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Einsamer Archipel im immerwährenden Sommer

( Eine Entdeckungsreise im Februar 2008)

Die Kapverdischen Inseln liegen im Atlantik etwa 600 km vor der Küste des Senegals und ca. 1500 km südlich von den Kanarischen Inseln. Der Archipel besteht aus 9 bewohnten und einigen unbewohnten Inseln ( einige sprechen von 6 unbewohnten Inseln, aber wenn man nachzählt, dann sind es mehr als 6) und ist flächenmäßig mit 4033 qkm gerade mal 10% größer als Mallorca. Auf den Inseln leben ca. 500.000 Kapverdianer, davon allein 110.000 in der Hauptstadt Praia auf der Insel Santiago, der größten Insel des Archipels.

Die Amtssprache ist portugiesisch, die Umgangssprache ist das kapverdische Crioulo. Die Kapverden wurden wahrscheinlich 1456 von dem Venezianer Aloisio Cadamosta im Auftrag der portugiesischen Krone entdeckt. Im Gegensatz zu den Kanarischen Inseln waren sie damals wahrscheinlich unbewohnt. Bis 1975 waren die Inseln portugiesische Kolonie und am 05. Juli 1975 wurden sie unabhängig.

In der Flagge symbolisieren die blauen Felder das Meer, die weißen Streifen den Sand. Der rote Streifen soll an Blut und Leid aus der schrecklichen Zeit des Sklavenhandels erinnern. Die Sterne stehen für die einzelnen Inseln.
Regierungsform ist die parlamentarische Demokratie. Das Bruttosozialprodukt pro Kopf beträgt weniger als € 2000 pro Jahr. Damit gehören die Kapverden zu den ärmsten Ländern. Wichtigster Wirtschaftsfaktor mit 22% sind die Überweisungen der rund 700.000 Auslandskapverdianer. 12% des Bruttosozialprodukts sind Entwicklungshilfe. Eine immer größere Rolle spielt der Tourismus. Auf der Insel Sal ist ein gewaltiger Bauboom im Gange, bald wird es hier ähnlich aussehen wie im Süden von Gran Canaria und Teneriffa.

Die Kapverdianer sind als Synthese aus der Vermischung der portugiesischen Kolonialherren mit ihren afrikanischen Sklaven hervorgegangen. Das zeigt sich in einem schönen Schokoladenbraun der Hautfarbe in vielen Nuancen zwischen Hell und Dunkel. Die Kapverdianer sind schöne Menschen, in der Regel schlank und grazil. Sie bewegen sich mit einer auffälligen Eleganz. Obgleich bitterarm, scheinen die Menschen nicht unzufrieden. Wir haben keine unterernährten Kinder gesehen, nicht eines mit einem dieser schrecklich aufgeblähten Bäuche. Dies zeigt, dass offensichtlich die Verteilung der Nahrungsmittel recht gut funktioniert, obwohl ca. 90% aller Nahrungsmittel eingeführt werden müssen. Betteln haben wir so gut wie gar nicht erlebt. Ganz anders sieht es da bei uns in Freiburg aus. Die Kapverdianer sind eher zurückhaltend aber freundlich, wenn man auf sie zugeht.


Wenn man bedenkt, dass die Kolonialmächte so gut wie gar nichts für die Bildung der einheimischen Bevölkerung in ihren Kolonien getan haben und mit Beginn der Unabhängigkeit staatliche Strukturen neu aufgebaut werden mussten, dann muss man bewundern, wie weit die Kapverden heute sind. Es herrscht allgemeine Schulpflicht. Natürlich entspricht die Lehrerausbildung da noch nicht unseren Vorstellungen.

