Neu hier? Werde gleich Mitglied! Lies hier über die Vorteile.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

Bequem mit Facebook einloggen:

facebook login

Für Gestaltung und Inhalt dieser Regionalseiten sind ausschließlich die jeweiligen Regionalbotschafter verantwortlich. Die von den Regionalbotschaftern eingegebenen und heraufgeladenen Inhalte unterliegen grundsätzlich weder einer Kontrolle durch Feierabend, noch nimmt Feierabend hierauf Einfluss. Hiervon ausgenommen sind werbliche Einblendungen und Beiträge die von Feierabend direkt eingestellt wurden und als solche gekennzeichnet sind.

Taxifahrt in der Wüste

DAKHLA, Bir Gabal, 28.12.2007

Es holte uns ab nach einem Tagesritt auf Kamelen durch die Wüste, uns, eine Gruppe von 9 Frauen und Männern, die ihre ersten Erfahrungen mit Sand-, Lehm- und Steinwüsten rings um eine Oase in Ägypten machten. Es – das war als Taxi angekündigt, und pünktlich wie ein Taxi stand es auch zur rechten Zeit am richtigen Ort bereit. Wir atmeten dankbar auf, als wir uns nach langen Stunden des Spreizsitzens auf dem primitiven Sattel hinter dem Dromedar-Höcker heimlich fragten, welcher Körperteil eigentlich nicht schmerzte!
Das Taxi ähnelte nur entfernt dem, was wir in unserer westlichen Zivilisation mit diesem Wort bezeichnen. Eigentlich war es ein „Pick-up“ mit vorne zwei Sitzreihen und auf dem hinteren Aufbau zwei harten Holzbänken in Längsrichtung.

„Einsteigen, bitte! Aber nicht vorn neben dem Fahrer!“

Also gut, dann in die zweite Reihe. Mein erster Versuch scheitert, da die rechte Tür sich nicht öffnen lässt und ich mir beim Versuch, von links durchzusteigen, meine viel zu großen Füße im sogenannten Fußraum einklemme. Ich komme nicht mehr vor und nicht zurück. Der freundliche ägyptische Fahrer erkennt meine Notlage. Flugs hebt er die Sitzbank aus ihrer nicht vorhandenen Verankerung und rückt sie etwas nach hinten – was einen Aufschrei der eben von dort einsteigenden Mitfahrer zur Folge hat, die nunmehr ihrerseits um die wenigen ihnen zur Verfügung stehenden Dezimeter bangen. Immerhin, ich kann meine Füße befreien und wieder aussteigen. Neuer Ladeversuch: eine kleinerfüßige Frau wurde geheißen, zuerst einzusteigen und sich durchzuzwängen bis zur verschlossenen rechten Tür, dann ebenso ein anderer Mann, dann ich – auf dem sozusagen bequemen Platz, da ich wegen der einseitig nach hinten verschobenen Bank wenigstens einen Fuß mit angezogenem Knie in Normalstellung unterbringen kann, den anderen allerdings nur verdreht. Wir drei auf der Sitzbank waren also drin, drückten uns mit angehaltenem Atem fest nach innen, der Fahrer fragte: „o.k.?“, und schlug die klapprige Tür mit Wucht zu – geschafft! Was danach hinten geschah, bis dort die restlichen sechs Personen auf wesentlich engerem Raum verstaut waren und die Hecktür ebenfalls zuschlug, kann ich nur erahnen aufgrund der diversen „Aua“-Schreie.
Jetzt wurde neben dem Fahrer allerhand Gepäck verstaut, all das, was nach dem Verladen von neun Kamelsätteln, Futtersäcken, Abfalltüten usw. zuvor auf dem Dach des Fahrzeugs keinen Platz mehr gefunden hatte. Na ja, dachte ich, wird ganz schön voll, der Beifahrer muss ja auch noch rein! Wie konnte ich verwöhnter Mitteleuropäer denn ahnen, dass auch die weiteren zwei Kameltreiber noch einsteigen und mitfahren wollten! Und fast schämte ich mich über mein problematisches Einsteigen zuvor, als ich beobachtete, wie behende die vier Männer vorne auf die viel zu enge Bank kletterten und dabei fröhlich und zufrieden miteinander palaverten.

