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Wanderung am Geologischen Weinlehrpfad

am 17.04.2009

Achkarren!.

– Achkarren ist ein kleiner Ort mit ca. 850 Einwohnern, glaubte ich gehört zu haben. Die kleinen Straßen durch welche unsere Füße uns trugen, machten den Eindruck, es sei vor allem ein Ort, der geliebt wird. Ein Zuhause. Überall reizvolle Dekorationen, mehr oder weniger zeitlos, geschmackvoll arrangiert, an lange vergangene Jahre erinnernd, es wirkte wohltuend, heimelig.

Eine Gruppe FAler war mal wieder unterwegs, mit dem Zug, dann mit Bus, diesmal von unserer Trudel angeregt, betreut.
„Lasst euch ja nicht von dem grauen Himmel abschrecken“,
hatte sie gemailt, einer unserer Verständigungswege,
schließlich sind wir samt und sonders begeisterte PC-Freunde,
und wenn wir uns nicht mit den Füßen bewegen, bewegen wir uns mit dem größten Vergnügen „im Netz“, auf herrlich kurzen Wegen,
und wenn es bis nach Kolumbien oder Moskau geht;
kein morgendlicher Dienstbeginn erinnert mehr,
besonders Nachteulen, ans Schlafengehen müssen,
wir können das eine und auch das andere genießen;
wir sind jenseits,
haben es auch verdient und nutzen es ausgiebig.

„Lasst euch nicht abhalten.
Wenn FAler reisen, lacht der Himmel“,
schrieb also Trudel.
Und wirklich, wir hatten Glück,
das Wetter blieb zumindest trocken.
Erst mit dem Zug nach Breisach, dann mit dem Bus nach Achkarren, und sollte wirklich dazwischen ein Tropfen gefallen sein,
mir ist keiner begegnet, auch wenn kaum Sonne schien.
Einige von uns waren heute auch mit Auto gekommen,
dafür fanden sie vor der Winzergenossenschaft die nötigen Parkmöglichkeiten.
Zum Laufen war es wunderbar.
Zuerst ein (für mich ziemlicher) Anstieg,
da habe ich etwas Probleme,
muss ich zu meiner Schande gestehen;
Andere sind weit älter und scheinen spielend
viel mehr zu schaffen,
ich freue mich trotzdem für jeden Einzelnen..

Die Welt um uns herum präsentiert sich,
seit dem die Natur explodierte, nach dem plötzlichen „Sommereinbruch“, so wunderschön, bunt, blühend.
Hohe, auf mich etwas steif wirkende,
blauleuchtende und manchmal auch helle Schwertlilien stehen in saftig grünem Gras, goldgelbe Streifen Löwenzahn ziehen sich hellleuchtend durch die in Erwartung stehenden Rebstöcke,

Bäume blühen in schneeigem Weiß, andere in sattem Rosa.
Rebberge umgeben uns, hohe, gelbgraue Lösswände säumen den Weg,
mit unzähligen, winzigen Löchlein darin,
Insektenwohnungen offenbar, dazwischen auch größere Löcher, vielleicht des Bienenfressers,
der in selbstgegrabenen Erdhöhlen wohnt.
.

Achkarren 10
Bienenfresser - Höhle

Ein wunderschönes schmiedeeisernes Tor,
vor einem offensichtlich Erdkeller, dahinter eine rustikale Theke, mit Flaschen und Gläsern noch darauf,
vielleicht stehen gelassen als Dekoration,
zum neugierig machen für Spaziergänger,
mit Sitzgelegenheiten aus Fässern, offensichtlich an warmen Sommerabenden genutzt, vielleicht auch von den Rebenarbeitern zum Pause machen


Viele, viele Schrift- und Bildtafeln säumen den Weg,
sie informieren über die verschiedenen Weinarten,
erzählen u.a. davon, das es hier die seltene Gottesanbeterin gibt, dass (eben auch) der Bienenfresser hier heimisch sei und wir bedauern, dass wir den schönen Vogel (noch) nicht zu Gesicht bekommen können,
der übrigens mit dem Eisvogel verwandt ist.

Wir finden uns auf dem geologischen Weinlehrpfad am Schlossberg, der etwa 2,5 Kilometer lang ist, und wir sind mittendrin in vulkanischem Gelände, mit immer wieder herrlichen An/Aussichten. Vor vielen Jahren wurden sogenannte Rebterrassen angelegt, nicht immer zur Freude der Winzer, stabilisiert durch Trockenmauern, die wiederum Heimat für Kleingetier sind, Smaragdeidechsen unter anderen. Sonnenröschen und Blutstorchschnabel blühen hier. Der größere Teil unserer Gruppe war noch weiter bergauf gegangen auf dem Weinlehrpfad, auf dem Weg zum Gipfel, ohne mich, leider; Ein halbes Dutzend wollte oder konnte es sich nicht zumuten und so bummelten wir langsam wieder abwärts, bis die anderen wieder zu uns stoßen würden.

