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Musy rief – und viele kamen,

wissen die Freiburger FA’ler doch, dass Musys Vorträge, stets lehrreich und unterhaltsam zugleich, etwas ganz Besonderes sind. Das bunte Herbstlaub und der blaue Himmel hat 24 Freunde an diesem Nachmittag nicht zu einem Ausflug ins Freie verführt. Sie sind Musys Lockruf gefolgt, die Märchenforscherin referierte an diesem Nachmittag über das Leben und Werk von Hans Christian Andersen.

Wir kennen und lieben seine Märchen doch, haben sicher viele von uns gedacht:


Des Kaisers neue Kleider.
Der standhafte Zinnsoldat
Die Nachtigall
Die kleine Meerjungfrau

Und viele mehr

Was kann es darüber Neues zu berichten geben?

Nun, Musy zeigte uns in ihren Ausführungen, dass viele dieser Märchen und Erzählungen besser zu verstehen sind, wenn man mehr über die Lebensgeschichte des Dichters weiß. Und so erfuhren wir von ihr:

1805 wird Hans Christian Andersen in Odense auf der Insel Fünen in drückenden wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen geboren. Der Vater ist belesen, wissbegierig, musisch veranlagt, die Mutter Analphabetin.

Der Tod des Vaters im Jahr 1816 trifft den Jungen sehr, hat dieser ihn doch stark geprägt. Der Vater hat vorgelesen, Märchen erzählt, dem Jungen die Augen für die Natur geöffnet und seiner Phantasie, die sich früh zeigte, freien Lauf gelassen.

1819, wenige Monate nach seiner Konfirmation, verlässt Hans Christian Andersen seine Heimatstadt endgültig, geht nach Kopenhagen und versucht sich mehrere Jahre als Sänger, Tänzer und Schauspieler – erfolglos.

1822 vermittelt ihm der Theaterdirektor Jonas Collin ein Stipendium für den Besuch der Gelehrten Schule von Slagelse. Ein Jahr nach dem Abitur legt Andersen 1829 das Examen philologicum et philosophicum ab.

Der Familie Collin wird Andersen sein Leben lang verbunden bleiben. Der Sohn Edvard Collin wird und bleibt sein distanzierter, aber treuer Freund und Vermögensverwalter. Dessen Sohn Jonas (der Jüngere) begleitet Andersen später viele Jahre auf seinen Europareisen.

In den Jahren seiner Schulausbildung schreibt er unermüdlich Gedichte, Theaterstücke, Romane, ebenfalls erfolglos und heute vergessen.

1830 veröffentlicht Andersen seinen ersten Gedichtband. In diesem Jahr verliebt er sich in Riborg Voigt, die Schwester eines Studienkameraden. Sie war bereits verlobt, damit für ihn unerreichbar. Diesem Verhaltensmuster folgte Andersen sein ganzes Leben lang. Er verliebte sich im Laufe seines Lebens oft, auf die unterschiedlichste Weise. Er blieb dabei aber stets in der Rolle des verschmähten, ewig unglücklichen Jünglings, des schüchternen Liebhabers.

1831 tritt Andersen seine erste Deutschlandreise an. Von nun an wird er ein vierzigjähriges Reise- und Künstlerleben führen. Dreißig lange Reisen führen ihn durch ganz Europa und den Orient bis nach Konstantinopel. Und er wird sein ganzes Leben Gast sein ....

Andersen
- Freund und Förderer, Jonas Collin -

1835 erscheinen die ersten beiden Hefte mit Märchen, darunter: „Däumelinchen, Das Feuerzeug, Der Reisekamerad... „ Da konnte Andersen noch nicht ahnen, dass die Märchen der Erfolg seines Lebens werden sollten, hatte er diese Geschichten doch eigentlich nur geschrieben, weil er dringend Geld brauchte.

Die dänische Literaturkritik reagierte zunächst mit Schweigen, später erschienen vernichtende Rezensionen. Die Märchen waren, nach Ansicht der Kritiker, schädlich, verderblich für Kinder und Eltern. Literarische Texte durften keine Umgangssprache oder gar Lautmalerei enthalten. Im Ausland stießen die Märchen auf mehr Interesse und Verständnis.

Andersen
- Dänische Briefmarke -

1837 erscheint das dritte Heft „Märchen, erzählt für Kinder“. In „Die kleine Seejungfrau“ verarbeitet Andersen literarisch seine unerfüllte, unerfüllbare Liebe zu Edvard Collin. In „Des Kaisers neue Kleider“ behandelt er menschliche Eitelkeit und die Angst vor der Blamage, in „Die Prinzessin auf der Erbse“ seine eigene Hypochondrie.

Soeren Kierkegaard, der dänische Philosoph und Schriftsteller, greift Andersen scharf an, seine Märchen seien zu naiv und sentimental. Andersen karikiert daraufhin den Philosophen in seinem Märchen „Die Galoschen des Glücks“. Andersen und Kierkegaard bleiben bis zum Lebensende Rivalen. In späteren Jahren verhalten sie sich gegenseitig respektvoll, bleiben aber unversöhnt.

