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So um die zwanzig FA´ler trafen sich am 22. November 2012 um 14.00 Uhr am Augustinerplatz. Es war ein etwas trüber, aber noch milder und trockener, Novembertag.

Vor dem Haus Stiegeler empfing uns das Seniorenpaar Stiegeler mit ihrer Tochter Frau Henrike Beck.

Herr Gottfried Beck, der Senior-Chef, ein lebendiger Achtziger mit Charme, brachte uns den Augustinerplatz geschichtlich näher.

Die Hauszeile der Gerberau mit Stiegeler`s Haus Nr. 36, wurde ca. Ende des 14. Jahrhundert errichtet. Das Haus Nr. 36 war früher das „Haus zum unteren Pflug“, erbaut 1381, während die Häuser gegenüber, angeschmiegt an die historische Stadtmauer, im 18. Jh. erbaut wurden.

Zwischen der Stadtmauer und der Gerberau, dem Handwerkerviertel, lag der begrünte Stadtgraben. Gerber, Tuchmacher, Walker, Färber, Ballierer (Edelsteinschleifer) und andere Handwerksbetriebe lagen in der sogenannten „Schneckenvorstadt“, durch die der Gewerbebach noch heute verläuft.

Herr Beck führte uns an die Stadtmauer zum Eingang der Tiefgarage, um uns das Projekt eines Künstlers zu zeigen, der uns Zeitgenossen „vor Augen führt“, was, angenommen, im Jahr um 3.500 n. Chr. dann Archäologen aus unserer Kultur ausgraben: eine Trümmerlandschaft mit Autowrack, verrottete Eisenbetonträger, Toilettennische und Müll!

Weiter führte er uns über die Fischerau, Adelhauser Klosterplatz, über die „Insel“ und zurück zu Gerberau und Augustinerplatz.

Wir erfuhren einiges über den Gewerbekanal und die Bächle; jedoch auch über die Firma Stiegeler, die über 110 Jahre von der Familie Stiegeler und in familiärer Nachfolge von der Familie Beck geführt wird.

1902 gründete Gottfried Stiegeler mit seiner Frau Rosa das Textilgeschäft mit Damenschneiderei in dem damaligen Stadtteil Neuburg in der Eckerstraße.
Herr Beck erinnerte sich an den Luftangriff auf Freiburg am 10. Mai 1940, den er als Kind dort erlebt hatte. Bomben fielen auf den Stadtteil, es gab Tote und zerstörte Häuser. Deutsche Flieger, die Ziele im Elsass angreifen wollten, hatten sich geirrt.

110 Jahre Stiegeler
- Adelhauser Kloster -

Im Geschäftshaus Stiegeler angekommen wurden wir mit einer Erfrischung (Sekt und Saft) empfangen und durch die Geschäftsräume geführt, ca. 800 qm Verkaufsfläche auf drei Ebenen mit dem für ein gutes Bettenhaus ausgestatteten Sortiment. Im Kellergeschoss ist die Bettenfüllstation mit Näherei und Waschmaschine untergebracht.

- Gerne haben wir uns im Hause Stiegeler die sehr schönen und hochwertigen Auslagen angesehen. -

110 Jahre Stiegeler
- Die Betten werden getestet -

Doch der eigentliche Zweck der Hausführung war der Gewerbebach, dessen Kanal unter dem Erdgeschoss des Geschäftshauses verläuft und im Keller hinter der Wand. Ein Notausgang führt sogar unter dem Kanal durch wieder nach oben über den Hausflur zum Augustinerplatz.

110 Jahre Stiegeler
- Hinter dem Haus in der Altstadt -

Im 1.OG zeigte uns Herr Beck einen frei gelegten Teil der historischen, alten Hauswand. Sehr interessant ist die Statik der Ziegelmauer, die durch Einbau von Gewölbebögen erreicht wird. Die Bögen sind klar erkennbar. Gefüllt waren die Gewölbe mit Abraum. In einem Mauerteil ist eine Kanonenkugel eingebaut, die man im Hause fand. Sie stammt aus dem Österreichischen Erbfolgekrieg (November 1744). Das Geschäftshaus wurde in den 80/90er des vorigen Jahrhunderts neu aufgebaut, nachdem der alte Kern, durch Brand zerstört, abgeräumt war.

Die beiden Häuser Nr. 34+36 stellen mit ihren historisierten und blumengeschmückten Fassaden besondere Schmuckstücke dar, die sich harmonisch in die alte Bausubstanz der Zeile eingliedern.

