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Eine große Gruppe von nicht nur wissbegierigen sondern auch gut gestimmten 19 Freiburger FA'lern war zusammengekommen, um dank der Hilfe unseres Mitgliedes Anne-Grete/Tettane mit der Stadt Rastatt vertraut zu werden.

Ein wenig aufregend war es schon, bis endlich alle eingetroffen waren, das Geld für das BW-ticket eingenommen war und alle, einschließlich unseres bei dieser Unternehmung ältesten Mitgliedes Aali ihren Sitzplatz im Zug gefunden hatten. Das Umsteigen in Offenburg klappte auch bestens - der Anschlusszug hatte Verspätung!

Gemütlich konnten wir zum Schloss laufen, dort noch einen Kaffee genießen bis die Führung begann. Vom Schloss führt ein schnurgerade angelegter Weg bis ins nicht allzu weit entfernte Ettlingen.

Ein Aufatmen ging durch unsere Runde, als eines unserer Mitglieder wieder zu uns stieß - sie hatte, ohne dass es jemand von uns bemerkt hätte, aus sehr menschlichen Gründen verpasst, in Rastatt auszusteigen! Sie war (man bemerke - eine Seniorin - "schwarz")weiter nach Karlsruhe und wieder zurückgefahren und kam mit einem Taxi angebraust)! Wohl dem, der sich zu helfen weiß!

Wir trafen uns alle um 12:00 h, eine sehr engagierte junge Frau aus Schlesien(wir hatten ein wenig gerätselt, woher sie wohl kommen würde) führte uns von Raum zu Raum in diesem beeindruckenden Barockschloss.

Rastatt
- Tettane/Anne-Grete weiß sehr viel! -

Die Stadt Rastatt wurde nach dem französischen Prinzip "patte d'oie" = "Gänsefuß" gbaut. Das heißt drei Straßen führten strahlenförmig auf das Schloss zu. Die mittlere, die heutige Schlossstraße, setzte sich als Mittelachse über den Ehrenhof, die sala terrana im Schloss, den Mittelweg im Schlosspark und in Rastatt (ähnlich wie in Ludwigsburg) als Allee bis ins nahe gelegene Ettlingen fort. Diese Allee gibt es heute nicht mehr"

Die ganze Anlage ist eine harmonische Einheit von Stadt und Garten mit dem Schloss, das als Jagdschloss für den Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden-Baden gedient hatte. Es stammt aus dem Jahr 1700. Der Architekt war der Italiener Domenico Egidio Rossi; er hatte eine bologneser Ausbildung genossen. Der Markgraf hatte 12 Mio Gulden für diese Anlage investiert.

Das Schloss gilt als die älteste Barockresidenz am Oberrhein. Es wurde nach dem Vorbild des Versailler Schlosses gebaut, in dem der Pate Ludwig Wilhelms, Ludwig XIV. herrschte.

Der Markgraf starb sehr früh an einer Kriegsverletzung, danach übernahm seine junge Witwe Sibylla Augusta 20 Jahre lang die Regierung und ließ das Schloss zu dem ausbauen, was es heute ist. Die Markgräfin wurde 1675 in Ratzeburg als sachsen-anhaltinische Prinzessin geboren, sie starb 1733 in Ettlingen. Sie wurde dem Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden (auch Türkenlouis genannt) versprochen, es kam zu einer Liebesheirat! Von 9 Kindern überlebten nur 3, ihre Gemälde sind in einem der Räume zu sehen.

Aus Wikipedia:

"Ludwig Wilhelm machte schon früh in seiner Karriere in der kaiserlichen Armee als Generalwachtmeister bei der Befreiung Wiens 1683 auf sich aufmerksam und wurde am 23. November 1683 zum General der Kavallerie befördert. Bereits am 12. Dezember 1686, im Alter von erst 31 Jahren, war er Feldmarschall und wurde am 6. September 1689 zum Oberbefehlshaber der osmanischen Front befördert. Dort konnte er in über 20 Schlachten sein strategisches Können unter Beweis stellen und die Osmanen zurückdrängen. Gleichzeitig wurden seine eigenen Besitzungen in Baden von den Franzosen im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört, so auch 1689 sein Stammsitz in Baden-Baden."

Wir erreichten das Schloss - eine Dreiflügelanlage - durch einen riesigen Ehrenhof. Das Hauptgebäude hat eine Länge von 200 m und 12 Empfangsräume, das durch eine sehr hohe Kutscheinfahrt, Entrada erreicht wird. Die Höhe ist ein Zeichen des Wohlstandes. Dahinter befindet sich die Schlosskirche, "Kirche zum heiligen Kreuz". Sie ist an den nördlichen Gartentrakt angebaut und durch eine sogenannte "Heilige Stiege" mit den Privatgemächern der Markgräfin verbunden. Im linken Flügel befinden sich Schlaf- und Kinderzimmer sowie eine Galerie. Rechts Wohn- und weitere Schlafzimmer und ein Sterbezimmer. Es ist aus Sandstein im "Rastätter Rot" gebaut worden. Diese Farbe gefiel nicht allen, aber wer weiß, wie das ursprüngliche Himbeerrosa angekommen wäre!

