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Was hat sich bei den 33 Mitgliedern der Feierabend Regiogruppe Freiburg von dem Ausflug am 11. Juni 2013 nach Lautenbach im Renchtal wohl am stärksten eingeprägt? Sicher die Hingabe, die Liebe, mit der Herr Huber uns durch seine Kirche führte, das Herzblut, das in jedem seiner Sätze für uns spürbar wurde.

Lautenbach
- Wilfried/Greybear, unser privater Chauffeur! -

Doch gemach, so weit sind wir noch nicht. Als Berichterstatterin (s.u. rechts) sollte ich von Anfang an erzählen. Abfahrt am Konzerthaus Freiburg. Welch ein Luxus, ein eigener Busfahrer! Mit unserem Mitglied Wilfried/Greybear als professionellem Busfahrer kann unterwegs auch mal schnell eine Routenänderung besprochen werden. Die Fahrt geht über Offenburg, vorbei an der Staufenburg, Durbach ins Renchtal. Während der Fahrt bekommen wir von Annegrete schon Informationen zur Geschichte des Klosters Allerheiligen. Rund um meinen Platz höre ich es wispern: “Was ist das schön hier. Hier war ich noch nie. Da muss ich unbedingt noch einmal hinfahren!“. Weinberge, soweit das Auge reicht. Die Namen der Rebsorten erfahren wir en passant von Annegrete. Erdbeerfelder, mächtige Kirschbäume, überbordender Blumenschmuck an den Balkonen und Rosen, Rosen, Rosen die an Hauswänden hinaufklettern. Wer hat den treffenden Ausdruck vom Paradies am Oberrhein geprägt?

Zu unserer großen Freude steht in Lautenbach die Regionalbotschafterin aus Offenburg mit einer Begleiterin, schließt sich der Besichtigung an. Herzliche Begrüßung, wir verbringen ein paar harmonische Stunden miteinander.

Lautenbach
- die beiden aus Nordhorn: Trudel und Nordlicht -

Vor der Kirchentür wartet bereits der pensionierte Lehrer Rudolf Huber darauf, uns Näheres über die Pfarr- und Wallfahrtskirche „Mariä Krönung“ zu erzählen. Das Westportal, durch das wir in die Kirche eintreten, ist einfach. Sein Schmuck ist eine fast lebensgroße Muttergottesfigur aus weißem Sandstein. Maria wird von zwei Engeln gekrönt. Aber es ist keine Himmelskönigin, die hier vor uns steht. Wir sehen eine schöne junge Frau, die ein lebhaftes Baby zu bändigen scheint. Es hält sich mit beiden Händen und den kleinen Füßen am Gewand der Mutter fest. Eine sehr menschliche, liebevolle Muttergottes, die hier zu uns herab lächelt.

Von Herrn Huber erfahren wir nun, dass der Beginn der Wallfahrt zu Lautenbach wieder einmal mit einer Sage verbunden ist. Ein Hirte habe das Wallfahrtsbild in einem Baum gefunden. Beginn der Wallfahrt soll um 1190 gewesen sein. Die Chorherren des Prämonstratenserklosters Allerheiligen, die vom Bischof von Straßburg zur Betreuung der Wallfahrt verpflichtet worden waren, nennen das Jahr 1303.

• Anmerkung: Die Prämonstratenser verstehen sich nicht als Mönchsorden, sondern als Gemeinschaft von Priestern mit Ordensgelübde. Sie verbinden das kontemplative, monastische Leben mit der nach außen gerichteten Seelsorge und leben nach der Augustinusregel. Der Orden wurde 1120 in Prémontré, bei Laon, gegründet.

Zunächst wurde nur eine kleine hölzerne Kapelle errichtet. 1470, nach einem Brand im Kloster Allerheiligen, zog der Konvent nach Lautenbach, richtete sich dort ein, bis der Neubau in Allerheiligen wieder bewohnbar war. Wer die Kirche über die kleine, hölzerne Wallfahrtskapelle zu bauen begonnen hat, ist nicht durch Urkunden belegt. Aber 1471 wurde der Bauauftrag an Hans Hertwig von Bergzabern erteilt und der Grundstein gelegt. Hans Hertwig gehörte zur Straßburger Bauhütte. Dort ist er auch am Münster durch sein Steinmetzzeichen nachzuweisen. Es entstand die einschiffige Saalkirche mit gotischen Netzgewölbe und der Chor. Um 1482 muss der Bau im Wesentlichen vollendet gewesen sein.

Man begann mit der Ausstattung mit Glasfenstern. Von den ursprünglich 81 Scheiben der Zeit von 1482 – 1488 sind nach über 5 Jahrhunderten noch 59 erhalten. Sie können der bedeutenden Straßburger Werkstattgemeinschaft von Peter Hemmel zugeschrieben werden. In dieser Werkstatt erreichte die Glasmalerei einen künstlerischen und technischen Höhepunkt. Die Scheiben zeigen meist Marienthemen, diese werden flankiert von Scheiben mit Stifterfiguren. Das Besondere in Lautenbach – die Scheiben im Langhaus sind von bürgerlichen Familien und Bauern gestiftet worden.

