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Sommerliche Spaziergänge in Schiltach, Schwarzwald


Besuch des Hans Grohe Museums. „Wasser – Bad – Design.“

Unsere Stimmung bei der Ankunft auf dem Bahnhof Schiltach – Mitte hätte nicht ausgelassener sein können. Schönes Sommerwetter, das wohlgefällige Lächeln des Hl. Petrus wurde nur durch ein paar Wölkchen ein wenig gestört, und als ich ihm zuwinkte und mich für das Wetter bedankte, wischte er auch noch diese kleinen Störenfriede weg. Merci vielmals!

Nur ein paar Schritte zum Designertempel der Firma Hansgrohe SE. Dort wurden wir von Frau Danielle Lehmann, im Museum, freundlich empfangen.

Doch zunächst etwas Geschichte, ich fasse mich so kurz als möglich, und zwar: Hansgrohe SE wurde 1901 von Hans Grohe gegründet. Rechtsform, Aktiengesellschaft nicht börsennotiert. Hansgrohe SE ist ein weltweit tätiges Unternehmen, das sanitärtechnische Produkte wie Armaturen, Brausen, Thermostate und Badzubehör herstellt. Es beschäftigt 3220 Mitarbeiter, davon 2010 in Deutschland. Der Umsatz 2011 betrug international 588 Mio. National 176 Mio. Gewinn vor Steuern: 157 Mio. In Deutschland produziert das Unternehmen in sechs Werken. Hinzu kommen Werke in Frankreich, den USA, den Niederlanden und China. Das Unternehmen ist mit Niederlassungen in 37 Ländern auf allen Kontinenten vertreten. Hansgrohe SE exportiert in 140 Länder der Erde.

Kurzer Überblick

Das Museum zeigt in seinen Räumen die Entwicklung des privaten Bades in Deutschland anhand zahlreicher historischer Exponate, verknüpft mit Informationen über die rund 100-jährige Unternehmensgeschichte Hansgrohes seit der Gründung 1901. Es werden 700 Jahre „Badkultur“ präsentiert, von der Waschschüssel über die Badewanne bis hin zur modernen Dusche. Zwei Spenglerwerkstätten lassen anhand der alten Werkzeuge erahnen, mit welchem handwerklichen Geschick die Erzeugnisse damals produziert wurden. Sie liefern zudem Informationen zur Entstehung des Sanitärfachhandwerks. Als ich in diese beiden Werkstätten hineinschaute stiegen bittere Assoziationen in mir auf: Überdeutlich die Erinnerung an die Werkstatt meines Großvaters. Ein kleiner, verrußter, wenig heller Raum, von dessen Decke dunkle Spinnweben herunterhingen. An den Fenstern mit ihren halblinden Scheiben standen die Werkbänke. In ihren Schubladen lagen die unzähligen Werkzeuge, die in einer Spenglerei nötig sind. Es roch nach einer Mischung aus Karbid, Salzsäure, Salmiak und Hanf. Ein ganz eigenwilliges Aroma. Alle Gerätschaften waren alt, sie zeigten die Abgegriffenheit durch die tägliche Benutzung. Und ich stand mittendrin in dieser Werkstatt, am 1. Tag meiner Lehrzeit, am 30. März 1948, unterernährt, abgemagert, mit ungenügender Bekleidung und miserablen Schuhen…()

Das Museum zeigt historische Badewannen aus Kupfer, auf Hochglanz poliert oder mit Mahagoni verkleidet, sie vermitteln einen Eindruck von Pomp im privaten Bad, wie es Ende des 19.Jahrhundert den „oberen Zehntausend“ vorbehalten war. Mit seiner historischen Sammlung zeigt das Museum nicht nur die Glanzseiten der Badgeschichte. Das Gros der Bevölkerung begnügte sich noch Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem wöchentlichen Bad in der Waschküche. Die Entwicklung der Badekultur in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg belegen Bäder aus den 1950er, 1960er und 1970er Jahren.

Das Bad, der intimste Raum den wir besitzen.

Ein heißes Bad gehört zu den sinnlichsten Freuden, die es gibt – es schenkt uns Entspannung und das kleine Glück des Augenblicks. In einer hervorragenden Präsentation in der ständigen Ausstellung von Hansgrohe SE wird den Besuchern die Vielfalt der Produktionspalette gezeigt. Hier schlägt nun die Stunde der Designer.

Als einer der Weltmarktführer lässt Hansgrohe SE seine Produkte ausschließlich von renommierten Designern entwerfen und designen. Um nur einige zu nennen: Hartmut Esslinger, Phönix Design, Philipp Starck oder Antonio Cittero. In mehreren Produktserien: Axor, Pharo, Hansgrohe und Pontos AquaCycle bietet Hansgrohe SE komplette Ausrüstungen und Armierungen für private Bäder an. Die enge Zusammenarbeit mit den Herstellern von Sanitärporzellan bedingt sich dabei gegenseitig.

