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Vorab ein Gedicht für junge und reife Jahrgänge:

Nur einmal bringt der Jahreslauf
Uns Lenz und Lerchenlieder
Nur einmal blüht die Rose auf
Und dann verwelkt sie wieder.
Nur einmal gönnt uns das Geschick
So jung zu sein auf Erden.
Hast du versäumt den Augenblick,
Jung wirst Du nie mehr wieder.

Drum lass von der gemachten Pein
Um nie gefüllte Wunden
Der Augenblick ist immer Dein
Doch rasch entflieh’n die Stunden
Und wer als Greis im grauen Haar
Vom Schmerz noch nicht genesen,
der ist als Jüngling auch fürwahr
nie jung und frisch gewesen.

Nur einmal blüht die Jugendzeit
Und ist so bald entschwunden,
und wer nur lebt vergangnem Leid,
wird nimmermehr gesunden.
Verjüngt sich denn auch die Natur,
stets neu im Frühjahrsweben
sei jung und blühend einmal nur
doch das durchs ganze Leben!

Richard von Wilpert (1862/1918)

Um 10 Uhr trafen wir uns am Wanderparkplatz „Stelli“ oberhalb von Niedereggenen, am Waldrand gelegen. Schon vom Parkplatz aus konnten wir ein Stück der herrlich gelegenen Landschaft unter uns mit Baumblüte betrachten. Doch das war nur ein bescheidener Eindruck von dem was uns erwartete.

Unsere Gruppe mit dreizehn munteren Wanderern mit Hund setzte sich bald unter der Führung von Gretl/Fuchsie in Bewegung. Der Höhenweg (Paradiesweg) führte uns oberhalb des kleinen Dorfes Feuerbach in offener Landschaft wieder in den Frühlingsmischwald. Am Wegesrand eine Tafel mit Abbildungen von sechs Rebsorten, die hier angebaut werden: Spätburgunder, Müller-Thurgau, Gutedel, Gewürztraminer, Weissburgunder und Regent. Diese Vielfalt lässt uns staunen.
Die nächste Tafel, nicht weit, erklärt uns den frühen Vulkanismus im Mittelmiozän, einer Stufe des Tertiärs. Dadurch steht hier Tuffgestein an. Der „Chlebstei“ (Klebstein) beweist es, bleibt er doch an der befeuchteten Lippe kleben. Die abgebildeten Fossilienfunde stammen aus dem Jura vor ca. 150 Millionen Jahren.

Sprossenden Grün am Wegesrand und Frühlingsblumen werden bewundert. Und es blüht schon einiges: Veilchen, Buschwindröschen, Scharbockskraut, Lungenkraut, Sauerklee, Schlüsselblume, Goldnessel, Ehrenpreis, Wolfsmilch usw. Auch Waldmeister und Einbeere, noch vor der Blüte.
Wir sind mittlerweile auf dem Pfad der „Herrmannsruh“ genannt wird. Unsere Gruppe hat sich inzwischen auseinander gezogen. So um 11,25 Uhr sind wir am „Rüttener Kreuz“ (503 m). Wir gehen, noch immer im Wald, den „Steineck-Weg“. Eine hohe Douglasie mit starkem Stamm steht als Solitär majestätisch am Wegesrand. Vor uns am Horizont ist mit Blick durch`s Geäst der Bäume, der „Hochblauen“ (1165m) mit Turm und Gebäude, weiter rechts und etwas tiefer, „Schloss Bürgeln“. Danach aus dem Wald tretend vor uns ist, in mittlerer Ferne, der Bergfried (Turm) der Burgruine Sausenburg sichtbar. Anno 1232 durch Markgraf Hermann VI. von Baden erbaut.
Unter uns und nicht weit liegt das Dorf „Sitzenkirch“, das im Mittelalter ein Frauenkloster beherbergte.

Bald darauf erreichen wir die „St. Johannes Breite“ mit Parkplatz und Bänken: Grosse Pause.
Hier warten bereits Helene und Werner auf uns, die uns weiter begleiten werden.
Wir sitzen verteilt auf Bänken, Stühlen und Holzstämmen und vespern was die Rücksäcke hergeben.

