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(Oder: Trudel erfüllt Johanne einen Herzenswunsch)

Rund um das Herzogenhorn, mit 1415 m Höhe der dritthöchste Berg des Schwarzwalds, liegt mein liebstes Wandergebiet.


Als junges Mädchen verbrachte ich dort schon im Jahr 1965 meinen ersten Urlaub und machte mit Hund „Blacky“ weite Touren bis hinunter nach Bernau, Menzenschwand, Gisiböden u.a.m. Seit 25 Jahren war ich nicht mehr dort oben und wünschte mir natürlich, dieses mir sehr vertraute Gebiet einmal wieder zu durchstreifen.

Wie bekannt, führte Trudel und mich der Zufall, nämlich die „Flucht vor einem Unwetter“,
in das wunderschöne Hochtal Bernau am südlichen Fuß des Herzogenhorn.
Mein Wunsch war geweckt, Trudel wollte ihn erfüllen, schnell war ein gemeinsamer Wandertag vereinbart - heute soll´s losgehen - ich habe acht Stunden „frei“!

Die Wetterprognose ist denkbar schlecht: Ein Tief mit Blitz und Donner, starken Regenfällen und Hagelschlägen wird uns angedroht, auch Herr Kachelmann zeigt wettermäßig wenig Verständnis für uns, verspricht aber zwischenzeitliche Aufhellung und sogar drei Stunden Sonnenschein!

Während meiner Fahrt zu Trudel putzt ein steter Ostwind den noch grau verhangenen Himmel blank und in Hofsgrund strahlt die Sonne! Über den ganzen Tag trifft uns kein Regentröpfchen, geschweige denn Blitz und Donner –
Wir sind Glückspilze – dagegen kann Petrus einfach nichts machen!
Übrigens: Ein Blitz hat offenbar doch einen zu dieser Zeit noch völlig Ahnungslosen getroffen, aber davon erzähle ich später.

Nach einer halben Stunde Fahrt liegt das Herzogenhorn vor uns in seiner ganzen Schönheit. Das Herzogenhorn gilt als der „Stille“ Berg, viele kennen ihn nicht einmal dem Namen nach. Hier befinden sich das bekannte DSV- Langlauf-Leistungszentrum und eines der fünf Nordic-Walking Ausbildungszentren.

Ganz in der Nähe steht das sogenannte „Molerhüsle“, in dem der bekannte Schwarzwaldmaler Karl Hauptmann (1880 – 1947) 30 Jahre lang lebte und malte.
Er sprach selbst von seinem „zauberhaften Blick auf´s Horn“!

Bergschuhe und Rucksack sind schnell geschnürt

und ab geht´s in Richtung Gipfelkreuz!
Die Schlechtwetter-Prognosen haben offenbar viele Wanderer vergrault, denn wir begegnen nur wenigen. Nach zehn Minuten kommen wir zur Kreuzung „Glockenführe“, zu der es im Wanderbuch heißt: „Der Name Führe soll von der Zahl Vier abgeleitet sein, da hier die Glocken von vier Kirchen oder Kapellen zu hören sind.“

Wir hören nichts, genießen die Ruhe, die Sonnenwärme und die herrliche Landschaft rundum.

Trudel weiß noch nicht, was ihr „blüht“, denn ich möchte nicht einfach nur direkt zum Gipfelkreuz des Herzogenhorn hinauf wandern, sondern durch den steilen Wächtenkessel an der Nordseite aufsteigen.

Wir biegen also leicht links ab in Richtung „Krunkelbachhütte“

– und tatsächlich finden wir den schmalen Trampelpfad, den ich schon vor 40 Jahren hinauf gestiegen bin und der auch heute noch ganz versteckt durch die kniehohe unvergleichlich reiche und seltene Flora des Lawinenkessels bergauf führt.

Alles, was an Pflanzen und Blüten im Schwarzwald Rang und Namen hat (und selbstverständlich naturgeschützt ist) ist hier zu sehen; es ist ganz herrlich!

Trudel hat unerschöpfliche Fotomotive, muss aber hier am Steilhang jonglieren und sicheren Stand finden, um alle einzufangen. Im letzten felsigen und steilsten Stück des Hangs steigt Trudel mit ihren hilfreichen Stöcken leichtfüßig wie eine Gemse voraus, und ich krieche auf allen Vieren hinterher.

Mir fällt das Wanderlied ein: „Wenn wir erklimmen schwindelnde Höhen, steigen dem Gipfelkreuz zu.....“ Wohlbehalten und stolz auf uns, aber nass bis zu den Knien blicken wir vom Plateau des Herzogenhorn über die Kante hinunter in den Kessel; Gänsehaut pur!