1483 wird die Kirche vom Bischof von Straßburg geweiht. Zitat aus des Chronik des Adalbert Hardt: „Bei der Einweihung der neuen großen Kirche 1483 sagte der Bischof von Straßburg, dieses Bildnis verdiene wohl eine besondere Kapelle zu haben, welche auch gleich verakkordiert worden, um 1900 Goldgulden“

• Anmmerkung: verakkordieren heißt wohl so viel wie Auftrag erteilen, Vertrag abschließen

Also wird nun die unscheinbare Kapelle abgebrochen. Ein Baumeister ist nicht bekannt, aber in 4 Jahren entsteht an ihrer Stelle eine prachtvolle neue Gnadenkapelle im spätgotisch, flamboyanten Stil, die das Gnadenbild einer stehenden Muttergottes umschließt.

Lautenbach
- der gotische Lettner -

Mit dem Einbau des Lettners und der Ausstattung mit den Fenstern ist der Bau dann vollendet. Die Schlussweihe findet 1488 statt. So haben wir nun 3 Kirchen unter einem Dach. Die Klosterkirche hinter dem Lettner, die Volkskirche im Langhaus und die Gnadenkapelle. In diesem Zustand verblieb die Kirche bis sie 1815 Pfarrkirche wurde. Fast unversehrt kam sie durch die Wirren des 30jährigen Krieges und die Brände des Pfälzischen Erbfolgekrieges.

Genauso liebevoll und lebendig wie die Baugeschichte erläuterte Herr Huber uns die wertvollen Kunstwerke der Kirche, zu denen der Lettner gehört. Es gibt in Deutschland nur noch acht erhaltene gotische Lettner. Der Lautenbacher erfüllt an bestimmten kirchlichen Festtagen, am Tag der Kreuzfindung (3.Mai) und am Tag der Kreuzerhöhung (14. September) und an den Fatimatagen noch seine liturgische Funktion. Das Kruzifix auf dem Lettner wird der Schule des Bildhauers Nikolaus Gerhaert zugeschrieben.

Große Kostbarkeiten sind die spätgotischen Schnitzaltäre, als Flügelaltäre gestaltet. Zitat Huber: „damit man in der Bußzeit mit den Augen fasten kann“. Der rechte hat im zweiteiligen Schrein die Standbilder der Hl. Wolfgang und Martin, auf der Außenseite findet sich eine Wiederholung dieser beiden Heiligen.

Der linke Seitenaltar gilt als zweites Wallfahrtsziel in der Kirche. Er zeigt im Mittelfeld eine Pietà, in den Seitennischen die Apostel Philippus und Jakobus, auf den geöffneten Flügeln die Hl. Katharina und Barbara. Im geschlossenen Zustand sehen wir auf den Flügeln eine zauberhafte Verkündigungsdarstellung. Sie gehört zum Besten der oberrheinischen Malerei dieser Zeit

• Anmerkung: in meiner kleinen Privatbibliothek befindet sich ein Kunstführer über die Lautenbacher Kirche aus dem Jahr 1968. Darin ist noch von einer möglichen Zuschreibung an den jungen Grünewald oder Baldung Grien die Rede. Inzwischen ist die Fachwelt von dieser Meinung abgerückt

Wie gut, dass wir als Gruppe unterwegs waren und Herr Huber bei uns war. Die Alarmanlage war ausgeschaltet, für gute Beleuchtung war gesorgt. Wir konnten den Hochaltar, einen der schönsten spätgotischen Flügelaltäre unseres Landes, aus der Nähe betrachten. Einzelreisende haben diese Möglichkeit oft nicht.

Der Hochaltar zeigt gleichermaßen qualitätvollste Bildhauer- und Malerarbeit. Der Schrein ist in 3 hohe schmale Arkadennischen unterteilt, von farbigen Alabasterscheiben hinterfangen. Reiches Rippen- und Rankenfiligran in den Baldachinen, Trauben- und Rebblätter im Außenbogen. Im durchbrochenen Mittelchörlein eine Muttergottes auf der Mondsichel, die von Engeln gekrönt wird. Seitlich sind ihr die beiden Johannes - Johannes der Täufer und Johannes der Evangelist - zugeordnet. Hoch oben, im Gesprenge, Christus als Schmerzensmann. Auf den Flügeln zeigen die Tafelgemälde in geöffnetem Zustand das Leben Christi: Christi Geburt, Beschneidung, Anbetung der Hl. Drei Könige, Darstellung im Tempel, im geschlossenen Zustand das Marienleben: Mariä Geburt, Verkündigung, Heimsuchung, Mariä Tod.

