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Bericht über die Luxor-Reise


vom 21.12.2007 – 3.1.2008

Nach einem 4-stündigen Flug wurden wir am Flughafen Luxor von unserer Reiseleiterin abgeholt und ins Hotel mitten in der Stadt gebracht. Lebhafter Verkehr von unzähligen E-selskarren, "Kalesch´s" (= Pferdedroschken), heftig hupenden Autos, die ganz nach Belieben mal rechts, mal links fuhren, über rote Ampeln und Stopschilder hinweg - das ließ uns gleich zu Beginn ein wenig den Kopf schwirren. Das Hotel in einer kleinen Gasse, direkt an den quirligen Basar angrenzend, bot einen freundlichen Empfang; das Zimmer allerdings ein wenig "gewöhnungsbedürftig": klein, leicht verkommen (abblätternde Farbe usw.), nicht gerade anheimelnd. Nun ja, für 3 Nächte sollte es gehen, schließlich sind wir ja im Orient!!! Entschädigt wurden wir durch eine herrliche Dachterrasse mit Blick auf den nahen Nil, den Luxor-Tempel mit der Sphinx-Allee, die unruhigen Gassen unter uns und natürlich durch die strahlende Sonne und wohltuende Wärme

Relativ früh gingen wir in eine Gartenwirtschaft zum Abendessen, danach noch am selben Tag in den Luxor-Tempel, der abends bis 21 h geöffnet ist und im Licht der Scheinwerfer eine ganz besondere Atmosphäre bot: gewaltig, überwältigend, eindrucksvoll; ein guter Start! Auf dem Rückweg zum Hotel ein erster Basar-Bummel. Ich war erstaunt und erfreut, dass auf Anhieb nirgends ein Unbehagen oder Gefühl der Unsicherheit aufkam. Alle Menschen waren fröhlich und freundlich, und auch die Aufdringlichkeit, die man von orientalischen Basaren (Türkei!) kennt, hielt sich in durchaus erträglichen Grenzen.
In der ersten Nacht schlief ich dank Ohropax und einer gesunden Erschöpfung trotz des Lärms und der harten Matratzen ganz gut.
Am nächsten Morgen mussten wir ganz früh aufstehen, denn eine Nilschifffahrt war geplant und das Schiff sollte bereits um 7 h ablegen. Dass es dann erst mit einer halben Stunde Verspätung abfuhr, ist für die dortigen Verhältnisse durchaus als pünktlich zu bezeichnen.

Ungefähr 3,5 Stunden tuckerten wir nilabwärts, vorbei an grünen Gärten und Feldern, aber auch an Menschen, die vermutlich recht elend in dürftigen Behausungen leben und uns fröhlich zuwinkten. Unser Ziel war der schöne Tempel in Dendera. Ein kleines besonderes Erlebnis bestand darin, dass ein mit Maschinenpistole bewaffneter Polizist uns eine besondere Führung auf das Dach des Tempels anbot – einen Moment lang dachten wir an Entführung oder Ähnliches - und sich dort von und mit uns fotografieren ließ! Für die Tempelbesichtigung hätten wir uns mehr Zeit gewünscht - nur 1,5 Stunden blieben uns, da das Schiff uns wieder zurückbringen musste und die Fahrt stromaufwärts eine Stunde länger, also 4,5 Stunden dauerte. In einer Ecke auf dem Sonnendeck hatte ein kunstfertiger Ägypter einen kleinen Verkaufsstand eingerichtet, an dem er auch seine Sandbilder in Glasväschen und hübsche kolorierte Zeichnungen herstellte. Schon morgens auf der Hinfahrt hatte ich ihm interessiert zugeschaut, worauf er mir an seiner Seite einen Sitzplatz anbot, um das Entstehen eines seiner kleinen Werke besser verfolgen zu können. Gerne kaufte ich ihm das Väschen ab, und hielt während der ganzen Schiffsfahrt mehr oder weniger den (Augen-)Kontakt zu ihm. Wie war ich dann überrascht und gerührt, als er mir kurz vor dem Abschied ein gerade zuvor eigens für mich gefertigtes Bild des Luxor-Tempels, mit seinem Namen Mohamed gezeichnet, als Geschenk überreichte!
Nach einem guten Abendessen und einem fröhlichen Basar-Bummel, bei dem ich mir Tücher und den so angenehm zu tragenden Kaftan kaufte, fielen wir wieder müde ins Bett.
Der dritte Tag war ganz der Besichtigung des berühmten Karnak-Tempels nahe bei Luxor gewidmet. Er ist der größte der ägyptischen Tempel und berühmt besonders wegen der einmaligen Säulenhalle. Mit Kaleschs fuhren wir hin und betraten ehrfürchtig die Wege und Räume.

