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... eine klassische Besichtigungsveranstaltung war es jedenfalls nicht, an der die 24 Mitglieder der Feierabend Regiogruppe Freiburg teilgenommen hatten.

Denn über Baugeschichte, Architektur, Ausstattung des Hauses wurde nur ganz kurz gesprochen und auch zu einer Führung durch das Gebäude kam es nicht. Wer dazu Genaueres wissen möchte, dem sei Pitts detail- und kenntnisreicher Bericht „Das Haus des neuen Anfangs“ zur Lektüre empfohlen.

zum Bericht klick hier

Wissenswertes über die Größe und die Aktivitäten der Jüdischen Gemeinde Freiburg, z. B. die religiösen Lehrangebote, Fortbildungsveranstaltungen, Sprach-, Musik- oder Computerkurse kann man der Internetpräsentation der Gemeinde entnehmen.

Statt dessen führte uns Klaus Teschemacher, langjähriger Geschäftsführer und Gründer der Jüdischen Gemeinde Emmendingen humorvoll und mit der Selbstironie, die ich in meinen Anfangszeilen nannte, in einige Aspekte des jüdischen Alltagslebens, in einen kleinen Bereich des großen Spektrums jüdischer Tradition und jüdischen Denkens ein.

Wir versammelten uns zunächst im lichtdurchfluteten Foyer vor der Gedenktafel, auf der die Namen der Freiburger Familien verzeichnet sind, denen keine Rettung gelang. Bei diesem Anblick wird man ganz von selbst still und nachdenklich. Aber schon vor der Öffnung der dunklen, eichenen Flügeltüren, die aus der, in der Pogromnacht 1938 in Flammen aufgegangenen, alten Freiburger Synagoge stammen, wurden die ersten Fragen gestellt. Und kaum hatten wir in den Bankreihen des Kultraumes Platz genommen, wurde der Schlagabtausch von Fragen und Antworten immer lebhafter.

Einen breiten Raum nahmen die Fragen zu den jüdischen Speisegesetzen ein. Was bedeutet koscher? Warum wird bei der Zubereitung von Milch- und Fleischspeisen auf die strikte Trennung von Geschirr, Töpfen etc. geachtet? Warum gibt es die besondere Schlachtmethode, das Schächten? Warum, warum, warum?

Zusätzlich zu den sachlichen Antworten, die in der Regel aus der Geschichte des jüdischen Volkes zu erklären sind, erfuhren wir aber auch in launigen Anekdoten, dass es augenzwinkernde Möglichkeiten gibt, die Speise- und andere Religionsgesetze großzügig auszulegen. Und dass die sephardischen, die ursprünglich ladinisch (eine altertümliche spanische Sprache) sprechenden Nachfahren der spanisch-portugiesischen und die aschkenasischen, die ursprünglich jiddisch sprechenden Juden Nord-, Mittel- und Osteuropas unterschiedliche Bräuche und religiöse Praktiken haben.

Immer neue Themenkomplexe wurden durch unsere Fragen angerissen. Fragen zu den jüdischen Festen: Jom Kippur – Versöhnungsfest; Chanukka – Lichterfest; Laubhüttenfest – zur Erinnerung an den Auszug des jüdischen Volkes aus Ägypten; Rosh hashana – Neujahrsfest .... Unversehens waren wir dann bei der jüdischen Theologie und sprachen darüber, dass es keine Dogmen gibt, dass nicht missioniert wird, eine Konversion zwar möglich ist, aber intensives Lernen voraussetzt, über die Rolle der Frau.

Natürlich wurden auch Fragen gestellt zum Ablauf eines Gottesdienstes und wir erfuhren, dass für diese Betergemeinschaft die Anwesenheit von mindestens 10, im religiösen Sinn, volljährigen, männlichen Personen notwendig ist. Klaus Teschemacher erläuterte uns unter anderem die Symbolik des siebenarmigen Leuchters. Die Menora trugen die Israeliten bei ihrer vierzigjährigen Wanderung durch die Wüste stets mit sich. Dass die 40 Jahre nur symbolisch zu verstehen sind und es sich lohnt, über die vielfältige Bedeutung der Zahl 40 in der Zahlenmystik nachzudenken, auch darauf wurden wir aufmerksam gemacht.

Hinter dem bestickten Thoravorhang verbergen sich die 7 kostbaren handgeschriebenen Thorarollen, die der Freiburger Synagoge gestiftet worden sind. Eine ganz besondere konnte Klaus Teschemacher für uns aufrollen und demonstrieren wie der Vorbeter unter Zuhilfenahme des Thorazeigers daraus vorliest. Diese Thorarolle ist nicht mehr koscher, sie ist beschädigt, denn sie wurde ebenfalls 1938 aus dem Brand der alten Freiburger Synagoge gerettet.

Es wurde noch vieles angesprochen, als aber die Worte Mystik und Kabbala fielen wären wir wohl in eine Unendliche Geschichte geraten, hätte Pitt das Wechselspiel von Fragen und Antworten nicht mit einem Dank an Klaus Teschemacher für seine geduldigen, ungewöhnlich anschaulichen Ausführungen beendet. Wir hoffen, dieser lässt sich die Flasche koscheren Weines munden.

Als wir die Synagoge wieder verließen, waren im – zumindest meinem - Kopf, mehr Fragen als Antworten. Ich bin sicher, auch andere sind mit dem Wunsch gegangen, mehr über die Welt hinter diesen Türen erfahren zu wollen.

Vielleicht war auch das Mitglied unserer Gruppe durch die vielen Informationen, die wir gerade erhalten hatten, erschöpft, stand deshalb etwas ratlos vor der Ausgangstür und konnte sie nicht öffnen. Wer das war will ich aber nicht ausplaudern, hatten wir doch gerade erst gelernt, dass man niemanden bloßstellen oder beschämen soll.

Einen Ausklang mit anregenden Gesprächen gab es bei Kaffee, Kuchen und allem was Herz und Gaumen sonst noch begehrt, bei herrlichem Wetter und einem Blick auf den wunderbaren Wald unseres Freiburger Schlossbergs.

Mein ganz persönliches Fazit dieses Nachmittags? ich werde ganz sicher über vieles was zur Sprache kam, was wir nur streifen, kurz oberflächlich benennen konnten, nachlesen, nachdenken ....Wem geht es eben so?

Fotos: Henri; Peter/ReRe

Autor: sternwald

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