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Eine gemächliche Radwanderwoche in Masuren lag gerade hinter uns, und nun, da wir uns an die verschlafenen Dörfer, einsamen Wälder und stillen Seen gewöhnt hatten, wurden wir brüsk in eine Weltstadt verpflanzt mit brausendem Verkehr und einer halben Million Einwohner. Wir rieben uns die Augen im 13. Stockwerk eines Luxushotels, den Blick auf Danzig gerichtet. Da lag sie vor uns die tausendjährige, stolze Hansestadt:
„ Die Königin der Ostsee!“

"Die Königin der Ostsee
Was lag näher, als der Königin pflichtschuldigst die Reverenz zu erweisen? Nichts! Also starteten wir zum ersten Rundgang durch die sogenannte Altstadt, dem ältesten Teil des historischen Danzig. Auf engem Raum liegen die Gebäude der Großen Mühle, des Altstädtischen Rathauses, der Katharinenkirche und der Brigittenkirche beieinander, kaum einen Steinwurf voneinander getrennt.

Alles Ziegelbauten, die trotz der verschiedenartigen Baustile miteinander korrespondieren und diesem Bereich der Stadt ihr unverwechselbares Siegel aufdrücken. Am Reiterdenkmal des siegessicher posierenden Königs Jan III. verließen wir die Altstadt und traten ein auf den Plan der Rechtsstadt, dem eigentlichen Zentrum Danzigs.

Alles Ziegelbauten, die trotz der verschiedenartigen Baustile miteinander korrespondieren  und diesem Bereich der Stadt ihr unverwechselbares Siegel aufdrücken. Am Reiterdenkmal des siegessicher posierenden Königs Jan III. verließen wir die Altstadt und t
König Jan III.

Über den Kohlenmarkt schlendernd schlugen wir den „Königsweg“ ein, schauten uns das HoheTor und den Stockturm an, standen danach vor dem Goldenen Tor, der reich im Renaissancestil geschmückten Eingangspforte zur Langgasse. In den die Gasse flankierenden, schmalen Giebelhäusern wohnten die reichsten Bürger Danzigs.

Prächtige Fassaden reihen sich aneinander, die Giebel bekrönt mit Voluten, Laternen, Obelisken, Wasserspeiern und Statuen aller Couleur: Götter, Musen, Apostel und Nothelfer. Senkt man die Augen in dieser dramatischen Magistrale wieder, richtet sich der Blick - magisch angezogen - auf den Turm des Rechtsstädtischen Rathauses. Wie ein Pfeil schießt die Nadel der Turmspitze ins Blaue. Das Rathaus steht an der Mündung der Langgasse in den Langen Markt und bildet den Mittelpunkt der Stadt. Unverkennbar ist der flämische Einfluss an diesem gotischen Backsteinbau, der aber auch mit Stilelementen der Renaissance und des Barock vermischt ist.

Wegtauchend aus dem Sonntagstrubel den biedere Bürger, leicht schräges Jungvolk und ganze Scharen von Touristen zusammen mit den Händlern verursachten, gerieten wir in stilleres Fahrwasser. Gleich hinter dem Rathaus schichtet sich die wichtigste Kirche Danzigs auf. Fast erdrückt wird der Betrachter von der unmittelbaren Wucht der Marienkirche, die von engen Gassen umschlungen wird, die der Kirche den ihr gebührenden Freiraum verweigern. Der rot gebrannte Stein ist schmalkantig, schwärzlich und in endlosen Schichten hoch gemauert. 25000 Gläubige kann diese fünftgrößte christliche Kirche der Welt aufnehmen. Der wehrhafte, fast festungsartige Charakter des äußeren Bildes ist ins Innere nicht übertragbar. Innen wirkt sie weiträumig, fast ein wenig zu hell, eine ruhevolle Stimmung mag zuerst gar nicht aufkommen, erst wenn man die Augen in den Lichtraum der drei Schiffe hebt und die reichen Sterngewölbe herabzusinken scheinen, wird man mit der Helle versöhnt.

Auf dem Weg zum Krantor, einem weiteren Wahrzeichen der Stadt, passierten wir die Frauengasse, gewiss die architektonisch spektakulärste Gasse Danzigs. Das Licht trug das Seinige dazu bei, auf den alten Fassaden in ihrer steinernen Schwere und schweigsamen Schönheit bildeten sich harte Sonnenschatten, die plastischen Effekte unterstreichend. Eine ganz besondere Danziger Eigenart sind die Beischläge vor den Stadthäusern. Aus Angst vor Überschwemmungen baute man die Eingänge mindestens einen Meter über das Terrain und versah sie mit einer Terrasse und breiter Treppe. Prunkvoll geschmückt zeigten sie sich als erstes Aushängeschild des Hausbesitzers. Hinaustretend durchs Frauentor steht man direkt an der Mottlau und neben dem Krantor. Zum Abschluss des Stadtrundgangs führte uns der Guide zur Polnischen Post, einem mit düsterem Erinnern beladener Bau. Dort kämpften am 1. September 1939, 51 Postangestellte gegen die Übermacht der Waffen-SS. 12 Postler fielen, die anderen 39 Männer ergaben sich nach 14-stündigem Kampf und wurden von der SS ermordet. Unsere Unbeschwertheit war für eine Weile dahin, die dunklen Stunden deutscher Vergangenheit holen einen in Polen immer wieder ein - ob man will oder nicht.

Oliva und Zoppot
An dem einzigen Tag, an dem wir nicht Rad fuhren, besuchten wir noch die Kirche des Zisterzienserklosters in Oliva. Eine herrliche zweitürmige, spätgotische Kirche mit einer berühmten Rokokoorgel. Den späten Nachmittag verbrachten wir in Zoppot, dem ehemals mondänsten Seebad an der Ostsee. Über eine aparte Flaniermeile gelangt man zur längsten Seebrücke Europas, 516 m weit kann man über dem Meer lustwandeln, stets die Kammlinie des Frischen Haffs vor sich und salzigen Wind in den Haaren und auf der Haut.