An einer besonderen Stelle tanzten wir auch einige meditative Tänze – wie wir es zuvor im Luxor-Tempel und in Dendera auch schon getan hatten. Unsere Leiterin (ich nenne sie gerne eine "Schamanin") ist ja Tanz- und Trommellehrerin für Meditation und Trance; ihre spirituelle Führung begleitete uns auf der ganzen Reise in wunderschöner Weise. Solche Erlebnisse - Kreistanz (wir waren 9 Personen) in der atemberaubenden Säulenhalle des Tempels - hinterlassen einen unvergesslichen Eindruck! Auch zufällig anwesenden andere Besucher verharrten derweil in ergriffenem Schweigen.
Wir konnten uns mehrere Stunden Zeit lassen für die Besichtigung. Am frühen Nachmittag gab es Gelegenheit, das unweit gelegene Luxor-Museum zu besuchen; ich aber zog es vor, ganz alleine noch weiter durch das weite Tempelgelände zu streifen. Es war eine gute Entscheidung, denn ich spürte noch interessante Winkel auf und hatte gute Begegnungen mit arabischen Wächtern, die mir ihre Privat-Führungsdienste (natürlich gegen einen kleinen Bakschisch) anboten. Den Rückweg zum Hotel machte ich gerne zu Fuß am Ufer des Nil entlang bei untergehender Sonne. Auch dabei fühlte ich mich nicht unsicher, zumal in kurzen Abständen immer wieder Polizeiposten standen, die die Sicherheit der Touristen garantieren sollen. Ein wenig lästig waren die Kalesch- und Taxifahrer, die einfach nicht einsehen wollten, dass ein Mensch auch zu Fuß gehen kann.

Der nächste Tag: Auf in die Wüste! Da die Fahrt bis zu unserer Oase Dakhla mit Kleinbus 6-8 Stunden dauert und wir vor Einbruch der Dunkelheit dort ankommen sollten, war frühes Aufstehen angesagt: Abfahrt um 7 h (ohne Frühstück, jedoch mit Lunchpaketen). In der Morgendämmerung fuhren wir durch die Vororte von Luxor, überquerten den Nil und erreichten nach ca. 45 Minuten Fahrzeit den Beginn der Wüste. Nach kurzer weiterer Fahrt tauchte eine kleine Raststätte auf, die wir sehnsüchtig erwartet hatten, um dort unseren Kaffee zu bekommen und das verspätete Frühstück einzunehmen. Der Fleck ist nicht besonders einladend, jedoch die letzte Chance vor stundenlanger Wüstenfahrt, Kaffee und WC vorzufinden. Das WC allerdings wurde meiner Frau beinahe zum Verhängnis: eilends und im Gegenlicht der Sonne übersah sie eine Betonschwelle und stürzte schwer. Gottlob war der Schrecken größer als die Verletzungen; es hätte jedoch ganz böse ausgehen können!