Exemplarisch für die anderen Tafelbilder erläuterte Herr Huber uns am Bild der Hl. Drei Könige wie viel theologisches, völkerkundliches man diesen Bildern entnehmen kann. So sollen wir die drei Gestalten symbolisch verstehen, stellvertretend für die Lebensalter: den Jüngling, den reifen Mann, den Greis oder auch als Stellvertreter für die im 15. Jahrhundert bekannten Erdteile. Jüngling = Europa; reifer Mann = Abendland; Greis = Morgenland. Wenn er noch mehr Zeit gehabt hätte, wir wären nicht müde geworden unserem Führer noch weiter zuzuhören. Bestimmt hätte er uns in jedem der Tafelbilder auf weitere Details aufmerksam gemacht.

Emotional wurde es noch einmal, als er berichtete, dass 1939 die Kirche leergeräumt worden ist, es aber Jean-Julien Weber, dem Bischof von Straßburg, gelang, in Verhandlungen zu erreichen, dass alles zurückgegeben wurde und Frankreich darauf verzichtete, Kunstwerke aus Kirchen zu beschlagnahmen.
Seine, diese Kirche kann uns also weiterhin eine Vorstellung davon vermitteln, wie reich die künstlerische Ausstattung spätmittelalterlicher Kirchen war. In vielen Kirchen und Klöstern ist diese verloren gegangen oder dem Zeitgeschmack angepasst worden.

Jetzt hätte ich fast vergessen zu erwähnen, dass die Kirche auch noch eine Kanzel aus der Renaissance mit reicher Intarsienarbeit und Arbeiten des Breisacher Künstlers Helmut Lutz besitzt: einen modernen Zelebrationsaltar, Taufstein, Ambo und Sakramentshaus.

Soviel zur Führung durch die Kirche, der wir alle mit großer Anteilnahme gefolgt sind. Es wurde Zeit für die Mittagspause im Lierbachtal, am Fuße der Allerheiligen- Wasserfälle. Bis wir uns alle gestärkt hatten, war dann der Tag schon so weit fortgeschritten, dass die Zeit für den geplanten Aufstieg, am Wasserfall entlang zur Klosterruine Allerheiligen, nicht mehr reichte. Also mit dem Bus hinauf, durch die Fensterscheiben einen Blick auf das enge Tal geworfen, den herrlichen Laubwald, im noch frühlingszarten Grün.

Über die enge Verbindung zwischen Lautenbach und dem Konvent Allerheiligen hatten wir gerade viel gehört. Nun erläuterte Anne-Grete uns noch, was von dem einstmals ersten Denkmal der Gotik in Mittelbaden übrig geblieben ist. 1803 wurde das Stift säkularisiert. Der größte Teil der Chorherren zog mit seinem Abt nach Lautenbach. Der Blitz schlug in den Turm der Kirche ein, vieles wurde durch Brand zerstört. Die Baulichkeiten versteigerte man 1811 auf Abbruch. Die Natur führte das Zerstörungswerk weiter. Die Gewölbe der Kirche stürzten zusammen, die Klostergebäude ebenfalls, nur weniges ist stehengeblieben: die Westfassade, die südlichen Arkaden des Langhauses, die Seitenkapelle des südlichen Querschiffes, der Abschluss des nördlichen Querschiffes mit Treppenhaus.

Wir stehen in einer, zugegeben recht malerischen, Ruine. Der Rest der barocken Gartenarchitektur macht einen etwas traurigen Eindruck. Ob die stattlichen Forellen, die im barocken Wasserbecken schwimmen, wohl in den Bratpfannen des nahe gelegenen Wirtshauses verschwinden?

Lautenbach
- Gemütlicher Plausch in der Nachmittagssonne -

Auf jeden Fall gab es hier noch einmal eine Möglichkeit zum Schlemmen, Eis, Kuchen, Kaffee... Einige wenige versuchten, schnellen Schrittes, wenigstens noch einen Blick auf den Wasserfall zu werfen.

Und dann war unsere Zeit auch schon wieder um. Warum sind solche schönen Tage nicht einfach doppelt so lang, könnten da die Stunden nicht einfach langsamer vergehen? Hochinteressantes Ausflugsziel, Wetter gut, Landschaft schön, Stimmung fröhlich, Organisation prima. Herz, was begehrst Du mehr!

Dank an alle die an der Vorbereitung und Durchführung dieses Tages beteiligt waren: Anne-Grete und Wilfried und Margit.

- Rechts ist Barbara/Sternwald, die Schreiberin dieses ausgezeichneten Berichtes zu sehen -

Lautenbach
- auf diesem Bild ist links unser Fotograf Henri zu sehen -

- Anne-Grete, die Organisatorin dieses unvergesslichen Tages -

Fotos: Henri und Margit/anmargi

Autor: sternwald

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