110 Jahre Stiegeler
- Ein Plätzchen für einen Kaffee in der Pause! -

Der Gewerbekanal, schon früh angelegt, wird im Osten Freiburgs am Sandfang von der Dreisam abgezweigt. Er verläuft direkt unterhalb des Schloßbergs bei der Kartäuserstraße, offen und in der Nähe des Schwabentores, unter der Straße und unter dem Gebäude der Wäscherei Himmelsbach, die das Wasser nutzt, an der „Insel“ vorbei, unter die Häuserzeile der Gerberau und tritt in der Fischerau wieder zu Tage. Dort teilt sich der Gewerbebach in einen nördlichen und südlichen Arm.

In Höhe der Kartäuserstraße 47a, wird das Wasser für die Bächle entnommen und in einem Stollen bis zum Schwabentor geführt (1302). Die Bächle sind bereits für das Jahr 1238 belegt. Vom Schwabentor aus - dem höchsten Punkt der Altstadt - wird das Wasser in die Bächle verteilt, die westlich der Altstadt wieder in den Kanal geleitet werden.

110 Jahre Stiegeler
- Wie Häuser miteinander verbunden sind -

Die Wasserbewirtschaftung in den Orten und Städten war und ist lebenswichtig und deshalb meistens rechtlich geregelt. Für Freiburg war und ist dies in den sogenannten Runzordnungen von 1537 und 1544 geregelt.

Vorher haben für die Wasserordnung die Grundherren gesorgt. Dürrezeiten und Hochwässer mussten überstanden werden. Zum Beispiel in Dürrezeiten versuchten Abnehmer, z.B. Mühlen, des oberen Laufs, den Abnehmern danach, „das Wasser abzugraben“. Es gab immer Streitereien. Der Runzmeister hatte für gerechte Wasserentnahme zu sorgen, sie sind namentlich seit 1538 bis heute in einer Liste aufgeführt. Den Runzmeistern stehen die Runzknechte als Gehilfen zur Verfügung.

110 Jahre Stiegeler
- Sie zeigt uns das Prinzip wie Kassetten manuell gefüllt werden -
110 Jahre Stiegeler
- auf dieser Maschine hat Frau Beck nähen gelernt! -
110 Jahre Stiegeler
- Zum Abschluss wartet ein Umtrunk auf uns -
110 Jahre Stiegeler
- ein von Herrn Beck signiertes Buch ist eine besondere Erinnerung an diesen Nachmittag! -

Herr Gottfried Beck zeigte uns im Geschäft den Bildband „Freiburger Bilderbogen“ von 1995, in dem er in seinem Beitrag den „Luftangriff vom 10. Mai 1940“ schildert. Wir konnten dieses Büchlein günstig erwerben. Auf Wunsch schrieb eine persönliche Widmung hinein.

110 Jahre Stiegeler
... und auf besonderen Wunsch gibt es das Stück: "Für mich soll's rote Rosen regnen", gespielt von Herrn Beck für uns!

Der letzte Höhepunkt: Herr Beck setzte sich an`s Klavier und spielte gekonnt:„ Für Dich soll´s rote Rosen regnen.......“ und :„ Ich küsse Ihre Hand Madame....“.

Charmant, charmant! - Gottfried Beck, ein Freiburger Bürger, der seine Stadt kennt und liebt und Spenden sammelt und das oft dann, wenn die Stadt voll von Menschen ist: er stellt sein Klavier vor`s Haus, spielt gängige Weisen und sammelt, wie am Samstag, den 24. November, für die Münsterorgel.

110 Jahre Stiegeler
- erfreute Zuhörerinnen und Zuhörer! -

Nach diesem kleinen Ausflug in frühere Zeiten, stärkten wir uns im "Atrium-Café". Margit hatte für uns Plätze reservieren lassen.

Danke, liebe Margit, für die schöne Idee des Ausflugs in die Schneckenvorstadt.

110 Jahre Stiegeler
- Im Atrium war ein Tisch für uns reserviert, wir konnten nachmals Revue passieren lassen -
110 Jahre Stiegeler
- Manfred/Florius schreibt den Bericht für uns - herzlichen Dank! -

Bericht: Manfred/Florius

Fotos: Christel/Christkindle, Margit/anmargi

Freiburg, den 26. November 2012

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