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«Zur Burgruine Landeck»
- eine herbstliche Wanderung -

Günterstal 7°° Uhr

Ach, Nöö! Das darf doch nicht wahr sein, es hatte geregnet, doch nur ganz sachte. Die routinierte Stimme des SWR 3 – Moderators schnarrte den ersten Wetterbericht des Tages ins Mikrofon. In Günterstal sah es ziemlich finster aus. Halbnackt im Bett sitzend, unausgeschlafen und verärgert, starrte ich in den regenverhangenen Himmel über den Dächern von Günterstal.

Immerhin: Hier trockneten die Dächer ab, demnach also doch nur die prophezeiten Schauer, die hin und wieder über diesen Freitag hereinbrechen sollten.

Emmendingen 11°° Uhr

Schleierwolken, die sich wie gespannte Seide am Himmel drapierten, sorgten für ein angenehmes Klima, nur 26°C an einem windlosen Freitag am Monatsanfang des Septembers. Start um 11°°Uhr am Bahnhof, mit immerhin 18 Teilnehmern, wobei die Damen (wie üblich) die Oberhand behielten. Halt! Fast hätt’ ich’s vergessen: die Hundedame Lea war auch mit von der Partie. Just bei unserem Start wischte der liebe Petrus die Schleierwolken über dem Bahnhof hinweg, was sofort drückende Schwüle erzeugte und uns bergan schön einheizte. Durch die Altstadt von Emmendingen, am Burgweg entlang, der Stadtgarten wurde nur gestreift, dafür entschädigten uns die reizenden, und reich bepflanzten Gärten der Villen die wir bei unserem Aufstieg durch ein nobles Viertel tangierten. Spinnweben blitzten im Licht, Herbstzeitlosengeruch lag in der Luft, die dritte Jahreszeit zeigte diskret, aber unmissverständlich an, der Sommer verabschiedet sich.

Die Wöpplinsbergkapelle

Lichter Laubwald nahm uns an, unterschiedliche Laubfärbung erinnerte uns erneut an den bevorstehenden Herbst. Nach einer großen Lichtung mit verschwenderisch weitem Blick über den Norden der Freiburger Bucht gerieten wir wieder in ein Waldstück und standen nach einigen Schritten vor der Gedenktafel einer „verschwundenen Kirche!“
Die Kirche, deren Alter nicht bekannt ist, war dem St. Peter, später der Hl. Barbara gewidmet. Sie betreute als Pfarrkirche die Flecken Mundingen und Nieder-Emmendingen. Neben der Kirche befand sich ein Friedhof und Häuser für Pfarrer und Küster. Eher ungewöhnlich waren Unterkünfte für alleinstehende, gläubige Frauen, sogenannte Inklusinnen. Im 30jährigen Krieg und den Folgekriegen wurden die Gebäude zerstört, Kirche und Friedhof wurden nach Mundingen verlegt. Viele offene Fragen nach Baugeschichte,und dem wahren Alter warten noch auf Antworten.

Kurze Zeit später geriet unser Blick auf die Wöpplinsbergkapelle, erbaut 1871 bis 1876, und einer gewissen Freifrau Ursula von Ulm gewidmet. Die Kapelle besticht durch ihre äußere Schlichtheit, ihre spartanisch einfache Innenausstattung und ihre wunderschöne Lage über einem weit ausladenden Wiesenhang. Geschützt durch einige Bäume, die wie Prätorianer zum Schutz ihre Äste über die Kapelle breiten, entsteht dann doch noch eine feierliche Stimmung.

Auf dem Vierburgenweg

Nach ausgiebiger Rast vor der Kapelle rüsteten wir uns zum Aufbruch in den zweiten Abschnitt dieser Wanderung, bisher führten alle Wege bergan, dabei liegt die Ruine Landeck nur 285 m ü. NN. Der Waldrand, ein wenig schütter, versprach Einlass, war aber auch Grenze. Wir überschritten sie ohne Emotion. Der Wald nahm uns an, dankbar von uns registriert, weil im Schatten des Waldes die Schwüle um vieles erträglicher empfunden wurde. Auf den Schattenwegen zog sich die Gruppe ziemlich weit auseinander, so dass Pausen nötig waren die einzelnen Grüppchen wieder zusammen zu führen. Dann nach einer knappen Stunde, öffnete sich der Saum des Waldes, lichtvoll und leuchtend im Abglanz der Sonne lag Landeck samt Burgruine vor uns. Wir okkupierten Ort und Ruine mit der Selbstverständlichkeit des müden Wanderers, aber wir wurden gar nicht bemerkt. Der Ort lag in der friedlichen Stille eines unbedeutenden Freitagnachmittags.

