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Der einzigartige, Freiburger Haustiergarten, der Mundenhof.

Wo geht´s denn hier zum Mundenhof? Fragte ich die einzigen drei Menschen, die da an einer Hauswand standen und sich unterhielten. Bollerstaudenstraße hatte die Haltestelle geheißen, an der ich aus der Straßenbahn gestiegen war, doch weit und breit kein Hinweis. Merkwürdig! „Da rechts, den Weg entlang. Sind aber zwei Kilometer“, bekam ich zur Antwort. Nun, Zeit hatte ich zum Glück genug. Schnur gerade zog sich der Weg dahin, für Verkehr gesperrt, außer mir kein Mensch da. Plötzlich vor meinen Füßen ein Schnuller. Hm! Ich hob ihn auf, in der Ferne das Paar mit Kinderwagen konnte ihn verloren haben. Lange Schritte machte ich nun und wollte sie unbedingt einholen, kleine Kinder haben manchmal die Idee, ihren „Tröster“ einfach wegzuwerfen. „Nein“. Sagten sie, als ich endlich in Rufweite war. „Wir haben alles“. Und das Baby im Wagen war höchsten zwei Wochen alt, das hatte bestimmt keinen Schnuller weggeschmissen. Seufzend legte ihn an den Straßenrand; ging etwas enttäuscht weiter, immerhin war mir der lange Weg auf diese Weise wesentlich kürzer erschienen. Endlich doch ein Mensch hinter mir, mit Fahrrad. Unsere Margit. Und das freute mich sehr.

Das heutige Tiergehege Mundenhof, von einer Fördergemeinschaft getragen, die heute etwa 300 Mitglieder hat, ist eigentlich zweigeteilt. Teilweise Landwirtschaft, auf 180 ha werde ökologische Kreislaufwirtschaft betrieben. der andere Teil, ca. 38 ha, ist das Gehege, das größte in BW, 1968 gegründet von dem früheren OB Freiburgs, Eugen Keidel, und er stiftete auch das erste Tier, den Esel Moritz. Der starb nach 35 Jahren, 1995. Esel sind also die ersten Ureinwohner im Mundenhof. Nur Haus- und Nutztierrassen aus aller Welt wollte man hier haben, eben keinen „Zoo“. Ein großflächig ausgelegtes Tiergehege für möglichst artgerechte Tierhaltung, ein Erlebnisgarten sollte es sein, für alle offen, der keinen Eintritt kostet. Der ging bald in das Eigentum der Stadt Freiburg über. Jede Spende wird jedoch dankbar angenommen.

Gemeinsam erreichten wir unser Ziel und staunten erst mal über die vielen Störche, die jeweils paarweise in Nestern oder auf Schornsteinen standen. Nach und nach trudelten auch die übrigen Teilnehmer des heutigen Treffens ein, zu Fuß, viele zu Fahrrad, einige mit Auto, und schließlich kam unsere junge Führerin dazu, mit Hund. Anna Rummel, stellte sie sich vor und:„Ich war einmal ein KonTiKi-Kind“. Kontakt-Tier-Kind, soll das heißen. Kinder beschäftigen sich gern mit Tieren. Insbesondere mit Eseln, doch das seien sehr eigensinnige Tiere. Esel seien wichtige Trag- und Arbeitstiere; leisteten Pionierarbeit auf vielen Gebieten, als Mittler zwischen Mensch und Tier, vor allem für die Kinder. KonTiKi sei ein Tierpädagogisches Projekt welches seit 1991 besteht und von einer Fördergemeinschaft getragen wird. Allerhand Sachaufwand für pädagogisches Personal sei dafür nötig. Der Streichelzoo KonTiKi, beherbergt aber auch noch andere Tiere, wie vor allem Schafe und Ziegen und auch Alpakas.

