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„Was ist das, Konfuzius? Wie schreibt man denn das?“ Fragte eine Bekannte am Telefon, sie hatte mich aus meinen Gedanken gerissen, wollte das nun erklärt haben und brachte mich damit erst so richtig darauf, wie wenig ich das, was mir da so kraus durch meine Gehirnwindungen wirbelte, in hörbare Worte zu kleiden imstande war. „Das will ich dann aber auch wissen“, meinte sie noch, ehe wir auflegten.

Hm! Und was weiß ich von Konfuzius wirklich und was schreibe ich nun, und warum?

Aali hatte uns einen Termin vereinbart im Konfuziushaus in Freiburg, in der Turmstraße.

Unzähliger Male war ich schon vorbeigelaufen, doch noch nie wirklich durch diese hübsche bunte kleine Straße, sie war mir bisher völlig entgangen. Viele nicht große, sehr alte Häuser befinden sich hier, in kräftigen Farben, mit heute seltsam erscheinenden Namen, und auch das Zunfthaus der Narren. Und daneben ist nun, am 1.Oktober 2009, das Konfuziushaus in Freiburg eingezogen und soll eine Plattform sein für Kontakte, Meinungs- und Interessenaustausch, Politik und Kultur, zwischen den Ländern und Partnerstädten.

Seit ca. 16 Monaten gäbe es das Institut, teilte uns die Leiterin, Frau Haiyan Hu bei ihrer Begrüßungsansprache mit.

Gegründet sei das Institut in Kooperation mit der Uni-Freiburg und dem chinesischen Uni-Partner Nanjing, der Zentrale in Peking und der Stadt Freiburg mit dem Ziel, die Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft zwischen den Ländern zu stärken, das gegenseitige Verständnis zu verbessern und die Sprachausbildung zu fördern.

Danach hielt auch Aali noch eine kleine Ansprache.

Danke lieber Aali, das war eine tolle Idee von dir. Das es vor dem Besuch noch so dumme Unstimmigkeiten, wegen eines plötzlich genannten und uns außerdem reichlich hoch erscheinenden Preises geben würde, der dann im letzten Moment einige der Teilnehmer abschreckte, konntest du nicht ahnen. „Unkonfuzianisch sei dieses Gebaren,“ fanden wir, die wir vor dem Hause warteten, bis alle da waren. Wer dann trotzdem noch kam, hat es sicherlich nicht bereut. Wir wurden zuerst mit Kaffee, Tee und Kuchen empfangen,,mit einer Entschuldigung, dies sei ein Missverständnis gewesen, und bezahlt haben wir letztlich - nichts!

