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Am 28. Februar, noch früh im Jahr, trafen wir uns – 26 FA’ler wieder in Freiburg-Merzhausen zur Wanderung nach Bollschweil. Ganz besonders schön war es, Franz und Hildegard (frahil) aus Aschaffenburg wiederzusehen – nicht mehr lange und sie werden in Freiburg wohnen! Auch meine Tochter Mareike hatte viel Freude mit den lustigen Senioren von FA! Und das FA-Maskottchen Lea lief den Weg wohl 3 x so oft wie wir.

Geheimnisvoll-verschmitzt schaute Felix-Ibifix drein, er verriet gar nichts, lenkte uns nur um auf den „richtigen“ Bettlerpfad. Ja, der war richtig, denn an einer windgeschützten Stelle wartete die Überraschung auf uns (eine echte Überraschung war es aber schon gar nicht mehr – Erwin hat uns schon so oft überrascht): auf einem kleinen Tisch war ein Sektempfang für uns vorbereitet mit Orangensaft und salzigen Knabbereien, alles hatten Rotraud, Marita, Hans und er hochgetragen! Beschwingt und fröhlich setzten wir unseren Weg fort, kämpften gegen einen kalten, aber frischen Wind und erreichten nach 2 Stunden in Bollschweil das Gasthaus bolando.

Und hier nun das Zitat aus Sarah Nagel’s Artikel aus der Badischen Zeitung vom 30. Dezember 2009, das mich zu dem Ausflug mit FA inspiriert hatte:

In Bollschweil eröffnet das erste Genossen-Gasthaus
In der Silvesternacht ist es soweit: Das "Bolando" in Bollschweil öffnet seine Türen. Es ist das erste genossenschaftlich geführte Dorfgasthaus in Deutschland. Eine Wirtschaft, die, wenn alles gut geht, die neue Seele der Gemeinde wird.
Es war ein langer, harter Weg. Vier Jahre mussten die mittlerweile 230 Genossen Überzeugungsarbeit leisten, die Gemeinde hinter sich bringen, Konzepte entwickeln und ein Jahr lang auf der Baustelle arbeiten. Der bärtige Schwarzwälder Ulrich Armbruster, 46 ist Gründungsmitglied der Genossenschaft und er war von Anfang an in das ehemalige Ratsschreiberhaus verliebt. Die Sanierung war für den Schreinermeister eine traumhafte Aufgabe – wenn auch kein einfache: "Bei so einem alten Gebäude weiß man nie, was herauskommt."
Die Mühe hat sich gelohnt. Die grünen Kacheln am Kamin passen zu den modernen Sofas mit den überhohen Lehnen. 300 Jahre alte Dachbalken kreuzen sich über neuem Parkett, die freigelegte Scheunenmauer bildet einen aparten Kontrast zu den hohen Fenstern. Wer reinkommt, staunt. Und wer sich noch nicht reintraut, drückt sich die Nase an der Fensterscheibe des Bolando platt. Der spanisch anmutende Name steht für das Motto "Wohnen in Bollschweil, Leben auf dem Land, Begegnen im Dorf".

VERÄNDERUNG ÜBER VERÄNDERUNG
Bollschweil liegt im Hexental, zwölf Kilometer südlich von Freiburg. Die Schriftstellerin Marie Luise Kaschnitz hatte dort Ruhe gesucht – und fand doch nur "Veränderung über Veränderung", wie es in ihrer "Beschreibung eines Dorfes" heißt.

Die Veränderungen haben auch die Einwohner gespürt: Vor dem Krieg gab es die Sonne, die Brauereigaststätte, den Schwanen und den Löwen. Vier Gaststätten für 600 Menschen. Dann kamen das Auto und der Fernseher, und die Bollschweiler fuhren weg oder blieben zu Hause. Es gab nur noch eine Straußenwirtschaft und ein Chinarestaurant. Bollschweil wurde zu einer Schlafgemeinde, zu einem Dorf ohne Mittelpunkt.

DAS EHRENAMT MACHT DAS EINKEHREN MÖGLICH
"Wenn auf dem Friedhof in Bollschweil jemand beerdigt wird, muss die Trauergemeinde zum Essen ins Nachbardorf fahren, wenn sie was Bodenständiges will", erzählt Karl Dischinger, Vorstand der Genossenschaft. "Doch in ein Projekt wie Bolando hätte kein vernünftiger Unternehmer investiert." Deshalb haben die Dorfbewohner eine Genossenschaft gegründet und selbst angepackt. Nicht alle Menschen hat das Projekt euphorisiert. Genossenschaft, klang das nicht nach Kommunismus? Jeder wollte mitreden. Skeptiker bezweifelten, dass die Gaststätte von der Bevölkerung so angenommen wird, dass sie auf Dauer bestehen kann. Frau Le vom Chinarestaurant hat keine Angst vor der Konkurrenz. Sie freut sich: "Endlich kommen mehr Leute ins Dorf."

