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Patagonien

Jetzt sind wir also in Patagonien – einen „düsteren und wilden Land“, so notierte Charles Darwin. Es heißt, durch die Ebenen und die Magellanstraße wüte ein ewig eiskalter Wind. Der Wind begleitete uns schon, aber er war nicht eiskalt! Die unendlich weiten Ebenen geben Weideland her für abertausende von Schafen und Rindern – Patagonien lebt heute noch zum großen Teil von der Schafzucht. In der kargen braunen Pampa sieht man manchmal kilometerweit keine anderen Lebewesen als Schafe. Der Export geht größtenteils in den asiatischen Raum. Uns haben die Schafe aber weniger interessiert – wir wollten in den berühmten Nationalpark „Torres del Paine. Die Fahrt ging von Puerto Natales – einer kleinen Hafenstadt mit ca.17.000 Ew. am Ufer des Fjords Ultima Esparanza (letzte Hoffnung) los. Man hatte stets einen wundervollen Blick auf die großartige Kulisse der z.T. schneebedeckten Sarmiento-Kodilleres.

Ein Stopp wurde noch eingebaut bei dem Naturdenkmal „Cueva del Milodón“. Das Mylodón war ein Urtier, das am Ende des Pleistozäns ausgestorben ist (etwa 20.000 v. Chr.) und dessen Überreste (Fell und Knochen) in dieser Höhle 1896 gefunden wurden. Es handelt sich um ein Riesenfaultier, eine pflanzenfressende Tierart, die etwa 3,5 – 4 m groß war. In der Höhle befindet sich eine Nachbildung eines solchen Tieres. Die Überreste des echten Mylodón sind im British Museum in London zu sehen. Die Höhle ist etwa 80 m breit und 200 m tief. Man fand hier auch Spuren prähistorischer Menschen.

Auf der Weiterfahrt sehen wir unsere ersten Guanacos (die Verwandten der Lamas und Alpacas) und auch Nandus – so werden die Strauße hier genannt. Das Männchen macht ein Nest und befruchtet viele Weibchen, die ihre Eier in seinem Nest ablegen. Dann liegt das Brüten und die Aufzucht der Jungen voll in der Hand des Vaters. Man sieht manchmal einen stolzen Vater mit 7 oder auch noch mehr Jungen auf der Futtersuche.

Die Landschaft ist wunderschön, und man kann sich nicht satt sehen. Die Seen leuchten in allen Farben und es gibt Unmengen von Seen. Immer wieder hat man großartige Blicke und Aussichten auf das Torres-Massiv. Vor rund 200 Mio. Jahren erodierte das Gestein durch Wind und Wetter und ließ die turmähnlich geformten Granitfelsen bis zu 2.500 m aus der Landschaft emporragen.

Der Nationalpark Torres del Paine ist das einzige Gebiet der Welt, in dem pazifische Westwinde, ungebremst durch das Fehlen starker Gebirgsformationen, bis in das Herz des Landes vordringen. So kommt es zu Versteppungen und deformierten Baumbeständen. Tundra wechselt mit Wäldern, Zypressen und den windzerzausten Bäumen mit ihren Aufsitzern, die sich gegen den Wind zu stemmen scheinen. Schön auch die Orchideen und die Lotra-Blume (genannt Schuhe der Jungfrau). Wir begeben uns wieder auf eine wunderschöne Wanderung auf der Landzunge zwischen dem See Pehoé und dem See Nordensköld mit stetem Ausblick auf das Torresmassiv. Wir kommen an dem größten Wasserfall des Parks – den Salto Grande – vorbei, bei dem sich das Wasser unter tosendem Lärm zwischen den Felsen in die Tiefe stürzt. Man muss sich mit gespreizten Beinen gegen den Wind stemmen, damit es einen nicht wegweht.