Achkarren 16
Eine Hauswand aus Steinen von der ehemaligen
Burg Höhingen
Achkarren 24
Aufgang von einer Rebterrasse
zur anderen
Achkarren 25
Die ganz fitten FA - Wanderer stiegen hoch auf den
Schlossberggipfel

Achkarren- im Herzen von Vogtsburg – heißt es. Doch was ist Vogtsburg? Ein Ort Vogtsburg nämlich ist auch auf keiner Karte zu finden, den gibt es nicht. Es ist ein Über- oder Sammelnahme, der gefunden werden musste, bei der Gemeindereform 1975, für den Zusammenschluss von sieben Weingemeinden, und nicht alle waren glücklich über diese Maßnahme, jede hatte sich längst einen eigenständige Namen gemacht, Kenner wissen es längst. Sie alle stellen das Herz von Kaiserstuhl-Tuniberg dar, da, wo der Wein auf Vulkangestein wächst, (wenn ich nichts falsches geschrieben/gelesen habe, auf 50% Vulkanstaub), auf Vulkanverwitterungsboden. Weinreben hätten lufthungrige Wurzeln erfuhren wir; Deshalb wohl wächst hier der beste Wein, den es in Deutschland gibt (behaupte ich mal). Der Kaiserstuhl ist ein Vulkan, zum Glück ein braver. Hier blühen Mandelbäume, oft schon im Februar, , 33 Orchideenarten soll es geben, seltene Singvögel und auch Insektenarten und kürzlich meine ich gelesen zu haben, auch der Wiedehopf sei wieder da. Mir scheint, das Gebiet um den Kaiserstuhl herum ist die schönste Perle von Deutschland, - ach, - in welcher herrlichen Gegend leben wir doch. Vor vielen Jahren sagte mir mal jemand an einer Bushaltestelle, als ich zum Dienst fahren wollte. „Wohnen sie etwa hier? Ach, haben sie es gut! Wir müssen ein ganzes Jahr warten, um wenigstens ein paar Wochen Urlaub hier verleben zu dürfen“.

Das nächste Ziel war in Achkarren das Weinbaumuseum, untergebracht in einer alten Zehntscheuer, seit 1983. Ein aus dem 13. Jhdrt im Urzustand erhaltener Bau, der von der Gemeinde 1979 erworben wurde und sorgsam ausgestaltet mit Leihgaben von Bürgern und Gönnern des Ortes. Bis weit hinauf ins Dachgebälk kann man von unten her schauen. Ein Ort, wo in früherer Zeit, bis ins 19. Jhdt. hinein, „Der Zehnte“ des Roh- bzw. Feldertrages abgeliefert werden musste, an Kirche und Grundherren; Zehntherren seien auch Malteserritter gewesen. Mit den Markgrafen von Baden seien die Orte evangelisch geworden, auch Frhr. Lazarus von Schwendi wurde erwähnt, nur der Zusammenhang ist mir entgangen.

Nach einer kleinen Gebühr informierte uns der Betreuer des Weinbaumuseums über die Geologie des Kaiserstuhls, die Entwicklung des Weinbaues, über Rebsorten, Bodenbeschaffenheit und Klima, (850 Sonnenstunden im Jahr ) das ging in einer solchen Geschwindigkeit, dass ein Mitschreiben sehr schwierig wurde, und den schönen, halbhohen Pfahl, gleich neben einer Treppe, die zu einem eingezogenen Zwischenboden hinaufführte, wo u.a. die verschiedenen Fels-, Vulkan- und Sandsteinmuster ausgestellt waren, fand ich leider erst zum Schluss, da war es zu spät, er hätte eine wunderbare Schreibunterlage sein können. Viele aussagekräftige Bilder mit den Trauben der verschiedenen Rebsorten sind im Erdgeschoss ausgestellt, so dass ich erst einmal den Anfang des Vortrages verpasst habe.


Was habe ich denn nun trotzdem noch mitgekriegt? Freiburg, erzählte der Mann, sei die zweitgrößte Weinbaugemeinde von Baden-Württemberg mit 600 ha Rebfläche, Vogtsburg hingegen besitze1450 ha., mit allen sieben Ortsteilen zusammen. Der Sitz sei Oberrottweil. 13 Winzer-Gemeinden hätten Selbstvermarktung, 9 Gemeinden lieferten ihr Traubengut an die Zentralgenossenschaft ab.