Mundehof
- die Sportlichen kommen mit dem Fahrrad -
Mundenhof
- So langsam trudeln alle ein und sammeln sich, um Frau R. zu lauschen -
Mundenhof
- Die junge, kompetente Führerin stellt sich vor -

Sie mache nun Führungen im Mundenhof, erzählte Frau Rummel, das ehemalige Kontikikind, und deutete als nächstes nach oben, wies auf die vielen Störche hin, die kreuz und quer über uns hinwegflogen, in vielen Nestern paarweise standen, laut klapperten. „Das tun sie zur Begrüßung“ Erfuhren wir. Nun ja, es ist Frühling, und schnellsten soll nun eine Familie ge-gründet werden. Die übliche Nahrung besteht aus Fröschen und Mäusen, auch anderes Kleingetier. Frösche, von denen wir aus Kinderzeiten wissen, sind allerdings mittlerweile rar geworden, zu wenig nasse Wiesen. Und Störche im Winter gab es bei uns früher nicht, sie flogen im Herbst davon, doch die meisten Mundenhof-Störche bleiben auch im Winter da. Die installierte Kamera für eines der Storchennester zur Beobachtung war leider nicht geschaltet. „Natürlich fliegen Störche auch heute noch nach Afrika. Route Gibraltar oder Türkei. Aber was macht ein Paar, das sich gefunden hat, und auf dem Rückflug jeweils eigentlich eine andere, die bekannte, Route nehmen möchte,? Sie einigen sich und fliegen in der Mitte.“ Erzählte Frau Rummel. Wo sie dann wohl ankommen mögen?

Mittlerweile werden wir aufmerksam beäugt auf unserem Gang, von drinnen. Also die Alpakas, das wollige Fell cremefarben bis hauptsächlich dunkelbraun, waren wirklich zum Knuddeln hübsch, und ziemlich neugierig. „Als Warnung spucken sie zuerst in die Luft“, erzählte Frau Rummel. Wenn`s ernster wird, direkt, doch können sie als nächste Stufe ihr Gegenüber auch mit dem sauren Mageninhalt besudeln.“ Na, da sucht sicherlich jeder sofort das Weite. Sie seien auf Wolle gezüchtet, die sehr weich ist, und sie gab uns auch eine Probe zum Anfassen. Die Schur erfolge alle zwei Jahre. Schafwolle würde sich übrigens im Gegensatz zu Alpakawolle fettig anfühlen. Grund: Schafe würden eben auch öfter einmal nass, dagegen müsse deren Haarkleid durch das Fett geschützt sein. Alpakas hingegen leben in trockenen Gegenden. Etwas größer als Alpakas seien Lamas, manchmal auch als Kleinkamele bezeichnet. Sie seien außerdem auch Packtiere und würden überdies von Schäfern gern als Wächter gegen Wölfe eingesetzt. Bei den großen Kamelen hingegen, - nie konnte ich die verschiedenen Viecher auseinanderhalten, - heißt das mit einem Höcker Dromedar, hat es zwei Höcker, Trampeltier, (endlich weiß man mal den Unterschied) und allesamt seien sie Wiederkäuer. Vikunja und Guanakos gehören ebenfalls zur friedlichen Kamelfamilie.

Die schönen langen Wimpern, die alle diese Kameltiere hätten, seien notwendig, um in ihrer trockenen Heimat die Augen gegen Sand und Staub zu schützen; Außerdem hätten sie Schwielenfüße. Alpakas nähmen auch sehr gerne Sandbäder, und das führte uns eines der Tiere sehr genüsslich auch gleich vor. Da sie außerdem sehr reinlich seien, benutzten sie sozusagen „Toiletten“, das heißt, die Notdurft würde von allen immer an der gleichen Stelle abgesetzt. Und wie wehren sie sich? Nun, - sie spucken.

