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Während eines kurzen Urlaubs im Nordschwarzwald habe ich an einem Tag (dank Konus-Gästekarte kostenfrei mit der OSB) einen Ausflug nach Gengenbach gemacht, um diese alte freie Reichsstadt zu besuchen. Mein Weg führte mich zunächst in das Touristikbüro. Dort erhielt ich einen kleinen Stadtführer „Stadtrundgang auf den Spuren des Ritters“.

Ausgerüstet mit diesem Führer und meinem kleinen Fotoapparat ging es dann auf Entdeckungstour.

Doch zunächst einige wichtige geschichtliche Daten (entnommen diesem kleinen Führer).

73 – 260 n.Chr. hatten die Römer, wer sonst in unserer Region, einen Stützpunkt auf dem Bergle. Von dort überwachten sie ihre Straße durch das Kinzigtal.

Danach lassen sich noch vor 700 n. Chr. Alemannen auf dem Gebiet der Martinskirche nieder

725 n. Chr. wird das Kloster gegründet und 100 Jahre später Reichskloster

1230 n. Chr. gründet Abt Gottfried III. die Stadt Gengenbach, die durch seine Fürsprache bei Kaiser Karl d. V. 1360 n. Chr. Freie Reichsstadt wird.

So, das soll an Geschichtszahlen reichen. Jetzt gehts los.
Der Rundgang beginnt auf dem Marktplatz. Die Idee ist, dass man sich von kleinen, in das Kopfsteinpflaster eingelassenen Bronzetafeln leiten lässt.

Nur es ist Markttag und ich kann zunächst dieses kleine Symbol nicht entdecken. Außerdem, die Idee ist vielleicht originell, aber wer läuft schon bei einer Stadtbesichtigung ständig mit gesenktem Kopf umher.

Den Ritter entdecke ich dann aber gleich. Er steht schon 500 Jahre auf dem Röhrenbrunnen mitten auf dem Platz, stützt sich auf sein Schild und verweist stolz auf die Reichsstadtprivilegien in seiner rechten Hand.

Das stattliche Rathaus fotografiere ich, als die Marktstände abgebaut sind.

Dieser Prachtbau stammt aus dem Jahre 1784, der Übergangszeit vom Rokoko zum Klassizismus und so finden sich in der Fassade auch Elemente aus beiden Stilrichtungen. Aus dem Bau spricht wohl der Stolz der freien Reichsstädter. Sie konnten ja nicht ahnen, dass es mit dieser Freiheit und den damit verbunden Privilegien (eigenständige Gerichtsbarkeit z.B.) schon 19 Jahre später, nämlich 1803, vorbei war. Gengenbach wurde in das Großherzogtum Baden eingegliedert. Auch die Abtei fällt an das Land Baden und wird im Zuge der Säkularisation im Jahre 1807 aufgelöst.

Vor dem Rathaus drehe ich mich um und erblicke das Kauf- und Kornhaus. Dieser Bau wurde im Jahre 1699 im Stil der Renaissance vollendet. Das beeindruckende Portal stammt noch aus der Zeit vor dem großen Stadtbrand, 1689. Damals haben französische Truppen Ludwigs d. XIV. im pfälzischen Erbfolgekrieg alle Gebäude innerhalb der Stadtmauer zerstört und was wir heute sehen, wurde später erbaut.

Ich finde das sehr erstaunlich: Nur 115 Jahre nach diesen schrecklichen Ereignissen hat man die Stadt wieder aufgebaut – auch das Kloster und die Kirche - und hat dieses wirklich imposante Rathaus errichtet. Woher kam das Geld? Bei meinen Internetrecherchen habe ich darauf keine befriedigenden Antworten gefunden. Sicher, Gengenbach hatte Marktrecht, viele Handwerker hatten sich dort angesiedelt, obwohl, das erklärt nicht alles. Ich hoffe, ich finde es noch heraus.

Vor dem Kornhaus finde ich dann die erste, in das Kopfsteinpflaster eingelassene, bronzene Führungstafel und vorbei am Palais Löwenberg, das gerade renoviert wird und deshalb mit Baufahrzeugen zugestellt ist, gelange ich zum Kinzigtorturm, dem höchsten und stärksten Turm in der Verteidigungsanlage der Stadt.

Auch ganz erstaunlich: trotz der schlimmen Ereignisse im 17. Jhd. haben sich noch 5 Türme der Stadtbefestigung erhalten. Den ersten habe ich jetzt gesehen.

Weiter meinem kleinen Stadtführer folgend gelange ich in die Benedikt-von-Nursia-Straße, wo ein Teil des alten Wehrgangs rekonstruiert wurde.

Gegenüber befindet sich in der Klostermauer ein schmaler Eingang, der zum Kräutergarten führt.

Hier duftet es nicht nur nach Kräutern sondern auch nach – leider schon z. T. verblühten – Rosen.

Wer die nachstehend fotografierte schöne Rose sieht, weiß, warum Th. Storm diesen Ausspruch getan hat.

