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Albanien: Vergessenes Land in Europa

Eine Reise durch den Südwesten

Als “Hauser Exkursionen” für die 2. Maihälfte eine 2wöchige Trekkingtour durch den Südwesten von Albanien und den Nordwesten von Griechenland anbot, waren wir zusammen mit 6 weiteren Teilnehmern dabei. Einerseits interessierte uns das Pindosgebirge, das ja nicht nur ein Hochgebirge im Norden von Griechenland ist, sondern das auch bis in den Süden von Albanien und Mazedonien hineinreicht. Andererseits waren wir auch sehr neugierig auf ein Land, das solange verschlossen geblieben ist.
Heute braucht man kein Visum, nur den Reisepass für die Einreise, die eine Gebühr von € 10 kostet. Von Korfu aus geht täglich ein kleines albanisches Boot nach Sarande. Nach nur 60 min Überfahrt durch die Meerenge zwischen Korfu und Albanien

legt die “Kaliopi” schon in Sarande an.

Bei der Einfahrt in den Hafen vermissen wir die sonst für einen Hafen so übliche Geschäftigkeit. Die ungewohnte Stille ist bedrückend. Neben Neubauten sehen wir die vielen Stahlbetonskelette nicht zu Ende gebauter Häuser.

Diese angefangenen und nicht zu Ende gebauten Häuser sehen wir auf unserer weiteren Reise immer wieder. Sicher eine Folge des wirtschaftlichen Chaos nach 1990, des Pyramidenskandals von 1997, als aufgrund eines kriminell eingestielten Schneeballsystems das Banksystem zusammenbrach und angelegte Gelder verloren gingen, und sicher auch eine Folge der allgegenwärtigen Korruption. Nach den Statistiken von Transparency International rangiert Albanien noch nach dem Kosovo an viertletzter Stelle in der Rangliste der korruptesten Länder ( DIE ZEIT 21.05.2008). Von dieser Korruption haben wir während unseres Aufenthalts eigentlich nichts bemerkt. Wir konnten uns frei bewegen und hatten ohne Ausnahme immer ein sicheres Gefühl.
Mit dem Kleinbus fahren wir nach Butrint, einer archäologischen Ausgrabungsstätte, wunderschön gelegen inmitten von alten Bäumen

Still und verwunschen liegt dieser Ort, der vom 8.Jh.v. Chr. bis Anfang des 20. Jh. bewohnt war. Um so erstaunlicher ist der Erhaltungszustand der antiken Ruinen.

Butrint liegt auf einer Halbinsel im Lofattal. Begrenzt wird Butrint durch den gleichnamigen See,

der in der Gegend berühmt ist für seine schmackhaften Pfahlmuscheln, die dort im großen Stil gezüchtet werden.

Natürlich lockt eine Wanderung durch das Schwemmgebiet des Lofat. Auf einer sehr alten, aber motorisierten Fähre überqueren wir den Vivar- Kanal. Die Antriebsanlage dürfte weit mehr als 50 Jahre alt sein.

Das Schwemmgebiet ist durchzogen von vielen Kanälen.

Ein Bauwerk aus der kommunistischen Zeit über spannt einen dieser Kanäle

und unweit kommt es zu einer Begegnung zweier Welten

Herbizide, Insektizide und Düngemittel kann sich das bitterarme Land nicht leisten. Umso üppiger und vielfältiger ist die Vegetation.

Natürlich hat auch Venedig Zeugnisse seiner großen Zeit hinterlassen.

Unser Aufenthalt für die nächsten Tage ist die historische Stadt Gjirokaster,

UNESCO Weltkulturerbe, bekrönt durch eine gewaltige Festung,

die bereits im 3. Jh. v. Chr. von den Illyrern angelegt wurde aber erst durch Ali Pasha Tepelene ihre heutigen Ausmaße erhalten hat.

Gjirokaster ist in den steilen Hang unterhalb der Festung gebaut. Die engen steilen Gassen haben noch das alte, recht gut erhaltene Kopfsteinpflaster.