Auf einem kleinen Asphaltsträßchen ging die etwas monotone Fahrt gute 3 Stunden bis zur ersten Oase namens Kharga, und in dem gleichnamigen Städtchen erreichten wir unter Polizeigeleit eine Möglichkeit zum Mittagessen. Wie soll man es nennen: Restaurant? Nein, bestimmt nicht. Imbissbude? Schon eher, aber nicht mit den unsrigen zu vergleichen. Wie auch immer, das Essen schmeckte fein, und von nebenan wurde uns noch guter Tee serviert. Gestärkt und wiederum mit Polizeieskorte setzen wir die Fahrt fort. Wie schon bisher erlebten wir so ungefähr alle 45 Minuten einen Stop bei einer Polizeistation in der Wüste, die im Grunde wohl nicht unserer Kontrolle, sondern unserem Schutz diente. Alle Polizisten waren sehr freundlich, aber durchaus auch genau beim Feststellen von Personenzahl sowie Herkunft und Ziel. Manchmal wurden wir auch ein Stück weit begleitet, meist jedoch fuhren wir auf der recht wenig befahrenen Straße alleine dahin – am Steuer ein netter Ägypter und daneben der angeblich vorgeschriebene ägyptische Beifahrer. Hin und wieder wurden „Pinkelpausen“ eingelegt; Sandberge ersetzten den von mir vorgeschlagenen Klapp-Busch für die Damen. Bei einem der Stops zeigte uns unsere Reiseleiterin wenige Meter von der Straße entfernt Felsen mit alten Ritzzeichnungen und Hieroglyphen. Dort gab es auch weiche Steine, die sich in Sand der schönsten Gelb-, Ocker- und Weißfarben zerreiben ließen – Erinnerungen an Mohamed auf dem Nilschiff, der aus solchen Sanden seine Bilder macht.
Schließlich erreichten wir am Nachmittag die Oase Dakhla; es wurde grün ringsum, wir durchfuhren bewohntes Gebiet und kleine Orte, und schließlich waren wir bei unserm Hotel Bir Gabal angekommen. Freundliches Personal und der Besitzer Hatem begrüßten uns. Wir bezogen unsere Zimmer, die in je einem kleinen Pavillon mit Lehmmauern und einer kleinen Kuppel gebaut sind. Der Komfort ähnelt dem in Luxor, jedoch die Sauberkeit und der Pflegezustand sind besser. Wir beschlossen, dass es uns gut gefällt. Ich finde es prima, es ist so urig und ganz anders. Dann aber lassen wir die Blicke schweifen ringsum: grandios, atemberaubend! Vom Hügel bei dem Haus, das unsere Reiseleiterin dort besitzt, hat man einen Überblick über die direkt angrenzende Stein-, Sand- und Lehmwüste, auf den Abbruch des Hochplateaus, oberhalb dessen die Wüste weitergehen soll, einen Blick in einen tiefblauen und wolkenlosen Himmel, der uns ja von Anfang an gegönnt war. Im Hotelgarten ein reiches Blütenmeer von Oleander und anderen Sträuchern – da ging uns so recht das Herz auf und die Erwartungen auf das, was uns in den nächsten Tagen erwartet, ließen den Puls höher schlagen.

Abendessen gab`s an Hatems Grillplatz mit offenem Feuer, danach noch ein paar Tänze, und dann die erste Nacht.
Trotz ungewohnter Umstände schliefen wir gut und trafen uns zum späten Frühstück im Garten. An diesem ersten Tag machten wir nur eine kleine Wanderung in die nähere Umgebung, um erste Orientierung zu finden. Dabei aber sahen wir bereits die wunderbarsten Wüstenbilder: Sandberge, Steinfelsen, Lehmhügel in Sphinxformen, Geröllstrecken, ausgeschliffene Steine, dunkle Basalt- und helle Kalksteinfelder. Der Weg führte zu einer ehemaligen, aber im Laufe der Zeit wieder verdorrten Gartenanlage, die ursprünglich parzelliert war und noch Reste der einzelnen Eingangstüren bzw. der gemauerten Türrahmen erkennen ließ. Eine besondere Atmosphäre des Vergehens! Weiter ging der Weg zu einem ehemaligen Gehöft oder Gut, das einer wohl sehr wohlhabenden Familie gehört haben muss: umgeben von einer langen Mauer, dahinter die Mauern eines großen Gebäudes mit vielen Räumen, alles in einem riesigen Garten, der noch Reste von Grün und absterbende Palmen enthielt.

Auf Umwegen erreichten wir wieder unser Hotel, schon jetzt ganz erfüllt von den ersten Eindrücken der Wüste!


Für den zweiten Tag war eine größere Wanderung geplant – in den mittelalterlichen Ort El Quasr, ca. 4 Stunden Fußmarsch durch verschiedene Wüstenformationen. Beim Wandern kam ich aus dem Staunen nicht heraus.

Nie hätte ich mir vorstellen können, wie verschiedenartig Wüste sein kann, wie bunt die Farben der Steine, wie bizarr die Felsen oder Steinbrocken, wie wunderschön geformt die Sandberge, wie gleißend und spiegelnd die geschliffenen Basaltsteine ...! Und erste Erfahrungen dessen, was man die „Fata morgana“ nennt, konnten wir auch machen: wir glaubten Seen --- oder Schneefelder --- oder Salzflächen -- zu sehen, die in Wirklichkeit Geröll aus Kalkstein waren.