Und dann geraten die „Hörner“ (die Cuernos) in unser Blickfeld. Eine unserer Mitreisenden ist extra wegen ihnen nochmals nach Chile gekommen. Bei ihrem letzten Besuch lagen sie im Nebel und nun zeichneten sie sich in ihrer ganzen Pracht gegen den blauen Himmel ab. Es sind herausragende Granittürme aus hellgrauem Granit, die aus schwarzem Sedimentgestein eine „Mütze“ aufgesetzt bekommen haben. Dauend möchte ich rufen – wie einst Schwager Ewald als Kind – „hilf mir gucken – hilf mir gucken!!“ Über den See jagt der Wind das Wasser wie Nebelschwaden. Man könnte auch mit Goethe sagen: „ Verweile Augenblick (oder hier lieber Anblick?), du bist so schön!“ Aber es steht eben noch mehr auf dem Programm und so
kehren wir zum Bus zurück, der uns weiter durch den Nationalpark mit seinen phantastischen Ausblicken bringt. Diesmal ist unser Ziel das Ufer des Rio Serrano, an dem unsere nächste Unterkunft liegt. Nach dem Essen sitzen wir noch auf dem Balkon und genießen den Sonnenuntergang , der uns ein Schauspiel vor dem grandiosen Torres-Massiv liefer

Am andern Morgen geht es früh weiter. Da ich ziemlich vorne im Bus saß, fielen mir die Tiere auf, die über die Straße schlichen. Auf meine Frage, ob es Pumas seien, geriet unser Reiseführer fast aus dem Häuschen. Er hatte schon über zwei Jahre keine mehr gesehen und nun waren es wirklich drei Pumas. Voller Freude über den schönen Anblick fuhren wir weiter zur Grey-Halbinsel und den Grey-See (Lago Grey – seinen Namen verdankt er seiner grauen Farbe), einem Gletschersee, in dem auch zur Sommerzeit dicke weißblaue Eisblöcke treiben, da immer wieder unter großem Getöse meterhohe Eisblöcke aus der Eiswand des Greygletschers herausbrechen. Wir genießen zunächst den Blick auf den See von dem netten Grey-Hotel aus, um dann zur Anlegestelle zu wandern. Ein Boot bringt uns bis an die Eiskante des Gletschers. Wie immer wieder begleitet uns auch hier der Kondor, der unbestritten der Star der Vogelwelt ist mit einer Flügelspannweite von über 3 m. Hier in der Felswand scheint er sein Nest zu haben, denn er schwebt herunter und lässt sich in der Felswand nieder. Inzwischen ist das Boot ganz nahe an die Eiswände herangefahren, die in allen möglichen Blautönen leuchten.

Auf der einen Seite der inzwischen durch den Klimawandel freigelegten Landzunge ist der Gletscher 3 km breit, auf der andern nochmals 1 km. Es ist ein unbeschreibliches Erlebnis, so nahe an diese Eisfelsen heranzukommen. Unmöglich auch, das Farbenspiel in Worte zu fassen! Es war einfach einmalig. Das Boot gleitet vorsichtig zwischen den schwimmenden Gletschern hindurch und wir können die Eisberge von allen Seiten sehen und fotografieren. Manche sehen aus wie Ufos mit Zinnen und Türmen in den verschiedensten Formen und Farben – es geht von weiß über hellblau, dunkelblau bis beryll. Manche muten wie ein futuristisches Wohnhaus an, andere kann man mit surrealistischen Schiffen vergleichen, der Bauch nachtblau, der Rücken blassblau. Der Phantasie sind einfach keine Grenzen gesetzt und auch hier möchte man am liebsten bleiben! Natürlich genießen wir den servierten Pisco mit dem mehrtausendjährigen Eis! So etwas habe ich einfach noch nie erlebt. Aber es nützt alles nichts, auch hier müssen wir zurück! Im Hotel essen wir zu Mittag und schauen voll Wehmut auf den See mit den schwimmenden Eisbergen.