Die traditionellen, grauen Steinhäuser müssen einmal sehr schön gewesen sein. Bis auf wenige sind sie nun aber dem Verfall preisgegeben. Mit geradezu brachialer Gewalt hat man in den Erdgeschossen die Fassaden heraus gebrochen, um dort große Schaufensterscheiben einzusetzen. Teilweise sind die so verunstalteten Häuser wieder unbenutzt und verrotten weiter.
Wie für die Vergangenheit ist auch wenig Geld für die Lebenden da. Häufig hausen sie in verfallenen Häusern, wie dieses.

Aber der Mercedes, uralt und nach unseren Vorstellungen nicht mehr fahrtüchtig, darf nicht fehlen.
Auf unserer Wanderung zu dem kleinen Dorf Dhrovian lernen wir die “albanische” Landschaft kennen.


Üppige Blumenflora, aber die Berge sind kahl. Im albanischen Pindosgebirge existiert nicht mehr der Sekundärwald, der sich auf der griechischen Seite so undurchdringlich entwickelt hat und dort Bär und Luchs eine Heimat bietet.

Der Ort Dhrovian liegt verträumt in der Mittagshitze. Die schönen griechischen Häuser sind verlassen und wohl dem Verfall preisgegeben.

Bei unserer Wanderung in das Zagoria Tal ( Zagoria: Den gleichen Namen gibt es auch drüben auf der griechischen Seite und die Gebäude in den Dörfern sind wie in Dhrovian im gleichen Stil mit den gleichen Materialien errichtet ) sind wir wieder von der Blumenpracht fasziniert.

In einem Zagoria- Dorf finden wir diese gut erhaltene byzantinische Kirche.

Wir steigen hinauf zu dem Derwisch Kloster Melan


Eine alte Allee führt direkt zu dem Kloster.

Hier treffen wir auf den einzigen Derwisch, den es in diesem Kloster noch gibt.

Wir halten Mittagspause in üppiger Blumenpracht,

und der Blick ins Tal zeigt uns, dass die Felder bebaut sind.

Dies ist aber eher eine Ausnahme. Weite Landstriche liegen brach. Ungeklärte Eigentumsverhältnisse sind sicher ein Grund hierfür, aber auch landwirtschaftliches Gerät ist kaum vorhanden. Wir haben keinen einzigen Traktor gesehen. Und dann sind da auch noch die vielen 2- Mann Bunker, die sicher eine großflächige Bewirtschaftung verhindern.

Reihe hinter Reihe sind sie in der Ebene vergraben. Der Reihenabstand wird immer enger, je näher wir der Grenze nach Griechenland kommen. Rund 700.000 dieser Bunker soll Enver Hoxhas eingegraben haben. Er hatte die Wahnvorstellung, dass er sein Land gegen eine Invasion schützen müsse.


Unser letzter Wandertag in Albanien führt uns nach Sotire, direkt an die Grenze zu Griechenland. Als wir der Grenze näher kommen, bemerken wir, dass die Straßenschilder zuerst zweisprachig werden ( albanisch und griechisch) und nahe der Grenze gibt es nur noch Straßenschilder in griechischer Sprache. Sotire ist ein rein griechisches Dorf, das genau so wie auf der griechischen Seite stehen könnte.

Hier treffen wir auch auf richtigen Wald, den wir sonst vermisst haben.


Am nächsten Tag verlassen wir Albanien und reisen über Kakavi nach Griechenland ein.

Wir haben sehr freundliche Menschen in Albanien getroffen. Das Land aber scheint sich noch im Tiefschlaf zu befinden. Keine Initiative, keine Aufbruchstimmung. Nach 40 Jahren Diktatur unter einem Geheimdienst, der weitaus schlimmer war als die Stasi, nach einer totalen Isolation von der Außenwelt, nach chaotischen Verhältnissen infolge der Abschaffung des kommunistischen Regimes und nach dem Pyramidenskandal, bei dem ein ganzes Volk seine Ersparnisse verloren hat, ist dies irgendwie auch verständlich. Die Menschen sind bitterarm und stehen täglich wieder vor der Aufgabe, ihr bescheidenes Auskommen zu sichern.

Autor: glueckspeltz

Autor: harzerroller

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