Aus der Ebene tauchten die Umrisse eines Gebäudes auf, wir erreichten das „Desert Lodge Hotel“, von dessen Anhöhe aus man einen schönen Blick auf den Ort El Quasr hat. Dort wusste unsere Leiterin einen schattigen Restaurantgarten, wo wir uns erholen konnten bei einem guten Essen. Dann folgte die Besichtigung der verlassenen Altstadt aus dem Mittelalter, die erst seit wenigen Jahren nicht mehr bewohnt wird. Ein Labyrinth von engsten Gässchen und kleinen Wohnungen hinter dicken Lehmmauern und verzierten Türstürzen, darin Reste von Getreide- und Ölmühlen, eine noch intakte und genutzte Schmiede sowie eine Töpferei hielten uns in Atem. Ich kaufte handgeschmiedete Nägel und eine ebensolche Pinzette, Ilse einen großen Strohhut. Ein Kleinbus brachte uns zurück zum Hotel.

Am dritten Oasentag starteten wir zur Besteigung der Bergkette. Ein anstrengender Anstieg und eine mehrstündige Wanderung wurden uns angekündigt. Da oben meist ein kalter Wind herrscht, sollten wir Kleidung zum Umziehen nach dem heißen Aufstieg mitnehmen. Doch der Anstieg gestaltete sich anfangs gar nicht so schlimm; bei leichter Steigung und angenehmen Temperaturen ging es flott bergan. Doch allmählich wurde es beschwerlicher, die Steigung, zunächst noch im festen Sand, dann über Geröll, wurde steiler. Das letzte Stück ist eine steile Geröllhalde, die man nur einzeln begehen sollte, da man leicht Steine lostritt, die dann die nachfolgenden Personen beim Herabpoltern ernsthaft gefährden können.

Leider ließ die Gruppendisziplin ein wenig zu wünschen übrig, aber schließlich waren doch alle wohlbehalten oben – und dort war es überhaupt nicht kalt und windig!!! Dafür aber atemberaubende Ausblicke, sowohl in die sich oben fortsetzende, als auch durch Täler und Schluchten in die unter uns liegende Wüste. Bei einer ausgedehnten Rast ließen wir die Eindrücke auf uns wirken. Grandios!

Ich zog es vor, nicht mit der Gruppe abzusteigen, sondern einen kleinen Ausflug ob in die unendliche Weite der dortigen oberen Wüste zu unternehmen. Ein lohnendes Unterfangen! Die absolute Stille und Einsamkeit dort, die neuen Formationen von zuerst Steinhügeln, dann aber allerschönsten Sandbergen, das war für mich ein besonders tiefes Erlebnisse. Eine Ruhe, die es bei uns einfach nicht gibt. Die einzigen Geräusche sind der eigene Atem, das Knirschen der Schuhe im Sand, das Klopfen des Blutes in den Adern.

Nach kurzem Weg stellte ich auch fest, dass, abgesehen von Sonne und dem eigenen Schatten, keinerlei Orientierung mehr möglich war. Während unten die Bergkette stets die Richtung wies, war diese nun oben nicht mehr erkennbar. Ringsum die gleichen Bilder: Sandflächen, dazwischen einzelne Steinformationen, alle irgendwie gleich, wunderschön.
Die Sonne und die eigenen Fußspuren wiesen mir den Weg zurück, und ganz erfüllt und glücklich erreichte ich das Hotel.

Abends, wie immer, gutes Essen, Tänze, nach Belieben ein Bad im Hamam im stark eisenhaltigen heißen Wasser, das direkt aus der Tiefe der Erde heraufgepumpt und dann zur Bewässerung der Felder eingesetzt wird.

Der vierte Tag - ein neuer Höhepunkt: Kamelritt! Genauer gesagt waren es einhöckrige Dromedare, die uns nach früher Anfahrt mit einem Wüstentaxi am Beginn einer ausgedehnten Sandwüste erwarteten. Schon das Aufsatteln der dabei schrecklich brüllenden Tiere war ein Erlebnis.