1838 wird Andersen ein jährliches königliches Künstlerlegat zugesprochen, damit ist er wirtschaftlicher Sorgen enthoben.

1843 verliebt Andersen sich in die schwedische Sängerin Jenny Lind. Aber auch diese Liebe bleibt unerfüllt und wird zu Literatur, dem Märchen „Die Nachtigall“.

Im Jahr 1843 beginnt aber auch eine neue Reihe von Märchenheften, dies Mal ohne den Untertitel „erzählt für Kinder“. Hierin erscheint „Das hässliche junge Entlein“. Das Märchen wird gleich nach Erscheinen ins Deutsche und Englische übersetzt. Es hat im Ausland großen Erfolg und wird zu Andersens Visitenkarte, die ihm Zugang zu den höchsten Kreisen und Höfen in ganz Europa verschafft. Dass er hier symbolisch seine eigene Lebensgeschichte darstellt, ist offensichtlich. Andersen sagt selbst dazu: „Es tut nichts, in einem Entenhof geboren worden zu sein, wenn man nur in einem Schwanenei gelegen hat“.

Andersen
- Foto Andersen, aufgenommen am 21.3.1866 in den Haag von M. Verweer -

Auf dem Zenit seines Erfolges ist Andersen nun. Er reist, liest an den Fürstenhöfen, ist 1855 Gast des bayerischen Königs, bekommt Orden und Ehrenernennungen. Eine enge Freundschaft verbindet ihn mit dem Erbgroßherzog Carl-Alexander von Sachsen-Weimar. Er begegnet Carl Maria von Weber, Alexander von Humboldt, Bettina von Arnim, den Brüdern Grimm, Charles Dickens, Clara und Robert Schumann ....

Von Clara Schumann stammt angeblich das Verdikt, der dänische Märchendichter sei der hässlichste Mann, den es gibt. – Die FA-Zuhörerinnen an diesem Nachmittag fanden ihn ganz und gar nicht hässlich.

Andersen
Andersen liest Kindern vor, Gemälde von Elisabeth Jerichau-Baumann, 1862, Odense Bys Museer

Schmunzelnd erzählte Musy uns von der absonderlichen, schrulligen Seite des erfolgreichen Schriftstellers. Es habe stets ein Zettel neben seinem Bett gelegen mit der Aufschrift „Ich bin nur scheintot“. Zu seinem Reisegepäck gehörte immer ein Seil, damit er bei Gefahr sofort fliehen konnte. Bei Lesungen musste sein Stuhl nah bei der Tür platziert werden, damit er unauffällig verschwinden konnte. Las er erwachsenen Zuhörern aus seinen Märchen vor, durfte es keinerlei Ablenkungen geben. Las er dagegen Kindern vor, hatte er immer Schere und Papier dabei und fertigte seine kunstvollen Scherenschnitte.

Warum verbinden wir mit dem Namen Andersen ausschließlich den Märchendichter? Warum sind alle anderen Werke vergessen?

Weil hier ein Erwachsener erzählt, der das Wesen des Kindes respektiert, der zuhört, die Sprache der Kinder zu sprechen versteht. Das war eine literarische Sensation. Hans Christian Andersen ist der erste Dichter nach Rousseau, der Kinder wirklich ernst nimmt.

Die Gäste dieses Nachmittags waren sich nach einer Stunde aufmerksamen Lauschens einig: „Wir hätten auch noch länger zugehört“. Aber Musy schloss ihren Vortrag mit einem Briefzitat von Thomas Mann: „Immer habe ich eine Vorliebe gehabt für Andersens Märchen vom „Standhaften Zinnsoldaten“. Es ist im Grunde das Symbol meines Lebens“.(Thomas Mann an Agnes E. Meyer 10.2.1955)

Andersen
- Einer von Andersens letzten Scherenschnitten für seine Gastgeberin Frau Melchior, die ihn pflegte, 1874 -

Dass sich zum Ausklang eine fröhliche Kaffee- und Kuchenrunde anschloss, versteht sich schon fast von selbst. Und dabei sprachen wir natürlich auch darüber, wie viel Neues uns Musy aus ihrem reichen Wissensschatz vermittelt hat. Unsere Anfangsvorstellung, wir kennen Andersen und seine Märchen doch, hat sie mit ihrem Vortrag gründlich revidiert.

Anmerkung: Für vertiefende Datenrecherche zusätzlich zu Musys Vortrag vom 28.10.2013 habe ich als Quelle benutzt: Hans Christian Andersen. Eine Biographie von Jens Andersen. – Frankfurt, 2005


Fotos: Henri

Andersen
- rechts: Henri, der die Fotos der Teilnehmer-/innen aufnahm -
Andersen
- vorne links ist Sternwald/Barbara zu sehen, die Verfasserin dieses hervorragenden Berichtes! -

Autor: sternwald

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