angetrieben. Besonders beeindruckt hat mich das große Rad der Transmission. Es wurde ganz aus Holz gefertigt. Genauso beeindruckt hat mich die Welle, die den Hammer antreibt und der Hammer selbst – 4 Zentner schwer.

Die Decke und Wände der Schmiede sind schwarz vom Ruß der Esse. An einer Wand hängt noch der Originallederschurz des letzten Schmiedes. Die Schmiede wurde bis 1961 von der Familie Kienzler betrieben. Etwa 250 Jahre ging das Schmiedehandwerk vom Vater auf den Sohn über. Nach der Aufgabe der Schmiede durch die Familie Kienzler übernahm die Gemeinde das schützenswerte Objekt. 1961 – 1965 wurde die Schmieder mit Hilfe des Denkmalamts gründlich saniert. 1978/79 wurden das Wasserrad, das Wasserwehr und das Hammerwerk dem Original entsprechend erneuert.

Nun kümmert sich der Schwarzwaldverein um das Denkmal. Es werden noch viele ehrenamtliche Arbeitsstunden und viele Spenden nötig sein, um die Schmiede wieder so herzurichten, dass sie voll funktionsfähig vorgeführt werden kann. Durch unseren Besuch heute haben wir ein kleines Scherflein dazu beigetragen.

Wir konnten als Gruppe nicht gemeinsam die Schmiede besichtigen. Als wir unsere Führung beendet hatten, saßen die ersten schon in der Eisdiele beim Eis. Wir sind ihnen ganz schnell gefolgt. Dann verabschiedete sich einer nach dem anderen, um wie hergekommen den Heimweg anzutreten. Es war ein interessanter Nachmittag. Jetzt wissen wir alle, wie schwer trotz erster technischer Hilfen das Schmiedehandwerk vor fast 250 Jahren noch war.

Fotos: Oleander/Anke – Papageno/Dieter - Trudel

Autor: Tettane

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