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Nicht weniger als 21 liedsüchtige Feierabendler und -innen trafen sich bei schönstem sonnigem, wenn auch kaltem Winterwetter im Foyer dieser einmaligen Forschungseinrichtung in der Rosastrasse 17 -19.

Natürlich hat unsere Musy das für uns arrangiert, wofür ihr unser herzlicher Dank gilt. Die Führung durch das Haus und die ausführlichen Instruktionen zum Thema waren einer ehemaligen Kommilitonin Musys anvertraut, nämlich Frau Dr. Waltraud Linder-Beroud, die seit 1975 dem Archiv angehört, also auch einen Großteil seiner Geschichte schon miterlebt hat.

Dazu gehört in jüngster Zeit der Umzug in die Rosastrasse, wo die Mitarbeiter der Einrichtung erst seit 2011 „zur Miete wohnen“, wie Frau Dr. Linder-Beroud scherzhaft sagt. Denn geräumig und hell sind die Räume, alles frisch renoviert und einladend. Schon im Eingangsbereich springt uns ein Artikel der FAZ in die Augen, der unter der Überschrift: „Gute Menschen haben Lieder“ die Geschichte des Archivs wissenschaftlich beleuchtet (20. Mai 2012).

Bei der Erörterung der Geschichte des Deutschen Volksliedarchivs sind zwei Stränge zu beachten:

Erstens die Anfänge der Volkslied-Forschung seit dem späten 18. Jahrhundert, verbunden vor allem mit dem Namen Johann Gottfried Herder, der zwar keine Feldforschung trieb, dafür Gedrucktes europaweit sammelte, was dann zur Herausgabe der „Stimmen der Völker in Liedern“ (1803) führte. Nicht viel später ließen Achim von Arnim und Clemens Brentano des „Knaben Wunderhorn“ erscheinen (1806), wo allerdings nur deutschsprachige Lieder gesammelt sind. Hoffmann von Fallersleben gab schlesische Lieder heraus, Niederdeutsches, dichtete auch selbst manche Strophe zu Liedern hinzu oder änderte sie ab. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts führte diese Entwicklung dann zu „Der deutsche Liederhort“ von Erk und Böhme, ein Werk in 3 Bänden mit nicht weniger als 2.175 Liedern und deren Varianten.

Zweitens der eigentlichen Gründung des Freiburger Volksliedarchivs im Jahre 1914, die mit dem Namen John Meier verknüpft ist, der in seiner großbürgerlichen Villa in der Silberbachstrasse die Einrichtung aufbaute und stetig vergrößerte, bis zu seinem Tode im Jahre 1953. Danach ging es als Schenkung und „freies und selbständiges Forschungsinstitut“ in baden-württembergischen Landesbesitz über.

Volksliedarchiv
- John Meier -

Am Rande sei bemerkt, dass John Meier vor dem Freiburger Archiv ein entsprechendes für die Schweiz in Basel gegründet hatte, ein reger Germanist!

Kuriosität der Geschichte: da die Gründung 1914 erfolgt war, wurden bevorzugt Soldatenlieder gesammelt, die ja eine Liedgattung für sich darstellen. Und so werden Lieder nach Gattungen „eingeteilt“ nach Balladen, nach Liebes-, Trink-, Scherz-, Kirchenlied etc. Und da gibt es wieder Untergattungen wie Kunst- versus Volksballade, was sehr schön an dem Lied „Es waren zwei Königskinder“ gezeigt werden kann.

Anschaulich gemacht wird uns die Geschichte der Liedforschung dadurch, dass wir wesentliche Sammlungen mit eigenen Händen greifen dürfen, wenn auch spätere Nachdrucke. Übrigens hatten die ersten Sammler, die mehr Sprachwissenschaftler als Musiker waren, oft noch keine Notenbeispiele angeführt.

John Meier hat natürlich auch das eine oder andere publiziert, so etwa „Kunstlieder im Volksmunde“, in die wir ebenfalls hineinschauen dürfen.

Ja, und dann hat das Archiv zum 250. Geburtstag Goethes eine CD mit verschiedenen Vertonungen von Goethe-Liedern herausgebracht, die wir uns anhören dürfen - und auch erwerben.

Ein riesiger Monatskalender mit je einem charakteristischen Monatslied für die Schulklassen machte uns große Freude; er gehört zu der Bewegung, die dafür sorgen möchte, dass in den Schulen wieder mehr gesungen wird, und ist unter „singen-mit-kindern,de“ im Netz aufzurufen.

Nach soviel begeistertem Unterricht - die Hörer waren mit Fragen auch nicht faul - ging es zur Hausführung, die uns eine Ahnung von den Schätzen der Einrichtung gab: eine Präsenz-Bibliothek wissenschaftlicher Werke sowie von Gesangbüchern im Umfange von mehr als 70.000 Bänden, 230.000 mündliche Aufzeichnungen von Liedern, das alles vorzüglich archiviert, so dass der Zugriff auch zum ausgefallendsten Lied möglich ist. Dafür ist ein besonderes Klassifizierungssystem nötig, wie man sich denken kann.

Das Archiv gibt auch ein Jahrbuch heraus, interessiert sich für moderne Entwicklungen der Populärmusik und des Musicals, bereitet auch ein Songlexikon vor, nachdem es schon ein „historisch-kritisches Liederlexikon“ gibt.

Wen wundert es, dass bei dieser Fülle an Quellen und Material die Zeit dahinflog und wir unsere Wissbegier zügeln mussten zugunsten der Fressgier - denn Musy hatte fürsorglich für uns im „Casanova“ den Mittagstisch reserviert,
wo uns die Verspätung fast übel genommen wurde (oder war das eine Sonderform italienischen Humors ?) Jedenfalls ein runder Vormittag mit vielen Eindrücken und einer unermesslichen Fülle, wenn wir die paar Lieder bedenken, die wir im Repertoire haben.


Bericht: Udo als Gast

Fotos: Margit

Freiburg, 10. Dezember 2013

Volksliedarchiv
- Unser Gast Udo, der unseren Besuch im Volksliedarchiv so wunderbar und detailgenau wiedergegeben hat - herzlichen Dank dafür! -

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