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Gerhard Richter – eine Fahrt nach Riehen am 12. August 2014

14 Freiburger FA’ler waren’s, die sich sehr auf die Gerhard Richter Ausstellung freuten und genau 5 kamen zusammen fürs Baden-Württemberg-Ticket, das gibt es selten und passte genauso gut wie Wetter und Stimmung passten! Ein wenig umständlich war die Bahnfahrt mit Umsteigen
wegen der Baustelle am Isteiner Klotz, aber alles klappte problemlos mit den Anschlüssen. In Riehen nahmen uns Trudel und Peter in Empfang und los liefen wir in Richtung Beyeler Fondation.

Schön sind die Außenanlagen und insbesondere die Architektur dieses Museums selbst.

Richter’s Betty auf den vielen Litfaßsäulen in Freiburg hatte schon lange vor dieser Fahrt einige von uns angesprochen. Heute konnten wir das Original sehen. Betty ist nicht unbedingt als ein 11-jähriges Mädchen zu sehen, sie wirkt älter. Ihr Gesicht abgewandt, ihr Oberkörper jedoch dem Betrachter zugewandt, hat Richter ihre Anonymität gewahrt – ein faszinierendes Bild (kein Foto!), Öl auf Leinwand.

Gerhard Richter ist 1932 in Dresden geboren und lebt heute in Köln. Nach seiner Flucht in den Westen 2 Jahre nach seinem Besuch der Documenta in Kassel beginnt er seine Laufbahn als einer der bedeutendsten Künstler unserer Zeit. Im Museum ausgestellt sind Portraits, Stillleben, Landschaften sowie abstrakte Werke; alle seine Schaffensphasen sind vertreten. Er hat in Werken oder in Werkgruppen, in Serien oder Zyklen gearbeitet. Seine Werke werden zu Höchstpreisen veräußert!

Als ob das Museum für diese vielseitigen Bilder gebaut wäre, so steht es in der Basler Zeitung und genauso habe ich es empfunden, am meisten jedoch bei den „Strip“-Bildern, große Injektdrucke, die er auf Aluminium aufzog und mit Plexiglas überdeckte. Sie beherrschen die beiden Seitenwände des Raumes, horizontale Farbstreifen verwirrend und zugleich anziehend. Aber auch bei seinen Rhomben und den Cages. In Saal 5 waren seine acht Bildtafeln der Serie „Grau“ zu sehen – ganz besonders interessant waren sie für mich, als sich hier zufällig Museumsbesucher in schwarz-weißer und grauer Kleidung vor diesen Werken aufhielten.

Rührende und intime Bilder sind die der achtteiligen Portraitserie „S. mit Kind“, auf persönlichen Fotografien basierend. Stimmungsvoll die Winterbilder, der „Eisberg im Nebel“. Zu seinen Bildern, hergestellt mit der Rakel, sagt er selbst: „Bewusst kann ich nicht
berechnen was kommt. Aber unbewusst ahne ich es doch. Das ist ein schöner Zwischenzustand.“
Ich war froh zu wissen, dass die zwölfteilige Serie „Wald-Zyklus“ hieß. So konnte ich mich bei diesen abstrakten Bildern sehr gut in die unterschiedlichen Stimmungen eines Waldes begeben, hervorgerufen durch Lichteinfall, Dunkelheit, Dickicht, Mystik, Verlorenheit oder
Geborgenheit. Auch ich konnte mich einer Betroffenheit nicht erwehren, als ich vor den zum Teil verwischten, oder undeutlich gemalten Bildern des Baader-Meinhof-Zyklus‘ stand. Ich konnte seinerzeit die Begebenheiten rund um die RAF nur schwer nachvollziehen.

Die „7 Scheiben (Kartenhaus)“ in Saal 12 stellt (wie in Saal 4) weitere seiner Glasarbeiten dar. Richter stellt gläserne Scheiben in den Raum und – so steht es in „Saaltexte“: - vermittelt den Eindruck eines Ablösens der (Bild-) Fläche von den Wänden. Er beschreibt die Glasobjekte als „Tore zum Nichts“. Flächen werden verdoppelt, verkehrt und zerschnitten. Das Kippen der Scheiben aus der Vertikalen unterstreicht die Fragilität des Materials und die prekäre Balance. Glas – Symbol (alles sehen/nichts begreifen“.
Fünf Versionen hat Richter von der „Verkündigung nach Tizian“ in abstrakten Formen und in Rot-, Blau- und Schwarztönen gemalt. „Er nähert sich in steigenden Abstraktionsgraden dem Renaissancebild an“ (aus der Broschüre „Saaltexte“).

An dieser Stelle auf alle ausgestellten Werke einzugehen wäre unmöglich. Die Ausstellung dauert noch bis zum 7. September und wie ich finde lohnt sie sich auf jeden Fall!

Mit diesem Eindruck verließen wir die Fondation, zufrieden stärkten wir uns vor der Bahnfahrt noch ein wenig. Trotz längerer Aufenthalte in Basel und Müllheim verging die Zeit wie im Flug: wie immer ging der Gesprächsstoff nicht aus und überbrückte diese Wartezeiten.

Ich weiß, andere hätten anders geschrieben, aber ich kann hier natürlich nur meine persönlichen Eindrücke wiedergeben.

Fotografieren war natürlich wie üblich, nicht erlaubt.

Ein guter Tag war das wieder.


Fotos: anmargi

Autor: Anmargi

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