Beschwingt und gut informiert bedankten wir uns bei Frau Danielle Lehmann für die kompetente Führung durch die Bäderwelten von Hansgrohe SE und wandten uns dann wieder dem Städtchen Schiltach zu.

Schiltach im Schwarzwald, ein deutsches Märchen.

Hinaustretend in das volle Licht des Tages sahen wir wie sich am Hang die Stadt aufschichtete. Der Wind gebärdete sich aufdringlich, obwohl ihn keiner darum gebeten hatte. Wetterumschwung bahnte sich an. Unterdessen befanden wir uns auf dem Weg zum Gasthaus Sonne, hie und da durch unsere sachkundige Begleiterin unterbrochen. Auf dem Marktplatz angekommen bestaunten wir das komplett erhaltene Ensemble von Fachwerkhäusern rund um den Markt, der im Ganzen unter Denkmalschutz steht. Der Marktplatz von Schiltach ist ein markantes Beispiel der Selbstdarstellung einer Stadt.

Nach ausgedehnter Mittagspause in der „Sonne“, direkt am Markt gelegen, wandten wir uns nun talwärts in die „Unterstadt.“ Wir tangierten das Wirtshaus „Adler“, das ursprünglich nicht zum Marktplatz gehörte, da es außerhalb des Tores lag. Es zeigt sich als reiner Renaissancebau im fränkischen Fachwerkstil. Wie man überhaupt sagen muss: Die Häuser sind vorsichtig und einfühlsam renoviert, auf die spezifischen Eigenheiten des Fachwerks wurde Rücksicht genommen. Es gibt aber auch noch Fachwerkhäuser die verputzt sind und den Namen Ackerbürgerhäuser tragen. Auf der historischen Römerstraße angekommen, heute gehört sie zur sogenannten Deutschen Fachwerkstraße, standen wir am tiefsten Talpunkt bei 295 m ü.NN und auf der engsten Stelle des Tales. Just dort vereinigt sich die Schiltach mit der Kinzig, und verliert – als kleinerer Fluss – ihren Namen.

Unvermeidlich: Geschichtsdaten.

Vermutlich zur Mitte des 13.Jh. Gründung der Stadt durch die Herzöge von Teck. Erste urkundliche Erwähnung 1275. 1371 kam die Stadt an die Herzöge von Urslingen. 1381 verkauften die verarmten Urslinger Schiltach an die Grafen von Württemberg. Bis auf die Jahre 1519 bis 1534, in denen die Stadt von Vorderösterreich besetzt war, blieb Schiltach bis 1810 bei Württemberg. Die Bevölkerung war bis ins 19.Jh. evangelisch, weil Schiltach während der Reformation zu Württemberg gehörte und die Herzöge evangelisch wurden. Das heutige Stadtwappen wurde von den Herren von Urslingen übernommen.

Gewerbe, Handwerk, Industrie.

Schon im Zeitalter der Industriealisierung gab es mehrere Branchen: Tuchfabriken, Gerbereien, Sägewerke und vor allem anderen eine große Flößerzunft, die erst nach dem Bau der Eisenbahn zu völliger Bedeutungslosigkeit herabsank.

Im Flößermuseum wird einem auf realistische Weise die Schwere der Arbeit der Flößerei gezeigt. Im gleichen Gebäude befindet sich das Gerbermuseum, auch hier sehr anschaulich dargestellt: „Früher war es in der guten alten Zeit keinesfalls besser, im Gegenteil!“ Auch die Holzverarbeitende Industrie fand in diesem Museum Platz, vorgestellt wird ein komplett eingerichtetes Sägewerk. Das Museum befindet sich am Rande der Stadt, es korrespondiert mit der evangelischen Stadtkirche die ebenfalls am Ende der Stadt auf einer eher unauffälligen Erhöhung steht. Das die neobyzantinische Stadtkirche so an den Stadtrand gedrängt wurde ist eher ungewöhnlich.

Adieu Schiltach

„Für müde Füße ist jeder Weg zu lang!“ Deshalb suchten wir ein an der Schiltach schön gelegenes Kaffee auf um dort den müden Füßen Gelegenheit zur Rast zu geben. Der Rest ist schnell erzählt: Zum Bahnhof – Mitte waren es nur 500 Meter, der Schienenseppel kam pünktlich und Sitzplätze gab es auch, Umstieg in Offenburg und gemütliche Heimreise in den Breisgau.

Anne-Grete/Tettane hatte die Idee dieses Besuches, sie übernahm aber dazu auch noch die komplette Organisation und die Logistik für diesen Tag. In Schiltach führte sie uns mit Eloquenz und Empathie durchs Städtle. Herzlichen Dank für die viele Mühe. Es hat uns Allen sehr gefallen!

Quellen: Wikipedia, Hansgrohe SE, Francoise de Bonneville: „Das Buch vom Bad.“

Fotos: Anke/Oleander

Autor: Pitt70

Helmut Buechler

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