Dann Aufsitzen – zuerst ein Ruck nach vorn, dann nach hinten, dann noch einmal nach vorn – und das Kamel stand, ich zum Glück noch drauf! Die ersten Schritte waren beschwerlich; verkrampft hielt ich mich fest und beschloss, wenigstens eine halbe Stunde auszuhalten, denn immer fürchtete ich, seitlich abzurutschen. Doch man gewöhnt sich an den Rhythmus, und sobald ich mit den Bewegungen mitging, anstatt mich dagegen zu stemmen, war es nicht mehr so schwierig. So konnte ich dann den Ritt doch genießen. Als letzter in der Karawane, die aus einmal 4 und einmal 5 hintereinander zusammengebundenen Tieren sowie den 3 Beduinentreibern bestand, die zu Fuß gingen, hatte ich einen guten Überblick und ein schönes Bild vor mir.


Die Landschaft der Sandberge, die wir durchritten, kann man in ihrer Schönheit mit Worten überhaupt nicht beschreiben. Ich las einmal die Formulierung: „Wie die nackte Haut einer schlafenden Frau“. Nicht schlecht, dieser Vergleich, aber er trifft nur entfernt die ganze Schönheit und Vielfalt der Naturschauspiele in Formen und Farben.
Nach mehreren Stunden Ritt gab es eine Mittagspause im Sand. Decken wurden ausgebreitet und die Beduinen reichten uns ein einfaches Mahl sowie frisch gebrühten Tee, den sie auf einem kleinen Holzfeuer zubereitet hatten.

Dann ging es weiter, erneut einige Stunden, zunächst durch die Sandberge, dann aber in eine weite, weite Geröllebene, entlang an einem Bergrücken. Man konnte glauben, auf der Stelle zu treten, denn über lange Zeit schien man überhaupt nicht voranzukommen. Als schließlich an einem von den Treibern zuvor ausgemachten Platz unser Wüstentaxi auftauchte und uns aufnahm, waren wohl einige der Kamelreiter (jedenfalls ich und meine Frau!) sehr froh über die Erlösung. In beengter und abenteuerlicher Fahrt ging es zurück zum Hotel (siehe meinen kleinen Bericht „Mit dem Taxi durch die Wüste“). Für die angestrengten Muskeln und Gelenke war das heiße Bad im Hamam jetzt eine Wohltat!

An dieser Stelle möchte ich den chronologischen Bericht einmal unterbrechen, um drei generelle Informationen und Erfahrungen festzuhalten.

Zunächst möchte ich etwas über die Menschen sagen.
An anderer Stelle wie ich schon darauf hin, dass mir alle ägyptischen Menschen ausnahmslos freundlich, offen, fröhlich begegnet sind, eine Erfahrung, mit der ich so gar nicht gerechnet hatte. Wir glaubten bisher, die Griechen seien die freundlichsten Menschen, doch die Ägypter stehen ihnen in keiner Weise nach! Wenn dies schon für die Menschen auf den Straßen, an den Polizeistationen, in den Basaren oder im Hotel zutraf, umso mehr dann auf „unsere“ drei Männer vom Bir Gabal: allen voran Hatem, der Chef; anfangs dachte ich, er sei ein wenig distanziert, doch das gab sich schnell, sicher nicht nur deshalb, weil er mir mal sagte, ich ähnele seinem Großvater. Hatem ist eine Persönlichkeit, in seiner etwas korpulenten Erscheinung schon äußerlich, erst recht aber wegen seiner unaufdringlichen steten Hilfsbereitschaft, seiner ausgeprägten Sensibilität, seinem Interesse an uns und unseren Ritualen (die er sogar manchmal mitmachte!). Für seine beiden Bediensteten ist er klar der Chef, aber dennoch ist er zu ihnen sehr freundlich und gut.

Zweiter in der Hierarchie ist Ibrahim, der kleine, fleißige Araber mit dem weißen Turban (den er nur einmal wegen zu großer Hitze in der Küche ablegte). Immer freundlich, immer zu Diensten bereit, immer da, wenn man ihn brauchte. Ibrahim ist eher still und zurückhaltend, aber ein ganz Lieber.
Und dann Yazir – ihn erwählte ich spontan zu meinem Liebling. Als jüngster (23) und in der Hierarchie niedrigster der drei Männer, die gemeinsam das Hotel und das Restaurant am Laufen halten (Frauen gibt es dort nicht!), war er auch der Unbefangenste und Lustigste. Manchmal zupfte er mich beim Vorbeigehen am Ärmel, was er sehr lustig fand, und auf jeden Fall strahlte er mich immer an und begrüßte mich täglich mehrmals mit kräftigem Handschlag. Über kleine Geschenke konnte er sich wie ein Kind freuen. Yazir ging nie in Kaftan und Turban wie Ibrahim, sondern eher „westlich“ gekleidet in Hose und T-Shirt oder Sweatshirt.
Von allen dreien fiel uns der Abschied schwer, besonders von Hatem, der selbst ganz feuchte Augen bekam bei der letzten Männerumarmung mit mir.