Wir stiegen die überwältigend breite Treppe nach oben zur Belétage; da konnte man sich schon ein wenig zurückversetzen in diese Zeit, wenn man sich dann noch die Garderobe vor allem der Frauen dabei vorstellte!

Hier stand denn auch das Original des Jupiters aus Kupfer (auf dem Dach befindet sich heute eine Kopie), der "goldene Mann, der Feuer nach Frankreich schleudete".

Rastatt hatte im Jahre 1700 Stadtrecht erhalten. Es war 1945 teilweise zerstört, nicht aber das Schloss. Nach dem Krieg zogen die Franzosen ein. Die Restaurierung des Schlosses dauerte 20 Jahre!

Wir wurden nun durch die vielen, zum Teil prunkvoll ausgestatteten Räume geführt. Der Einfachheit halber habe ich den folgenden Text aus Wikipedia kopiert:

"Nach dem Aufstieg über zwei beeindruckende Treppen voller Stuckaturen gelangt man in die Belétage. Der größte und schmuckvollste Saal ist hierbei der Ahnensaal, er ist mit einer Vielzahl von Fresken geschmückt und zeigt neben Bildern von Ahnen viele gefangene Osmanen. Diese Fresken und die gefangenen Osmanen sollen jedem Besucher aufzeigen, dass der Markgraf als der siegreiche Feldherr der Christenheit zu sehen ist, der Europa vor den Osmanen bewahrt hat.

Die Decken der Prunkräumen wurden im Auftrag von Markgraf Ludwig Georg mit Rokokostuck belegt. Diese Arbeiten wurden vom Bildhauer Johannes Schütz ausgeführt.

Je weiter man hierbei vom Ahnensaal ausgehend von Saal zu Saal vorschreitend in die Schlafgemächer gelangt, desto verzierter und pompöser werden die Gemächer. Von den Möbeln ist so gut wie nichts mehr erhalten geblieben, so dass man hier auf Versteigerungen angewiesen ist, um das Bild zu vervollständigen.

Beeindruckend ist auch die Bodenornamentik, die in verschiedenen Hölzern ausgelegt ein Zeugnis hoher Handwerkskunst darstellt."

In den Räumen durfte nicht fotografiert werden.


Nach der Führung durch das Schloss verspürten alle ein wenig Hunger, das Wetter spielte so gut mit, dass wir draußen sitzen konnten!

Nachdem wir uns die Ruhepause gegönnt hatten, trafen wir uns wieder - Anne-Grete/Tettane hatte angeboten, uns durch die Stadt zu führen. Kompetenter hätte das eine "offizielle" auch nicht machen können - großes Kompliment an Dich!

Nachfolgend sind Anne-Grete's Notizen zur Stadtführung eingefügt:

Anne-Grete wies uns auf zwei erhaltene ehemalige Kavaliershäuser an der Herrenstraße hin, eines zu Ehren des Baumeisters Rossi und nach ihm benannt. Sie wurden bereits um 1700 vom Architekten und Baumeister Rossi erbaut und galten als zwei der wertvollsten Wohngebäude der Stadt.

Rastatt
- So konnte auch Aali daran teilhaben! -

Der Grundstein für die evangelische Stadtkirche wurde bereits 1702 gelegt. Nach dem Tod des Markgrafen Ludwig Wilhelm machte Sibylla Augusta Lorenzo die Sale zum neuen Hofbaumeister. Der plante die Kirche um. 1717 wurde die Kirche der unbefleckten Empfängnis Marias geweiht. Zur Kirche gehörte ein Kloster, das während der Säkularisation 1803 aufgehoben wurde. Die Truppen Napoleons nutzten 1805 die Kirche als Lager für Heu und Stroh. 1807 wurde die Kirche der evangelischen Stadtpfarrgemeinde übergeben.

Die Bernharduskirche ist die älteste Kirche in Rastatt und wird erstmals schon 1207 als Pfarrkirche erwähnt. Sie wurde in den Kriegswirren des 17. Jahrhunderts schwer beschädigt. 1771 wurden die Kriegsfolgen beseitigt und die Kirche umgebaut und dem seligen Bernhard von Baden geweiht.

Leider war die Kirche geschlossen und konnte nicht besichtigt werden.

Rastatt
- eine bessere Stadtführerin hätten wir uns nicht vorstellen können -

Das Rathaus wurde von 1716 und 1721 nach Plänen von Michael Ludwig Rohrer gebaut.