Die Aussicht vom Gipfelkreuz ist phantastisch und lohnt alle Mühen. Über den ganzen Schwarzwald hinweg ist bei klarem Wetter südlich die Alpenkette vom Säntis über die Churfirsten, das Berner Oberland zum Mont Blanc zu sehen, westlich die Vogesen und das Feldberggebiet.

Neu seit kürzerer Zeit ist die ungehinderte Aussicht auf Bernau und alle seine Ortsteile. Im Rahmen eines „Naturschutzgroßprojekts“ der umliegenden Gemeinden wurde ein größeres Waldstück unterhalb des Herzogenhorn restlos abgeholzt, um einen Urzustand herzustellen und wieder Weidfläche für das einheimische Hinterwälder Rind zu schaffen.

Auf einem Gipfelbänkle mit der schönen Aussicht nach Süden lassen wir uns das erste wohlverdiente Vesper schmecken.

Mit einem freundlichen Kurgast auf der Bank, einem älteren Herrn und ehemaligen Piloten aus Belgien namens Joseph, halten wir einen Schwatz, bitten ihn um ein Fotoshooting und werden prompt zum Trinken in sein Hotel nach Höchenschwand eingeladen. Na, na – je öller je döller!

Doch wir bleiben auf dem „rechten Weg“ und steigen nun etwa drei Kilometer – teils auf einem grobsteinigen Holzabfuhrweg ab zur „Krunkelbachhütte“.
Plötzlich spüre ich Steine unter meinem Fuß und – oh Schreck! – es löst sich die dicke Profilsohle von meinem Wanderschuh!

Ich schau´ zu meiner perfekt ausgerüsteten und stockbewehrten Begleiterin und sage:
„Wer mit Trudel wandert, läuft sehr bald auf den Felgen!“

Wir treffen einen Wanderer, der mir rät:
„Do kaufet Sie enn Kläber, butze un schmirgla dia Schuh unn Sohla guat ab, schmieret den Kläber na, drucket fescht z´samme, ziehet den Schuh an und standet zeh Minude druff – no hebt´s!“
(Ich denke: „Nei, nei lieber Schwob vom Bodesee, des isch en Fall für en Schuschter!
Den könne sich die Bad´ner g´rad noch leischte!“)

Im Ab und Auf führt uns der Weg über die Flächen der Weidegenossenschaft zur Krunkelbachhütte (1294 m), per Auto auch von Bernau-Hof zu erreichen.
Wetterfrosch Kachelmann unterhält hier seit einigen Jahren eine Wetterstation

Wir freuen uns über seine Fehlprognose für heute und genießen das gute Wetter im Freien
und unser zweites Vesper auf der mit urigem Holzmobiliar bestückten Terrasse mit Aussicht zum Herzogenhorn von der Ostseite aus.

Mit Selbstbedienung von der Theke der holzvertäfelten, gemütlichen Gastwirtschaft gibt es zünftige Vesper, kleine Gerichte und eigene Kuchen vom Hüttenwirt und Konditor, alles sieht appetitlich aus und verschwindet in hungrige Wandermäuler.

Wir holen nur Getränke und frisches Brunnenwasser, machen uns auf den Rückweg über die Weiden und kommen nach einem alpinen Anstieg wieder auf den Herzogenhorn-Rundweg.

Es hat hier in der vergangenen Nacht ein starkes Gewitter mit viel Regen gegeben, überall sprudeln Rinnsale und gluckern Bächle, mit der Sonnenwärme strömen die Blüten ihre Düfte aus, es ist wunderschön!

Ganz glücklich bin ich am Ende noch über den Sonnentau, den ich vorher schon vergeblich an den hochmoorigen Stellen suchte. Auf einem nassen Plätzchen wachsen die Rosetten mit ihren leuchtend roten Näpfchen. Er gehört, wie das Fettkraut auch, zu den fleischfressenden Pflanzen.

Auf dem klebrigen Fettkraut bleiben winzige Insekten haften und der Sonnentau umschließt diese mit den Näpfchen. Enzyme „verdauen“ dann den Fang.

Nach fünfzehn Minuten sind wir wieder am Leistungszentrum und sehen von der Terrasse aus das Herzogenhorn nochmals schön im Abendlicht. Wir sind glücklich und zufrieden mit dem wieder gelungenen und sehr fröhlichen Wanderausflug.

Ach ja – das wollte ich ja noch erzählen:

Am Tag nach unserer Herzogenhorntour ruft mich Trudel vom Berg an:
„Rate mal, wer gerade eben vor meiner Haustür in Hofsgrund stand?“
„ ??????“
„Es war Joseph, der belgische Pilot vom Gipfelbänkle!
Er wollte nur schnell – ganz höflich – Guten Tag sagen!

„Trudel, den hat jetzt wirklich ein Blitz getroffen!“

Flucht vor einem Unwetter Nr. 1

Ein sehr guter Schuhmacher stellte Johannes Schuhe
wieder her, wie man hier erblicken kann!

Autor: marijo

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