Aber die anschließende Wanderung durch die Wälder mit dem Blick auf die Bergwelt, die kreisenden Kondore und Adler lässt uns auch diese Natur voll erleben. Wäre man Geologe, könnte man an den tollen Steinformationen, den Verwerfungen und großartigen Gebilden die Entstehung dieser wunderbaren Landschaft erläutern. So können wir uns daran erfreuen und staunen, welche Vielfalt unsere Erde zu bieten hat.
Mit dem Bus geht es nochmals durch eine grandiose Landschaft, vorbei an vielen Seen, über den Paine-Fluß mit seiner alten Brücke zur Hosteria Las Torres, die direkt am Fuße der Torres-Spitzen liegt. Immer im Blick hat man die Cordilleren. Im Nationalpark begegnen uns immer wieder die hier beheimateten Tiere. Die Hosteria ist sehr gemütlich und bietet ein wunderbares Buffett zum Abendessen

Am andern Morgen brechen die Kletterer (5 und Reiseleiter) auf zu den Torresspitzen. Diese Tour, auf der man 1.000 Höhenmeter zu überwinden hatte, tat ich mir nicht an. So wanderte ich mit einer Reiseteilnehmerin im Tal. Wir haben stets herrliche Ausblicke auf die Bergwelt ringsum, kommen über Hängebrücken, durch Flüsse, an Lavafeldern vorbei ebenso wie an blühenden Wiesen. Als wir uns weit genug vorgewagt hatten, kehrten wir um und wanderten von der Lodge aus noch in die andere Richtung und hatten dabei stets zwei der drei Torrespitzen im Blickfeld.Zurück in der Lodge erwarteten wir die müden aber glücklichen Kletterer, um dann gemeinsam nach Puerte Natales zurückzufahren, wo wir wieder im Hotel Lady Florence Dixie übernachteten, allerdings geht der Nachtruhe noch ein Abendessen im Restaurant „Cormoran de las Rocas“ voraus.

Am letzten Tag im alten Jahr fuhren wir nach Punta Arenas. Auf dem Weg dorthin kamen wir an einer Stelle vorbei, an der eine junge Mutter verdurstet ist. Ihr Kind, das sie an die Brust angelegt hatte, überlebte. Nun wird sie als Heilige verehrt. Man bringt laufend mit Wasser gefüllte Plastikflaschen als Gabe dorthin (der Verschluss muss offen bleiben). Manchmal kann man es dann erleben, dass ein Auto den Wassertank mit dem Wasser auffüllen kann, der bei der Hitze leer geworden ist.

Auf der Estancia „El Palenque“ lernen wir bei einem Halt allerlei über das Leben der chilenischen Farmer. Auf dieser Farm hat man sich neben Schafen und Rindern noch der Zucht und Pflege von Alpacas, Guanacos, Lamas und Llamas zugewendet. (Wir erfuhren, dass Llamas eine Kreuzung aus Lamas und Alpacas sind). All diese Tier werden gehalten zur Wollgewinnung. Man schert sie wie Schafe. Da aber alles noch im Versuchsstadium ist, bemüht sich der Besitzer erst mal um Abnehmer.
Wir schauten bei einer Schur zu. Bei einem Rundgang über das Gelände erzählte der Farmer allerlei Wissenswertes über das Leben auf der Farm und gab bereitwillig auf alle Fragen Auskunft

Für uns war ein Lamm geschlachtet worden, das seit morgens um 8°° Uhr schräg über einem Holzkohlengrill garte und einem schon im voraus das Wasser im Munde zusammenlaufen ließ. Die Lämmer aus dem Süden fressen viele frische Kräuter und werden „a fuego lento“ (ganz ganz langsam) gebraten. Man stellt die Tiere schräg auf, damit das Fett nach unten ablaufen kann. Nach der halben Bratzeit wird das Lamm umgedreht und das saftige Fleisch ist ein Hochgenuß. Es wurde mit Kartoffeln und Salat serviert, wir hätten gut auf alle Beilagen verzichten können – so köstliches Lammfleisch aß ich bisher noch nie.