Nun ein paar Worte über Geld und Preise.
Währung ist das Ägyptische Pfund, das in Piaster unterteilt wird. Da ein Pfund aber nur noch 12 Eurocent wert ist, kommen Piaster kaum noch vor. Münzen gibt es nicht mehr, nur Scheine. Davon kommen aber wegen des geringen Wertes dann dicke Bündel zusammen, für die unsere üblichen Geldbörsen ungeeignet sind. Der Ägypter trägt sein Geld in Bündeln einmal gefalteter Scheine, evt. Mit einem Gummibändchen zusammengehalten, in der Hosen- oder Kaftantasche.
Die Preise sind für unsere Begriffe sehr niedrig. Für eine Tasse Kaffee oder Tee zahlt man 60 Cent, für eine 1 ½-l Plastikflasche Wasser 30 bis 50 Cent, für ein halbes Kilo Datteln 36 Cent, für eine wunderschönes großes Schaltuch 6 €, für meinen Kaftan zahlte ich 30 €. Ein warmes Essen bekommt man schon für 2 bis 4 €.
Die Arbeitslosigkeit ist sehr hoch, die Einkommen extrem niedrig. Und wer einen Job hat, muss häufig davon mehrere Familien ernähren. Daher ist es nicht verwunderlich, dass „Bakschischs“ gerne genommen werden; sie sollten auch von uns gerne gegeben werden! Auch sonstige kleine Geschenke sind (nicht nur bei Kindern) sehr willkommen: Kugelschreiber, Feuerzeuge, Taschenmesser. Für uns ist es erstaunlich, wie viel Freude man damit bereiten kann!

Wetter und Klima in der libyschen Wüste Ägyptens:
In der Winterzeit, in der wir dort waren (Dezember/Januar), ist das Klima sehr angenehm. Die Tagestemperaturen lagen so bei ungefähr 25°Celsius (wobei die Sonne mittags ohne jeden Schatten natürlich schon ganz schön brennt!) und 6-8° nachts. Für die Kleidung heißt das: Zwiebelprinzip! Pullover und große Tücher sind sehr nützlich.
Regen gibt es dort das ganze Jahr über nicht (oder wenn doch einmal, so sagte man uns, dann nur ein paar lokale Spritzer). Täglich schien die Sonne aus dunkelblauem Himmel, manchmal gab es zur Verzierung ein paar hübsche Wölkchen. Es soll wohl auch ab und zu mal Sandstürme geben, das brauchten wir glücklicherweise aber nicht zu testen. Angeblich war dieser Winter dort auch wärmer als sonst. Glück hatten wir auch mit Wind, der sonst wohl im Winter sehr heftig wehen kann, und mit den Moskitos, die in der wärmeren Jahreszeit zur Plage werden können.

Weiter geht’s nun im chronologischen Bericht – der fünfte Tag in Bir Gabal. Da gab es doch tatsächlich in unserer Gruppe einige Unermüdliche, die sich gleich noch einen zweiten Kamelritt-Tag wünschten. Natürlich konnte das organisiert werden, wir jedoch hatten den ganz dringenden Wunsch nach einem Ruhetag.

Wir wollten Ruhe ohne Programm, mit langem Ausschlafen, ohne die manchmal anstrengende Gruppe; Ruhe zum Faulenzen, zum Genießen, zum Verarbeiten der vielen Eindrücke, zum Lesen! Und das hatten wir dann auch ganz wunderbar mit Hängematte, Ruheplätzchen im Halbschatten unter Palmen im Garten und beim Tanzplatz. Zwar „störte“ mich nachmittags beim Lesen auf dem Bänkchen vor unserem Haus einmal Yazir, der sich einfach dazusetzte und sich mit mir unterhalten wollte (er spricht einige wenige Worte Englisch, alles andere geht natürlich ganz gut auch mit Gesten), doch das war dann für mich eine besondere nette Begegnung. Ein gelungener Tag der Erholung!