Der Alexisbrunnen wurde, nachdem Rastatt in den Jahren 1723 und 1728 von Erdbeben heimgesucht worden war, errichtet. Die Bevölkerung stand diesen Naturgewalten hilflos gegenüber und rief in Fürbitten u. a. den heiligen Alexis von Edessa an, der vor Erdbeben schützen soll. 1739 ließen der Markgraf Ludwig Georg und sein Bruder August Georg diesen Brunnen zu Ehren des Heiligen errichten. Wie aus einer lateinischen Inschrift am Brunnen hervorgeht bekam der Brunnen aber erst im Jahre 1770 Wasser. Zu der Zeit hatte August Georg, der seinem verstorbenen Bruder als Markgraf folgte, schon die Regentschaft übernommen

Die katholische Stadtkirche St. Alexander wurde vom markgräflichen Baumeister Johann Peter Ernst Rohrer im Jahre 1756 erbaut. Einweihung im Jahr 1764. Sie ist eine beispielhafte spätbarocke Kirche.
Im Eingangsbereich die Grabplatte für Peter Ernst Rohrer.
An der Frontseite 4 große Heilige
Der heilige Donatus, der vor Gewittern schützen soll
Der Heilige Karl Borromäus, Beschützer gegen die Pest
Der heilige Antonius von Padua, Beschützer gegen Überschwemmung
Der Heilige Florian, beschützt gegen Feuer

Die Einsiedelnkapelle in Rastatt ist ein Nachbau der Einsiedeln Kapelle in Schlackenwerth. Sie wurde von Johann Michael Ludwig Rohrer 1715 erbaut, man nimmt an als Dank für den in Rastatt geschlossenen Frieden, der die spanischen Erbfolgekriege beendete. Außenfassade: Direkt über dem Eingang zwei Putten, die das markgräfliche Wappen tragen, Der Giebel wird von korinthischen Säulen getragen, gekrönt von Maria auf der Mondsichel, seitlich zwei Heilige, der heilige Benedikt von Nursia und der heilige Meinrad von Einsiedeln, der auch seine Ruhestätte in Einsiedeln hat. Im schlichten Innern findet man eine Nachbildung des Gnadenbildes der Einsiedeln-Kapelle in der Schweiz.

Pagodenburg, ein Gartenschlösschen erbaut ebenfalls von Johann Michael Rohrer. Markgräfin Sibylla Augusta hatte im Nymphenburger Park die dortige Pagodenburg gesehen. 1922 wurde die Pagodenburg in Rastatt nach diesem Vorbild erbaut. Sie war ehemals Teehaus der markgräflichen Familie, Heute werden dort Ausstellungen gezeigt.

Rastatter Rätsel Brunnenplastik von Jürgen Goertz auf dem Bahnhofsvorplatz Auflösung des Rätsel mit einer zweiten Plastik beim Museumstor. Der Schirm ist abgenommen und dient als Brunnen. Eine der beiden Gestalten ist als Picasso zu identifizieren - also eine Hommage an Picasso

Zum Schluss zwei Zitate:

Ein Ausspruch des römischen Prälaten Garampi, der auf der Durchreise 1762, wenige Monate nach der Regierungsübernahme durch Markgraf August Georg, Rastatt besucht:

“Rastatt ist eine kleine Stadt ohne Mauern und hat sehr niedere Gebäude mit nur zwei Reihen von Fenstern. Doch ist sie gefällig durch die Gleichförmigkeit ihrer Bauart, da alle Häuser im gleichen Stil und gleicher Höhe erbaut und alle Gebäude und alle Straßen gerade sind und sich rechtwinklig durchkreuzen. Die allgemeine Bewunderung verdient das auf etwas erhöhtem Platz zu Beginn dieses Jahrhunderts von dem Markgrafen (Ludwig Wilhelm) erbaute sehr schöne Schloss, das einen überaus prächtigen und geschmackvollen Anblick darbietet.”
*Quelle: Hans-Georg Kaack: Markgräfin Sibylla Augusta, Seite 188/189

Ca. 100 Jahre später gibt der Heimatdichter, Geistliche und Politiker Heinrich Hansjakob, der in Rastatt das Gymnasium besuchte, ein ganz anderes Urteil über die Stadt ab:

“Ich bin ein alter Schwärmer für Rastatt, aber nie habe ich, mich nicht ausgenommen, einen Menschen gehört, der behauptet hätte, in Rastatt sei’s schön.”


Rastatts Geschichte als Residenzstadt endet nach nur 72 Jahren als der letzte Markgraf August Georg 1771 kinderlos stirbt. Danach werden die Markgrafschaften Baden-Durlach und Baden-Baden nach 200 jähriger Trennung wieder vereinigt. Residenz bleibt Karlsruhe.
Rastatt versinkt in einen Dornröschenschlaf bis es Garnisons- und Festungsstadt wird und vor allem während der Badischen Revolution von 1848 eine entscheidende Rolle spielt. Aber das sind andere Geschichten.

Wir kamen wieder am Bahnhof, einem Jugendstilgebäude an, und konnten voller neuer, informativer Eindrücke die Heimfahrt antreten.

Das haben wir Dir zu verdanken, liebe Anne-Grete - Du machst das professionell, vielen Dank nochmals!

Rastatt
- Unser Aali konnte nun endlich sein wohlverdientes Schläfle halten -

Den Bericht habe ich mit Hilfe von Anne-Grete's Aufzeichnungen (z.T. aus Wikipedia sowie aus dem "Historischen Stadtrundgang) und mit Kopieren von einigen Wikipedia-Artikeln erstellt (dies habe ich an den entsprechenden Stellen vermerkt).

Fotos: Oleander/Anke

Autor: Anmargi

Margit Anhut

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