Wir erfuhren, dass ein Rebstock bis zu 30 Jahre alt werden kann, und dann ersetzt wird, dass sich die Reblaus auf der ganzen Welt ausgebreitet und schließlich auch unsere badischen Rebstöcke erreicht habe, dass seit den 50er Jahren mit Pfropfreben resistente Unterlagen geschaffen worden seien, dass man früher so viel Wein abliefern konnte, wie man wollte, dies jedoch nicht mehr erlaubt sei. Heute werde Wert gelegt auf Edelreife, auf gesundes Traubengut, es dürften sich nicht mehr alle Traubenansätze am Weinstock auch ausbilden sondern müssten größtenteils entfernt werden, damit die ganze Kraft des Weinstocks in die restlichen Trauben ginge. Er zeigte uns kleine Schlingen: „Das sind sogenannte Duftstofffallen.“ Eklärte er, diese werden von den Winzern an jedem vierten Weinstock angebracht, um Schädlinge fernzuhalten, Gift würde nicht mehr verwendet, nur bei Pilzbefall müssten noch Fungizide verwendet werden. Das dürften aber nur ausgebildete Winzer, Nebenerwerbswinzer hätten mindestens einen Sachkundenachweis erbringen. Alle zwei Jahre würde der Rain kontrolliert abgebrannt, immer von unten nach oben. Der Grund ist mir leider entgangen. Angeblich beeinträchtige dies die (Klein)Tierwelt nicht. (Na ja.)


Die Mengen von 1938 seien erst 1950 wieder erreicht worden. Zehn verschiedene Weinsorten werden angebaut, sogar Riesling, der eigentlich nicht in diese Gegend passe. In den 60er Jahren wurden die Weinberge buchstäblich umgewühlt. Groß-Terrassierungen wurden angelegt, die sollte die Bearbeitung erleichtern, doch ob sie auch für den Wein wirklich gut war?

Aus vielerlei Stein- und Erdarten setzt sich unser Kaiserstuhlgebiet zusammen, auf denen der köstliche Wein wachsen und reifen darf. Kalk-, Kalksandstein, feinkörniger, und grobkörniger Tuff, Sandsteinlöss, Bergalit, Basalt, Mandelstaub; Lösskindel, und Schwemmlöss, ein umgeschichteter Löss, der in seiner Zusammensetzung viel aus vergangenen Zeiten erzählt, sind ein paar von den Stein- bzw. Bodenarten, die ich versuchte, zu notieren.

Und die verschiedenen Weinsorten? Tut mir leid, die habe ich leider nirgends. Das Info-Täfelchen, auf dem sie standen, konnte ich nicht ablichten, meine Kamera streikte. Doch wir wissen ja eigentlich alle, wie viele Grau- weiß-, Rot-, Blau- und vor allem Spätburgunder es gibt, dass es u.a. die Weißweine Silvaner und –Riesling und auch Rivaner gibt, Weißherbst und Müller-Thurgau, und noch viele andere, diese fallen mir nur auf die Schnelle ein, mir ist nur etwas von 10 verschiedenen angebauten Sorten erinnerlich. Zum Rivaner ist zu sagen: Den hat ein Hermann Müller aus Riesling und Sylvaner schon 1882 gezüchtet, für so alt hätte ich den nicht gehalten. Blauer Spätburgunder, Weißburgunder, Grauburgunder oder Ruhländer nähmen zusammen etwa 60 % der Anbaufläche ein. Weißherbste, erfuhren wir, seien weißgekelterte Rotweinmoste und außerdem eine urbadische Spezialität. Die badischen Rotweine aber seien die besten der Welt.

Achkarren 32
Arbeit im Weinberg

Nach dem Spaziergang und vor dem Museumsbesuch, also diesmal alles anders herum, gab es natürlich auch einen Besuch zum Mittagessen, der nicht nur mir regelmäßig sehr viel Spaß macht, mich diesmal jedoch nicht sehr entzückte. Die Erwartung eines schmackhaften Gemüseeintopfes, auf den ich mich gefreut hatte, wurde mit einer, ich würde sagen: Selleriebrühe „belohnt“. Tettane hingegen fand die Ansicht des ihr servierten Kuttelgerichts zunächst „sehr elegant“, wie sie zurückhaltend meinte. Es ging trotz Eleganz größtenteils zurück. „Ach wissen sie, das war einfach nicht mein Fall, aber der Koch wird sich ja dabei etwas gedacht haben.“ Sagte sie auf Nachfrage artig-elegant. Verblüfft vernahm ich dieses und dachte nur, auf diese Antwort muss man erst mal kommen; man lernt nie aus.

Hotel Krone in Achkarren

Achkarren 35
4 hungrige Feierabend-Damen und Hund Oli
studieren die Speisenkarte vom
Hotel Krone

Jedenfalls, war dies wieder ein schöner Tag,
den wir diesmal unserer Trudel verdanken und ich fand es schön,
dass sie mit uns zusammen wieder herunter gebummelt ist,
obwohl sie viel lieber schnell läuft,
wie sie einmal gesagt hatte und,
im Gegensatz zu mir,
den Aufstieg mit der größeren Anzahl unserer Gruppe ganz bestimmt geschafft hätte.

Achkarren 36
Kurze Rast an einem "Bammerthüsli"
Achkarren 37
"Vom Winde verweht.."
Achkarren 40
Ein Feierabendmitglied aus Neubrandenburg
wanderte mit uns
Achkarren 43
ein Besuch in der Kirche
Achkarren 44
Zeit um wieder nach Freiburg zu fahren

Autor: Heupferd

Irene Sasse

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