Windkraftanlagen scheinen auf dem ersten Blick eine Lösung für die Energieknappheit zu sein. Aber die meisten der installierten Anlagen sind außer Betrieb, was wohl die Ursache darin hat, dass kein genügend ausgebildetes Wartungs- und Instandsetzungspersonal zur Verfügung steht. Schlüsselbetriebe sind wegen der Geldknappheit in ausländischer Hand. Wie hier das E-Werk in Praia

sind Anlagen überaltert und die Eigentümer haben kein Interesse zu modernisieren. Übertrieben wurde beim Straßenbau, wie hier bei der 4spurigen “Autobahn” auf

Santiago, wo fast gar kein Verkehr herrscht. Aber fassen wir uns an die eigene Nase. Fehlinvestitionen kommen auch bei uns vor, wenn man die lange Liste bedenkt, die der Bundesrechnungshof jedes Jahr veröffentlicht.


Das größte Problem der Kapverden ist die Wasserknappheit. Auf den flachen Sandinseln Sal, Boavista und Maio regnet es vielleicht einmal im Jahr. Hier kann man ohne Meerwasserentsalzung nicht auskommen. Wesentlich besser ist die Situation dort, wo hohe Gebirge die Passatwolken stauen. Die Vegetation ist dann ausgesprochen tropisch. Aber das Land ist hier steil, schwer zugänglich und flächenmäßig so klein, dass es nur einen geringen Beitrag zur Nahrungsmittelversorgung leisten kann.


Strände und Landschaften sind an einigen Stellen übersät mit Plastikmüll, Glasscherben, Blechdosen, zu sehen z.B. hier auf Boavista bei dem Ort Rabil.

Aber die Schulen beginnen, auf dieses Problem hinzuweisen. Auf dem Karnevalsumzug in Sao Filipe wurde ein Wagen zu diesem Thema mitgeführt. Denken wir an Italien. Ein Müllproblem in den Griff zubekommen, ist sicher aus vielerlei Gründen gar nicht einfach.

Am 01. Februar fand unsere Wandertruppe früh um 1:00 Uhr im Flughafengebäude von Praia zusammen

( hier eine Gruppenaufnahme, die später auf der Insel Fogo entstand). Wir bereisten dann im Laufe von 14 Tagen die Inseln

SANTIAGO

FOGO

BRAVA

BOAVISTA

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Kapverden: Die Insel Santiago

Wie wir wird der Reisende in der Regel mit dem Flugzeug nach Santiago kommen, mit 991 qkm die größte Insel der Kapverden. Landen wird der Reisende auf dem neuen internationalen Flughafen

und mit dem Aluguer (Sammeltaxi) auf einer Autobahn durch eine karge, sonnenverbrannte Landschaft in die Hauptstadt fahren.
Praias Altstadt hat noch etwas von dem alten kolonialen Flair erhalten. Bei einem Rundgang trifft man auf die alte Festung, die heute von der kapverdischen Armee genutzt wird.

Im Zentrum findet man die Igreja Nossa Senhora da Graca

und den Mercado, orientalisch bunt, mit dem Gewusel aus Käufern und Verkäufern.

Mit dem Aluguer fahren wir Richtung Nordwesten, treffen auf dieses Dorf


in sonnenverbrannter Einöde und fragen uns, wovon leben die Bewohner? Das Rätsel löst sich, als wir an den Rand einer Schlucht treten und tief unter uns ein tropisches Paradies entdecken.Wir steigen in die Ribeira Grande auf einen gerölligen Pfad hinab,

finden uns wieder in einer tropischen Vegetation und glauben kaum, dass wir noch auf der selben Insel sind.

Hier gibt es Wasser, wenn auch aufwändig mit Dieselmotorpumpen gefördert und verteilt.

Auch auf ihn treffen wir hier, den Graukopfliest, einen endemischen Eisvogel, den es nur auf dieser Insel und auf Fogo und Brava gibt.

Eine Einheimische hat heute ihren großen Waschtag

und hier unten gibt es natürlich auch die unvermeidliche “Grogue- Fabrik”.

Grogue ist ein Schnaps aus Zuckerrohr, das Nationalgetränk der Kapverden.
Wir gehen vorbei an einem mächtigen Affenbrotbaum

und am Talausgang treffen wir auf den Ort Cidade Velha. Von hier aus begann im 16. Jh. die Besiedlung der Kapverden. Noch heute findet man hier traditionell mit Stroh gedeckte Häuser

und im Ortszentrum steht noch der Pelourinho ( Schandpfahl bzw. Pranger),

wo ehemals auch die Sklaven zum Kauf ausgestellt wurden.
Oberhalb von Cidade Velha trifft man auf die imposante Festung “Fortaleza Real de Sao Filipe”, in vergangener Zeit Bedrohung und Schutz zugleich für diesen alten Ort.

