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Eine Aleppobeule verunstaltete das Gesicht jenes englischen Lords der Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar „Durchs wilde Kurdistan“ begleitete. Zehn Jahre alt, las ich dies in einem der spannendsten Karl Mays der Geschichte.

Aleppo, eine märchenhafte Stadt in Syrien schien mir damals als unerreichbarer Traum, und nun 60 Jahre später stand ich – in Begleitung - am Rand der Zitadelle die 70 Meter über der Stadt aufragt und als die eindrucksvollste Festungsanlage der arabischen Welt gilt. Das ovale Burgplateau misst 400 x 300 Meter. Das Plateau birgt eine Moschee und ein Amphitheater. Auf dem Hügel finden ständig archäologische Ausgrabungen statt.

Flirrende Luft über der Zweimillionenstadt, die in taubengrauem Licht unter uns lag.

Beim Hinabsteigen bewunderten wir nochmals die Vorwerke der Festung, die Fassaden sparsam mit matt und rötlich schimmerndem Stein dekoriert.

Das Nationalmuseum Aleppos empfängt den Besucher am Eingang mit fünf Fabelwesen und drei Götterstatuen. Gemeißelt aus Basalt, aus dem 9. Jh. v. Chr. stammend.

Drinnen jene Überfülle von Relikten aus hethitischer, aramäischer, römischer, persischer und byzantinischer Zeit. Ein inspirierender Besuch, der Phantasie in dieser magischen Stunde Raum lassend. Wie überall in Syriens Museen muss man seine „optischen Waffen“ am Eingang abliefern, denn es herrscht strengstes Fotografierverbot!

Der Shuk von Aleppo gilt als der malerischste Bazar Syriens. Er erstreckt sich über 12 Kilometer, so lang wie kein anderer Shuk im ganzen Orient. Die Gassen sind nur vier bis sieben Meter breit, es herrscht drangvolle Enge. Lebhaftes Treiben, mit allem wird gehandelt. Die Transportmittel sind Esel und Maultiere, die „modernen“ Händler liefern ihre Ware mit dem Motorrad an. Und welche Verblüffung: Viele Händler sprechen Deutsch!

Auf dem Weg zur Burg Qual’ at Naim passieren wir einen Friedhof. Schlichte Steintafeln erinnern an die Toten, die nach Süden – in Richtung Mekka - schauend bestattet werden. Nicht nach Osten schauend, im Osten sind wir ja schon.

Die Burg Qual’ at Naim erhebt sich direkt am Ufer des Euphrat, und so den Oberlauf des Flusses beherrschend. Der Blick nach Norden zeigt die türkische Grenze. Friedliche Stille umfing uns. Der Euphrat ein traulich gleitender Fluss, selbstvergessen vor sich hintreibend. Aber die Idylle trügt: Die Türkei gräbt Syrien und dem Irak durch mächtige Stauseen das Wasser ab. Syrien staut den Euphrat ebenfalls mit dem Assad-Staudamm auf.

Pitt70 in Syrien
In Syrien ist Fotografieren von Frauen nur gestattet, wenn man sie vorher um Erlaubnis bittet!
Pitt70 in Syrien
- Ein verwunschenes Dorf zwischen Wasser und Wüste -

Die christliche Basilika Qualb Lozeh stammt aus dem 5.Jh. Qualb Lozeh heißt übersetzt „Mandelherz.“ Eine dreischiffige Basilika mit reicher Ornamentik, die Architektur gilt als Vorbild für manches Gotteshaus in Europa, welches in romanischem Stil erbaut wurde.

Sie gilt auch als Vorbild für das später errichtete Simeonskloster Kal’ at Sim’an.

Pitt70 in Syrien
Bemerkenswert ist die ornamentale Ausschmückung der Basilika

Das hiesige Klima, mit mäßigen Niederschlägen und frostfreien Wintern, lässt es zu, dass die Ruinen sehr langsam verwittern. Der bauliche Zustand der mehr als tausend Jahre alten Kirche ist überraschend stabil. Auffallend ist auch die reiche und kostbare Dekoration der Kirche. Und das freundliche und gar nicht dramatische Licht unterstützt durch seine Heiterkeit die schlichte Monumentalität der Kirche.

Die Tote Stadt Serjia, nahe dem Drusendorf Qualb Lozeh, gehört zu den sogenannten 500 „vergessenen Städten“, die im byzantinischen – persischen Krieg 603 – 630 aufgegeben oder zerstört wurden. Schwerpunkt war die Erzeugung und der Handel mit Olivenöl. Die Ruinen sind auch wegen der Verwendung harten Kalksandsteins noch so gut erhalten.

Beim Betreten taucht man ein in die melancholische Atmosphäre der Ruinen, doch die Fremdheit weicht einer kontemplativen Stimmung, hervorgerufen durch glücklich einfallendes Licht und freundliche Wärme.

Pitt70 in Syrien
- Teilweise sind die Ruinen nur beschwerlich zu betreten -

Ankunft in Kal’at Sim’an.
Das Simeonskloster, ist ein Wallfahrtsort, dem Säulenheiligen Simeon gewidmet, der 30 Jahre lang auf einer 2 Quadratmeter großen und 18 Meter hohen Säule einen Teil seines Lebens verbracht haben soll.

Die Basilika und das Kloster wurden aber erst nach dem Tod Simeons, 459 n.Chr. erbaut.

Pitt70 in Syrien
- Der große Vorplatz vor dem Narthex -
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- Der Haupteingang der Basilika -
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- Bildmitte: Die Reste der Simeonsäule -
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- Kapitell mit Akanthusblatt-Verzierung -

Die Kirche wurde in Form eines Kreuzes auf einer Fläche von 5000 Quadratmetern erbaut. Die Hauptfassade, der Narthex, nahm die Gläubigen auf, die sich im riesigen Vorhof versammelten. Beim Betreten der Ruine stockt einem der Atem, es ist ein Augenblick angehaltener Zeit. Man steht mittendrin in einem Wunder im Großformat. Der Blick ruht auf den unvergleichlich schönen Mauern, Bögen und Säulen die mit schlichter Monumentalität dem Bauwerk sein Maß geben. Es ist ganz still, die Zeit verrinnt in andächtigem Schauen, das Sakrale, das Feierliche nimmt von uns Besitz, ganz und gar.

Später, als es schon Abend war, verwuchsen die Schatten des Afrintales mit der Nacht. Sterne und Mond zogen schweigend dahin. Wir mussten Abschied nehmen.

Es gibt Orte, die strahlen etwas Besonderes aus, Orte mit Kraft und Poesie.
Kal’ at Sim’an ist so ein magischer Ort.

Erfüllt kamen wir heim, die Erinnerung im Herzen.



Die Bilder wie immer mit Mozilla Firefox öffnen!

Autor: Pitt70

Helmut Buechler

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