In Frauenburg
Frauenburg am Frischen Haff ist ein kleiner Ort, zu Füßen eines mit starken Mauern und Türmen bewehrten Kathedralhügels, in dessen Mauern Kopernikus mit seinem heliozentrischen Weltbild die Welt aus den Angeln hob. Frauenburg war die Residenz des Ermländischen Domkapitels, die Kathedrale ist eines der schönsten sakralen Bauwerke im ehemaligen Ostpreussen. Nach der Besichtigung der Kirche, deren Inneres sich in einem desolaten Zustand befindet, auch hier fehlt’s am Geld, bestiegen wir den Kopernikusturm. Auf der Aussichtsplattform, 70 m über dem Spiegel der Ostsee, schweifte der Blick über Haff und Nehrung hinüber nach Russland. Es war ein strahlender Tag, die Luft vibrierte, unter unseren Blicken lagen Burg und Kirche. Der Baumeister gab mit Innerlichkeit und einem Gefühl für schlichte Monumentalität diesen Bauwerken sein Maß, ein Wunder im Großformat.

In der Heiterkeit dieses Tages fuhren wir auf langgezogenen Steigungen und ebensolchen Abfahrten in westliche Richtung gegen Danzig. An Kadyny vorbei, einem blitzsauberen Gestüt mit endlosen Koppeln, in denen sich Herden rassiger Pferde tummelten. Später an der Nogat wurde uns der Weg zur Fähre versperrt, eine Panne hatte sie außer Betrieb gesetzt. Also ein Umweg, seufzend wendeten wir unsere Bikes und suchten den Weg am Ufer entlang zur nächsten Fähre. Die abendliche Stimmung über dem zahm dahintreibenden Fluss, wurde von einer versponnenen Sonne untermalt. Hinter dem Damm lagen kleine Bauernhöfe, malerisch anzusehen, eine Idylle, wäre da nicht die bittere Armut dieser Leute so auffallend sichtbar gewesen. Auf der Fähre zogen wir über den Fluss, auf dem die letzte Spiegelhelle des sich neigenden Tages lag. Im Bus, jetzt nur noch die Augen geschlossen, den Tag vorbeiziehen lassen, die Zeit verliert an Bedeutung, die Bilder werden zu Erinnerungen.

In der Kaschubischen Schweiz
Die Kaschubische Schweiz ist einer der schönsten Teile der Pommerschen Seenplatte, südwestlich von Danzig gelegen. Meine Skepsis über das Vehikel „Schweiz“ musste ich schnell zurücknehmen, es war berechtigt. Unsere letzte Radtour führte durch die Täler dieses Landstrichs, bei herrlichem Herbstwetter streiften wir die Ränder der Seen, die im Licht des klaren Tages lagen. An einem See dann eine Rast im Garten eines Hotels, der als Plattform über dem schimmernden Seespiegel lag. Dieser Nachmittag war besonders friedlich und warm, später färbte die Herbstdämmerung den Himmel über den Hügeln rötlich, als der Bus mit uns heimwärts zog.

Zur Marienburg
Am nächsten Tag war der Himmel noch tiefer auf das Frische Haff herabgesunken, ein lichtloser Morgen, alles schien matt. Auf dem Weg zur Marienburg fiel aus dem grauen, glanzlosen Himmel kalter Regen. Beim Überqueren der Nogat lag die ehemalige Burg der Hochmeister des Deutschen Ordens direkt vor uns am Fluss, umgeben von einer riesigen Backsteinmauer. Die Gebäude im Inneren vereinigten eine Vielzahl von Verwaltungs- Fest- Wohn- und Wirtschaftsräumen für die Führung des Ordensstaats für die ritterliche und geistliche Gemeinschaft, deren Gefolge und Gäste. Errichtet wurde die Burg um 1280, die künstlerisch bedeutendsten Bauteile sind im Mittelschloß der große Remter und im Hochschloß die Marienkirche mit der Goldenen Pforte. Die größten Zerstörungen erlitt die Burg zum Kriegsende 1945. Erstaunlich ist der Wille und die Leidenschaft der Polen beim Wiederaufbau gewesen. Die straffe Führung durch einen Teil der Anlage verschlingt zwei Stunden, allein daran kann man die Größe der Burg erahnen. Unser Guide, eine Gymnasiallehrerin, bezeichnete die Burg ein wenig spöttisch als „den größten Backsteinhaufen der Welt“. Neben der Architektur und den Kunstschätzen der Burg besticht auch das „Polnische Bernsteinmuseum“ mit seinen einmaligen Stücken, es ist ebenfalls in der Marienburg untergebracht. Müde und erschöpft vom Schauen und Zuhören verließen wir die Burg, pilgerten über die Nogat um einen letzten umfassenden Blick auf die Burg zu werfen.

Am Ende unserer Reise, ein letzter Blick über Danzig. Die Sonne war bereits untergegangen, über dem Osten lag Halbdunkel, der Horizont im Westen eine einzige Feuerwand aus Gold und Karminrot. Die Kirchturmspitzen ragten wie der Zufall es wollte, in die Höhe. Dann wälzte sich der Nachthimmel über die Stadt, kam zum Stillstand und überschüttete Danzig und das Haff mit der glitzernden Pracht unzähliger Sterne. Ein Bild das sich tief in meine Erinnerungen eingegraben hat.

Pitt70

Es ist empfehlenswert, die Bilder über Mozilla Firefox zu öffnen.

Autor: Pitt70

Helmut Buechler

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