Wir fahren nach Norden in den kleinen Ort Rui Vaz. Wir übernachten hier und sind überrascht über die bequeme Unterkunft. Fließend warmes und kaltes Wasser, elektrisches Licht. Das haben wir nicht erwartet.
Am nächsten Tag starten wir weiter in Richtung Norden. Unser erstes Ziel ist Assomada, die drittgrößte Stadt der Kapverden. Sie liegt genau in der Inselmitte.

Auch hier gibt es einen farbenprächtigen Markt.

Dann geht es weiter in die Serra Malagueta, die mit dem Monte Malagueta (1064 m) ihre höchste Erhebung hat. Wie am Vortag ist es sehr trübe.

Wir wandern zuerst in der Höhe durch Wald

und dann geht es hinab durch ein Land, in dem der Maisanbau dominiert. Wir treffen auf kleine Weiler und Menschen.

Auf der Rückfahrt kommen wir vorbei an einer Siedlung der Rebelados,

Nachfahren entlaufender Sklaven, die heute noch in Grashütten wohnen und alle “Errungenschaften” der modernen Zivilisation ablehnen.
Weiter unten passieren wir bewässertes Land

und staunen einmal wieder, mit wie wenig Wasser eine üppige Vegetation möglich ist.




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Kapverden: Die Insel Fogo

Fogo ist mit gerade einmal 476 qkm eine kleine Insel.Die Insel ist annähernd kreisrund mit einem mittleren Durchmesser von ca. 25 km. Man erreicht sie mit dem Inselflieger von Praia aus. Schon der Flughafen zeigt uns, dass wir in einer anderen Welt angekommen sind.

Auf einer gepflasterten Straße fahren wir in den Hauptort Sao Filipe dieser Insel. Die Ränder dieses Ortes zerfließen in scheinbar unkontrolliert hingestellten, mehrstöckigen, unverputzten oder halbfertigen Bauten, so wie wir es auch in allen großen Ortschaften der Kapverden gesehen haben. Aber die Unterstadt ist in ihrer Bebauung, ihrem Straßenbild und mit der Kirche “Igreja Nossa Senhora da Conceicao” noch ganz das 19.Jahrhundert. Erneuerung und Instandsetzung sind hier offensichtlich sehr erfolgreich gewesen.

Sao Filipe ist auch die Stadt der Sobrados.

Dieser hier ist zu kaufen für angeblich 1,5 Mio. € ( ?? ). Noch 50 Sobrados soll es in Sao Filipe geben. Ein Sobrado ist ein 2stöckiges Herrenhaus mit einem geräumigen Innenhof. Der “Herr” residierte mit seiner Familie im Obergeschoß. Im Untergeschoß befanden sich Kontor, Lager, Küche und Wohnbereich der Bediensteten, auch der Kinder, die der Hausherr mit seinem weiblichen Personal gezeugt und nicht verstoßen hat.
Unser Hotel “Pousada” ist ebenfalls ein ehemaliger Sobrado, wunderschön renoviert.

In Sao Filipe gibt es natürlich auch einen kleinen Markt.

Per Zufall fällt unser Blick beim Stadtbummel in eine Küche.


Sao Filipe hat einen breiten, mehere Kilometer langen schwarzen Strand, dem die Insel Brava vorgelagert ist.

Am 05.Febr. 2008, einem Tag nach Rosenmontag, war in Sao Filipe Karnevalsumzug. Stundenlang zogen farbenprächtige Gruppen und geschmückte Wagen mit Gesang, Musik und Tanz an uns vorbei.

Der trockene Westen der Insel Fogo ist Grasland mit einzeln stehenden Bäumen, u. a.
Akazien und Tamarisken. Wir gehen bergab. Vor uns die Insel Brava und hinter uns das Randgebirge der Caldeira.