Von hier habe ich einen schönen Blick auf die Stadtkirche St. Marien, die ehemalige, romanische Klosterbasilika, die auch beim Brand 1689 zerstört aber danach wieder errichtet wurde. Außerdem sehe ich auch Teile der ehemaligen Reichsabtei.

Eine schöne Brunnenanlage neben der Kirche, die an diesem heißen Tag Abkühlung verspricht.

Hinter der Kirche finde ich im Inneren der Stadtmauer den Prälatenturm (Turm Nr. 2 der erhaltenen Türme), auch ein Teil der ehemaligen Stadtbefestigung.

Neben der Kirche schließen sich die Bauten der ehemaligen Reichsabtei der Benediktiner an.

Auch die Abtei wurde im 17. Jhd. Zerstört aber schon bald wieder errichtet und der Neubau war schon 1702 vollendet. Heute wird ein Teil der Gebäude von der Fachhochschule Offenburg genutzt. Als ich dort bin, haben die Studenten gerade Pause, die Tür steht offen und so kann ich auch einen kurzen Blick in das schöne Treppenhaus werfen.

Nun folge ich wieder dem Stadtführer und gelange zum Obertorturm (Turm Nr. 3). Er beherrscht wuchtiger und gedrungener als der Kinzigtorturm die Sicht vom Marktplatz Richtung Norden.

Seitlich führt ein Durchgang für die Fußgänger unter den angebauten Häusern und der Stadtmauer hindurch.

Hindurchgegangen sieht man das Tor von außerhalb der Stadtmauer und erkennt das 2-Tonnen-schwere Fallgitter, mit dem der Eingang geschlossen werden konnte.

Genutzt hat es nichts, die Franzosen sind doch in die Stadt gelangt und konnten sie in Schutt und Asche legen.

Weiter geht‘s zum Schwedenturm (Turm Nr. 4) und Färberhaus.

Beim Färberhaus (rechts) sieht man das offene Obergeschoss. Hier wurden die Stoffe getrocknet.

Das ist (links) der Eingang zur Engelgasse.

Die Engelgasse ist reine Fachwerkidylle und folgt im Verlauf der inneren Stadtmauer. Die Häuser auf der rechten Seite lehnen sich an diese an oder nutzen sie sogar als hintere Wand. Die oberen Stockwerke kragen vor. So wurde zusätzlicher Wohnraum geschaffen. Praktisch haben die Erbauer der Häuser auch gedacht: Die Keller haben einen straßenseitigen, offenen Zugang, der die Einlagerung von Wein und sonstigen Gütern erleichterte.

Die Häuser sind liebevoll mit Blumen geschmückt, auch der alte Ziehbrunnen wird für Blumenschmuck zweckentfremdet.

Am Ende der Gasse auf der rechten Seite dann noch ein interessantes Gebäude, das Blockhaus. Wie man an Symbolen und Jahreszahlen an der Mauer und einer Tafel entnehmen kann, diente es im Laufe der Jahrhunderte höchst unterschiedlichen Zwecken.

Von hier aus sieht man auch den Turmhelm des Niggelturms (Turm Nr. 5).

Er beherbergt heute das Gengenbacher Fasnachtsmuseum.

Dann habe ich auch noch den modernen Narrenbrunnen, der im Winzerhof steht, entdeckt.

Damit habe ich meine Besichtigung unten in der Stadt abgeschlossen und bin dann noch auf’s Bergle gestiegen, um die Stadt von oben zu sehen.

Vorbei gekommen bin ich an einem festen Gebäude, dass ich für erwähnenswert halte, obwohl es in dem kleinen Stadtführer nicht berücksichtigt wird. Es beherbergt nun schon fast 100 Jahre die städtische Kinderschule (-garten).

Ganz bin ich nicht bis zur St. Jakobuskirche hochgestiegen.

In einer großen Kurve standen Bänke. Dort habe ich mich niedergelassen. Unter mir lag Gengenbach im hier schon breiten Kinzigtal.

Zur anderen Seite hin waren Weinberge, Wald, die Kapelle auf dem Abtsberg (hoffentlich stimmt das auch) und die ersten Berge des Nordschwarzwalds zu sehen.

Als ich da so in der Sonne saß, habe ich gedacht, welch ein Glück es doch ist, in so einer schönen und friedlichen Ecke Deutschlands wohnen zu können, und dass ich ganz sicher noch einmal nach Gengenbach kommen werde. Da gibt es noch vieles mehr zu entdecken: Das Innere der Kirche St. Marien, das Fasnachtsmuseum, das Flößermuseum im alten Bahnwärterhaus und, und …



Bilder: Tettane (Anne-Grete)

Text: Tettane (Anne-Grete)

Bei den Geschichtszahlen und konkreten Aussagen zu den Gebäuden habe ich den kleinen Stadtführer der Stadt Gengenbach in Anspruch genommen.

Autor: Tettane

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