Mit vollen Bäuchen ging es weiter, an einer argentinischen Grenzstation vorbei, zur Magellan-Pinguinkolonie „Seno Otway. Es handelt sich um ein Schutzprojekt zur Erforschung der Lebensweise der etwa 200.000 Piguine. Wir liefen auf angelegten Wegen, hatten immer die putzigen Tiere, die grade ihre Jungen aufzogen im Blickfeld. Sie legen 1 – 2 Eier und leben in Sandhöhlen, die sie sich angelegt haben. Manchmal kamen einem die Kleinen größer und dicker vor als die Eltern, sie werden dauernd gefüttert und haben dichte Flaumfedern. Die Pinguine sind ca. 70 cm groß, wiegen etwa 4 Kilo und haben neben dem charakteristischen schwarz-weißen Kopf einen schwarzen Streifen am oberen Rand der Brust. Da ihr Schwerpunkt in der Mitte des Körpers verläuft, bewegen sie sich an Land schwerfällig, dadurch wirkt ihr Gang so putzig. Pinguine sind exzellente Schwimmer und ernähren sich von Meerestieren. Sie leben in den Sommermonaten hier in der Umgebung von Punta Arenas, Ende März ziehen sie sich in wärmere Gewässer zurück und kehren – ohne zwischendurch an Land zu gehen - erst Ende Oktober zur Brutzeit zurück.

Punta Arenas ist sehr großflächig, wir wohnten im Hostal Terra Sur. Am Neujahrstag machten wir eine Stadtrundfahrt, kamen zuerst an den alten Hafen, in dem noch einige Schiffswracks liegen, fuhren dann weiter in die Stadt, um die wichtigsten Gebäude, Parks und Denkmäler zu sehen. Die Stadt hat ein sehr gepflegtes Stadtzentrum mit der wunderschönen Plaza de Armas. Hier steht unter anderm das Denkmal für die Indianer. An der Statue soll man den großen Zeh berühren (ist er schon ganz blank!), damit man wieder hierher zurückkommt. Und wer errät, was ich gemacht habe????

Punta Arenas hat ca 120.000 Ew., es ist die südlichste Stadt Chiles, die südlichste Kontinentalstadt der Welt. Man sagt, es sei die schönste Stadt Patagoniens. Von hier hat man einen wunderbaren Blick hinüber nach Feuerland, das sich auf der anderen Seite der Magellanstr. hinzieht. Eine besondere Sehenswürdigkeit ist der Friedhof, der nicht so schnell seinesgleichen findet. Er ist zum Nationaldenkmal erklärt worden. Hier lässt sich noch der verflossene Reichtum bewundern. Z.B. besteht das Mausoleum der Familie Braun-Menéndez aus einem schwarzen Marmorblock. Man könnte die ganze Geschichte der Stadt und seiner Bewohner auf dem Friedhof ablesen. Die Schafbarone bauten ihren Toten wahre Paläste. Es gibt auch eine Grabsstelle unter dem Namen „Deutsche Krankenkassen“, diese beweist, dass die hier Bestatteten nicht zu den ganz Reichen gehört haben! Jetzt wird meist aus Platzmangel in Wandgräbern beigesetzt, die aber reichlich mit Blumen ausgeschmückt sind. Verbrennungen scheint es noch nicht zu geben.

1876 erhielten die Einwanderer die Erlaubnis zur Schafzucht, es wurde zum „weißen Gold“. Land war billig und leicht zu erhalten. Das Klima bekam den Schafen. Ein schönes Denkmal in der Stadt erzählt von den Anfangen.
Nun fuhren wir noch auf die Hügel (zum Kreuzberg). Von oben hatte man eine wunderbare Sicht auf die Stadt, die Magellanstr. und das gegenüber liegende Feuerland. In einer Straße hatten Jugoslawen (wohl aus Heimweh) eine ganze Straße gepflastert aus Steinen, die sie alle aus dem Meer hinauf gebracht hatten. Sie ist noch gut erhalten.

Heiterkeit verbreiteten die Stangen, die mit Wegweisern in alle möglichen Städte der Welt und der Entfernung dahin geziert waren. Wieder mal hieß es Abschied nehmen. Der Flieger brachte uns nach Santiago de Chile, wo für einen Teil der Gruppe der Urlaub mit dem Heimflug nach Deutschland endete.

Die Atacama-Wüste

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