Also, los geht die Fahrt!

Als kleines, eher unbedeutendes Problem erwies sich, dass die rechte Vordertür sich nicht schließen ließ. Der vierte Mann auf der rechten Seite übernahm wie selbstverständlich willig die Aufgabe, sie zuzuhalten. Dazu musste er allerdings seinen rechten Arm durch die geöffnete Scheibe herausstrecken. Kein Problem, die Scheibe hätte sich ohnedies nicht hochkurbeln lassen.
Motor an, rasselnd setzt sich das Vehikel in Bewegung. Der Fahrer, der sich wie auch seine drei Genossen kaum rühren konnte, lenkte und gab Gas; der zweite Mann rückte mit dem Schalthebel die Gänge ein – und ich fragte mich, wer von den Vieren wohl für das Bremspedal zuständig war???
Derartige nebensächliche Fragen schienen die vier dunkelhäutigen Gesellen nicht zu quälen, denn bereits nach kurzer Fahrtstrecke – erst durch Wüstensand, dann bei einfallender Dunkelheit auf kleinem asphaltierten Sträßchen – fingen sie an, wundersame orientalische Gesänge anzustimmen und dabei die flotten Rhythmen mit beiden Händen auf dem zerschlissenen Armaturenbrett zu schlagen. Es hörte sich fremdartig und zugleich faszinierend an. Eigentlich hätte ich gerne diesen Melodien und Rhythmen konzentriert zuhören und sie genießen wollen, doch daran hinderten mich einige Nebenumstände: Das Fahrerfenster ließ sich nämlich nur in gewissen Spielräumen bewegen, jedoch nicht völlig schließen, das Schiebefenster neben mir ließ sich immerhin so weit bewegen, dass ich es fast, aber eben nur fast, schließen konnte. Die Folge: scharfer Windzug aus der inzwischen empfindlich kühlen Wüstennacht pfiff mir ums linke Ohr. Doch als erfahrener Wüstenbesucher, der ich nach einer Woche bereits zu sein glaubte, hatte ich ein feines Tuch dabei, das, vors Ohr gepresst, sofort Abhilfe schuf. In Linkskurven des schneidig gefahrenen, mit 13 Personen und hoher Dachlast beladenen Taxis beobachtete ich ängstlich den vierten Mann vorne rechts, wie er zwischen Türhalten und Rausfallen pendelte, doch ihn schien es weit weniger zu belasten als mich.
Entgegenkommende Fahrzeuge wurden durch Aufblenden der Scheinwerfer vor Zusammenstoß gewarnt, unbeleuchtete Eselskarren oder Fußgänger durch heftiges Hupen. Wir neun europäische Fahrgäste schwiegen mit wohl sehr ähnlichen Gefühlen und Gedanken in unserem Pferch, während die vier Männer vorne weiter aus vollem Hals sangen und mit den Händen trommelten. Später gingen sie dazu über, heftig gestikulierend fröhlich und lautstark miteinander zu diskutieren, jeweils mindestens zwei gleichzeitig redend. Meine Schmerzen an allen möglichen Körperteilen konnte ich allmählich nicht mehr genau identifizieren, jede Bewegung war unmöglich. Ängstlich beobachte ich den Straßenrand, während der Fahrer vor mir, der sich zweifellos ebenfalls nicht rühren konnte, das Gefährt knapp an diversen Hindernissen vorbeilavierte und außer lenken auch noch hupen, leuchten, singen und sich im Gespräch seinen Sitznachbarn zuwenden musste. Als dann mein quergestellter Fuß einschlief, wünschte ich mir nur noch ein baldiges, gutes Ende dieser nächtlichen Fahrt.

Schließlich erreichten wir mit großer Erleichterung Bir Gabal und unser kleines Wüstenhotel. Mit Ächzen und Stöhnen befreiten wir uns aus unseren Zwangshaltungen und klatschten dem Fahrer großen Beifall – dankbar, dass alles gut ging. Für ihn war das bestimmt keine Sekunde lang eine Frage gewesen.

(Bernhard Daigl)

Artikel Teilen


Artikel bewerten
5 Sterne (27 Bewertungen)

Nutze die Sterne, um eine Bewertung abzugeben:


0 0 Artikel kommentieren