Die Burgruine Landeck

Auf die Beschreibung der Genealogie des Adels möchte ich verzichten, sie würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen. Aber eine kurze Beschreibung der Burg möchte ich dem geneigten Leser schon zumuten.

Die Entstehung von Ober-und Unterburg ist auf 1269 zu datieren. Die Oberburg stellt sich als rechteckige Anlage dar, die an allen Seiten von einer Ringmauer umfasst wird. Das Hauptgebäude ist ein hoher, turmartiger Palas, dem repräsentativsten Teil der Burg. Er besaß vier Stockwerke mit drei Kaminen und reicher Befensterung an der Nordseite, seiner Schauseite. Drei Seiten des Palas werden von der Ringmauer gebildet, die Südseite zeigt zum ehemaligen Burghof. Zur Unteren Burg wird die Obere durch einen heute nur noch seichten Graben getrennt.

Auch die etwa dreiecksförmige Unterburg wird von einem breitgelagerten Palas mit spätromanischen und frühgotischen Doppelfenstern dominiert. An seine nordöstliche Schmalseite ist eine leicht aus der Mauerflucht vorspringende Burgkapelle mit gotischem Chorbogen, Fenstern mit Kreuzrippengewölbe und Konsolfiguren angebaut. Unmittelbar westlich der Burg weisen Reste von Mauerwerk auf eine vermutliche Vorburg hin.

Unter die steinerne Erhabenheit der Ruine duckt sich der Flecken Landeck, offenbar haben sich aber die Landecker Bürger mit der schlichten Monumentalität ihrer Burg identifiziert, und sind ganz offenbar auch stolz auf die „Landeck“, die zu den wenigen gut erhaltenen Burgruinen des Breisgaus zählt.

Leibliche Genüsse

Auf dem Vorplatz der unteren Burg, unter dem mächtigen Gefieder eines Baumes verzauberte Helga mit ihrer charmanten Tochter den rustikalen Tisch des Platzes in ein „Tischlein deck dich!“

Die gesamte Gesellschaft labte sich an Sekt, Saft und Wasser, gerne bei der Hitze entgegengenommen. Damit lud uns Helga ein, nachträglich auf ihren Geburtstag anzustoßen. Die Gesichter entspannten sich zusehend, eng zusammengerückt saßen wir und wetzten aneinander die Zungen.

Nun ging es an Handfestes. Der einzige Wirt am Ort öffnete um 14°° Uhr seine Gaststube und wir fanden uns nun mit genau 20 Leuten an einer Tafel. Die Vesperkarte bot – wie gewohnt - badische Schmankerln. Aber auch Lattemacciatotorte wurde geordert. Kurzum: Es wurden die leeren Energietanks wieder (über-)reichlich aufgefüllt!
Genau da, als der letzte von uns das Lokal verlassen hatte, fing der spinnerte Petrus an es düster werden zu lassen. Aber es kam noch schlimmer: Harter heftiger Regen, Donnerschläge Blitze und Hagelschauer gingen auf uns nieder. So schlupften wir unter die Vordächer der Landeckschen Häuser, darauf wartend, dass dieses biblische Szenarium sich auflösen werde. Nach geraumer Zeit als der Regen nur noch sanft fiel marschierten wir gen Emmendingen, auf Umwegen zwar, aber die waren dem Gewitter geschuldet, der kurze Weg durch den Wald war bei Gewitter zu gefährlich.

Der Rest ist schnell erzählt. Mit tüchtigem Tempo marschierten wir in Mundingen ein, wandten uns dann auf dem „alten Emmendinger Weg“ in diese Richtung bis wir im Weichbild von Emmendingen anlangten. Die Abschiede waren etwas konfus, weil halt fast jeder in eine andere Richtung ausschwärmte.

Herzlichen und lieben Dank an Helga/Cuba für die fein ausgesuchte Tour. Und auch herzlichen Dank an alle Teilnehmer. Und gerne bald mal wieder!



Fotos: Anke/Oleander, Christiane/Durance

Autor: Pitt70

Helmut Buechler

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