Geschafft! Am Abend der ehrenamtlichen Helfer treffen sich all jene, die in den vergangenen zwölf Monaten den Schutt weggeräumt, gemauert, gezimmert und geputzt haben. 60 Mitstreiter sind gekommen, um ihr Baby zu feiern und den Betrieb unter Realbedingungen zu testen. Den meisten sieht man die Erschöpfung an. Viele, die nebeneinander her geschuftet haben, reden an diesem Abend zum ersten Mal in aller Ruhe miteinander.

"Es war einfach so viel Arbeit", sagt Uschi Mangold, 42, Gründungsmitglied der Genossenschaft. Sie hat eine Halbtagsstelle in Freiburg, drei Töchter und einen Bauernhof – den größten Einsatz in den vergangenen Jahren hat ihr aber das Projekt Bolando abverlangt. Auch ihr Mann krempelte irgendwann auf der Baustelle die Ärmel hoch – "weil", wie er sagt, "die Frau eh die ganze Zeit dort war." Als Belohnung gab es 2007 den Gerhard-Kiechle-Preis für besonderes ehrenamtliches Engagement. Das Land unterstützt das Projekt mit 200 000 Euro aus dem Landessanierungsprogramm, 276 500 Euro haben die Genossen zusammen bekommen, der Rest der Kosten in Höhe von 600 000 Euro wird über einen Kredit finanziert.

ZUR ERINNERUNG: DIE BAU-SPARSAU
Vor zwei Tagen saß Betriebsleiterin Roswitha Ludwig noch im Baustaub auf dem Boden und sortierte das Geschirr, heute saust sie mit drei Tellern Flädlesuppe von der Theke zu den Tischen. "Es fehlen noch Unterteller", sagt sie im Vorbeihuschen. Im oberen Stockwerk – dort sind der Festsaal und die Empore mit Blick auf die Bühne – fehlen die Tische, die Toilettenschilder sind mit Kugelschreiber gemalt, am Eingang erinnert die Bau-Sparsau daran, dass auch nach der Eröffnung noch viel zu tun bleibt.

Philip Armbruster, 18, und seine Schwester Anna, 16, zapfen beim ersten Probeessen das Bier. Sie sind stolz, was ihr Vater aus dem alten Gebäude gemacht hat, das 2006 eigentlich abgerissen werden sollte. Dabei ist der Platz um die Wirtschaft das letzte alte Ensemble im Dorf. Der Widerstand gegen den Abriss zeigte, wie sehr sich die Bollschweiler mit dieser Ecke identifizieren. Das brachte dem Projekt Bolando neuen Zulauf.

Nach den ehrenamtlichen Helfern speisen die fast hundert Handwerker zur Probe, anschließend die Gesellschafter. Für Roswitha Ludwig und ihre Helfer hinter der Theke geht die Arbeit jetzt erst richtig los. Der elsässische Koch Charles Henri Gaspard hat Herzklopfen, andere haben Herzschmerz. "Ich kann nicht glauben, dass ich jetzt hier sitze", sagt Uschi Mangold. Vier Jahre – "gefühlte zehn" – hat sie sich eingesetzt. Dass sie jetzt die anderen arbeiten lassen soll, ist nicht einfach. Aber wenn an Silvester die Glocken läuten, muss ihr Baby auf eigenen Beinen stehen.

Hanna Fuchs, 6, glaubt an Bolando. Sie hat bereits das Lokal reserviert – in zwei Jahren will sie dort ihre Kommunion feiern. Als jüngste Genossin weiß sie auch genau, welches Stück der Wirtschaft ihr gehört: "Die zwei kleinen Fenster im oberen Saal".

Öffnungszeiten
Ab Samstag, 2. Januar 2010
Montag bis Freitag 17:00 - 24:00 Uhr
Samstag 11:30 - 01:00 Uhr
Sonntag 09:00 - 23:00 Uhr
Telefon: 07633 / 95 999 10

Das "bolando" gefiel uns allen in seiner hellen Freundlichkeit; wir staunten darüber, wie dezent und mit welch gutem Geschmack das Gasthaus eingerichtet worden war. Alles wirkte noch ein wenig sympathisch-improvisiert, wir mussten recht lange auf unser Essen warten - die Freundlichkeit der jungen Bedienungen machte das wieder wett. Das Essen schmeckte gut. Die Räumlichkeiten unten hätten nicht ausgereicht, uns unterzubringen und so fanden alle oben an langen Tischen einen Platz. Laut war es wie üblich – hing das nun mit der schlechten Isolierung zusammen oder damit, dass wieder viele fröhliche FA’ler zusammengefunden hatten?

Nach dem Essen, Dessert oder Espresso fuhren die ersten mit dem Bus oder dem Auto nach Freiburg zurück. Die Unermüdlichen liefen, nun mit Wind und Sonne im Rücken wurde es uns wohlig warm – wunderschön, durch die spätwinterliche Landschaft zu laufen und die ersten Vögel zwitschern zu hören…

Vielen Dank, lieber Erwin, für Deine Fotos!

Autor: Anmargi

Margit Anhut

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