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Unbekanntes Freiburg – Das Rieselfeld

Unbekanntes Freiburg – die Stadtteile Stühlinger, Beurbarung und die Schneckenvorstadt hat die Freiburger FA-Gruppe vor einiger Zeit besucht. Am Freitag 24.10.2014, an einem sonnigen Herbsttag hatten wir Gelegenheit den, in den Jahren 1992 bis 2010 neu entstandenen, Stadtteil Rieselfeld kennenlernen.

Erinnert sich noch jemand daran, dass die Stadt Freiburg bis in die Mitte der 1980er Jahre ihre Abwässer auf Felder entsorgte, die durch niedrige Dämme abgeteilt waren? Das Rieselfeld umfasste 320 ha Fläche. 1986 schloss man das Feld und ließ es einige Jahre ruhen. 1991 wurden 238 ha zum Landschaftsschutzgebiet erklärt und 78 ha für die Entstehung eines neuen Stadtteiles bereitgestellt.

Herr Siegl, der uns das Rieselfeld nahebrachte.


„Mr. Rieselfeld“ himself, Klaus Siegl, führte uns durch „seinen“ Stadtteil. Er managte 18 Jahre lang die Entwicklung des größten Stadtteilprojekts Baden-Württembergs, die - und das ist außerordentlich ungewöhnlich - ämter- und dezernatsübergreifende Projektgruppe Rieselfeld.

Aus erster Hand konnten wir also erfahren, nach welchen Gesichtspunkten der neue Stadtteil geplant wurde und dass die Planer sich dabei bemüht haben, aus Erfahrungen und Fehlern vorheriger Stadterweiterungen, vor allem von Großsiedlungen, zu lernen.

Von Anfang an wurde das Projekt von der Quartierssozialarbeit begleitet, die von der Evangelischen Fachhochschule für Sozialwesen organisiert wurde. Und sehr frühzeitig wurden die Bewohner in Entscheidungen einbezogen. Inzwischen hat sich ein BürgerInnenverein gegründet, der für eine rege Stadtteilvertretung steht.

Genauso wurde Wert darauf gelegt, dass die wohnungsnahe Infrastruktur parallel zum Bau der Wohn- und Geschäftshäuser entstand, also Straßenbahn, Schulen, Kindergärten und Bewohnertreffs zum Einzugstermin der Neubürger bereits funktionierten.

Während unseres Rundganges informiert Herr Siegl uns über die Fülle an Vorschlägen, die im Laufe der Jahre in vielen Sitzungen formuliert und in die Tat umgesetzt wurden.

Dazu gehört, dass im Stadtteil auf eine konsequente Mischung unterschiedlicher Gebäude- und Wohnungsformen geachtet wurde. Daher konnte er uns Reihenhäuser zeigen, die eine Grundfläche von 4x4m haben, aber auch ein Gebäude in dem es Geschosswohnungen mit 230 qm gibt.

Auf unserem Spaziergang deutlich zu sehen, dass eine Vielzahl an Bauherren mit unterschiedlichen Architekten gearbeitet hat. Auch das eine Vorgabe der Projektgruppe. Dass Frauen- Kinder- Alten- und Behindertengerecht gebaut wird, darauf lag ganz besonders das Augenmerk.

Wie viele Details hat Herr Siegl angesprochen! Hat sich jemand von uns einmal darüber Gedanken gemacht, dass man z.B. schon mit beleuchteten, transparenten Hauseingängen oder mit kleinen, einsehbaren Tiefgaragen Problembereiche vermeiden kann?

Dass vorgeschrieben wurde alle Häuser in Niedrigenergiebauweise zu errichten, versteht sich in der umweltbewussten Stadt Freiburg vielleicht von selbst. Zum Umweltgedanken gehört auch das spezielle Regenwasserversickerungskonzept. Das Regenwasser wird gesammelt und dem westlichen Rieselfeld wieder zugeführt. Damit soll die typische Vegetation mit Feucht- und Nasswiesen, die sich in der Zeit des aktiven Rieselfeldes entwickelt hatten, erhalten werden.
Dass sich durch das Sammeln des Oberflächenwassers auch Feuchtbereiche ergeben, in denen sich in großer Zahl Frösche ansiedeln, die durch ihr lautes Quaken den Anwohnern die Nachtruhe rauben, war wahrscheinlich nicht geplant.