Konfuzius
Bewirtung

Nun zu Konfuzius, Meister, K´ung-tse, (der Name wurde später lateinisiert). Er war chinesischer Philosoph und Staatsmann, auch Minister, auf den eine der sieben größten Weltreligionen zurückgeht, die weit älter als das Christentum ist. Konfuzius wurde nämlich schon 551 v.Chr. geboren, er starb 479 v.Chr., in seiner Heimat. Das mussten jesuitische Mönche (beschämt?) erfahren, die im 16. Jahrhundert( n.Chr. natürlich) einen Orden gegründet hatten und gedachten, dem „Reich der Mitte“ als Erste westliche Mentalität und die christliche Botschaft zuzutragen. Von Konfuzius wussten sie nichts und glaubten, Anhängern Buddhas zu begegnen, und hatten sich extra buddhistische Mönchskutten angezogen. Sie mussten jedoch bald erkennen, dass der Konfuzianismus eine ostasiatische Lebenseinstellung und Staatsreligion ist. Dass er Kultur und Geistigkeit widerspiegelt, darauf ausgerichtet ist, die Traditionen zu achten, auf die Wurzeln der Kultur. Rituelle Vollzüge dienten der Verpflichtung in einem kultischen Rahmen. Zusammenhalt ist in der chinesischen Gesellschaft wichtig. Die „Lehre der Gelehrten“. So oder so ähnlich schien die Deutung, welche die Missionare nach Europa mitbrachten.* Also beibringen mussten die Jesuiten den Asiaten nichts. Im übrigen gibt es zwischen den einzelnen Religionen keine Unterschiede, alle religiösen Riten dienen einer Gottesverehrung.
Kap.7, S.319, S.320, Die sieben Weltreligionen *
Ist der Konfuzianismus in erster Linie ein Moralsystem für das menschliche und staatliche Gefüge? Einen hohen Rang jedenfalls hat die Tugend, Religion und Ethik werden als unauflösliche Einheit gesehen und wirkt sich bis ins tägliche Leben aus. Die christliche Religion hatte mal ähnliche Ansprüche und ich wünschte mir, die Menschen würden sich danach richten, es gäbe weniger Unfriede und vielleicht keine, mindestens weniger Kriege. Eine Leitschnur brauchen die Menschen, einen Gott nicht unbedingt, doch brauchen wir offenbar unbedingt etwas zum Festhalten.
Erinnerungen bildhafter Beschreibungen aus Büchern (z.B. Pearl S Buck, davon habe ich einige) lassen ein ganz anderes, eben ein altes, China vor dem inneren Auge erstehen, (damals der Chinese mit langem schwarzem Zopf, den asiatischen Schlitzaugen, mit dünnem Kinnbärtchen, und großem Hut, das war China in unserer Vorstellung). Man kann sich die Entstehung des Konfuzianismus in dieser offenbar versunkenen Welt gut vorstellen. Doch passt er wirklich heute auch noch? Passt er noch in das Land, wie es sich heute darstellt und entwickelt hat? Prof. Wang jedenfalls ist ein moderner, gut aussehender Mann, das schwarzwellige Haar kurz geschnitten und sein etwas asiatisches Aussehen unterscheidet sich von dem unseren nicht sehr.
Ein Satz aus dem Buch, welches hier vor mir liegt und mir gerade ins Auge springt:
„Das Menschsein zu lernen ist das zentrale Anliegen der konfuzianischen Tradition“ (S.319)
Es entstand eine Religion, die weder Kirche ist noch zu einem Gott betet, sie basiert höchst einfach, so wie sich das für mich heute darstellt, in erster Linie auf Achtung und Ehrlichkeit, und eben Anständigkeit, aber auch auf einem gewissen Gehorsam und Respekt.
Konfuzius selbst hat keine Aufzeichnungen gemacht, über sein Leben gibt es nur wenige Anhaltspunkte, nur mündliche Überlieferungen seiner Schüler, aus der Zeit des dritten, vorchristlichen Jahrhunderts.
„Entschließe dich zum Weg, erweise dich in der Tugend, richte dich nach der Menschlichkeit, erhole dich am Schönen.“ Soll er gesagt haben. Und andere Meisterworte: „Sei unwandelbar zuverlässig, freue dich zu lernen, und sei bereit, für den guten Weg zu sterben.“
„Meister, das ist gerade euer Weg“, soll einer seiner Schüler gesagt haben, doch Konfuzius von sich bescheiden: „Der Weg des Edlen hat drei Bahnen. Ich war nie imstande, sie zu gehen; wer die Menschlichkeit besitzt, ist niemals unglücklich, wer die Weisheit, nie im Zweifel, wer die Tapferkeit, ist ohne Furcht.“ Also ich muss dieses Buch endlich lesen. (Die sieben Weltreligionen)

Nichts ist von dem mittlerweile reichhaltigen Material, unseren Besuch betreffend, in dem bis hierher Geschriebenen enthalten .Zunächst danke ich Anke für ihren „Anstubser“ und vor allem auch Tinski/Helga, die das für mich wesentliche fand, zum Nachlesen, eine kleine Broschüre: Online-Konfuzius-Institut. Und schließlich Margit, die mir mit Überschallgeschwindigkeit das ihr für mich Übersandte von Prof. Dr.Wang Min übermittelte und dann auch noch Arbeit damit hatte, weil ich es bei mir nicht öffnen konnte. (nicht unterlegt.) ich hätte mich also mit den Notizen nicht abplagen müssen, und dabei entging mir leider Einiges von dem Gesagten.
Prof. Wang Min hielt einen informativen Vortrag.

Konfuzius
Prof. Wang Min

Was ist der Konfuzianismus? Und erläuterte im Wesentlichen die Lehren der konfuzianischen Schule: Konfuzius, Sohn eines Heerführers, zog mit vierzehn Schülern durch die Lande und bot seine Dienste den Fürsten an, wurde aber regelmäßig abgelehnt. China hat viele Einzelstaaten. Er widmete sich seiner Lehrtätigkeit und hatte ca. 3000 Schüler.

Konfuzius
Konfuzius mit seinen Schülern

Staatliche Ehren erfuhr er, - nach seinem Tod. Er erhielt die Würde eines chinesischen Kaisers und wurde den Gottheiten gleichgestellt, und der Kaiser besuchte auch sein Grab. Statuen wurden errichtet.