Mundenhof
- der Mundenhof, ein Paradies für FA-Enkel! -

Von den Rindern, Tiere, die es nun wirklich fast in aller Welt gibt, in fast nicht zu übersehender Artenzahl, war das Ungarische Steppenrind (auch Südrussland und Zentralasien, ausdauernde Zugtiere) das nächste Ziel. Behaglich lag eines der Tiere in seinem großen Gehege, nicht weit davon ein Kalb, sie kümmerten sich nicht um uns. Eine Kuh besuchten wir in ihrem Stall. In aller Ruhe mampfte sie genussvoll Stroh, das heißt sie wühlte das Maul weit hinein in den Strohhaufen und auf meine Frage, was sie denn da unten suche, erhielten wir zur Antwort, auf dem Boden lägen eben oft auch noch Körner, das wisse sie. Ungeheuer imposante Hörner trug das Tier, mit einer enormen Länge, man sollte möglichst außer Reichweite bleiben. Frau Rummel zeigte uns dann den Unterschied zwischen einem innen holen Rinderhorn, und einem Geweih, welches viel schwerer ist. Das Horn wächst sein ganzes Leben lang und man könne an feinen Ringen, ähnlich wie bei einem Baum, das Alter ablesen. Ein Geweih hingegen, der Kopfschmuck von Hirschtieren, übrigens nur von den männlichen Tieren getragen, wächst jedes Jahr neu, und ist zunächst von einer gut durchbluteten, sogenannten Basthaut überzogen. Ist das Geweih für das Jahr ausgewachsen, trocknet diese Haut und wird an Bäumen und Büschen abgeschubbert. Darunter sei es zunächst ganz weiß, dunkler würde es erst durch die Säfte in den Sträuchern. Weil ein Geweih eben nicht hohl ist, sondern aus kompaktem Knochen besteht, sei es auch sehr schwer. Eine Elchschaufel, erfuhren wir noch, die ja auch regelmäßig abgeworfen wird, wiege etwa zehn Kilo.

Diese Steppenrinder, sehr große Tiere, mit dem Gewicht von etwa einer Tonne, seien eine sehr alte Rasse, würde in der Puzsta zusammen mit Pferden und Schafen gehütet und zur Fleischproduktion gehalten. Sie seien mit den langen Hörnern aber mit Vorsicht zu genießen, mittlerweile jedoch leider stark rückläufig. Die Kuh im Stall verließ uns, vielleicht waren wir ihr zu Viele. Mit Leichtigkeit kam sie durch den für die langen Hörner eigentlich viel zu engen Spalt, indem sie einfach den Kopf seitlich neigte. Und wer wohnte noch in dem Stall, außer den Spatzen? Ein Kasten für Schleiereulen war weit oben angebracht, die bekamen wir aber nun nicht zu Gesicht.

Mundenhof
- Frau R. hat einiges aus ihrem Rucksack gezaubert, so auch "Gewöll", das, was Uhus von ihrer Nahrung übrig lassen -

Noch etwas Ungarisches, Wollschweine bestaunten wir als nächstes, mit grauschwarzem, richtig dickem Fell. Zwei Muttersauen mit verschieden alten, ebenfalls schon dunklen, Ferkeln. Die Kleinen würden immer nur dieselbe Zitze zum Saugen benutzen, so hörten wir. Der ältere Wurf trug regelrechte Locken. Ein Schwein mit Locken! Das muss man wirklich gesehen haben. Denen geht es richtig gut. Suhlen und Wühlen und Wurzeln suchen, mit einer Wasserflasche spielen. Sie benutzen sogar „Zahnbürsten“, erfuhren wir, indem sie nämlich kleinere Steine im Maul hin und her „kauten“, deshalb klapperte es auch so. In Ihrer Heimat hielte man diese Schweine zusammen mit Rindern.

Mundenhof
- die Frischlinge sind kaum auszumachen! -

Ein herrliches Bild hätte man machen können, von drei neugierigen Ziegen, Burenziegen aus Afrika, die aufrecht nebeneinander am Zaun standen. Wer beäugte denn nun wen, wir sie oder nicht eher sie uns?. Die großen Ohren hätten nur eine dünne, aber stark durchblutete Haut, wie bei eigentlich allen Tieren in den heißen Gegenden, um den Blutkreislauf zu kühlen; das könne man auch bei Elefanten sehen.

... nicht mehr lange bis zur Geburt des Nachwuches!