Für den nächsten Tag gab es dann wieder Programm: eine Busfahrt durch die viele Kilometer lange Oase Dakhla; zuerst zu einem kleinen, feinen, liebevoll errichteten und verzierten Tempel, dann zu einer von Franzosen ausgegrabenen Grabanlage, schließlich über die Stadt Mut (mit Datteleinkauf) zu einer kleinen Weberei, in der wir den jungen Frauen beim Arbeiten zusehen konnten und dann auch zwei hübsche Stücke kauften (Lebensbaum, Kamel mit Jungem). Der geplante Besuch in einer Gärtnerei schlug fehl, da dort geschlossen war; jedoch sahen wir im Durchfahren einen typischen Ort mit den engen staubigen Gässchen und typischen ärmlichen Behausungen der Einheimischen. Allein das lohnte sich schon.

Und dann kam Montag, der Sylvestertag. Unsere Leiterin bot vormittags Rituale und Tänze an, ich aber zog es vor, alleine in die Wüste zu wandern. Stundenlang lief ich durch die unterschiedlichsten Wüstenlandschaften. Es war wunder- wunderschön, ich kann es nicht beschreiben. Gegen Ende gelangte ich zu den bewässerten Feldern, hatte Begegnungen mit Feldarbeitern (natürlich mit Handschlag und freundlichem Gesprächsversuch, z.B. ob es bei uns auch Wüste gäbe? Und Kühe?), ich durfte den alten russischen Traktor eines Bauern bewundern, traf viele Esele und fand eine der großen staatlichen Wasserpumpen, die ich mir von dem Wächter „erklären“ ließ.

Abends dann Gruppenrituale zu Sylvester, gegen Mitternacht stieß Hatem dazu, er spendierte eine Torte, Wunderkerzen wurden abgebrannt, mit klarem Wasser dem neuen Jahr zugeprostet.

Den folgenden letzten Tag des Aufenthalts in Bir Gabal nutzte ich noch einmal zu einer großen Wanderung, zuerst in Begleitung meiner Frau, dann alleine.

Nach Verlassen der Bergkette ging ich auf einem ebenen Stein- und Geröllfeld gute 1½ Stunden unentwegt geradeaus, immer einem fernen Bergkegel zu, und hatte dabei das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Nichts veränderte sich, die fernen Berge kamen nicht näher, die Berge hinter mir schienen sich nicht zu entfernen. Eine tolle Erfahrung der Weite! Wie klein fühlt man sich da!

Luxor 33
Wasserförderung
Luxor 34
Wasserpumpe

Im großen Bogen ging ich später in Richtung der Sandberge, fand unterwegs verschiedene verendete und ausgetrocknete Rinder, und verweilte dann voller Glücksgefühle in meinen so geliebten Sandformationen. Erschöpft und glücklich war ich zu Beginn der Dämmerung zurück.

Und nun ist über den Abschied, das Ende der Reise, die Rückkehr zu berichten. Ich will es kurz machen. Abends angeleitete Abschiedsrituale mit der Gruppe, Kofferpacken; morgens letztes Frühstück im Garten des Hotels Bir Gabal, bewegender Abschied von den 3 Männern, Fahrt mit dem Kleinbus durch die Wüste gen Luxor mit Unterbrechungen wie auf der Hinfahrt. Im Hotel in Luxor bekamen wir ein viel besseres, ja ein als gut zu bezeichnendes Zimmer, in dem wir es gerne noch ein paar Tage ausgehalten hätten. Letzte Einkäufe im Basar, Abendessen in bewährtem Restaurant.

Am nächsten Morgen noch einmal Frühstück auf der sonnigen Dachterrasse, letzte Tänze im Angesicht des Nils, dann Transfer zum „International Airport Luxor“, 3 Stunden Wartezeit, 4,5 Stunden Flug, abends um 19 h in Nürnberg Ankunft, Abholung durch Hilde. Kalt ist es!

Luxor 37
Felsennadel - wie Madonnenstatue

Insgesamt eine wundervolle Reise, für mich wohl die wichtigste meines Lebens überhaupt.

(Bernhard Daigl)

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