Um 12,15 Uhr heisst es: „auf geht`s !“. Das „Eggener Tal“ ist das Ziel. Der schönste Teil der Wanderung, wie ich meine. Die nächste Rast ist am „Horbe Brünnele“ um 13 Uhr. Unter uns, man kann es einfach nicht beschreiben: die Aussicht über das ganze Eggener Tal.
Diesseits: stehen hunderte Obstbäume in vollster Blüte: Kirschen, Birnen, frühe Äpfel usw..
Jenseits: oberhalb der Ortschaften Unter- und Obereggenen liegen die Felder mit Reben.
Alles bei wunderbarem blauen Himmel, darunter das verschiedene Weiss der Bäume;
zum Niederknien!!! Ein von der Natur begnadetes, fruchtbares Tal!

Nach einer ½ Stunde brechen wir wieder auf. Es ist nicht mehr weit bis zum „Stelli“. Um 14 Uhr sind die ca. 8 Km Weg geschafft. Die Auto´s werden bestiegen und ab geht’s in`s Tal zum gemütlichen „Landgasthof Mattenmühle“ in Obereggenen.

Sie war ein Blümlein hübsch und fein,
hell aufgeblüht im Sonnenschein.
Er war ein junger Schmetterling,
der selig an der Blüte hing.

Oft kam ein Bienlein mit Gebrumm,
und nascht und säuselt da herum,
oft kroch ein Käfer kribelkrab
am hübschen Blümlein auf und ab.

Ach Gott, wie das dem Schmetterling
so schmerzlich durch die Seele ging.
Doch was am meisten kam zuletzt,
ein alter Esel fraß die ganze
von ihm so heiß geliebte Pflanze.

Wilhelm Busch (1832 - 1908)

Die Wanderung klingt nach und weckt das Interesse mehr zu erfahren. Denn diese Kulturlandschaft haben Menschen unter verschiedensten Entbehrungen mit viel Arbeit erschaffen.
Die Bauern waren seit dem Mittelalter der Herrschaft untertan, die erst am 23.7.1783 durch´ Markgraf Carl Friedrich aufgehoben wurde. Sie hatten während der Leibeigenschaft Abgaben, wie den „Zehnten“ an die Herrschaft abzuführen.
In verschiedenen Kriegen wurden die Dörfer geplündert und niedergebrannt.

Auch der Bauernaufstand unter dem „Bundschuh“ 1525, brachte Unruhe und viel Leid. Die Bauern im Markgräfler Land wurden in dem Strudel mitgerissen. Sie besetzten die Burgen Rötteln, Baden (Badenweiler) und Sausenburg.
Auf dem Höhepunkt der Bauernaufstände im Süden traten die Städte Basel und Straßburg als Schlichter auf. Als Schlichtungsort wurde Offenburg gewählt. Der Vergleich war von weiser Milde der Herrschaften getragen. Der „Zehnte“ blieb zwar bestehen; aber die Abgabe von Vieh bei Todesfällen entfiel, und die Jagd durften Bauern in beschränkten Umfange betreiben, was vorher streng verboten war.

Seit wann wurde diese Landschaft südlich von Freiburg bis zum Rheinknie „Markgräfler Land“ genannt und warum?: Es entstand im Jahr 1444 durch den Zusammenschluss der Herrschaften Rötteln, Badenweiler sowie der Landgrafschaft Sausenberg. Das Land war im Besitz der Markgrafen von Hachberg-Sausenberg, einer Nebenlinie des Hauses Baden und nach deren Erlöschen der Markgrafen von Baden, später der Markgrafen von Baden-Durlach.

1556 wurde das Markgräfler Land durch den Markgrafen Karl II. reformiert, wodurch es zu einer protestantischen „Insel“ im sonst katholischen Vorderösterreich wurde.

Wissenswertes zu den Dörfern im Wanderbereich:
Niedereggenen: Die Kirche wurde um 1080 erbaut. Die Mundartdichterin Lina Kromer wurde dort geboren (1889—1977), Hebelpreisträgerin 1956.
Feuerbach: Kirche um 1275. Hans Hammerstein führte 1525 im Bauernaufstand die Bauern an.
Das Dorf erhielt 1919/20 erstmals elektrisches Licht.
Schliengen: Der Schauspieler Heinz Meier (1930-2013)wohnte hier. (Leiter des Wallgrabentheaters Freiburg).

Herzlichen Dank an Gretl. Sie hatte die Idee für diese wunderschöne Wanderung und die Kenntnis des Weges.

Fotos: lupus05

Autor: Florius

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