Hier die Lehren der konfuzianischen Schule, die Prof. Wang Min zu erläutern versuchte und die ich versucht hatte, mitzuschreiben.
1. Die drei Grundregeln: Der Monarch herrscht über seine Untertanen, Der Vater über seinen Sohn, der Mann über seine Frau.
2. Die fünf Tugenden: Menschlichkeit, Gerechtigkeit Ethisches Verhalten, Weisheit, Glaubwürdigkeit. (Das brauchten die Jesuiten also dort nicht mehr hinzutragen.)
3. Die drei sozialen Pflichten: Loyalität, Kindliche Pietät, Wahrung von Anstand und Sitte. (Scheint heutzutage ziemlich auf der Strecke zu bleiben)
4. Fünf menschliche Elementarbeziehungen: Vater-Sohn, Herrscher-Untertan, Ehemann-Ehefrau, Älterer Bruder-jüngerer Bruder, Freund-Freund.
5. Die Frau untersteht drei Gehorsambeziehungen: Gehorsam gegenüber dem Vater, wenn sie jung ist, gegenüber dem Ehemann, wenn sie verheiratet ist, gegenüber dem erwachsenen Sohn, wenn sie verwitwet ist.
Heißt: Sie hat überhaupt nichts zu melden, und das hat sich möglicherweise auch in der restriktiven Kinderpolitik der letzten zwanzig Jahre niedergeschlagen, es gab kaum noch Mädchen.
6. Dann gibt es noch vier wichtige Bücher, mit Grundsätzen, die ich hier mal weglasse, (ich kann sie nicht deuten) und
7. fünf Klassiker, nämlich: Das Buch der Wandlungen, der Lieder, der Urkunden, der Frühlings- und Herbstanalen, und der Riten.
Konfuzianismus soll Gesellschaftsmodell sein und Staatsdoktrin zahlreicher Dynastien; Humanistische Vorstellungen, das Ideal von Besonnenheit und Mitgefühl als Basis der Gesellschaftsform.
Was macht eigentlich das Wesen von Religion aus? Sittliche Normen, kommt immer wieder zum Ausdruck in den klassischen Texten. Im Rahmen tausender Jahre ist die Entwicklung des Konfuzianismus; seine Religionsgeschichte immer neuen Wandlungen unterworfen.
s.S.319, Entwicklung)

Mittlerweile seien in fünf Jahren 300 Konfuzius-Institute eröffnet worden in aller Welt, und es gäbe auch Stadtpartnerschaften. 55 Nationalitäten gäbe es, erfuhren wir noch, die Han-Chinesen seien in der Mehrheit.

Zum Schluss seines Vortrages stellte uns Prof.Wang noch drei wundervolle Musikinstrumente vor:

Konfuzius
mit Kalebassenflöte

Eine Bambusflöte, mit dunklem Grundton, eine kleine, hölzerne Querflöte, sehr hell, und eine Kalebassenflöte, und alle klangen sehr schön, als er sie für uns spielte. in der inneren Vorstellung standen während dessen Bilder auf, Vögel hörte man singen, Mädchen sah man tanzen, in sonnendurchfluteten Hainen.... Obwohl er diese Instrumente ganz ausgezeichnet spielte meinte er in typisch chinesischer Bescheidenheit: er sei nur Amateur.
Aali war der Meinung, heutzutage herrsche in China Materialismus, und lächelnd ließ er noch wissen: Nicht Berthold Schwarz habe das Schwarzpulver erfunden sondern schon viel früher ein Chinese.
Auf einer uns ausgehändigten, chinesisch bemalten Postkarte findet man einen aufgedruckten Spruch, der lautet: Konfuzius sprach: „Etwas lieben ist besser, als darüber Bescheid zu wissen, und sich an etwas zu freuen ist besser, als es nur zu lieben“. Anhand dieser Worte wurde mal wieder klar, dass man Begriffe, Gefühle, Vorstellungen nicht ohne weiteres von einer in die andre Sprache übertragen kann, und über diesen Satz ließe sich trefflich philosophieren, schuld scheint das Wörtchen: Nur.

Eine nicht unwichtige Frage war: „Wie trinkt man eigentlich Tee?“ Und wir erfuhren, dass es am 26. bis 28. Mai ein Partnerstadttreffen mit einer Teezeremonie auf dem Rathausplatz gäbe.
Die Teezeremonie stamme aus China und dazu gäbe es auch extra Geschirr.
Und wie trinkt man nun Tee? Drei Aufgüsse gäbe es, hatte die Leiterin schon anfangs erläutert. Man sage: Der erste Aufguss für den Feind, der zweite Aufguss für den Freund, der dritte Aufguss erst für sich selbst, denn der sei der Beste. Der erste Aufguss nämlich müsse erst den Staub aus den Teeblättern spülen und werde deshalb üblicherweise weggegossen.
Am Ende des Besuches wurde uns von Frau Gantert noch eine Porzellansammlung gezeigt. Ein Spender, Herr Ottmar Kurrus,

Konfuzius
Ottmar Kurrus, der Spender des chinesischen Porzellans

Mathe- und Physiklehrer, hat diese seit 1968 gesammelten Stücke zur Verfügung gestellt, sie seien noch gar nicht ganz ausgepackt.

Kobaldblau, Kobaldoxid enthielten die schönen Stück hauptsächlich. Sie erzählte von der Art der Herstellung, der Verbindung von Muster und Herkunft, das man Jahr und Zeit und Geschichte und Ort herauslesen könne. Ein schöner Abschluss.

Kond
Irene mit Frau Gantert

Fotos: anke (Oleander)

Autor: Heupferd

Irene Sasse

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