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Die Führung durch den Herder-Verlag fand so viel Anklang, dass ich erreichte, dass eine 2. durchgeführt werden konnte. Wegen verschiedener Gründe verschob sich der Termin immer wieder und landete letztendlich beim 5. Juli. Den Bericht unseres Mitglieds Bleistift01 vom Februar dieses Jahres wollte ich erst danach eingeben, so dass die Klimaangabe nicht mehr ganz passend ist.

Auch wenn er erst heute erscheint, wünsche ich allen Leserinnen und Lesern viel Freude an diesem ausgezeichneten Bericht:

Trotz eisigen Nordwest-Windes trafen sich am Freitag, 22.02.2013, eine Anzahl Feierabend-Mitglieder im Herder Verlag.

„Geist schafft Leben“ steht in goldenen Lettern über dem Portal des Verlages im sogenannten roten Haus. Unter diesem Namen ist vielen Freiburgern der Herder Verlag bekannt.

In der beeindruckenden Eingangshalle empfing uns Herr Zimmermann, ein Pensionär des Herder-Verlages, der mit 78 Jahren noch immer die Führungen im Herder Verlag übernimmt.

Über eine imposante Treppe gelangten wir in den Versammlungsraum im Obergeschoss. Dort beeindruckten uns zuerst einige Porträts der Vorfahren der Herder`s, die an der Fensterseite angebracht waren, aber auch eine große Bücherwand, die viele Werke berühmter Gelehrter und Schriftsteller enthielt.

Nachdem wir an einem großen Konferenztisch Platz genommen hatten berichtete Herr Zimmermann über die Geschichte des Verlages.

Der Herder Verlag kann auf eine lange Verlagsgeschichte zurückblicken. 1798 gilt als das Gründungsjahr. In jenem Jahr errichtete Bartholomä Herder (auch Herderer genannt) in Rottweil eine Schulbuchhandlung und zusammen mit einem Johann Nepomuk Spreng auch eine Druckerei.

Nach einem bewegten Leben kam Bartholomä Herder im Jahr 1808
in die Universitätsstadt Freiburg. Das Unternehmen druckte neben Kupferstichen auch Landkarten und Stadtkarten.

Die damals berühmte Rheinprovinzkarte kam aus dem topographisch-kartographischen Institut des Herder Verlages. Auch eine Feldkarte und die „Feld-Zeitung“ für die französischen Truppen unter Napoleon wurde bei Herder gedruckt.

Daneben war Bartholomä Herder als guter Katholik auch bemüht, den Bildungsstand der katholischen Bevölkerung durch seine Bücher anzuheben. Neben religiösen Büchern wurden auch Werke wie „Der Handel nach Ostindien“ oder der „Finanzlastenausgleich im altdeutschen Reich“ hergestellt.

Als aufgeklärter Katholik unterhielt Herder auch eine gute Verbindung zum Bischof von Konstanz, die zurückging auf seine Tätigkeit als Hofdrucker des Bischofs in Meersburg.

Die nachfolgenden Generationen hatten den Ehrgeiz bester Verlag im katholischen Sprachraum zu werden und so gründeten die Herders weltweit Niederlassungen, u.a. in Sao Paulo aber auch in Wien und anderen Städten. Herder betrieb eine expansive Politik, blieb aber dennoch ein traditionsbewusstes Haus.

Neben religiösen Schriften wurde nun auch weltliche Literatur gedruckt, so fanden viele Werke berühmter Schriftsteller den Eingang in den Herder-Verlag.

Beim verheerenden Bombenangriff auf Freiburg im November 1944 brannte das „rote Haus“ bis auf die Grundmauern nieder, aber bereits im Jahr 1946 begann der Wiederaufbau im alten Stil. Bald zeigte sich aber, dass der Komplex zu klein war und so wurde ein Teil des roten Hauses an das Land Baden-Württemberg verkauft. Dieser Teil wird heute von der Universität genutzt.

Mit dem Verkaufserlös wurde ein Gebäude in Hochdorf bezogen, das heute die technischen Anlagen beherbergt. Im alten Gebäude in Freiburg sind die Büros der Firma untergebracht. Vertrieben werden die Bücher heute über eine Vertriebsabteilung in Stuttgart.

Aus betriebswirtschaftlichen Gründen wurden auch viele Buchhandlungen aufgegeben. Einige davon, darunter auch die Herder-Buchhandlung in Freiburg, gingen an die Firma Thalia.

Heute ist der Herder-Verlag kein rein konfessioneller Verlag mehr.

Herr Zimmermann führte uns noch in das 3. Obergeschoss mit den vielen Büros und wir konnten einen Eindruck gewinnen von der heutigen Größe des Verlages.

Auch die moderne Zeit hat vor dem Verlag nicht Halt gemacht und so sahen wir in jedem Büro Computer stehen, an denen die Mitarbeiter arbeiteten.

Im Erdgeschoss verabschiedeten wir uns von Herrn Zimmermann mit vielem Dank für die aufschlussreiche Führung.


Unser Mitglied Sternwald hat Spaß an Recherchen und hatte im Forum folgendes veröffentlicht, was ich den Leserinnen und Lesern nicht vorenthalten möchte:

mich hat Näheres interessiert zu dem "Grab eines französischen Offiziers im Freiburger Münster", worüber Hermann Herder einen kleinen Aufsatz verfasst hat. Herr Zimmermann erzählte diese Anekdote während seines launigen und informativen Vortrags. Falls es noch jemanden interessiert:

Es handelt sich um den Oberst Jean d'Apremont aus der Champagne. Er wurde in Wittenweier verwundet, nach Freiburg gebracht, starb im Haus zum Walfisch und wurde (obwohl er ein Feind war, wie Hermann Herder schrieb) im Münster beigesetzt. Das Herz wurde in seinen Heimatort in der Champagne gebracht. Der Aufsatz von Hermann Herder ist nachzulesen in: Freiburger Münsterblätter, Jahrgang 1916, S. 44-46.
Dieser Aufsatz beginnt mit den Worten: Zwei Freiburger, die der jetzige Weltkrieg in die Champagne führte, haben dort zufällig eine Erinnerung an Freiburg gefunden .....

Vielen Dank, liebe Sternwald für Deinen Beitrag (2. Führung)!

Anschließend saßen wir noch im Restaurant des Kaufhofs beim Mittagessen in gemütlicher Runde zusammen.

Fotos der 1. Führung: ReRe
Fotos der 2. Führung: henri

Autor: Bleistift01

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