Blockrandbebauung, dieses Wort fiel häufig bei unserem Stadteilrundgang. Diese Häuser schließen einen gemeinsamen lebendigen Innenbereich ab, in dem Kinder spielen und sich die Bewohner treffen können. 21 dieser freundlichen, grünen Blockinnenbereiche gibt es in den 4 Bauabschnitten des Stadtteils. Kleine Mietergärten können individuell gestaltet werden. Dieses urbane Leben sieht der Besucher des Stadtteiles gar nicht, wenn er nur die Rieselfeldallee mit ihrer Ladenzeile entlanggeht oder –fährt.

Weil Kinder in den Blockinnenbereichen wohnungsnahe Spielmöglichkeiten haben, muss es in dem kinderreichen Stadtteil gar nicht so viele Spielplätze geben. Ein bisschen knapp bemessen sind allerdings die Möglichkeiten für Jugendliche. Als kleines, von den Jugendlichen selbst verwaltetes, Angebot gibt es sowohl für Mädchen wie für Jungen je einen Bauwagen, in dem sie sich tagsüber treffen können. Darüber hinaus aber auch zentrale Sport- und Jugendräume.

Wer mehr Fakten über den neuen Stadtteil und die vielen Informationen und Zahlen, die Herr Siegl uns im Laufe des Rundganges vermittelte nachlesen möchte, sei auf die sehr ausführliche Internetseite der Stadt Freiburg verwiesen.
Dort wird z.B. darauf eingegangen, dass der Stadtteil jetzt fast 10000 Einwohner hat, dass davon 3500 aktiv in Stadtteilsportvereinen sind, dass die größte Grundschule Baden-Württembergs dort ansässig ist, die so gebaut wurde, dass alle Klassenzimmer Tageslicht und Blick ins Grüne haben, dass auch die Sporthalle mit dem Blick ins Grüne konzipiert wurde, wieviel Investoren, wieviel Baugemeinschaften es gibt, usw. usw.

Begonnen hatte unsere Führung im Herzen des Stadtteiles im Glashaus, dem Kommunikationszentrum am Maria-von-Rudloff-Platz.

An diesem Platz beschloss Herr Siegl mit uns auch die Führung. Denn hier steht das Ökumenische Gemeindezentrum, die Kirche Maria Magdalena.

Auf diese Patronin haben sich beide Konfessionen, die das Gebäude gemeinsam nutzen, einigen können. Über die Architektur dieses Gebäude wird gewiss noch lange diskutiert werden, aber dass bei „Zwei Kirchen unter einem Dach“ zwei Liturgieräume entstanden sind, die durch das Öffnen der Wände als großer gemeinsamer Raum genutzt werden können, ist eine für die Zukunft der Ökumene hoffnungsfroh stimmende Lösung.

Das Kölner Architekturbüro hat der Kirchengemeinde beim Entwurf des Gebäudes ein kleines Geschenk gemacht. In der westlichen Außenwand gibt es ein kleines Loch. Am 22. Juli, dem Namenstag von Maria Magdalena, fällt durch dieses Loch ein Sonnenstrahl genau auf eine kleine Platte auf den Boden vor der Kirche.

Herr Siegl hat im Jahr 2010 beim Abschied von seinem Arbeitsplatz als Dank eine SiegLinde geschenkt bekommen. Wir konnten uns bei ihm nur mit Applaus und freundlichen Worten bedanken. Er hat uns in diesen gut 2 Stunden den für die meisten von uns noch fremden Stadtteil mit großer Begeisterung und exzellentem Fachwissen nahegebracht. Für uns ein ganz großes Glück. Wann sitzt man schon einmal so nah an der Informationsquelle.

Sternwald, die den Bericht schrieb

Fotos von Goosi und anmargi



Und dann ging’s zum Ausklang ins Glashaus ...

Autor: sternwald

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