Von den Äffchen war nur eines zu sehen, eine Mutter mit ihrem Kind, später besuchte uns noch ein neugieriges Halbwüchsiges. Javaneräffchen. Von den Exoten seien nur noch Restbe-stände vorhanden, wie die beiden Bären; Die solle es aber künftig nicht mehr geben, es seien schließlich keine Haustiere und außerdem schwer zu halten. Janosch und Joschka, die beiden Bären, bekamen wir allerdings nicht zu sehen. Von den Affen sei der älteste mittlerweile 40 Jahre alt. Ein gutes Gedächtnis hätte sie, erzählte unsere Führerin. Sie stammten aus einem Zoo (Welcher?) und hätten den Arzt, der sie seinerzeit eingefangen und betäubt hätte, bei einem Besuch, vier Jahre später, sofort wiedererkannt, als „bösen Mann“. Ansonsten klauten sie alles, was sie erwischen könnten, man müsse also schon vorsichtig sein. Handys nähmen sie auseinander, zögen die Simmkarte heraus, nur fotografieren könnten sie noch nicht.

Noch einmal Rinder. Wasserbüffel aus Asien, friedliche, gutmütige Packtiere, auch zum reiten. Wasserbüffel? Mit schwarzwolligem Fell, ich hatte eine ganz andere Erinnerung. Tatsächlich gibt es auch hellere. Nur, wo war der große Wassergraben, an den ich mich zu erinnern glaubte, von vor langer Zeit?

Nicht weit davon stolzierte ein Straußenpaar, Afrika-Strauße, fast zwei Meter hoch, die Hälfte davon Hals, auf dem ein hübscher kleiner Kopf, mit herrlich langbewimperten Augen neugierig auf uns herunter blickte. Ganz nahe kamen sie an den Zaun und es war beindruckend, die wunderschönen Federn zu bewundern, die sich Frauen früher als Schmuck auf den Hut steckten, man kann es fast begreifen. Nass sollten die aber nicht werden. Ein merkwürdiger Vogel: Total nackte Schenkel, und in den Dimensionen so kleine Flügelchen gegenüber diesem großen Tier. Damit kann man wirklich nicht fliegen, mit diesen Flederwischen.
Ein Straußenei wurde uns präsentiert. Wenn man im Größenverhältnis ein Hühnerei dagegen hält, erscheint es fast klein. Beim Brüten wechsele sich das „Ehepaar“ brav ab. Tagsüber die graue Henne, in der dunklen Nacht der fast schwarze Hahn. Eine Sicherheitsmaßnahme; So sieht man sie am wenigsten.

Mundenhof
... sein Gefieder,
Mundenhof
... sein Ei.

Bei den Uhus hatte ich einige Mühe, sie zu erblicken, so ähnlich waren sie der Rinde an den Bäumen, die in ihrem Gehege standen, dabei sind Uhus nun wirklich keine kleinen Vögel. Zu ihrem Futter gehörten in der Hauptsache Eintagsküken und Mäuse. Frau Rummel hatte „Gewölle“ mitgebracht. Was ist nun Gewölle? Uhus, also das heißt Eulenvögel, schlingen ihre Beute gewöhnlich im Ganzen hinunter, und wenn diese verdaut ist, bleiben Fell und Federn und Knöchelchen übrig. Das wird dann wieder ausgewürgt.

Mundenhof
... bei den Ziegen
Mundenhof
... raus aus'm Gehege!

Allerhand Infos hatten wir erhalten, nur viele Tiere sahen wir eigentlich nicht, auch nicht den Esel, von dem wir immerhin die Stimme hören konnten. Er könnte doch zum Wappentier des Mundenhofs erhoben werden?

Ehe wir uns von unserer Führerin verabschiedeten, wurde noch die KonTiKi-Koppel besucht.

Und wo waren nun eigentlich die Kamele? Dafür hätte leider die Zeit nicht mehr gereicht, meinte Frau Rummel.

Natürlich gab es einen gemeinsamen Abschied, Durst musste gelöscht werden an diesem schön warmen Tag, und unter Bäumen, im Freien, bei herrlich warmem Wetter, konnte auch mancher Hunger genüsslich gestillt werden.

Nein, wir hatten noch längst nicht alles gesehen, auch den Esel eben nur gehört. Am besten, man macht noch einmal in aller Ruhe einen Spaziergang, um zu finden, was früher einmal da war, in diesem einzigartigen Haustiergarten, den es so nur in Freiburg geben soll.

Mundenhof
Ausklang bei Kaffee und Kuchen.
Mundenhof
Sie blühen schon, die Sumpfdotterblumen!

Autor: Heupferd

Irene Sasse

Fotos: Margit Anhut (anmargi)

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