Grüne Felder und tropische Vegetation gibt es dort, wo bewässert werden kann.

Der absolute Höhepunkt der gesamten Kapverden ist die Caldeira mit dem Bilderbuch-Vulkan “Pico de Fogo” ( Höhe 2829 m ).
Die Fahrt mit dem Aluguer von Sao Filipe auf einer gepflasterten Straße bis hinauf zur Caldeira ( ca. 1600 m ) dauert ungefähr 2 Stunden. Sie führt zuerst durch eine Landschaft, wie wir sie zuvor beschrieben haben. Weiter oben wird es dann kahler. Die ersten Kegel ehemaliger Vulkane tauchen auf. Erstarte Lavaströme werden durchquert

Eine letzte Kurve und wir blicken in den alten Einsturzkrater. In einer Wüste aus Geröll und Lava erhebt sich grauschwarz der Pico de Fogo.

Wir laufen hinein in diese Landschaft, vorbei an Rizinussträuchern

und Apfelbäumchen,

Pflanzen, die der Mensch in dieser Mondlandschaft kultivieren konnte.
Bald lassen wir jegliche Vegetation hinter uns

und steigen hinauf in das Eruptionsgebiet des letzten Ausbruchs von 1995

zu dem höchsten Punkt, dem Pico Pequeno. Faszinierend und fantastisch zugleich ist das Farbenspektrum des Ausbruchsmaterials.

zu dem höchsten Punkt, dem Pico Pequeno. Faszinierend und fantastisch zugleich ist das Farbenspektrum des Ausbruchsmaterials.

Vom höchsten Punkt blicken wir hinab auf die beiden Ortschaften Portela und Bangaeira, die sich in den Saum des Kraterrandgebirges schmiegen.

Unser Weg führt uns jetzt hinab, vorbei an 2 kreisrunden Trichtern in der Flanke des Pico de Fogos,

über einen nicht enden wollenden Aschehang

in ein Blocklava- Gebiet.

Jenseits der Blocklava treffen wir auf Stricklava, deren glasartige Oberfläche im Gegenlicht aufleuchtet

Wir übernachten in Portela, sehr gewöhnungsbedürftig die hygienischen Bedingungen ohne fließendes Wasser und abends nur 3 Stunden Strom, erzeugt durch einen lärmenden Dieselgenerator. Aber es lohnt, können wir doch so am folgenden Tag den Pico de Fogo besteigen.
Am nächsten Tag geht unsere kleine Gruppe vorbei an Weinreben, der “berühmte” Fogowein wächst hier auf einem Areal von 200 ha,

und steigt dann durch Geröll zum Gipfel auf. Eine erste Trinkpause machen wir schon weit oberhalb der Caldeira

und erreichen nach 1100 m Aufstieg den Kraterrand.

Wir blicken in den Krater des Picos, dessen Grund 200 m unter uns liegt.

Dann geht es hinab. Nein, wir steigen nicht hinab sondern rutschen ( fahren gewissermaßen wie auf Skiern ) über ein steiles Aschefeld hinab. Ein Erlebnis, für das sich der lange Aufstieg gelohnt hat und das wir sicher nicht so schnell vergessen werden.

Fogo ist ein kleines, aber großartiges Wanderparadies. Wir haben vieles hier noch nicht gesehen. Wir können uns vorstellen, dass man allein auf dieser Insel 14 Tage abwechslungsreich wandern kann. Wenn es da einen Wanderurlaub- Veranstalter geben sollte, wir sind dabei.
Nachmittags nach einem erfüllten Tag sitzen wir mit uns und der Welt zufrieden in einem der zahlreichen Restaurants in Sao Filipe zusammen. Ralf guckt zwar noch ein wenig skeptisch in seinen Fogo- Kaffee ( vielleicht ist da ein endemisches Insekt in seinen Kaffee gefallen), aber Dirk hebt schon sein Glas mit Fogo- Wein zu einem herzlichen Sau´de.

Kapverden 2.Teil

Autor: harzerroller

und

Autor: glueckspeltz

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